München soll nächstes Jahr zum ersten deutschen Testort für ein
ausländisches Unternehmen im vollautonomen Fahren werden, während
in China über hundert Robotaxis gleichzeitig mitten im Verkehr
liegen bleiben und eine ganze Branche damit vorübergehend
ausgebremst wird. In dieser Folge von KIRRE … na hör
mal! nimmt Sabine diese beiden Geschichten zum Anlass,
um der Frage nachzugehen, wovor wir eigentlich mehr Angst haben,
vor menschlichen oder vor maschinellen Fahrfehlern, obwohl die
Sicherheitsstatistiken eindeutig für die Maschine sprechen.
Ausgangspunkt ist die Ankündigung, dass das chinesische
Unternehmen Momenta gemeinsam mit Uber als erstes ausländisches
Unternehmen überhaupt eine bundesweite Testerlaubnis für
vollautonomes Fahren der Stufe 4 vom Kraftfahrt-Bundesamt
erhalten hat, mit München als geplantem Startpunkt für einen
europäischen Robotaxi-Dienst. Eine internationale Umfrage unter
mehr als 20.000 Menschen aus 28 Ländern zeigt dabei eine
auffällige deutsche Besonderheit: Nur 41 Prozent der Deutschen
glauben, dass selbstfahrende Autos das Fahren sicherer machen
werden, in Indien sind es 67 Prozent, Deutschland liegt damit
sogar hinter den USA in Sachen Skepsis.
Den zentralen Fall der Folge bildet ein Vorfall im chinesischen
Wuhan Ende März 2026: Über hundert Robotaxis des Anbieters Baidu
Apollo Go blieben in einer Nacht gleichzeitig mitten im Verkehr
stehen, teils auf einer belebten Hochstraße, mindestens ein
Auffahrunfall wurde gemeldet, Fahrgäste saßen fest. Als Ursache
identifizierten Behörden einen Systemfehler, vermutlich ein
Netzwerkproblem. Verletzt wurde niemand, dennoch stoppte China
als Reaktion landesweit die Vergabe neuer Robotaxi-Lizenzen, bis
die Ursache vollständig geklärt ist, ein empfindlicher Rückschlag
für eine Branche, die bislang für ihr Tempo bekannt war. Wuhan
ist dabei kein kleiner Testort, sondern Baidus größter
Robotaxi-Standort in China mit über tausend fahrerlosen
Fahrzeugen im Regelbetrieb.
Sabine ordnet ein, dass ein strukturell ähnlicher Vorfall bereits
zuvor in den USA passierte, als ein großflächiger Stromausfall in
San Francisco zahlreiche Waymo-Fahrzeuge gleichzeitig lahmlegte,
ein Hinweis darauf, dass zentral gesteuerte Fahrzeugflotten
unabhängig vom Land dasselbe strukturelle Risiko teilen: Fällt
die Software aus, fallen potenziell alle Fahrzeuge gleichzeitig
aus.
Als deutlich humorvolleren Gegenpol schildert Sabine einen
Vorfall aus Miami Beach, bei dem sich zwei leere Waymo-Fahrzeuge
an einer Kreuzung gegenseitig blockierten, weil beide
gleichzeitig abbiegen wollten, eine Minute lang, bis Umstehende
applaudierten, als eines der Fahrzeuge schließlich losfuhr.
Diesen Einzelfällen stellt Sabine die aktuelle
Sicherheitsstatistik gegenüber: Das Insurance Institute for
Highway Safety ermittelte im August 2026, dass Waymo-Fahrzeuge 68
Prozent weniger polizeilich erfasste Unfälle verursachen als
menschliche Fahrer, bei schweren Verletzungsunfällen sind es 81
Prozent weniger, bei Alleinunfällen 85 Prozent weniger. Waymo
selbst beziffert nach 220 Millionen gefahrenen Meilen die eigene
Sicherheit als 17-fach höher.
