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  4. 029 - Sparen: heilsam oder zerstörerisch?
Unser Tauschmittel Geld, die feste Bezugsgröße mit der wir den
Wert aller produzierten und gehandelten Dinge bewerten wollen,
wird nun selbst auf einem Markt gehandelt. Geld wird selbst zur
Ware, wie Kartoffeln oder Kaffeebohnen. Auf die Dauer kann das
nicht wirklich gut gehen. Ein gesetzlich anerkanntes Tauschmittel
muss einen verlässlichen und kalkulierbaren Wert haben. Es darf
nicht gleichzeitig auf einem eigenen Markt gehandelt werden und
dort ein Eigenleben führen. 

Dieser Handel mit Geld auf den Finanzmärkten folgt natürlich ganz
eigenen Regeln, die kaum noch einen Zusammenhang zu dem Handel
der realen Gütern haben. Es entsteht eine eigene Welt. Wir sehen
das immer wieder, wenn wir die Entwicklung des DAX beobachten.
Trotz lahmender Wirtschaft erklimmt der DAX einen Rekordwert nach
dem anderen. 

In der Tat entwickeln sich die Preise auf den Finanzmärkten nach
eigenen Spielregeln unabhängig von der Realwirtschaft.
Dummerweise gilt dies aber nicht umgekehrt. Kriselt es auf den
Finanzmärkten, sinken also die Vermögenswerte der Wertpapiere,
hat das erhebliche Auswirkungen auf das Vermögen und die Bilanzen
der Unternehmen und damit auch der gesamten Volkswirtschaft. Das
Geschehen auf den Finanzmärkten hat also eine große Bedeutung,
wenn es um das Wohl und Wehe in der Realwirtschaft geht. In der
Folge traut sich die Politik nicht, den Akteuren auf den
Finanzmärkten auch mal in die Speichen zu greifen. 

Das hat absurde Folgen mit großem Spaltungspotential für die
gesamte Gesellschaft. Durch Glück und durch geschickte
Anlagepolitik gelingt es einigen Anlegern sich unvorstellbar hohe
Vermögen auf den Finanzmärkten zu schaffen. Im Ergebnis davon
haben heute 1% der Menschen zusammen ein größeres Vermögen als
50% der armen Weltbevölkerung. 

Deutschland gehört seit vielen Jahren zu den Ländern mit einer
vergleichsweise hohen Sparquote. Die privaten Haushalte legen
seit gut 10 Jahren rund 10 bis 11 % ihres verfügbaren Einkommens
zurück. Dies ist im internationalen Vergleich eine der höchsten
Quoten Diese Sparquote entspricht statistisch durchschnittlich
etwa 280 Euro pro Person bzw. 550 Euro pro Haushalt und
Monat. 

Durchschnittlich heißt nicht, dass jeder Haushalt diese Sparsumme
aufbringen kann. Ein Viertel aller Haushalte kann gar keinen Cent
sparen, da sie ihr gesamtes Einkommen benötigen, um im Monat über
die Runden zu kommen. Andere Haushalte hingegen können es sich
leisten, wesentlich mehr als 280,00€ pro Monat
zurücklegen. 

Über die Jahre kommt bei einer so hohen Sparquote einiges an Geld
zusammen. Derzeit geht man von einer Sparsumme von knapp 10
Billionen € der Privathaushalte in Deutschland aus. Dieses Geld
fließt in der Regel nicht direkt in die Wirtschaft zurück. Ein
großer Teil zirkuliert auf den Finanzmärkten ohne Bezug zur
Realwirtschaft.

Wenn die Menschen viel von ihrem Einkommen sparen, werden sie
logischerweise weniger konsumieren. Es werden also weniger in der
Realwirtschaft produzierte Güter oder Dienstleistungen gekauft.
Verzichten die privaten Haushalte – aus welchen Gründen auch
immer – darauf mit ihrem Einkommen Güter zu kaufen und sparen es
lieber, kann damit eine ganze Lawine ins Rollen gebracht
werden. 

Sparen bedeutet dann weniger Nachfrage nach Konsumgütern und
weniger Umsatz für die Unternehmen. Die Kapazitäten werden nicht
mehr ausgelastet und die Gewinne sinken. Die Unternehmen müssen
nun ihrerseits über Kostensenkungen nachdenken, was häufig heißt,
Arbeitszeiten oder Gehälter zu kürzen oder gar Arbeitskräfte zu
entlassen. 

Damit steht noch mal weniger Einkommen für den Konsum zur
Verfügung und die bremsende Wirkung des Sparens wird verstärkt.
Die gesamte Volkswirtschaft kann dadurch in eine Krise geraten.
In einer solchen Krisenzeit ist der Staat dann gehalten durch
gezielte Maßnahmen die Wirtschaft am Laufen zu
halten. 

Zusammengefasst können wir also sagen: Sparen vermindert das
verfügbare Einkommen und kann dadurch die Wirtschaft ausbremsen,
sparen kann aber auch die Wirtschaft beleben, wenn das Geld an
der richtigen Stelle angelegt wird. Die heilvolle oder weniger
heilvolle Wirkung des Sparens liegt also durchaus in der Hand
desjenigen, der spart und seine Ersparnisse verteilt. 
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„029 - Sparen: heilsam oder zerstörerisch?“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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