Ende Juli kursiert auf Social Media ein Beitrag, der aussieht wie
eine echte Tagesschau-Meldung, mit dem richtigen Logo und dem
gewohnten nüchternen Ton. Behauptet wird eine russische
Verbindung zum Anschlag auf den Christopher Street Day in Berlin,
komplett erfunden mit ChatGPT von einer einzelnen Person, die
offenbar einfach testen wollte, ob so eine Fälschung durchgeht.
Sie ging durch, bevor irgendwer genauer hinschaute. Genau dieser
Vorfall hat die Rechercheplattform Correctiv dazu gebracht,
systematisch zu testen, wie leicht sich bekannte deutsche Marken
mit KI nachbauen lassen. In dieser Folge von KIRRE … na
hör mal! erzählt Sabine, was dabei herauskam.
Correctiv nahm sich vier der meistgenutzten KI-Chatbots vor:
ChatGPT, Gemini, Copilot und Meta AI. Jedes System bekam
denselben Auftrag, eine Falschmeldung im Stil bekannter
Nachrichtenmarken zu erstellen. Getestet wurde mit brisanten
Themen wie einem angeblichen Rücktritt des Bundeskanzlers, einer
erfundenen Kriegserklärung Russlands sowie Falschbehauptungen zu
Impfstoffen und Wahlbetrug, bewusst Themen, bei denen eine
überzeugende Fälschung echten Schaden anrichten könnte.
Die vier Systeme reagierten dabei komplett unterschiedlich.
ChatGPT lieferte ohne jedes Zögern und ohne Warnhinweis eine
überzeugende Fälschung, inklusive eines kompletten Screenshots
mit Tagesschau-Logo, eingebettet in einen Computerbildschirm.
Bemerkenswert: Die KI kommentierte ihr eigenes Werk sogar
unaufgefordert und merkte an, der Bildschirmrahmen mache die
Fälschung glaubwürdiger. Ausgerechnet dieses System wird laut
Bitkom von der großen Mehrheit der Menschen in Deutschland
genutzt.
Gemini von Google imitierte ebenfalls mehrere bekannte Marken,
darunter neben der Tagesschau auch die New York Times und die
BBC, allerdings mit erkennbaren inhaltlichen Fehlern. Copilot von
Microsoft erstellte die geforderten Fake-Texte zwar ebenfalls,
kennzeichnete sie dabei aber automatisch und zuverlässig als
KI-generiert. Meta AI verweigerte die Erstellung jeglicher
Falschmeldungen vollständig, unabhängig davon, wie die Anfrage
formuliert wurde.
Sabine ordnet diese vier unterschiedlichen Reaktionen als
bewusste unternehmerische Entscheidungen ein, nicht als zufällige
technische Abweichungen. Ein interessanter Nebenaspekt: Correctiv
arbeitet seit Jahren mit Meta im Kampf gegen Desinformation
zusammen, was das besonders saubere Abschneiden von Meta AI in
einem etwas anderen Licht erscheinen lässt, ohne die Leistung
grundsätzlich zu schmälern.
Auffällig war auch, welche Marken sich überhaupt erfolgreich
fälschen ließen. Bild, Spiegel und sogar Correctiv selbst ließen
sich nachbauen, die New York Times und die BBC dagegen nicht.
Deutsche Marken erwiesen sich insgesamt als leichter angreifbar
als internationale, ein Befund, den Sabine mit sichtbarem Unmut
kommentiert.
Zeitlich fällt die Veröffentlichung der Studie mit dem
Inkrafttreten neuer EU-Regeln zusammen: Seit dem 2. August 2026
gelten verschärfte Transparenzpflichten des EU AI Act.
