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  3. Mauerecho – Ost trifft West Podcast
  4. Folge 61: Engagiert, aber nicht unverwundbar - Zivilgesellschaft in Ost und West
Ehrenamt kann Sinn stiften, Gemeinschaft schaffen und das Gefühl
vermitteln, etwas zu bewirken. Doch was passiert, wenn aus
Verantwortung Überforderung wird? Über die Belastungen ländlichen
Engagements, Selbstfürsorge und unterschiedliche Erfahrungen in
Ost- und Westdeutschland sprechen Ulrike Hähnlein und Felicitas
Gerull, die Vorstandsvorsitzenden des Denkwerk Ost e. V., in der
neuen Folge von „Mauerecho – Ost trifft West“. Wie weit die
Belastung gehen kann, zeigt der Rücktritt Dirk Neubauers. Der
Gründer des Denkwerk Ost kündigte 2024 seinen Rücktritt als Landrat
des Landkreises Mittelsachsen an. Zuvor habe sich eine „diffuse
Bedrohungslage aus der rechten Ecke“ bis in sein privates Umfeld
ausgeweitet, berichtete Neubauer dem vorwärts. Anfeindungen sind
jedoch nur eine mögliche Belastung. Hinzu kommen Zeitdruck, hohe
Erwartungen und das Gefühl, immer mehr Verantwortung übernehmen zu
müssen. Wer sich langfristig engagiere, brauche deshalb nicht nur
Resilienz und Durchhaltevermögen, sagt Gerull. Ebenso wichtig sei
es, die eigenen Grenzen zu erkennen und Unterstützung anzunehmen.
„Wenn jemand gerade durchhängt und sagt: ‚Ich kann nicht mehr‘,
dann gibt es auch immer jemanden, der die Kraft hat,
weiterzumachen“, sagt Gerull. Entscheidend sei, sich zu vernetzen
und Verantwortung zu teilen. Engagement könne belasten, aber auch
Kraft geben. Wie wichtig sinnvolle und passende Aufgaben sind,
zeigt der 2026 veröffentlichte Abschlussbericht „Sinn im Ehrenamt“
der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt. Für die
Untersuchung wurden zunächst 143 Menschen beim Beginn eines neuen
Engagements befragt, 104 von ihnen erneut nach drei Monaten. Danach
berichteten die Engagierten im Durchschnitt eine höhere
Sinnerfüllung. Zugleich zeigte sich: Stimmen persönliche
Interessen, Motive und Vorstellungen von Sinn mit der Aufgabe und
der Organisation überein, sind Engagierte zufriedener. Auch
Mitbestimmung kann dazu beitragen, dass eine Tätigkeit als sinnvoll
erlebt wird. Fehlt diese Passung, kann das Engagement dagegen
psychisch belasten. Vereine und Initiativen sollten deshalb nicht
nur fragen, welche Aufgaben erledigt werden müssen. Sie sollten
auch klären, was Engagierte motiviert, welche Fähigkeiten sie
mitbringen und wie viel Verantwortung sie übernehmen können. Eine
Burnoutquote liefert die Studie allerdings nicht. Wie viele
Menschen diese Fragen betreffen, zeigt der Deutsche
Freiwilligensurvey 2024: Rund 27 Millionen Menschen ab 14 Jahren
engagieren sich in Deutschland freiwillig. In ländlichen Räumen
liegt ihr Anteil mit 38,4 Prozent etwas höher als in Städten mit
35,8 Prozent. Im Westen beträgt die Engagementquote 37,3 Prozent,
im Osten einschließlich Berlin 34 Prozent. Die unterschiedlichen
historischen Voraussetzungen wirken dennoch nach. Während sich
freie zivilgesellschaftliche Organisationen in Westdeutschland über
Jahrzehnte entwickeln konnten, war unabhängiges
gesellschaftspolitisches Engagement in der DDR stark eingeschränkt,
erläutert die Bundeszentrale für politische Bildung. Diese
Geschichte prägt Hähnleins Biografie: „Bei uns in der DDR hieß
Ehrenamt: die Jungen Pioniere und die FDJ. Ehrenamt hat für mich
erst ab 1990 begonnen.“ Gerull stammt dagegen aus der Lüneburger
Heide und wurde schon früh gesellschaftlich aktiv. Trotz ihrer
unterschiedlichen Erfahrungen sind sich beide einig: Engagement
braucht nicht nur Überzeugung, sondern auch Strukturen, die
Verantwortung verteilen und Pausen ermöglichen. Wie Engagierte ihre
Grenzen schützen können, welche Unterstützung Vereine brauchen und
warum gesellschaftliche Veränderung nicht von Einzelnen allein
getragen werden kann, hört ihr in der neuen Sonderfolge von
„Mauerecho – Ost trifft West“. „Mauerecho – Ost trifft West“ ist
ein Podcast der taz panterstiftung. Er erscheint derzeit jede Woche
auf taz.de/mauerecho sowie überall, wo es Podcasts gibt. Besonderer
Dank gilt unserem Sounddesigner Sebastian Jautschus und unserem
Praktikanten Kilian Hamidi.
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„Folge 61: Engagiert, aber nicht unverwundbar - Zivilgesellschaft in Ost und West“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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