Was bedeutet es, seinen Nächsten zu lieben? Im Evangelium nach
Lukas (10,25–37) erzählt Jesus die Geschichte vom barmherzigen
Samariter. Marie Euteneuer, theologische Referentin beim
Katholischen Gemeindeverband Düsseldorf sagt, es sei hier wichtig
zu wissen, dass ein Samariter damals nicht zum Volk Israel gehörte
- sondern ein Fremder sei. Ausgerechnet er hilft dem verletzten
Mann, während ein Priester und ein frommer Levit an ihm
vorübergehen. Für Euteneuer liegt darin eine zentrale Botschaft:
Nächstenliebe beginnt damit, hinzusehen. „Mit offenen Augen durch
die Welt gehen“ und wahrnehmen, wer Hilfe braucht – darum gehe es.
Jesus frage schließlich nicht: Wer gehört zu meinem Nächsten?
Entscheidend sei vielmehr die Frage: „Wer ist demjenigen zum
Nächsten geworden?“ Nächstenliebe werde damit zu einer konkreten
Handlung. Dabei umfasst die Liebe für Euteneuer dreierlei: die
Liebe zu Gott, zum Mitmenschen und auch zu sich selbst. Als Impuls
für den Alltag verweist sie auf Madeleine Delbrêl, die davon
sprach, in jedem Menschen Gott zu begegnen. Eine solche Haltung
könne helfen, auch schwierigen Menschen barmherzig zu begegnen.
Denn Handeln beginne immer mit einer Haltung – und diese könne der
erste Schritt sein, die Botschaft des Evangeliums im Alltag
lebendig werden zu lassen.Aus dem Evangelium nach Lukas:In jener
Zeit stand ein Gesetzeslehrer auf, um Jesus auf die Probe zu
stellen, und fragte ihn: Meister, was muss ich tun, um das ewige
Leben zu erben? Jesus sagte zu ihm: Was steht im Gesetz
geschrieben? Was liest du? Er antwortete: Du sollst den Herrn,
deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und deiner ganzen
Seele, mit deiner ganzen Kraft und deinem ganzen Denken, und deinen
Nächsten wie dich selbst. Jesus sagte zu ihm: Du hast richtig
geantwortet. Handle danach und du wirst leben! Der Gesetzeslehrer
wollte sich rechtfertigen und sagte zu Jesus: Und wer ist mein
Nächster? Darauf antwortete ihm Jesus: Ein Mann ging von Jerusalem
nach Jéricho hinab und wurde von Räubern überfallen. Sie plünderten
ihn aus und schlugen ihn nieder; dann gingen sie weg und ließen ihn
halbtot liegen. Zufällig kam ein Priester denselben Weg herab; er
sah ihn und ging vorüber. Ebenso kam auch ein Levit zu der Stelle;
er sah ihn und ging vorüber. Ein Samaríter aber, der auf der Reise
war, kam zu ihm; er sah ihn und hatte Mitleid, ging zu ihm hin,
goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie. Dann hob er ihn
auf sein eigenes Reittier, brachte ihn zu einer Herberge und sorgte
für ihn. Und am nächsten Tag holte er zwei Denáre hervor, gab sie
dem Wirt und sagte: Sorge für ihn, und wenn du mehr für ihn
brauchst, werde ich es dir bezahlen, wenn ich wiederkomme. Wer von
diesen dreien meinst du, ist dem der Nächste geworden, der von den
Räubern überfallen wurde? Der Gesetzeslehrer antwortete: Der
barmherzig an ihm gehandelt hat. Da sagte Jesus zu ihm: Dann geh
und handle du genauso! (Lk 10,25-37)( Ständige Kommission für
die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen
Sprachgebiet)
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