Der Drohnenwall verschwindet - und wird zu etwas viel
Größerem
Am 28. September 2026 hat der EU-Rat fünf gemeinsame
Rüstungsprojekte formell beschlossen - doch das Wort
„Drohnenwall", mit dem alles begann,
taucht darin nicht mehr auf. Aus der Idee einer Abwehrlinie gegen
russische Drohnen ist binnen eines Jahres eine
Verteidigungsarchitektur über fünf Domänen geworden, mit einer
Finanzierungsambition von rund 190 Milliarden Euro bis 2036. Ein
Blick auf das, was hinter dem eingängigen Namen tatsächlich
entsteht - und auf die Frage, wohin die Zuständigkeit für Europas
Verteidigung wandert.
Was der EU-Rat am 28. September 2026 wirklich beschlossen
hat.
Ein Kommentar von Michael Hollister.
Der Begriff, mit dem vor einem Jahr alles begann, kommt im
entscheidenden Dokument praktisch nicht mehr vor. Als der Rat der
Europäischen Union am 28. September 2026 in Brüssel fünf
gemeinsame Rüstungsprojekte formell annahm, tauchte das Wort
„Drohnenwall" in der offiziellen Mitteilung nicht auf. Was in den
baltischen Staaten als Idee einer Abwehrlinie gegen russische
Drohnen entstand und was Ursula von der Leyen im September 2025
zur europäischen Schlagzeile machte, ist heute etwas anderes: der
Kern einer Verteidigungsarchitektur, deren gemeinsame
Finanzierungsambition die Europäische Kommission bis zum Jahr
2036 auf rund 190 Milliarden Euro beziffert. Der eingängige Name
ist geblieben. Die Sache dahinter hat er verlassen. Und genau in
dieser Verschiebung liegt die eigentliche Nachricht des Tages -
nicht in der Frage, ob ein Wall Europa vor Drohnen schützt.
Was tatsächlich beschlossen wurde
Der Rat bestätigte am 28. September fünf sogenannte European
Defence Projects of Common Interest, kurz EDPCI. Sie tragen die
Kürzel DECODER (Drohnen und Drohnenabwehr), IMSD (maritime und
Unterwasserverteidigung), SPACE (Satelliten, Frühwarnung,
Aufklärung), EU-FIAMD (integrierte Luft- und Raketenabwehr) und
Eastern Flank Watch (Verteidigung der Ostflanke über Land, Luft,
See, Cyber und weitere Bereiche). Damit sind diese Projekte
förderfähig für Mittel aus dem European Defence Industry
Programme, kurz EDIP.
Wichtig für die Einordnung: Der Beschluss vergibt keine Aufträge.
Er benennt die Projekte, ihre Ziele, die teilnehmenden Staaten
und den erwarteten Investitionsrahmen - und macht sie damit erst
antragsberechtigt. Die eigentliche Entscheidung war zudem keine
Überraschung des Tages: Die Botschafter der Mitgliedstaaten
hatten die Liste bereits am 16. September 2026 gebilligt, der
Kommissionsvorschlag stammt vom 03. Juli 2026. Der 28. September
ist der formelle Schlussstein, nicht der Startschuss. Wer die
Größenordnung verstehen will, muss deshalb nicht auf die heutige
Schlagzeile schauen, sondern auf die Zahlen und die Struktur
dahinter.
...https://apolut.net/eu-plant-gigantische-rustungs-offensive-von-michael-hollister/
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