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Beschreibung
vor 20 Stunden
Es gibt einen Satz aus diesem Gespräch, den ich seit der Aufnahme
nicht mehr loswerde: „Hätte mir vorher jemand gesagt, wie
anstrengend Personal ist, wäre ich vielleicht nicht so groß
geworden.“ Das sagt Beatrice Handte, nachdem sie genau das
getan hat. 18 Jahre lang hat sie ihre Agentur we love pr
aufgebaut, ohne Investor, nur mit neuen Kunden, bis auf heute
rund 70 Mitarbeitende in München und Hamburg. Auf ihrer
Kundenliste stehen Marken wie Deichmann, Pandora, Skechers,
Bonprix und Honest Beauty.
Ich habe selten jemanden getroffen, der so ehrlich über das
Unternehmerleben spricht. Beatrice erzählt nicht die polierte
Gründergeschichte, die man sonst überall hört. Sie erzählt von
den Jahren, in denen sie sich selbst kein Gehalt ausgezahlt
hat. Von der Phase zwischen 20 und 30 Mitarbeitern, die sie die
anstrengendste ihres Lebens nennt, weil du zu klein für ein
Mittelmanagement bist und trotzdem 20 Menschen führst, die
alle direkt mit dir arbeiten wollen. Und von der berühmten
Freiheit der Selbstständigkeit, über die sie ganz trocken sagt:
„Diese Freiheit habe ich nicht so oft gespürt.“
Ihr Weg dahin klingt fast ausgedacht. Gastarbeiterkind, der Vater
kam Ende der 50er aus Spanien. Das Sportstudium hat sie sich
selbst finanziert, eigentlich wollte sie Sportmoderatorin werden,
aber für Frauen war da damals kein Platz. Stattdessen kam
sie als Personal Trainerin des CEOs zu Puma und landete später
bei Red Bull, als die deutsche Organisation gerade mal rund 15
Leute hatte und Sebastian Vettel als Nachwuchsathlet noch
keinen Führerschein besaß.
Was mich am meisten beeindruckt hat: Sie sitzt mir mit über 50
gegenüber, ist nach all den Jahren nicht ausgebrannt und macht
ihre Kaltakquise immer noch selbst. Gleichzeitig gibt es bei
ihr im Unternehmen keine Überstunden. Sie sagt, sie hatte in
ihrem Leben so viele davon, dass sie manchmal nicht mehr wusste,
welcher Tag ist. Genau das will sie
ihrem Team ersparen.
Und weil ihre Agentur jeden Tag mit Influencern arbeitet, räumt
sie nebenbei mit ein paar Illusionen auf. Höchstens zwei Prozent
der Influencer in Deutschland verdienen aus ihrer Sicht wirklich
Geld, während sich bei ihr täglich rund 50 bewerben. Sie hat
mit Pamela Reif schon eine Deichmann-Kollektion gemacht, als die
70.000 Follower hatte, und erzählt, wie ein einziger Post an
einem Tag einen hohen sechsstelligen Umsatz gebracht hat.
Ihre Botschaft dahinter ist dieselbe wie beim Agenturaufbau: Erst
kommt die Arbeit, dann das Geld.
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