Anmeldung Registrierung
Auto Hell Dunkel
Erweiterte Suche
---werbung---

Was hält die nächste Woche für dich bereit? Hol dir dein
persönliches Wochenhoroskop direkt aufs Handy – jetzt kostenlos
WhatsApp-Kanal abonnieren!

https://whatsapp.com/channel/0029Vb7e2bq11ulTc0yPjC2I

---werbung---

️ Danke für deine Unterstützung!

Jede Folge kostet Zeit und Herzblut. Wenn dir der Podcast
gefällt, freue ich mich über ein kleines Trinkgeld. Schon der
Preis eines Kaffees macht einen Unterschied.

Kaffee ausgeben: klick hier

 Ein Winterabend, der alles
veränderte 

Als die Ermittler am 28. Dezember 1977 die Wohnung des
22-jährigen Andrei Evseev betraten, fanden sie zunächst kaum
etwas, das auf einen der meistgesuchten Gewaltverbrecher der
Sowjetunion hindeutete. Die Räume wirkten unscheinbar. Doch
zwischen alltäglichen Gegenständen stießen sie auf ein
Hundehalsband – später identifiziert als Eigentum eines
Mordopfers. Von Schmuck fehlte jede Spur. 

Erst Tage später brachte eine beiläufige Bemerkung des
Festgenommenen die Ermittlungen entscheidend voran. Gegenüber
einem Zellengenossen sagte Evseev, seine Mutter werde wohl
inzwischen „Kuchen mit Schmuck backen“. Der Mitgefangene
arbeitete als Informant. Die Ermittler kehrten zurück.
Tatsächlich entdeckten sie die gestohlenen Wertgegenstände in
einem Mehlsack versteckt. 

Damit endete eine mehrjährige Mordserie, die Moskau und das
Umland in den 1970er-Jahren erschüttert hatte. Ein Täter, den
Überlebende als höflich wirkenden jungen Mann mit Koteletten und
freundlichen Augen beschrieben hatten, gestand schließlich neun
Morde, zahlreiche weitere Gewalttaten und Dutzende
Raubüberfälle. 

Ein unstetes Leben 

Andrei Nikolajewitsch Evseev wurde 1955 im Moskauer Gebiet
geboren. Seine Schulzeit endete früh. Nach der siebten Klasse
wechselte er zwischen verschiedenen Gelegenheitsarbeiten, unter
anderem als Modell, Laborassistent und Matrose. Bereits als
junger Mann wurde er zeitweise psychiatrisch behandelt. Später
schilderte er diese Zeit als traumatisch und
belastend. 

Nach außen führte Evseev kein Leben, das ihn automatisch in den
Fokus der Behörden gerückt hätte. Er bewegte sich unauffällig
durch den sowjetischen Alltag. Hinter dieser Fassade entwickelte
sich jedoch eine Serie extremer Gewalttaten, deren Muster
zunächst niemand erkannte. 

Die ersten Morde 

Im August 1974 wurde im damaligen Zagorsk eine 16-jährige
Schülerin erstochen. Nur einen Tag später fiel ein älterer Koch
einem weiteren Messerangriff zum Opfer. Der Täter entwendete
neben Geld sogar Lebensmittel – darunter ein Hähnchen und in der
damaligen Sowjetunion seltene importierte Pfirsiche. 

Die Ermittlungen verliefen zunächst in die falsche Richtung. Ein
junger Soldat geriet unter Verdacht und legte sogar ein
Geständnis ab, das sich später als unhaltbar erwies.
Währenddessen blieb der eigentliche Täter unbehelligt und setzte
seine Taten fort. 

Ein Täter ohne klares Muster 

In den folgenden Wochen häuften sich Messerangriffe in Moskau.
Einige Opfer überlebten schwer verletzt und beschrieben
unabhängig voneinander denselben Mann. 

Mehrere Frauen trugen rote Kleidung. In der Bevölkerung entstand
deshalb der Eindruck, ein Serienmörder habe es gezielt auf Frauen
in Rot abgesehen. Dieser Beiname verbreitete sich schnell.
Tatsächlich griff Evseev später jedoch auch Menschen an, die
dieses Merkmal nicht aufwiesen. Das vermeintliche Muster erwies
sich als unzuverlässig. 

Seine Opfer wurden überwiegend ausgeraubt. Manche starben sofort,
andere erlagen später ihren Verletzungen. Ein Student überlebte
ebenso wie mehrere weitere Angegriffene und lieferte wichtige
Täterbeschreibungen. 

Der Versuch, die Ermittler zu
täuschen 

Besonders ungewöhnlich war ein Mord im September 1974. Das Opfer
ähnelte Evseev äußerlich stark und hatte viele Jahre im Gefängnis
verbracht. 

Nach den Ermittlungen zog der Täter dem Getöteten seine eigene
Kleidung an, offenbar um den Eindruck zu erwecken, der Gesuchte
sei selbst tot. Tatsächlich beschäftigten sich die Ermittler
zeitweise mit genau dieser Möglichkeit. Der Plan verzögerte die
Aufklärung erheblich und zeigte, dass Evseev seine Taten nicht
impulsiv, sondern teilweise mit erheblicher Berechnung
ausführte. 

Angst in der Hauptstadt 

Im Oktober 1974 eskalierte die Situation. Innerhalb kurzer Zeit
kam es zu mehreren Überfällen im Tagansky-Bezirk sowie an
verschiedenen Metrostationen. Die Angriffe folgten dicht
aufeinander. Mehrere Menschen starben. 

