Das Evangelium nach Lukas klingt zunächst befremdlich: Jünger
sollen ohne Geldbeutel und Schuhe und ohne zu grüßen aufbrechen,
Häuser betreten und dort schlicht sagen: „Friede diesem Haus.“ Für
Norbert Bauer, Leiter der Karl Rahner Akademie, steckt darin jedoch
eine wichtige Botschaft: „Ihr sollt nicht alleine sein.“ Jesus
schickt die Jünger zu zweit los. Christlicher Auftrag ist demnach
kein einsamer Weg, sondern gemeinsames Unterwegssein.Zugleich
begegnen die Jünger den Menschen mit grundsätzlichem Vertrauen.
„Friede diesem Haus“ bedeutet: Ich komme in guter Absicht. Gerade
im Umgang mit Fremden könne man daraus heute lernen, so Bauer,
zunächst davon auszugehen, dass auch der andere das Gute will.Auch
die Aufforderung, unterwegs niemanden zu grüßen, versteht Bauer
nicht als Aufruf zur Unhöflichkeit. Vielmehr gehe es darum, sich
nicht vom eigenen Auftrag ablenken zu lassen. Jesus spricht dabei
durchaus streng: Die Welt ist nicht frei von Gefahren. Dennoch
widerspricht Bauer der Vorstellung, die Welt sei grundsätzlich
böse. Schließlich habe Gott seinen Sohn gerade in diese Welt
gesandt. Darin liege das grundlegende Vertrauen: Diese Welt ist von
Gott gewollt – und deshalb lohnt es sich, in ihr Frieden zu
bringen.Aus dem Evangelium nach Lukas:In jener Zeit suchte der Herr
zweiundsiebzig andere Jünger aus und sandte sie zu zweit vor sich
her in alle Städte und Ortschaften, in die er selbst gehen wollte.
Er sagte zu ihnen: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig
Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte
auszusenden! Geht! Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter
die Wölfe. Nehmt keinen Geldbeutel mit, keine Vorratstasche und
keine Schuhe! Grüßt niemanden auf dem Weg! Wenn ihr in ein Haus
kommt, so sagt als Erstes: Friede diesem Haus! Und wenn dort ein
Sohn des Friedens wohnt, wird euer Friede auf ihm ruhen;
andernfalls wird er zu euch zurückkehren. Bleibt in diesem Haus,
esst und trinkt, was man euch anbietet; denn wer arbeitet, ist
seines Lohnes wert. Zieht nicht von einem Haus in ein anderes! Wenn
ihr in eine Stadt kommt und man euch aufnimmt, so esst, was man
euch vorsetzt. Heilt die Kranken, die dort sind, und sagt ihnen:
Das Reich Gottes ist euch nahe! Wenn ihr aber in eine Stadt kommt,
in der man euch nicht aufnimmt, dann geht auf die Straße hinaus und
ruft: Selbst den Staub eurer Stadt, der an unseren Füßen klebt,
lassen wir euch zurück; doch das sollt ihr wissen: Das Reich Gottes
ist nahe. Ich sage euch: Sodom wird es an jenem Tag erträglicher
ergehen als dieser Stadt. (Lk 10,1-12)( Ständige Kommission
für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen
Sprachgebiet)
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