Im Evangelium nach Lukas (11,5–13) ermutigt Jesus dazu, beharrlich
zu bitten: „Bittet, dann wird euch gegeben.“ Für Marie Euteneuer
bedeutet das jedoch nicht, dass Gebet wie eine Zauberformel
funktioniert, die Gott zu einem Wunschautomaten macht. Vielmehr
verspricht Jesus: Wir sind mit unseren Sorgen und Bitten nicht
allein. Zugleich bleiben wir selbst in der Verantwortung. Wer etwa
um Frieden bittet, ist auch aufgerufen, seinen eigenen Beitrag zum
Frieden zu leisten. Das Evangelium verbindet so Vertrauen auf Gott
mit menschlichem Handeln. Auch die Rede von den „bösen“ Menschen
versteht Euteneuer nicht als endgültiges Urteil, sondern als
Hinweis darauf, dass wir alle fehlerhaft sind. Gerade deshalb
dürfen wir darauf vertrauen, dass Gott uns seine Liebe und den
Heiligen Geist schenkt. Für den Alltag bleibt die Erkenntnis: Nicht
alles liegt in meiner Hand – aber für manches trage ich
Verantwortung und sollte mich einbringen.Aus dem Evangelium nach
Lukas:In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn einer von
euch einen Freund hat und um Mitternacht zu ihm geht und sagt:
Freund, leih mir drei Brote; denn einer meiner Freunde, der auf
Reisen ist, ist zu mir gekommen und ich habe ihm nichts
anzubieten!, wird dann der Mann drinnen antworten: Lass mich in
Ruhe, die Tür ist schon verschlossen und meine Kinder schlafen bei
mir; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben? Ich sage euch:
Wenn er schon nicht deswegen aufsteht und ihm etwas gibt, weil er
sein Freund ist, so wird er doch wegen seiner Zudringlichkeit
aufstehen und ihm geben, was er braucht. Darum sage ich euch:
Bittet und es wird euch gegeben; sucht und ihr werdet finden;
klopft an und es wird euch geöffnet. Denn wer bittet, der empfängt;
wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet. Oder
welcher Vater unter euch, den der Sohn um einen Fisch bittet, gibt
ihm statt eines Fisches eine Schlange oder einen Skorpion, wenn er
um ein Ei bittet? Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern
gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird der Vater im Himmel
den Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten. (Lk
11,5-13)( Ständige Kommission für die Herausgabe der
gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet)
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