Wie unterscheiden wir heute noch zwischen dokumentarischer
Fotografie, optimierten Bildern, Composites und vollständig
synthetischen Bildern? Wir stellen die neue Capture Class des
Deutschen Fotorats (Arbeitsgruppe Technischer Fortschritt) vor
und diskutieren, warum nicht das verwendete Werkzeug, sondern der
tatsächliche Eingriff ins Bild entscheidend sein sollte. Zu Gast
ist Christoph Schütz von Photolabel.org, der erklärt, wie in der
Schweiz authentische Fotografie freiwillig gekennzeichnet werden
könnte. Außerdem testen wir aktuelle Bild- und Videomodelle wie
ChatGPT Image 2.5, Midjourney V8.2 Edit, Seedance 2.5, Wan 3 und
Minimax H3. Zum Schluss geht es um KI-Podcasts, Agenten und Bill
Gates’ Idee von Tätigkeiten, die Menschen vorbehalten bleiben
sollten.Im KI-Podcast unterhalten sich Dr. Jürgen Scriba, Leiter
der Arbeitsgruppe "Technischer Fortschritt" / Deutscher Fotorat
und Boris Eldagsen (Mitglied der Arbeitsgruppe) mit wechselnden
Gästen über aktuelle Auswirkungen von KI auf Fotografie.
LINK
Photolabel.org
HIGHLIGHTS
(00:08) - Capture Class: Der Deutsche Fotorat entwickelt ein
Klassifikationssystem für Bilder. Entscheidend ist nicht das
Werkzeug, sondern was mit dem Bild gemacht wurde.
(04:52) - Fünf Klassen: D = dokumentarisch, O = optimiert, C
= Composite, S = synthetisch, U = unklassifiziert. Ziel ist ein
gemeinsames Vokabular für Fotograf:innen, Agenturen und
Redaktionen.
(11:29) - Klasse D: Reale Szene, eine Belichtung, keine
inhaltlichen Veränderungen. Erlaubt sind klassische Entwicklung
und technische Korrekturen; verboten Mehrbildverfahren,
generatives Entfernen und Prompt-Editing.
(20:58) - Klasse O: Reale Fotos dürfen stärker optimiert
werden, etwa durch Hautretusche, Farbänderungen, HDR oder das
Entfernen nicht motivrelevanter Störungen. Motiv und Szene müssen
erhalten bleiben.
(26:26) - Klasse C: Fotografische Elemente verschiedener
Aufnahmen dürfen montiert, Hintergründe getauscht und Personen
oder Objekte verändert werden. Wesentliche Bestandteile müssen
fotografischen Ursprungs bleiben.
(34:07) - Klasse S: Ganz oder wesentlich synthetische Bilder
– Text-to-Image, Image-to-Image, 3D-Rendering, digitale Malerei,
starke Restylings oder semantisches Prompt-Editing. KI allein
entscheidet nicht über die Klasse.
(41:08) - Klasse U & C2PA: U steht für unbekannte
Herkunft. Capture Class soll zunächst B2B funktionieren und
später mit Herkunftssystemen wie C2PA zusammenspielen.
(55:26) - Zu Gast: Christoph Schütz / Photolabel.org,
Schweizer Initiative zur freiwilligen Kennzeichnung authentischer
Fotografie. Das autorenbasierte Label richtet sich zunächst vor
allem an Fotograf:innen, Auftraggeber und Bildredaktionen.
(1:10:11) - Midjourney Edit Mode: Midjourney holt beim
Prompt-Editing auf, bleibt im Test aber hinter
Konkurrenzmodellen.
(1:13:57) - ChatGPT Image 2.5: Stark bei präzisen Edits,
komplexen räumlichen Aufgaben und Sketch-to-Image. Neue Templates
für Logos, Headshots und Poster zielen auf professionelle
Nutzung.
(1:21:49) - KI-Video: Hochwertige Generierung wird teurer. Im
Praxistest schneiden Seedance 2, Wan 3 und Minimax H3 stark ab;
Referenztreue, Logik und Preis-Leistung werden entscheidend.
(1:28:25) - Omni-Reference-Test: Ein komplexer Video-Edit
zeigt Unterschiede zwischen Kling, Seedance, Minimax, Google und
Wan.
(1:31:37) - Photoshop & semantisches Editing:
Promptbasierte Bearbeitung kann unbemerkt Kopfhaltung,
Gesichtsausdruck oder Hintergrund verändern. Deshalb gilt sie für
dokumentarische Fotografie als problematisch.
(1:39:23) - KI-Podcasts & Agenten: KI erzeugt
Video-Podcasts, MCP verbindet Sprachmodelle mit Bildgeneratoren,
Instagram verändert seine KI-Kennzeichnung für Profile.
(1:42:27) - Bill Gates & „Human Reserved“: Debatte,
welche Tätigkeiten Menschen vorbehalten bleiben sollten. Kritik:
KI ersetzt selten ganze Berufe, sondern verändert Tätigkeiten
schrittweise; eine gesellschaftliche Vision für
Mensch-KI-Zusammenarbeit fehlt.
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