Ist Akzeptanz im Alter Resignation oder gelebte Freiheit?
„Es gibt einen Sinn von Akzeptanz, der sehr sinnvoll und
wichtig ist. Weil wir nun einmal endliche Wesen sind, kommen wir an
unsere Grenzen.“
Dr. Nadine Mooren
Ist Akzeptanz ein stilles Aufgeben – oder beginnt Freiheit
vielleicht genau dort, wo wir nicht mehr gegen jede Grenze
ankämpfen?
In dieser Episode spricht Bertram Kasper mit der Philosophin Dr.
Nadine Mooren über eine Frage, die mitten ins Älterwerden führt:
Wie können wir annehmen, was nicht mehr zu ändern ist, ohne
vorschnell zu resignieren?
Das Alter, so Nadine Mooren, ist weder eine reine
Verlustgeschichte noch ein grenzenloses Möglichkeitsversprechen.
Es bringt beides mit sich: Erfahrung und Verletzlichkeit, neue
Freiheiten und unwiederbringliche Abschiede. Wer nur das Schwere
sieht, verengt seinen Blick. Wer dagegen jede Einschränkung
schönredet, verkennt die Wirklichkeit.
Besonders kritisch betrachtet Nadine Mooren den verbreiteten
Anti-Aging- und Longevity-Trend. Gegen Bewegung, Vorsorge und
körperliche Fitness spricht selbstverständlich nichts.
Problematisch wird es dort, wo das Altern selbst zum Feind
erklärt wird. Denn nicht alles lässt sich trainieren, reparieren
oder aufhalten.
Akzeptanz bedeutet deshalb nicht, die Hände in den Schoß zu
legen. Sie verlangt vielmehr eine kluge Unterscheidung: Was kann
ich noch gestalten? Wo lohnt sich Widerstand? Und an welchem
Punkt kostet mich das Aufbegehren mehr Lebenskraft, als es mir
zurückgibt?
Zur Sprache kommt auch die Angst vor dem Verlust der
Selbstständigkeit. Nadine Mooren macht deutlich, dass Hilfe
anzunehmen nicht zwangsläufig einen Verlust der Autonomie
bedeutet. Kein Mensch lebt vollkommen unabhängig. Beziehungen,
Unterstützung und gegenseitige Fürsorge können ein
selbstbestimmtes Leben überhaupt erst ermöglichen.
Ein weiterer Schwerpunkt ist das Bedauern. Es kann uns zeigen,
was uns wichtig war und vielleicht noch immer ist. Zur Bitterkeit
wird es erst, wenn Dankbarkeit, Erinnerungen und verbliebene
Möglichkeiten keinen Platz mehr bekommen.
In dieser Folge geht es außerdem darum,
• warum Ambiguitätstoleranz eine Schlüsselkompetenz für das
Älterwerden ist
• weshalb Hilfe anzunehmen kein persönliches Scheitern
bedeutet
• wie wir Erwartungen an unsere veränderten Möglichkeiten
anpassen können
• warum ein gutes Leben mehr braucht als Ziele und
Beschäftigung
• wie wir mit versäumten Möglichkeiten und ungelebtem Leben
umgehen
• weshalb Freundschaften und tragfähige Wohnformen früh bedacht
werden sollten
• was die Philosophie der Stoiker über Gelassenheit und Akzeptanz
lehrt
Dr. Nadine Mooren beschäftigt sich mit normativer Ethik,
philosophischer Anthropologie, der Ethik des guten Lebens und der
Philosophie des Alters. In ihrem Buch „Leben im Alter“ untersucht
sie, wie ein gutes Leben gelingen kann, wenn Möglichkeiten
kleiner werden, Abhängigkeiten wachsen und zugleich neue
Freiheiten entstehen.
Eine Folge über das rechte Maß zwischen Aufbegehren und Loslassen
– und über eine Freiheit, die nicht darin besteht, grenzenlos zu
sein. Vielleicht zeigt sie sich gerade darin, den eigenen
Möglichkeiten mit Eigensinn, Nachsicht und Würde zu
begegnen.
Links
Zu Dr. Nadine Mooren: [LINK ZUR GÄSTIN]
Zum Buch „Leben im Alter“: [LINK ZUM BUCH]
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deines Lebens - mit Gelassenheit älter werden"
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Die Musik im Intro und Outro ist von Stefan Kissel und wurde von
Nico Lange gesprochen.
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