„Wir bauen nicht mehr neu." Deutschlands zweitgrößter Vermieter
hat den Neubau gestoppt, nicht aus Unlust, sondern weil die
Rechnung nicht mehr aufgeht: Die LEG vermietet im Schnitt für 7 €
den Quadratmeter, ein Neubau rechnet sich erst bei 18 bis 22 €.
Und wenn Lars von Lackum darauf kommt, wie Parteien mit dem Thema
Wohnen umgehen, wird er ungewohnt deutlich: „Es wird
missbraucht."Wir haben uns remote getroffen, um über Wohnungsnot,
Mieten, Klimaziele und KI zu sprechen und über die Frage, wie man
171.000 Wohnungen bezahlbar hält, wenn bis 2045 der gesamte
Bestand klimaneutral werden soll und die Aktionäre eines
MDAX-Konzerns trotzdem eine Rendite erwarten. Von Lackum kam
Anfang 2019 als Digitalvorstand zur LEG und war fünf Monate
später CEO.Er erzählt von seinem Vater, der dieselbe Branche
geprägt hat, jahrelang wurde er in Terminen mit „Grüßen Sie Ihren
Vater" empfangen, bevor er ein eigenes Profil hatte. Von den
Wohnungen nach der Wende, in denen das Wasser die Wände
runterlief und die Toilette auf halber Treppe lag. Und davon,
warum heute schon 50 Cent mehr Miete pro Quadratmeter reichen,
damit Menschen ausziehen, die dort seit Jahrzehnten
leben.Dazwischen geht es um all das, was diesen Job gerade so
schwer macht: warum in Deutschland jeder Neubau gebaut wird wie
eine Mercedes S-Klasse, obwohl kaum jemand sie bezahlen kann.
Warum eine Baugenehmigung drei Jahre dauert, ein Bürgermeister
aber nur vier Jahre im Amt ist. Warum Investoren in Tokio nicht
glauben wollten, dass deutsche Wohnungen keine Klimaanlage haben
und was passierte, als die LEG welche einbaute. Und warum ein
Vermieter inzwischen mehr über KI spricht als manches
Softwarehaus.Zum Schluss frage ich ihn, was er denkt, wenn auf
Wahlplakaten „Wohnraum für Deutsche" steht. Wie deutlich er dabei
wird, müsst ihr in der Folge herausfinden.
Kommentare (0)
Melde dich an, um einen Kommentar zu schreiben.