Jesus erscheint in Lukas 9,57–62 als ein ungewöhnlich strenger
Lehrer. Drei Menschen wollen ihm folgen, doch seine Antworten sind
zunächst einmal irritierend. Dem ersten sagt er: „Der Menschensohn
hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.“ Für Norbert Bauer,
Leiter der Karl Rahner Akademie, wird darin deutlich: Nachfolge
Jesu ist keine bequeme Veranstaltung. Wer sich zu Jesus bekennt,
muss damit rechnen, dass dieser Weg herausfordernd und unbequem
sein kann.Besonders verstörend ist die Aufforderung an einen
anderen, die Beerdigung des eigenen Vaters zurückzustellen. Gerade
für eine Kirche, der eine würdige Trauer- und Erinnerungskultur
wichtig ist, bleibt diese Aussage schwer verständlich. Bauer sieht
darin einen Hinweis darauf, dass Jesus den Blick nach vorn lenkt:
Die Vergangenheit soll nicht das Entscheidende sein, wenn eine neue
Zukunft beginnt. Zugleich, so Bauer, lässt sich die Sperrigkeit des
Textes nicht einfach auflösen. Die Evangelien seien häufig nicht
eins zu eins in die Jetztzeit zu übertragen, sondern wurden für
Menschen geschrieben, die unter anderen Bedingungen lebten. Die
Herausforderung besteht deshalb darin, diese alten Worte ernst zu
nehmen und zugleich auszuloten, was sie uns heute sagen können.Aus
dem Evangelium nach Lukas:In jener Zeit, als Jesus und seine Jünger
auf ihrem Weg nach Jerusalem weiterzogen, sagte ein Mann zu Jesus:
Ich will dir nachfolgen, wohin du auch gehst. Jesus antwortete ihm:
Die Füchse haben Höhlen und die Vögel des Himmels Nester; der
Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.
Zu einem anderen sagte er: Folge mir nach! Der erwiderte: Lass mich
zuerst weggehen und meinen Vater begraben! Jesus sagte zu ihm: Lass
die Toten ihre Toten begraben; du aber geh und verkünde das Reich
Gottes! Wieder ein anderer sagte: Ich will dir nachfolgen, Herr.
Zuvor aber lass mich Abschied nehmen von denen, die in meinem Hause
sind. Jesus erwiderte ihm: Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt
hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes. (Lk
9,57-62)( Ständige Kommission für die Herausgabe der
gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet)
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