Eine Strafanzeige umfasst plötzlich 55 Seiten. Nicht weil
mehr passiert ist, sondern weil sie nichts mehr kostet — und am
Ende zahlst du sie mit deinen Steuern.
Anderes Format heute: weniger Musik, mehr Stimme. Sechs
Geschichten von Solothurn über Genf und Lwiw bis in die
theoretische Physik.
In dieser Folge:
Die Schweiz zahlt am Ende (02:29) —
Staatsanwälte ertrinken in Anzeigen. Lukas Büttinger von der
Oberstaatsanwaltschaft Solothurn erzählt dem SRF von Anzeigen mit
55 Seiten und dutzenden Beweisanträgen, das meiste fürs Verfahren
völlig irrelevant. Früher schrieb das ein Rechtsanwalt, das
kostete, also überlegtest du es dir. Es hat schon einen Namen:
Agentic Flooding. Auch in Deutschland — das Berliner
Arbeitsgericht führt allein 2026 rund 16.000 Verfahren.
USA und China reden wieder (05:30) — nach dem
Treffen von Trump und Xi in Washington ist die KI-Hotline endlich
vereinbart: ein direkter Kanal für KI-Vorfälle, plus ein
US-China-Superintelligence-Dialog, der schon im November startet.
Trump will Artificial Intelligence in Superintelligence
umbenennen, und seitdem explodieren die .si-Domainanfragen in
Slowenien. Bei den Chips bleibt es hart. Aber Xi sagt, wir
sollten Partner sein statt Feinde — so einen Satz hat man in
sechzig Jahren nicht gehört.
Killer-Roboter und das Papier (08:37) — 130
Länder haben am 8. September in Genf etwas unterschrieben, das
nach einem Verbot autonomer Waffen klang. Die Washington Post hat
den letzten Verhandlungstag rekonstruiert: in den letzten 15
Stunden saßen US- und russische Diplomaten mit je rund zehn
Rechtsexperten da, mehr als alle anderen Länder zusammen, und
strichen. "Predictable and reliable" flog raus. Übrig blieb, dass
menschliche Kontrolle nötig sei, damit das Völkerrecht
eingehalten wird. Nicole Van Ruyen von Stop Killer Robots wirft
beiden vor, den Text bewusst geschwächt zu haben.
Die Ukraine macht ernst (12:31) — Mykhailo
Fedorov, der Mann hinter der Drohnenarmee, hat auf der IT-Arena
in Lwiw die Armee der Roboter angekündigt: Hunde mit Kalaschnikow
auf dem Rücken, spinnengroße Roboter, kugelförmige
All-Terrain-Systeme. In sechs Monaten soll alles tödlich sein.
Nur: diese Hunde brauchen heute noch einen Bediener und halten 20
bis 30 Minuten durch. In Genf sagt man, ein Mensch müsse das Ziel
bestätigen. In Lwiw sagt man etwas anderes.
Chinas Forschende gehen heim (15:02) — Carnegie
China hat den Karriereweg von über 10.000 führenden
KI-Forschenden untersucht. 2022 arbeiteten 46 Prozent in den USA
und 30 Prozent in China. 2025 sind es 40 Prozent in China und 30
Prozent in den USA. Und 57 Prozent stammen ursprünglich aus
China, nur 13 Prozent aus den USA. Kevin Zhu bringt es auf den
Punkt: China bildet aus, Amerika zieht fürs Studium an — und nach
dem Studium gehen sie zurück.
Die Dominos fallen (17:40) — Anthropic
bestätigt, dass Claude einen Rekord in der theoretischen Physik
gebrochen hat. Der menschliche Rekord von 2023 lag bei acht
Schleifen, gehalten von einem US-Physiklabor. Claude schaffte
neun. In einer Woche, für 1.000 bis 2.000 Dollar an Tokens statt
der Gehälter teurer Physiker, mit einer bekannten Methode. Der
Physiker Kyle Kramer schrieb auf X, sein Team sei von Anthropic
gescooped worden. Das kommt jetzt in der Chemie, der Mathematik,
der Krebsforschung — und die meisten Forschenden haben es noch
nicht gecheckt.
Der rote Faden (19:58) — wenn eine Handlung
nichts mehr kostet, verschwindet die Bremse, die vorher niemand
als Bremse erkannt hat. Bei der Anzeige. Beim Völkerrechtstext.
Beim Physik-Paper. Die Frage ist jedes Mal, wer die Rechnung am
Ende bezahlt.
Schreib Malcolm auf WhatsApp/Telegram/Signal: +43 676 6144 904
werchota.ai
KI-Neandertaler — KI-News für Menschen, nicht für Roboter. Bleib
neugierig. Bleib menschlich.
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