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  4. Matthias Jung: «Sinn und Organismus» – Ohne Körper kein Sinn?
Ist unsere Verletzlichkeit ein Mangel, den wir überwinden sollten –
oder eine Voraussetzung dafür, dass unser Leben überhaupt Bedeutung
gewinnt? Manuel und Peter diskutieren Matthias Jungs Buch «Sinn und
Organismus» und fragen, was seine Philosophie für unser
Menschenbild im Zeitalter von KI und Transhumanismus bedeutet. Wir
denken, fühlen und entscheiden nicht losgelöst von unserem Körper.
Für Matthias Jung ist diese Einsicht der Ausgangspunkt einer
Anthropologie, die den Menschen als verkörpertes, verletzliches und
endliches Lebewesen versteht. In seinem Buch «Sinn und Organismus.
Wie Verkörperung Menschsein ermöglicht» verbindet er Phänomenologie
und Pragmatismus mit Erkenntnissen der Kognitionswissenschaften und
dem gegenwärtigen Embodiment-Diskurs. Manuel und Peter gehen Jungs
Versuch nach, klassische Gegensätze zu überwinden: Geist und
Körper, biologische Existenz und kulturelle Sinnbildung, Mensch und
Tier. Welche Rolle spielt unsere Leiblichkeit dafür, dass uns
überhaupt etwas bedeutsam wird? Was unterscheidet menschliche
Sinnbildung von der Wahrnehmung anderer Lebewesen? Und entsteht
Sinn allein aus unserer Auseinandersetzung mit der Welt – oder kann
uns Sinn auch als etwas begegnen, das wir nicht selbst erzeugen?
Besonders aktuell wird Jungs Ansatz dort, wo er sich gegen
transhumanistische Visionen richtet. Wenn Menschen ihre
biologischen Grenzen technisch überwinden, Leiden reduzieren oder
Körperteile durch leistungsfähige Prothesen ersetzen könnten: Ginge
dabei tatsächlich etwas Wesentliches am Menschsein verloren? Peter
bezweifelt, dass Jungs Kritik an diesem Punkt weit genug trägt.
Auch vermeintlich unmittelbare körperliche Erfahrungen sind
neurologisch vermittelt – und technische Erweiterungen des Körpers
müssen deshalb nicht zwangsläufig zu einem Verlust authentischer
Erfahrung führen. Das Gespräch führt damit mitten in eine
theologische Frage: Gehören Verletzlichkeit, Endlichkeit und
Leidensfähigkeit zum Menschsein selbst? Manuel und Peter
diskutieren, wo eine Würdigung menschlicher Verletzlichkeit in
deren Verklärung umzuschlagen droht – und was die biblische
Vorstellung eines leiblichen, geschöpflichen Lebens dazu beitragen
kann. Dabei reicht der Bogen von der alttestamentlichen
Anthropologie über Auferstehung und ewiges Leben bis zur Frage, wie
viel Transhumanismus-Kritik philosophisch tatsächlich begründet
werden kann. Eine Folge über verkörperten Geist, die Grenzen des
Menschen und eine ebenso einfache wie schwierige Frage: Würde ein
Leben ohne Verletzlichkeit noch dasselbe bedeuten?

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