In dieser Folge spricht Claudio Geyken mit Katrin Herda, die bei
der TST Gruppe Ladeinfrastruktur, Photovoltaik, Batteriespeicher
und Energiemanagement verantwortet, darüber, warum Logistiker
ihre Ladeinfrastruktur besser füreinander öffnen als weiter auf
das öffentliche Netz zu warten.
Die TST Gruppe ist ein eigentümergeführtes Familienunternehmen,
seit 36 Jahren am Markt, gestartet mit einem einzigen LKW und
heute bei 85 Standorten, 120 Fahrzeugen und über einer Million
Quadratmeter Lagerfläche, spezialisiert auf Pharma und Chemie. 31
Fahrzeuge fahren bereits elektrisch, rund ein Viertel des
Fuhrparks, mit einem Verbrauch zwischen 1,0 und 1,3
Kilowattstunden pro Kilometer je nach Jahreszeit, und Katrin
benennt den Fahrer als den größten einzelnen Hebel dabei.
Öffentlich hat TST zeitweise bis zu 81 Cent pro Kilowattstunde
bezahlt, am eigenen Depot sind es 32 Cent netto. Genau daraus ist
Dragonize entstanden, das Ladenetz der Logistiker: Die eigenen
Trucks sind mindestens neun Stunden unterwegs, in dieser Zeit
steht der teure Ladepark leer, und andere Spediteure suchen genau
dann eine verlässliche Säule.
Dahinter hängt deutlich mehr als eine Ladesäule. Katrin erklärt,
warum das Teilen von Strom an der Ladeinfrastruktur einen
Logistiker nicht automatisch zum Energieversorger macht, was die
Eichrechtskonformität dabei verlangt, und warum sie sieben
Dienstleistern dasselbe technische Setup vorgelegt und sieben
unterschiedliche Planungen zurückbekommen hat, von den
Kabelquerschnitten bis zum Preis. Sie rechnet die Lastspitze vor,
die kaum jemand einkalkuliert: Wer eine Säule mit 400 Kilowatt im
November unter Volllast in Betrieb nimmt, zahlt diese Spitze für
das gesamte Jahr, und zwar fünfstellig. Dazu kommen ein frisch in
Betrieb genommener Batteriespeicher mit 6 Megawatt, die
Umstellung der Energiebeschaffung von einem festen Tranchenmodell
auf ein gemanagtes Portfolio, der Unterschied zwischen statischer
und dynamischer Reservierung, und ihre klare Position zum
bidirektionalen Laden: Bei zweischichtigem Betrieb fehlt schlicht
die Standzeit, und Truck OEMs haben ihr das bestätigt.
Eine Folge darüber, wie eine Branche sich selbst hilft, statt auf
Infrastruktur zu warten, und darüber, was ein Logistiker wissen
muss, bevor der erste E-LKW im Hof steht.
Kommentare (0)
Melde dich an, um einen Kommentar zu schreiben.