Die Unsicherheit in Moskau wuchs. Der Fall erhielt enorme
Aufmerksamkeit innerhalb der sowjetischen Sicherheitsbehörden.
Die Sorge war so groß, dass sich Innenminister Nikolai
Schtschelokow öffentlich an die Bevölkerung wandte und zu
besonderer Vorsicht aufrief – ein außergewöhnlicher Schritt für
einen Staat, der Serienkriminalität nur ungern öffentlich
thematisierte. 

Nach dieser ungewöhnlichen Warnung verschwanden die Angriffe
zunächst fast vollständig. Rund zwei Jahre lang blieb es
vergleichsweise ruhig. Ermittler gingen später davon aus, dass
die verstärkte Fahndung und die öffentliche Aufmerksamkeit den
Täter verunsichert hatten. 

Die Rückkehr 

1976 tauchte Evseev erneut auf. Wieder kam es zu Raubüberfällen,
von denen einige tödlich endeten. 

1977 erreichte die Gewalt einen neuen Höhepunkt. Unter den Opfern
befand sich Lydia Kuprijanowa, die Ehefrau des bekannten
sowjetischen Künstlers Michail Kuprijanow. Nach den Ermittlungen
missbrauchte Evseev ihr Opfer nach dessen Tod – das einzige
öffentlich dokumentierte Sexualdelikt seiner
Mordserie. 

Nur wenige Wochen später tötete er eine weitere Frau in Sofrino.
Diesmal beobachteten Zeugen einen verdächtigen Mann. Die Aussagen
führten zunächst zu einem anderen Verdächtigen, der jedoch
glaubhaft erklären konnte, wie er an die belastende Kleidung
gelangt war. Erst weitere Hinweise brachten die Ermittler
schließlich auf Evseev. 

Die entscheidenden Spuren 

Ein Zeuge erinnerte sich an einen Mann in Eisenbahneruniform. Die
Ermittler verglichen vorhandene Personalunterlagen und stießen
dabei auf Evseev, der bereits kriminalpolizeilich bekannt
war. 

Seine Festnahme erfolgte kurz vor dem Jahreswechsel
1977. 

Während der Verhöre verweigerte Evseev zunächst jede Aussage.
Berichten zufolge erklärte er sich erst zur Kooperation bereit,
nachdem ihm gesalzener Hering gebracht worden war, den er
vollständig – einschließlich der Gräten – verzehrte. 

Schließlich legte er umfassende Geständnisse ab. Nach den
Ermittlungen war er für neun Morde, zahlreiche Mordversuche,
einen Fall sexueller Gewalt an einer bereits getöteten Person
sowie mehr als dreißig Raubüberfälle verantwortlich. 

Psychiatrische Begutachtung und
Prozess 

Sachverständige untersuchten den Angeklagten psychiatrisch. Sie
diagnostizierten eine dissoziale Persönlichkeitsstörung, kamen
jedoch zu dem Schluss, dass Evseev schuldfähig war. 

Reue zeigte er nach den überlieferten Aussagen nicht. Stattdessen
äußerte er Verachtung gegenüber Menschen, die ein gewöhnliches
Arbeitsleben führten. Selbst während der Untersuchungshaft soll
er großen Wert auf körperliche Fitness gelegt und täglich
trainiert haben. 

1979 verurteilte ein sowjetisches Gericht Andrei Evseev zum Tode.
Das Urteil wurde noch im selben Jahr durch Erschießung
vollstreckt. 

Ein Fall mit bleibender Wirkung 

Der Fall Evseev gehört zu den bekanntesten Serienmordfällen der
sowjetischen Kriminalgeschichte. Er machte deutlich, wie
schwierig die Fahndung nach einem mobilen Einzeltäter in einer
Zeit ohne moderne DNA-Analysen, digitale Datenbanken oder
flächendeckende Videoüberwachung war. 

Zugleich zeigte der Fall die Grenzen des sowjetischen
Informationssystems. Serienmorde passten nicht in das offizielle
Selbstbild eines Staates, der Kriminalität häufig als
Randerscheinung darstellte. Umso außergewöhnlicher war die
öffentliche Warnung des Innenministers – ein Eingeständnis, dass
die Behörden den Täter über Jahre nicht stoppen
konnten. 

Bis heute bleibt Andrei Evseev als „Tagansky-Maniac“ Teil
zahlreicher kriminalhistorischer Analysen und Dokumentationen.
Weniger wegen der Zahl seiner Taten als wegen der Kombination aus
scheinbarer Unauffälligkeit, jahrelanger Fahndung und einer
Mordserie, die eine Millionenstadt in Angst
versetzte. 
Episode melden

„Der Tagansky-Maniac“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

Abonnenten

Teilen

Mein Archiv

Deine Privatkopie der Folgen, die du nicht verlieren willst.

Podcast-Folgen verschwinden. Feeds werden auf die letzten Episoden gekürzt, Hoster räumen alte Dateien ab, Formate wechseln den Anbieter und lassen ihr Archiv zurück. Mit „Mein Archiv“ sichert podcast.de die Folgen deiner Podcasts für dich — angefangen bei den ältesten, denn die sind zuerst weg.

  • Deine gesicherten Folgen bleiben hörbar, auch wenn das Original offline geht.
  • Auch Folgen, die im heutigen Feed gar nicht mehr stehen — podcast.de kennt sie noch.
  • Herunterladen bleibt möglich, solange die Folge beim Podcaster liegt. Der zählt seine Abrufe wie bisher.
Startet bald

Sei beim Start von Mein Archiv dabei

Mein Archiv ist fast fertig. Trag dich ein, dann bekommst du eine E-Mail, sobald es losgeht – und bist von Anfang an dabei. Wir schreiben dir nur zum Start, keine Werbung, keine Weitergabe deiner Daten.

Du bekommst zuerst eine Bestätigungsmail. Abmelden geht jederzeit. Datenschutz