Metaverse, Highscores und virtuelle Welten. Sind Spiele Flucht vor
der Realität, oder können sie uns helfen, die Realität besser zu
verstehen und neue Lösungen zu finden? Die Antwort darauf gibt uns
eine Wissenschaftlerin, die in beiden Welten zu Hause ist. Unser
heutiger Gast sammelte ihre ersten Erfahrungen mit pixeligen
Parallelwelten, noch bevor sie lesen und schreiben konnte. Und zwar
indem sie auf der DOS-Maschine ihres Vaters die richtigen Befehle
eintippte, um ein Spiel zu starten. Daraufhin wurde der Screen kurz
schwarz, dann erschien in großen Lettern der Titel „Prince of
Persia“ – eines der ersten und besten Jump’n’Run-Plattformspiele.
Die Story „Prinz rettet Prinzessin“ war zwar nicht ganz neu, die
Art und Weise, wie das Spiel umgesetzt wurde, sollte die Zukunft
und den Berufsweg der kleinen Lady vor dem Bildschirm aber für
immer prägen. Im Gespräch mit carpe diem-Host Holger Potye verrät
Dr. Johanna Pirker, derzeit Professorin für Medieninformatik und
Game Design an der Ludwig-Maximilians-Universität München, warum
Spiele für unsere Gesellschaft und die Weiterentwicklung der
Menschheit so wichtig sind. Wir diskutieren mit der Grazer
Wissenschaftlerin, die es 2018 in die Rubrik „30 unter 30“ des
Magazins „Forbes“ schaffte, über die Gefahren, die Games mit sich
bringen, erkennen aber auch das riesige Potenzial, das Spiele in
sich tragen. Denn der Mensch lernt am leichtesten spielerisch. Und
Spiele fördern erwiesenermaßen unsere Empathie. In dieser Episode
werden wir u. a. folgenden Themen begegnen: „Ready Player One“ /
Wie wir spielerisch lernen, moralische Entscheidungen zu treffen /
Prinzessin rettet Prinz / Wie sollen Eltern mit „Minecraft“
umgehen? / „Animal Crossing“ / Virtuelle Hochzeiten und Begräbnisse
/ Warum zockende Ärzte die besseren Chirurgen sind / Virtual
Reality für Schulen und den Healthcare-Bereich / „Black Mirror“
& „San Junipero“ … … und dem Metaverse. O-Ton Johanna: „Wir
haben gerade diese Metaverse-Diskussion – dass wir
Virtual-Reality-Brillen mit sozialen Erfahrungen verbinden wollen.
Da möchte ich darauf hinweisen und auch davor warnen, wie man das
designt. Wir müssen inklusive Welten schaffen und nicht Menschen
weiter ausschließen. Aber was machen wir? Das Erste, was uns
einfällt, ist, unsere reale Welt zu kopieren. Unsere reale Welt ist
far from perfect. Da gibt es so viele Baustellen, so viele Sachen,
die nicht schön sind. Und wir kopieren sie ins Metaverse, inklusive
Immobilienkrise. Dabei soll der digitale Raum unendlich sein. Aber
auch hier wird Raum künstlich rar gemacht und zu horrenden Preisen
verkauft. Wir haben bereits alle Formen von ‚ism‘ – Racism, Sexicsm
– in diesen virtuellen Online-Welten. Das ist traurig. Wir sollten
eine digitale Welt erschaffen, die offen für alle ist, und nicht
einfach unsere reale Welt mit allen Fehlern noch mal duplizieren.“
Viel Vergnügen mit diesem Podcast!Show Notes: Johanna Pirker
unterrichtet seit 2013 Game Engineering an der Technischen
Universität Graz und leitet dort das „Games Lab Graz“. Sie forschte
am renommierten M.I.T. für ihre Diplomarbeit und promovierte 2017
zum Thema „Virtuelles Lernen“. Nach einer Gastprofessur in Zürich
unterrichtet Johanna aktuell an der LMU München. Außerdem spielt
sie Keyboard in der Indie-Band Coinflip Cutie und sammelt Lego.
2018 schaffte sie es auf die Liste der 30 wichtigsten
Persönlichkeiten im Wissenschaftsbereich unter 30 Jahren. Sie
hostet den „eins & null“-Podcast und leitet einen Buchklub. Und
in ihrer Freizeit trifft man sie mitunter auch gerne mal auf
Berggipfeln. „Ready Player One“ ist ein SciFi-Roman von Ernest
Cline. „Black Mirror“ ist eine SciFi-Serie aus der Feder von
Charlie Brooker. „Prince of Persia“ ist ein PC-Spieleklassiker aus
dem Jahr 1989. „Path Out“ ist ein Videospiel der österreichischen
Spieleschmiede Causa Creations. „This War of Mine“ wurde von 11 Bit
Studios entwickelt....
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