Wer ist wirklich groß? Das fragen die Jünger im Tagesevangelium –
und damit sind sie uns erstaunlich nah. Auch heute geht es oft
darum, wer wichtig ist, wer gesehen wird, wer etwas zu sagen hat.
Jesus beantwortet die Frage nicht mit einer langen Erklärung. Er
stellt ein Kind neben sich. Für Norbert Bauer, Leiter der Kölner
Karl Rahner Akademie, liegt darin eine starke Botschaft: „Das
Neben-sich-Stellen eines Kindes finde ich so ein schönes Bild.“
Jesus macht damit aufmerksam, wie wichtig Kinder für unsere
Gesellschaft sind. Wahre Größe zeigt sich deshalb nicht darin,
selbst möglichst groß zu werden, sondern darin, sich den Kleinen
und Schwachen zuzuwenden.„Wer nicht gegen uns ist, der ist für uns,
sagt Jesus. Karl Rahner habe diese Einstellung als "anonymes
Christentum" verstanden, sagt Norbert Bauer, und er habe damit
Menschen gemeint, die im Sinne des Evangeliums handeln, auch ohne
sich selbst als Christen zu verstehen. So öffnet das Evangelium den
Blick – auf die Kinder und auf alle, die anderen Freiheit,
Zuversicht, Mitmenschlichkeit und Hoffnung schenken.Aus dem
Evangelium nach Lukas:In jener Zeit kam unter den Jüngern der
Gedanke auf, wer von ihnen der Größte sei. Jesus sah den Gedanken
in ihren Herzen. Deshalb nahm er ein Kind, stellte es neben sich
und sagte zu ihnen: Wer dieses Kind in meinem Namen aufnimmt, der
nimmt mich auf; und wer mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich
gesandt hat. Denn wer unter euch allen der Kleinste ist, der ist
groß. Da sagte Johannes: Meister, wir haben gesehen, wie jemand in
deinem Namen Dämonen austrieb, und wir versuchten, ihn daran zu
hindern, weil er nicht mit uns zusammen nachfolgt. Jesus antwortete
ihm: Hindert ihn nicht! Denn wer nicht gegen euch ist, der ist für
euch. (Lk 9,46-50)( Ständige Kommission für die Herausgabe der
gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet)
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