Trotz dieser eindeutigen Datenlage bleibt laut Sabine ein
psychologischer Widerspruch bestehen, den sie als
Algorithmus-Aversion bezeichnet: Menschliche Fahrfehler werden
nachsichtiger bewertet als maschinelle, selbst wenn Maschinen im
Durchschnitt deutlich seltener Fehler machen. Ein Pilot, der
einen Beinahe-Unfall verursacht, fliegt nach Untersuchung und
Schulung oft weiter, ein Autopilot-System wird nach einem
einzigen Fehler dagegen grundsätzlich infrage gestellt, wie der
Fall Wuhan zeigt. Sabine beschreibt das anhand eines gedanklichen
Experiments: Zur Wahl zwischen einem übermüdeten menschlichen
Fahrer und einem statistisch nachweislich sichereren fahrerlosen
Auto würden die meisten Menschen, sie selbst eingeschlossen, im
ersten Moment trotzdem zögern.
Für den deutschen Rechtsrahmen ordnet Sabine ein, dass
hierzulande bislang keine direkte Herstellerhaftung für autonome
Fahrzeuge greift, sondern die klassische Halterhaftung gilt, mit
dem Unterschied, dass der Halter bei Robotaxis ein Unternehmen
statt einer Einzelperson ist. Ein Systemfehler wie in Wuhan, der
gleich hunderte Fahrzeuge gleichzeitig betrifft, würde nach
deutschem Recht komplexe neue Haftungsfragen aufwerfen.
Ein weiterer Unterschied zu China und den USA betrifft den
Datenschutz: Da jedes autonome Fahrzeug faktisch eine fahrende
Kamera- und Sensorplattform ist, erwartet Sabine angesichts der
europäischen Datenschutzgrundverordnung deutlich intensivere
gesellschaftliche Debatten in Deutschland, bevor ein Regelbetrieb
ohne Sicherheitsfahrer in München tatsächlich beginnt.
Sabines Fazit bleibt bewusst offen: Nicht die Frage, ob Maschinen
inzwischen statistisch besser fahren als Menschen, sei
entscheidend, sondern ob Gesellschaften lernen, mit maschinellen
Fehlern ähnlich nüchtern umzugehen wie mit menschlichen, ohne bei
einzelnen Vorfällen gleich das gesamte System infrage zu stellen.
Diese Episode eignet sich besonders für alle, die sich mit
folgenden Themen beschäftigen: Robotaxi-Sicherheit im
internationalen Vergleich, Systemausfall bei Baidu Apollo Go in
Wuhan, autonomes Fahren in Deutschland und München,
Algorithmus-Aversion und Vertrauen in KI, Datenschutz bei
selbstfahrenden Autos. Die Folge passt außerdem zu Suchanfragen
wie: Was ist bei der Baidu-Robotaxi-Panne in Wuhan passiert? Sind
Robotaxis sicherer als menschliche Fahrer? Wann kommen Robotaxis
nach Deutschland?
KIRRE … na hör mal! ist ein deutschsprachiger
Podcast über künstliche Intelligenz und ihre Auswirkungen auf
Alltag, Kreativität und Arbeit, moderiert von Sabine, auch
bekannt als Applebee, Diplom-Grafikdesignerin mit über drei
Jahrzehnten Berufserfahrung und seit 2023 intensiver KI-Nutzerin.
Diese Folge verbindet bewusst eine deutsche Perspektive mit
internationalen Entwicklungen aus China und den USA. Wenn dich
diese Folge zum Nachdenken gebracht hat, schreib Sabine gerne, ob
du selbst schon mal in einem fahrerlosen Auto gesessen hast oder
es dir vorstellen könntest.
Weiterführende Links
Zur Wuhan-Panne bei Baidu Apollo Go (CNN):
https://www.cnn.com/2026/04/02/china/baidu-robotaxi-wuhan-system-failure-intl-hnk
Zur Momenta-Zulassung in Deutschland (electrive.net):
https://www.electrive.net/2026/07/30/momenta-erhaelt-deutschlandweite-zulassung-fuer-testfahrten-der-stufe-4/
Kontakt:
hoermal@kirrepodcasting.com
Keywords: Robotaxi Wuhan Baidu Panne, autonomes
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