Moini ihr Raketen
Manchmal ist es nötig und sinnvoll, dass ein Kind eine
medizinisch notwendige Reha bewilligt kriegt und man denkt dann
ja als Mama erstmal:
Wie schön. Da kümmert sich jetzt jemand.
Hahahahahaha.
Nein.
Denn plötzlich stellen sich ganz andere Fragen:
Wer fährt eigentlich sechs Wochen mit?
Wer kümmert sich währenddessen um das andere Kind?
Was passiert mit meiner Arbeit?
Und vor allem: Wer bezahlt eigentlich meinen
wirtschaftlichen Totalausfall, wenn ich selbstständig
bin?
Spoiler: An einigen Stellen lautet die Antwort offenbar einfach:
Tja, schade. Naja, kann man nix machen.
Nina und ich arbeiten uns in dieser Folge durch die wunderbare
Welt aus Kinder-Reha, Verdienstausfall, Fahrtkostenerstattung,
Unterhalt, Ferienbetreuung, Zahnspangen, Klassenfahrten,
Ausbildungsbeihilfe und der faszinierenden deutschen
Behördenlogik.
Und irgendwann landen wir bei einer Frage, die eigentlich
verdammt simpel klingt:
Wenn zwei Menschen gemeinsam sorgeberechtigt sind – warum
bedeutet das nicht automatisch, dass auch beide gleichermaßen
Sorge tragen müssen?
Denn ein Kind hört nach einer Trennung ja nicht plötzlich auf,
gemeinsame Verantwortung zu sein.
Und Unterhalt ist auch kein großzügiges Geschenk an die
Ex-Partnerin, mit dem sie sich heimlich dreimal jährlich auf die
Malediven verabschiedet.
Kinder kosten Geld. Ziemlich viel sogar.
Und manchmal brauchen sie neben Geld etwas völlig Verrücktes:
Zeit. Betreuung. Anwesenheit. Verantwortung.
Zwischendurch erfahren wir außerdem, warum Nina als Sechsjährige
erstmal ihre Mutter fragen musste, ob sie „mit Ausländern spielen
darf“, lernen Onkel Erwin im Feinripp samt Hämorrhoiden kennen
und stellen fest, dass Kinder erschreckenderweise irgendwann ein
eigenes Gehirn entwickeln und anfangen, selbst zu denken.
Unangenehm.
Und während ich mich langsam auf Betriebstemperatur rede, erklärt
Nina mir selbstverständlich:
„Nichts geschieht ohne Grund.“
Sie kann wirklich froh sein, dass zwischen uns mehrere hundert
Kilometer liegen.
Am Ende bleibt eine Folge, die lustig ist – aber bei einem Thema
landet, das alles andere als lustig ist:
Warum geraten vor allem Alleinerziehende und Selbstständige so
schnell zwischen sämtliche Raster, sobald Familie nicht nach dem
vorgesehenen Standardmodell funktioniert?
Warum gibt es gemeinsames Sorgerecht, aber
Verantwortung lässt sich offenbar deutlich leichter
wegorganisieren?
Und wie soll ein Elternteil all das auffangen, wenn Geld, Zeit
und Möglichkeiten schlicht endlich sind?
️ Eine Folge über Familie, Trennung, Elternverantwortung,
Selbstständigkeit, Kinder-Reha und ein System, bei dem wir mehr
als einmal dachten:
Kannste dir nicht ausdenken.
Und jetzt seid tatsächlich ihr gefragt:
Wenn ihr Erfahrungen mit Kinder-Reha, Verdienstausfall bei
Selbstständigen, Unterstützungsleistungen für Alleinerziehende
oder irgendeinem Fördertopf habt, den ich bisher übersehen habe:
Bitte schreibt mir. Wirklich.
Vielleicht sitzt irgendwo eine Rakete und kennt genau die Lösung,
die ich noch nicht gefunden habe.
Und wenn ihr jemanden kennt, der beim Wort „Sorgerecht“ auch
regelmäßig denkt:
„Schön. Und wo ist eigentlich die Sorgepflicht?“
Dann schickt ihm diese Folge.
Bis zur nächsten Folge, ihr Raketen. ️
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