"Ich würde mir von der österreichischen Politik wünschen, dass sie
– nicht nur was die Seen, sondern auch, was unsere gesamte
Landschaft betrifft – es besser schafft, Visionen herzustellen und
Perspektiven zu geben. Und an den Seen sind wir momentan an einem
Punkt, wo es uns ein bisschen an Visionen fehlt, denn es geht jetzt
schon so lang schief, und jetzt ist irgendwie alles privatisiert,
und man fragt sich schon manchmal, was machen wir jetzt? Die paar
Flächen, die übrig sind, ja, da tun wir halt jetzt ein bisserl…
Also das ist für mich keine Vision." Gemäß der Katholischen
Soziallehre sind die Güter dieser Erde allen Menschen zur
verantwortungsvollen Nutzung anvertraut. Gleichzeitig befindet sich
ein Großteil der österreichischen Seeufer heute in Privatbesitz.
Daraus ergeben sich Fragen nach Gerechtigkeit im Umgang mit den
begrenzten Seezugängen. Über diese Fragen sprechen wir in der
aktuellen Podcastfolge mit Stephanie Drlik. Die
Landschaftsarchitektin und Geschäftsführerin der Österreichischen
Gesellschaft für Landschaftsarchitektur (ÖGLA) ist Initiatorin der
ersten Österreichischen Seenkonferenz, die unterschiedliche
Stakeholder zur Zukunft der österreichischen Seenlandschaften
zusammenbringen möchte. Drlik beschreibt Seeufer als komplexe
Räume, in denen zahlreiche Interessen aufeinandertreffen:
Gemeinden, Politik, Tourismus, Grundeigentümer:innen,
Besucher:innen und nicht zuletzt die Natur selbst. Die meisten
Ufergrundstücke befinden sich heute in privater Hand. Eine
Enteignung hält sie weder für realistisch noch für zielführend.
Stattdessen plädiert sie für Lösungen, die Zugänge und
gemeinschaftliche Nutzung ermöglichen, ohne bestehende
Eigentumsverhältnisse infrage zu stellen. Dabei verweist sie auf
bestehende rechtliche Möglichkeiten und bislang wenig genutzte
öffentliche Flächen entlang vieler Seen. Ein besonderes Anliegen
ist ihr dabei die ökologische Perspektive. Uferverbauungen,
aufgeschüttete Badeflächen und andere Eingriffe verändern sensible
Lebensräume und wirken sich auf Biodiversität und Wasserökologie
aus. Gleichzeitig verpflichten europäische und nationale Vorgaben
Österreich dazu, den ökologischen Zustand seiner Gewässer
langfristig zu erhalten oder wiederherzustellen. Für Drlik braucht
es deshalb übergeordnete Planungsansätze, die verschiedene
Interessen in Einklang bringen und langfristige Ziele formulieren.
Sie versteht Landschaftsplanung als eine Form der Moderation
zwischen Naturschutz, öffentlichen Bedürfnissen und privaten
Ansprüchen. Soziale Gerechtigkeit sei dabei ebenso zentral wie
ökologische Nachhaltigkeit. Darüber hinaus sprechen wir über die
Auswirkungen von Klimawandel, Trockenheit und sinkenden
Wasserständen auf die Seenlandschaften Österreichs, über die
Bedeutung regionaler Zusammenarbeit sowie über die Frage, wie in
komplexen gesellschaftlichen Konflikten wieder tragfähige
Kompromisse gefunden werden können. Drlik plädiert für eine neue
Kultur des Aushandelns und für eine Politik, die langfristige
Perspektiven für die gemeinsame Nutzung und den Schutz unserer
Landschaften entwickelt.
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