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Wenn wir über Diskriminierung sprechen, denken viele Menschen an
Geschlecht, Herkunft, Religion, Behinderung, sexuelle
Orientierung oder andere gesellschaftlich stärker anerkannte
Diskriminierungsformen.
Gewichtsdiskriminierung wird dagegen häufig noch immer
verharmlost. Oft wird sie nicht als Diskriminierung benannt,
sondern als „Sorge um die Gesundheit“ verpackt. Gerade im
Gesundheitswesen kann genau das jedoch massive Folgen haben.
In dieser Folge spreche ich mit Karin
Ockert-Höfler über Gewichtsdiskriminierung im
Gesundheitswesen – also über persönliche und strukturelle
Benachteiligung von Menschen aufgrund ihres Körpergewichts.
Gemeinsam schauen wir darauf, warum dicke und mehrgewichtige
Menschen im medizinischen Kontext häufig nicht als ganze Menschen
gesehen werden, sondern zuerst als Gewicht, als BMI oder als
vermeintliches Gesundheitsrisiko.
Und wir sprechen darüber, warum genau dieser Blick nicht nur
entwürdigend, sondern auch gefährlich sein kann.
In unserem Gespräch geht es auch um strukturelle Barrieren. Denn
Gewichtsdiskriminierung zeigt sich nicht nur in Worten oder
Haltungen, sondern auch ganz konkret in Räumen, Geräten und
Abläufen. Sie entscheiden darüber, ob Menschen Versorgung
überhaupt in Anspruch nehmen können, ohne beschämt, übergangen
oder entwürdigt zu werden.
Ein weiterer wichtiger Punkt der Folge ist der Satz:
„Aber dick sein ist doch ungesund.“
Wir sprechen darüber, wie schnell dieser Satz verwendet wird, um
Kritik an Gewichtsdiskriminierung abzuwürgen. Dabei ist
Gesundheit deutlich komplexer als Gewicht. Gewicht kann eine
Information sein, aber es erzählt nie die ganze Geschichte.
Gesundheit wird beeinflusst von vielen Faktoren: Stress, Schlaf,
Einkommen, sozialer Unterstützung, medizinischer Versorgung,
Diskriminierungserfahrungen, Essverhalten, Bewegung, Genetik,
Medikamenten, Erkrankungen und vielem mehr.
Gleichzeitig ist wichtig: Selbst wenn ein Körper krank ist,
rechtfertigt das keine Abwertung. Sie müssen nicht gesund sein,
um respektvoll behandelt zu werden. Sie müssen nicht abnehmen, um
Diagnostik zu bekommen.
Und Menschen müssen nicht erst beweisen, dass sie sich „richtig“
verhalten, um medizinische Versorgung zu verdienen.
Diese Folge ist kein Gespräch gegen Gesundheit. Im Gegenteil, es
ist ein Gespräch darüber, wie Gesundheitsversorgung gerechter,
menschenwürdiger und wirksamer werden kann.
Denn Gewichtsstigma macht Menschen nicht gesünder.
Beschämung macht Menschen nicht sicherer.
Und ein Gesundheitssystem, das Menschen auf ihr Gewicht
reduziert, übersieht oft genau das, worum es eigentlich gehen
sollte: den Menschen.
In dieser Folge sprechen wir darüber
was Gewichtsdiskriminierung bedeutet
warum sie gesellschaftlich oft nicht als Diskriminierung
anerkannt wird
wie Gewichtsstigma im Gesundheitswesen wirkt
warum „Sorge um Gesundheit“ oft als Rechtfertigung für
Abwertung genutzt wird
weshalb Beschwerden dicker Menschen häufig vorschnell auf
Gewicht reduziert werden
warum „Nehmen Sie erst mal ab“ keine ausreichende
medizinische Antwort ist
welche Rolle BMI, medizinischer Bias und Forschungslücken
spielen
warum passende Stühle, Liegen, Geräte und OP-Tische Teil von
Versorgungsgerechtigkeit sind
wie Gewichtsdiskriminierung Diagnostik und Behandlung
verzögern kann
warum Kinder und Jugendliche besonders geschützt werden
müssen
weshalb Scham keine Gesundheitsstrategie ist
warum Gesundheit komplexer ist als Gewicht
was gewichtsinklusive Versorgung bedeuten kann
und warum Vorurteile reflektieren ein erster wichtiger
Schritt ist
Musik:Feel by LiQWYD | SoundCloud: https://soundcloud.com/liqwyd/
| Lizenz: Creative Commons 3.0
Gewichtsdiskriminerung & Gesundheit: How and why weight
stigma drives the obesity ‘epidemic’ and harms Health – Tomiyama
et al., 2018
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