In dieser Folge spricht Claudio Geyken mit Michael Dammann,
Geschäftsführer der Hamburger Energienetze, darüber, warum die
verfügbare Netzkapazität in Hamburg nicht mehr für alle
Anschlussanfragen reicht und wie ein neues, faires
Vergabeverfahren das bisherige Windhundprinzip ablöst.
Aktuell liegt die gleichzeitige Last im Hamburger Netz bei 1.800
Megawatt, und mit den Zielszenarien aus kommunaler Wärmeplanung
und industrieller Dekarbonisierung rechnet Michael mit einer
knappen Verdreifachung. Statt die verbleibende Kapazität einfach
nach Anfrage zu vergeben, setzt die Hamburger Energienetze mit
dem Fair Grid Projekt auf ein programmatisches
Repartierungsverfahren, das Kapazität fair und transparent
verteilt, ein Ansatz, den auch Berlin bereits verfolgt. Für
Batteriespeicher fordert Michael klare Regeln statt reiner
Marktsteuerung: Wer eine Ausnahme von den Netzentgelten erhält,
sollte auch bereit sein, sich netzdienlich einbinden zu lassen,
inklusive einer Vergütung für den dadurch vermiedenen Netzausbau.
Ein zweiter Schwerpunkt ist Wasserstoff. Nach einer Phase der
Euphorie und anschließenden Ernüchterung sieht Michael die
Branche aktuell wieder im Aufwind. Die Hamburger Energienetze
bauen ein bis zu 60 Kilometer langes Wasserstoffnetz für den
Hamburger Hafen, dessen hohe Industriedichte und ein Gasdurchsatz
von 8 bis 9 Terawattstunden den Umstieg vieler Industriekunden
von Erdgas auf Wasserstoff ermöglichen und das Stromnetz
entlasten sollen. Außerdem geht es um E.Round, die Backend
Plattform der Hamburger Energienetze für Ladeinfrastruktur, die
im vergangenen Jahr 1,8 Millionen Ladevorgänge gesteuert hat und
heute auch anderen Unternehmen und Flughäfen zur Verfügung steht,
um bidirektionales Laden, das Michael als große, aber noch frühe
Chance einordnet, und um die eigene Flotte der Hamburger
Energienetze, wo Winterreichweite und Ladelogistik für Techniker
im Außendienst die größte Herausforderung sind.
Eine Folge über die Grenzen der verfügbaren Netzkapazität, und
darüber, warum eine Energiewende ohne klare Prioritäten und
ausreichend Vorbereitungszeit nicht schneller, sondern langsamer
wird.
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