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  4. Washington kann Geld drucken aber keine Raketen | Von Rainer Rupp
Ein Kommentar von Rainer Rupp.

Irans Raketenangriffe leeren Amerikas Abwehrarsenale schneller
als die US-Industrie sie ersetzen kann. Washington will das
Problem mit Zigmilliarden Dollar lösen, doch fehlende Fabriken,
Fachkräfte und seltene Erden lassen sich nicht per
Haushaltsbeschluss ersetzen.

Ein iranischer Angriff auf den US-Stützpunkt Muwaffaq Salti im
jordanischen Azraq hat Anfang September erneut offengelegt, woran
die amerikanische Kriegsführung zunehmend leidet: Nicht das Geld
wird knapp, sondern die Raketen, Fabriken und Rohstoffe. Nach
Angaben amerikanischer Regierungsvertreter feuerte Iran am 8.
September rund 20 ballistische Raketen auf den Stützpunkt ab.
Tote gab es demnach nicht, doch Kampfflugzeuge und weitere
militärische Rüstungsgüter, Maschinen und Anlagen, wurden
beschädigt oder zerstört.

Um den Angriff abzuwehren, verschossen die US-Streitkräfte laut
einem Bericht des Wall Street Journal 60 bis 70
Patriot-Abfangraketen und mehr als ein Dutzend Flugkörper des
Systems THAAD. Die Verteidigung eines einzigen Ziels an einem
einzigen Tag dürfte damit mehr als eine halbe Milliarde Dollar
gekostet haben.

Der Preis erklärt nur einen Teil des Problems.

Ein Patriot-Abfangflugkörper kostet das Pentagon ungefähr vier
Millionen Dollar, ein THAAD-Interceptor je nach Typ zwischen
zwölf und 15 Millionen. Gegen eine der neuen ballistischen
iranischen Raketen müssen in der Regel mehrere US-Abfangraketen
eingesetzt werden, um eine Chance auf einen Abschuss zu haben.
Aber auch das garantiert schon lange keine hundertprozentige
Trefferquote.

Die extrem teure Abwehr der US-Streitkräfte steht damit
iranischen Angriffswaffen gegenüber, die für einen winzigen
Bruchteil der amerikanischen Kosten produziert werden.
Entscheidend für die USA sind jedoch nicht die Dollar-Kosten,
sondern dass der verbrauchte Bestand an Raketen nicht durch einen
Haushaltsbeschluss ersetzt werden kann. Denn das Pentagon kann
noch so viel Geld in die Lücke werfen, die für den Bau neuen
Abwehrraketen notwendig sind, solange die zum Bau notwendigen
nicht-monetärer Mittel nicht vorhanden sind, wird nichts
passieren.

Diese nicht-monetären Engpässe beginnen bereits mit den fehlenden
hoch-qualifizierten Arbeitskräften und nicht vorhandenen
Produktionslinien, denn viele Bauteile der Raketen werden von
Hand gefertigt. Um die Produktionskapazität z.B. von speziellen
Raketenmotoren oder der Lenkelektronik substantiell zu erhöhen,
bedarf es nicht Wochen oder Monate, sondern Jahre.

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