In dieser Folge geht es um die
Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung, auch besser
bekannt als ADHS. Diese Diagnose lässt oft lange auf sich warten.
Symptome sind vielfältig und nicht eindeutig. Doch ist sie einmal
festgestellt, gibt es Wege, mit ihr umzugehen. Wie, darüber
sprechen wir mit dem Psychotherapeuten Prof. Dr. Jan Kiesewetter.
ADHS wird heute häufiger diagnostiziert als noch vor 30 Jahren.
Forschung und Wahrnehmung für diese Form der Neurodivergenz
gewinnen immer mehr an Bedeutung. Wir gehen auf Mythen und
Missverständnisse ein. Wir sprechen über Symptome und ab wann
eine ADHS-Diagnostik angeraten ist und darüber, was ADHS im
Gehirn macht. Die Informationsverarbeitung im Gehirn streut
breiter und läuft nicht linear. Diese Andersartigkeit, die
Neurodivergenz, bleibt ein Leben lang vorhanden. Aber es gibt
Selbsthilfestrategien.
Um Routine-Aufgaben auszuführen benötigt ein Menschen mit ADHS
Stimulation. Bei alltäglichen Aufgaben schaltet das Gehirn ab.
„Sein Gehirn weigert sich, langweilige Routinen auszuführen“, so
Dr. Kiesewetter. Dann ist der Betroffene wie gelähmt. Stimulation
kann Musik sein oder das Spielen an einer Kette, alles, was die
Konzentration neu fokussiert. „Ist das ADHS-Gehirn einmal
angeschmissen, funktioniert es wie jedes andere Gehirn“, so Dr.
Kiesewetter. Dann kann das Gehirn unglaublich viel leisten. Darum
arbeiten neurodivergente Menschen oft in vielen kreativen oder
Blaulicht-Berufen.
Bei Erwachsenen haben sich über die Jahrzehnte
Kompensationsmechanismen aufgebaut, die es zu erkennen und zu
unterscheiden gilt. Das macht die Diagnostik so schwierig. Wenn
Probleme wie Konzentrationsschwäche oder Vergesslichkeit öfter
auftauchen, ist eine Diagnostik geraten.
Zeitmanagement ist extrem wichtig. Menschen mit ADHS leiden unter
Zeitunschärfe. Darum: Drei Minuten Spülmaschine einräumen, drei
Minuten Tisch abräumen. Zeitdruck macht die Aufgabe
interessanter. Wird das Gehirn stimuliert, gehen sie leichter von
der Hand. Es ist wie beim Tanzen. Wenn das Paar im Rhythmus ist,
läuft‘s.
„Der Start mag eine Herausforderung sein. Aber ADHS ist weder
eine Schwäche noch persönliches Versagen. Man nimmt die Welt nur
anders wahr. Wer die passenden Stärken und Strategien entwickelt,
kann ein wunderbares, selbsterfülltes Leben führen“, macht Prof.
Dr. Jan Kiesewetter Mut.
Prof. Dr. Jan Kiesewetter ist Diplom-Psychologe,
Psychologischer Psychotherapeut und Inhaber der Praxis für
Psychotherapie in München mit den Schwerpunkten
Verhaltenstherapie und Gruppentherapie, ADHS, Supervision und
Paartherapie
Buchtipp: Prof. Dr. Jan Kiesewetter: „ADHS – was
nun? Strategien, Tipps und Übungen für ein selbstbestimmtes
Leben“, Klett Cotta-Verlag 2026
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