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  4. "Wasser predigen und Wein trinken" - Gespräch mit Sandra Huebenthal
Im Lukasevangelium (11,42–46) kritisiert Jesus die Pharisäer und
Gesetzeslehrer. Sie achten penibel auf religiöse Vorschriften, etwa
auf die Abgabe des Zehnten von Kräutern und Gemüse, verlieren dabei
aber das Wesentliche aus dem Blick: die Liebe zu Gott und zum
Nächsten. Die Zehntabgabe sollte ursprünglich der Versorgung der
Priester und Leviten dienen. Jesus wirft seinen Gesprächspartnern
vor, sich in der Übererfüllung von Gesetzen zu verlieren und
zugleich das eigene Ansehen und ihre Privilegien in den Vordergrund
zu stellen. Auch das Bild von den unsichtbaren Gräbern hat einen
konkreten Hintergrund: Wer ein Grab berührte, galt als kultisch
unrein. Unmarkierte Gräber konnten Menschen unbemerkt
verunreinigen. So, erklärt Bibelwissenschaftlerin Sandra
Huebenthal, wird die Kritik an der Doppelmoral anschaulich:
Menschen predigen moralische Maßstäbe, handeln aber selbst
entgegengesetzt. Es gehe jedoch nicht darum, die Pharisäer direkt
mit heutigen Personen gleichzusetzen. Vielmehr lade der Bibeltext
dazu ein, die eigene Gegenwart kritisch zu betrachten – etwa dort,
wo Anspruch und Wirklichkeit auseinanderklaffen.Aus dem Evangelium
nach Lukas:In jener Zeit sprach Jesus: Weh euch Pharisäern! Ihr
gebt den Zehnten von Minze, Gewürzkraut und allem Gemüse und geht
am Recht und an der Liebe Gottes vorbei. Man muss das eine tun,
ohne das andere zu unterlassen. Weh euch Pharisäern! Ihr liebt den
Ehrenplatz in den Synagogen und wollt auf den Straßen und Plätzen
gegrüßt werden. Weh euch: Ihr seid wie Gräber, die man nicht mehr
sieht; die Leute gehen darüber, ohne es zu merken. Darauf erwiderte
ihm ein Gesetzeslehrer: Meister, mit diesen Worten beleidigst du
auch uns. Er antwortete: Weh auch euch Gesetzeslehrern! Ihr ladet
den Menschen unerträgliche Lasten auf, selbst aber rührt ihr die
Lasten mit keinem Finger an. (Lk 11,42-46)( Ständige
Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher
im deutschen Sprachgebiet)
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„"Wasser predigen und Wein trinken" - Gespräch mit Sandra Huebenthal“

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