Der Mann, der bei OpenAI an den Sicherheitsberichten
geschrieben hat, geht – und schreibt öffentlich: Die Kultur ist
kaputt. In derselben Woche sagen Nachbarn von Seoul bis Kapstadt
Nein zu den Gebäuden, in denen KI läuft, und Speicher wird so
knapp, dass KI-Hardware mehr kostet und weniger kann.
Heute geht es darum, wie die KI die Laborbedingungen verlässt –
und auf die Wirklichkeit trifft.
In dieser Folge:
Der Mann mit der Sicherheitscheckliste steigt
aus (02:07) — David Robinson hat OpenAI nach dreieinhalb
Jahren verlassen. Er leitete die Arbeit an den
Sicherheitsberichten zu den großen Modellveröffentlichungen und
arbeitete am Preparedness Framework mit, dem internen Regelwerk
dafür, wie gefährlich ein Modell vor dem Start ist. In The
Atlantic schreibt er: „I Quit OpenAI Because Its Culture Is
Broken.“ Sein Kernsatz: Die Zeit für Versuch und Irrtum ist
vorbei. Bei so starken Modellen sind eingeplante Fehler nicht
mehr akzeptabel – KI-Labore sollten arbeiten wie Kernkraftwerke
oder große Flughäfen. Als würde der Mann, der die
Sicherheitscheckliste geschrieben hat, das Flugzeug verlassen.
Rechenzentren: Der Nutzen verteilt sich, die Belastung
hat eine Adresse (08:07) — 72 Prozent der befragten
Amerikaner lehnen ein KI-Rechenzentrum in ihrer eigenen Gemeinde
ab. In Seoul protestieren Anwohner seit 191 Tagen gegen ein
achtstöckiges Rechenzentrum, und die Behörden wollen die
Zustimmung der Mehrheit im Umkreis von 200 Metern. Thailand hat
49 Rechenzentrumsprojekte ausgesetzt, die geplanten Standorte von
Equinix in Kapstadt bräuchten über 4,4 Milliarden Liter Wasser im
Jahr, und Schottland hat die Genehmigung der größten Anlagen
pausiert. Der Ausbau wird nicht stoppen – aber die Nachbarschaft
wird zur echten Grenze.
China: Dreihundert Roboter treffen auf echte
Menschen (13:58) — Golden Week in China, und im
Chimelong Spaceship Park in Zhuhai begrüßen mehr als 300
humanoide Roboter von AgiBot die Besucher. Keine Bühnenshow,
sondern Gedränge, Kinder und schräge Fragen. Die Zahl, die ich
wirklich sehen will: Wie oft muss ein Mensch einspringen? Und
Galbot verkauft seinen laufenden Humanoiden ET1 für rund 11.000
Dollar – Gebrauchtwagen-Niveau, gedacht für Geschäfte, Events und
Freizeitparks.
Nvidia: Weniger Speicher, mehr Geld (19:09) —
Nvidias kleiner KI-Rechner DGX Spark ist in einem halben Jahr von
unter 4.500 auf rund 6.000 Euro gestiegen, und die neue Version
kommt mit halbem Speicher zum gleichen Preis. Der Grund: Speicher
ist knapp, Hersteller wie Micron verkaufen ihren
Hochleistungsspeicher (HBM) für die KI-Chips im Voraus. Wer
nächstes Jahr Laptops, Server oder Hardware einkauft, sollte mit
deutlich höheren Preisen planen.
Flock: Ein Treffer ist noch keine Erlaubnis
(22:36) — Flock Safety erfasst mit Kameras Kennzeichen auf
amerikanischen Straßen, und die Polizei kann nachsehen, wo ein
Auto gewesen ist. In Oklahoma hat eine Bundesrichterin
entschieden, dass eine solche rückwirkende Suche – rund ein Monat
Bewegungsdaten eines Fahrzeugs – gegen den vierten
Verfassungszusatz verstößt. Liebe Polizei: Wenn ihr das wollt,
holt euch einen richterlichen Beschluss.
Kolibri: Gute Nachrichten aus Deutschland
(27:48) — Aleph Alpha hat am 3. Oktober Kolibri veröffentlicht:
ein Open-Weight-Modell für Deutsch und Englisch, das ihr auf
euren eigenen Servern betreiben könnt. Für Behörden und
Unternehmen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und
Liechtenstein, die ihre Daten nirgendwo abgeben wollen, ein
Kandidat – also testen: Fehler bei deutschen Aufgaben messen und
die Betriebskosten mitrechnen.
Napoleon, Dodos und euer vergessenes
Firmenwissen (30:06) — ein verschlüsselter Militärbrief
aus dem Jahr 1809, 217 Jahre lang nicht vollständig lesbar, von
einem KI-Modell aus einem schlechten Scan entschlüsselt. Und der
Historiker Benjamin Breen hat Claude Opus 5.5 auf Akten der
Niederländischen Ostindien-Kompanie angesetzt und ein
Schiffslogbuch von 1615 mit Dodos auf Mauritius gefunden. Ihr
sitzt alle auf Gold: zwanzig Jahre Wartungsberichte,
Hunderttausende Kundenbeschwerden.
Der rote Faden (36:21) — die KI verlässt die
Laborbedingungen. Im Freizeitpark trifft sie auf Kinder, im
Rechenzentrum auf Nachbarn, im Einkauf auf knappen Speicher, vor
Gericht auf Grenzen – und im Archiv auf Wissen, das wir bisher
kaum erschließen konnten.
Schreib Malcolm auf WhatsApp/Telegram/Signal: +43 676 6144 904
werchota.ai
KI-Neandertaler — KI-News für Menschen, nicht für Roboter. Bleib
neugierig. Bleib menschlich.
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