Moini ihr Raketen
Zwei Frauen. Vier Kinder. Vier Hausgeburten.
Und trotzdem vier ziemlich unterschiedliche Geschichten.
Sirkka und ich haben beide unsere jeweils zwei Kinder zu Hause
geboren. Für mich waren beide Geburten, obwohl sie völlig
unterschiedlich verliefen, sehr schöne Erfahrungen.
Bei Sirkka sieht die Geschichte etwas anders aus.
Ihre erste Geburt dauerte mehr als 30 Stunden. Sie hatte eine
Hebamme an ihrer Seite – und trotzdem blieb danach ein Gefühl
zurück, das sie selbst irritierte:
Habe eigentlich ich dieses Kind geboren?
Denn eine Hausgeburt bedeutet nicht automatisch, dass eine Frau
sich selbstbestimmt fühlt. Sirkka merkte im Nachhinein, wie sehr
ihr eigenes Harmoniebedürfnis dazu geführt hatte, dass sie Dinge
mitmachte, obwohl ihr Körper ihr eigentlich etwas anderes sagte.
Und genau diese Erfahrung veränderte ihre zweite Schwangerschaft.
Denn diesmal traf Sirkka eine Entscheidung, bei der ich im ersten
Moment selbst kurz schlucken musste:
Sie bekam ihre zweite Tochter ebenfalls zu Hause – aber
OHNE Hebamme.
Dabei waren nur ihr Mann und eine Freundin.
Warum entscheidet sich eine Frau nach einer schwierigen ersten
Geburt dafür, beim zweiten Mal auf medizinische Geburtsbegleitung
zu verzichten?
War das von Anfang an geplant? Hatte sie Angst?
Und was passiert, wenn man irgendwann feststellt:
Ich möchte nicht noch einmal Kompromisse mit mir selbst
eingehen.
Darüber sprechen wir.
Und nein:
Diese Folge ist keine Werbung für Hausgeburten. Und erst
recht keine Aufforderung zu einer Geburt ohne medizinische
Begleitung.
Das sagen wir schon zu Beginn ziemlich deutlich. Uns geht es
nicht darum, Frauen zu erklären, wo sie ihr Kind
bekommen sollen.
Uns interessiert etwas anderes:
Was braucht eine Frau, damit sie sich während einer
Geburt sicher, gesehen und selbstbestimmt fühlt?
Denn während meine zweite Geburt nicht einmal eine Stunde dauerte
und mein Sohn – wie ich gerne sage – wie eine Rakete auf
die Welt geschossen kam, dauerten Sirkkas Geburten
jeweils mehr als 30 Stunden.
Und trotzdem beschreibt sie ausgerechnet ihre zweite, lange
Geburt als absolute Traumgeburt.
Nicht, weil sie schmerzfrei oder schnell gewesen wäre.
Sondern weil sich ihr inneres Erleben verändert hatte.
Sie war zu Hause, verbrachte einen Teil des Tages im Garten, ihre
Familie war in der Nähe, später standen Kerzen im Raum und vor
allem hatte sie diesmal das Gefühl, ihrem eigenen Prozess folgen
zu können.
Wir sprechen über die Rolle von Hebammen und darüber, wie wichtig
eine Begleitung sein kann, bei der es wirklich
matcht.
Über Sirkkas Entscheidung, Doula zu werden.
Über die Unterschiede zwischen Hebamme und Doula.
Über Ängste vor der Geburt.
Über Verantwortung.
Über medizinische Interventionen und persönliche Grenzen.
Über meine eigenen Erfahrungen mit Ärzten während meiner ersten
Schwangerschaft.
Und darüber, warum ein Bauchgefühl nicht automatisch bedeutet,
dass Angst verschwindet.
Vielleicht bedeutet Selbstbestimmung nämlich auch nicht:
„Ich habe keine Angst.“
Sondern:
„Ich schaue mir meine Angst an – und entscheide dann, was
für mich richtig ist.“
Sirkka bringt es am Ende wunderbar auf den Punkt:
Traut euch hinzuschauen. Seid ehrlich mit euch, wie ihr
euer Kind bekommen wollt. Ängste sind normal. Sie dürfen
angeschaut werden.
Und ich habe eigentlich nur noch eines hinzuzufügen:
Vertrau dem Prozess. Vertrau deinem Körper. Du kannst
das.
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