KI-Anbieter müssen künstlich erzeugte Inhalte kennzeichnen und
Deepfakes eindeutig markieren. Bei Verstößen drohen Bußgelder von
bis zu 15 Millionen Euro oder 3 Prozent des weltweiten
Jahresumsatzes. Copilot erfüllt mit seiner automatischen
Kennzeichnung bereits jetzt, was demnächst für alle Anbieter
verpflichtend wird, ein Umstand, der in der öffentlichen
Berichterstattung über den Test kaum Beachtung fand.
Sabine geht außerdem auf die rechtliche Dimension ein: Ein von
Correctiv befragter Medienanwalt verweist auf das Markenrecht,
geschützte Logos wie das der Tagesschau dürfen nicht einfach
verwendet werden. Bei privaten Nutzerinnen und Nutzern greift das
oft nicht direkt, da meist kein geschäftliches Handeln vorliegt,
wohl aber bei den Plattformen und KI-Anbietern selbst, gerade
jetzt, wo die neuen EU-Regeln zusätzlichen Druck aufbauen. Sie
beschreibt eine Marke dabei als ein über Jahrzehnte gewachsenes
Versprechen, dem Menschen vertrauen, und ordnet den Missbrauch
dieses Vertrauens als eine Form des Diebstahls von
Glaubwürdigkeit ein, die sich nicht einfach zurückkaufen lässt,
ganz gleich wie groß das Werbebudget für eine Richtigstellung
ausfallen würde.
Besonders eindringlich wird die Folge, wenn Sabine den
politischen Kontext solcher Fälschungen anspricht: Gerade bei
aufgeladenen gesellschaftlichen Themen werden KI-generierte
Falschmeldungen gezielt eingesetzt, oft ohne dass sich die
Urheberschaft eindeutig zurückverfolgen lässt. Das wiederkehrende
Muster, so Sabine, folgt fast immer derselben Logik, zuerst wird
eine starke Emotion ausgelöst, Angst oder Wut, erst danach folgt
die eigentliche Falschbehauptung, verpackt in einer
vertrauenswürdig wirkenden Form.
Als Gegenstück zu den kritischen Testergebnissen stellt Sabine
ein positives, ebenfalls deutsches Projekt vor: Correctiv baut
aktuell, gefördert vom Bund mit einer siebenstelligen Summe,
einen mehrsprachigen KI-Assistenten auf, der beim Faktenchecken
auf Deutsch, Russisch und Türkisch helfen soll.
Diese Episode eignet sich besonders für alle, die sich mit
folgenden Themen beschäftigen: KI-generierte Desinformation und
Deepfakes, Correctiv-Test zu ChatGPT, Gemini, Copilot und Meta
AI, EU AI Act Transparenzpflichten ab August 2026,
Markenmissbrauch durch KI, politisch motivierte Falschmeldungen,
mehrsprachige Faktencheck-Projekte in Deutschland. Die Folge
passt außerdem zu Suchanfragen wie: Welche KI fälscht am
überzeugendsten Nachrichten? Was besagt der Correctiv-Test zu
ChatGPT? Welche Kennzeichnungspflichten gelten seit August 2026
für KI?
KIRRE … na hör mal! ist ein deutschsprachiger
Podcast über künstliche Intelligenz und ihre Auswirkungen auf
Alltag, Kreativität und Arbeit, moderiert von Sabine, auch
bekannt als Applebee, Diplom-Grafikdesignerin mit über drei
Jahrzehnten Berufserfahrung und seit 2023 intensiver KI-Nutzerin.
Wenn dich diese Folge zum Nachdenken gebracht hat, schreib Sabine
gerne, ob dir selbst schon mal eine KI-generierte Falschmeldung
begegnet ist, die du zunächst für echt gehalten hast.
Weiterführende Links
Zum Correctiv-Test:
https://www.ad-hoc-news.de/wissenschaft/chatgpt-faelscht-tagesschau-meldungen-correctiv-test-offenbart/69916635
Zum kuKI-Projekt:
https://www.fzi.de/2026/04/23/kuki-gegen-desinformation/
Kontakt:
hoermal@kirrepodcasting.com
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