Religion verliert in Westeuropa an Bedeutung – doch die Sehnsucht
nach Sinn, Trost und Orientierung bleibt. Für den Chefredakteur von
Publik-Forum Matthias Drobinski beschreibt der Begriff der
„religiösen Indifferenz“ zwar treffend, dass viele Menschen Gott
nicht mehr aktiv suchen. Gleichzeitig verschwinden grundlegende
Fragen des Lebens nicht, sondern richten sich auf andere Bereiche
wie Familie, Gemeinschaft oder gesellschaftliches Engagement.
Glauben lasse sich deshalb vor allem durch gelebte Erfahrungen
weitergeben, weniger durch Belehrung. Auch wenn viele junge
Menschen der Kirche den Rücken kehren, blieben Werte wie
Solidarität oder Verantwortung oft erhalten.Mit Blick auf das
Tagesevangelium vom 14. August plädiert er für eine zeitgemäße
Auslegung biblischer Texte. Die Forderung nach lebenslanger Treue
gelte auch für gleichgeschlechtliche Paare und spreche nicht gegen
deren Segnung. Jesu Worte zur Scheidung versteht er vor allem als
Schutz der damals rechtlosen Frauen – nicht als starres Verbot für
Menschen, deren Beziehungen gescheitert oder zerstörerisch geworden
sind. Entscheidend sei, den Geist der Botschaft ernst zu nehmen,
statt einzelne Bibelstellen wörtlich zu verabsolutieren.Aus dem
Matthäusevangelium In jener Zeit kamen Pharisäer zu Jesus, um
ihn zu versuchen, und fragten: Darf man seine Frau aus jedem
beliebigen Grund aus der Ehe entlassen? Er antwortete: Habt ihr
nicht gelesen, dass der Schöpfer den Menschen am Anfang männlich
und weiblich erschaffen hat und dass er gesagt hat: Darum wird der
Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden und
die zwei werden ein Fleisch sein? Sie sind also nicht mehr zwei,
sondern ein Fleisch. Was aber Gott verbunden hat, das darf der
Mensch nicht trennen. Sie sagten zu ihm: Wozu hat dann Mose
vorgeschrieben, der Frau eine Scheidungsurkunde zu geben und sie
aus der Ehe zu entlassen? Er antwortete: Nur weil ihr so hartherzig
seid, hat Mose euch gestattet, eure Frauen aus der Ehe zu
entlassen. Am Anfang war das nicht so. Ich sage euch: Wer seine
Frau entlässt, obwohl kein Fall von Unzucht vorliegt, und eine
andere heiratet, der begeht Ehebruch. Da sagten seine Jünger zu
ihm: Wenn das Verhältnis des Mannes zur Frau so ist, dann ist es
nicht gut zu heiraten. Jesus sagte zu ihnen: Nicht alle können
dieses Wort erfassen, sondern nur die, denen es gegeben ist. Denn
manche sind von Geburt an zur Ehe unfähig, manche sind von den
Menschen dazu gemacht und manche haben sich selbst dazu gemacht –
um des Himmelreiches willen. Wer es erfassen kann, der erfasse es.
(Mt 19,3-12)( Ständige Kommission für die Herausgabe der
gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet)
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