Diese Episode schafft es auf die ZWEI! Im Ranking der Episoden, die
zeigen, was Krankheit mit Bewusstsein macht, steht Episode 18,
„Schmerz, Rippenbruch und leiblich verankerte Kognition“, immer
noch auf Platz eins, gefolgt von der hier vorliegenden Episode. Sie
veranschaulicht die Wirkung einer Sommergrippe auf stringentes
Denken. Verwunderlich ist nur, dass mir erst beim Schneiden
auffällt, wie unzusammenhängend ich mich durch das Thema und den
Berliner Norden knödele. Mit dieser Episode schlagen wir eine
Brücke zurück zu Mark Solms und Episode 106: „Bewusstsein auf den
Kopf gestellt“. Solms beschreibt eine plausible biologische
Entwicklung, in der Bewusstsein graduell von der einfachen Selfhood
einer Amöbe bis hin zu „uns“ entstanden sein könnte. Gemeinsam mit
Karl Friston veröffentlichte er 2018 das Paper How and Why
Consciousness Arises: Some Considerations from Physics and
Physiology. Aufmerksame Leser:innen werden sofort mit dem Finger
auf das Wort „physics“ im Titel zeigen, denn Solms befasst sich
doch vor allem mit der „physiology“. Gut erkannt. Karl Friston ist
zwar Neurowissenschaftler und arbeitet somit ebenfalls am Übergang
von Körper und Geist. Sein Free Energy Principle ergänzt Solms'
Modell jedoch kongenial, indem es die graduelle Entwicklung des
Bewusstseins nicht nur biologisch, sondern bis zurück in Chemie und
Physik nachzeichnet. Anders formuliert: Die Entwicklung verläuft
graduell, nicht sprunghaft, und sie bleibt in den Gesetzmäßigkeiten
der Natur verankert. Gerade das macht das Bündnis der beiden
Ansätze so schlüssig und geschlossen. In dieser Episode versuchen
wir, die (in Anführungszeichen) "mathematische, probabilistische
Membran" zu erklären, die sich zwischen Organismus und Umwelt
spannt: das Markov Blanket. Es beschreibt eine probabilistische
Grenze, an der Innen und Außen voneinander getrennt werden. Diese
Trennung ist einerseits biologisch gegeben, andererseits
mathematisch beschreibbar. Ein System kann niemals unmittelbar auf
die Welt zugreifen, sondern sie nur über sensorische Zustände
wahrnehmen und über aktive Zustände auf sie einwirken. Alles, was
wir Realität nennen, entsteht deshalb hinter dieser Membran als
beständig aktualisierte Hypothese. Das Gehirn ist eine
Vorhersagemaschine. Doch Fristons Konzept gilt nicht nur für
lebendige Selfhood. Seine Ideen lassen sich ebenso auf die Wall
Street übertragen, auf Künstliche Intelligenz, Wetterphänomene,
Viren oder Einparkhilfen.
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