Podcast
Podcaster
Beschreibung
vor 1 Woche
Eine zerbrochene Teetasse, mit Gold wieder zusammengeklebt, so
dass man die Risse extra sieht, statt sie zu verstecken. Genau
dieses Bild steht am Anfang dieser Folge von KIRRE … na
hör mal!, in der sich Sabine mit einer Frage
beschäftigt, die uns alle betrifft, ob wir mit KI arbeiten oder
nicht: Warum tun wir uns eigentlich so schwer damit, Fehler zu
machen, während wir von Maschinen genau diese Fehlerfreiheit
erwarten, die wir uns selbst nie zugestehen? Es ist eine der
persönlicheren, nachdenklicheren Folgen des Podcasts, die bewusst
ohne den erhobenen Zeigefinger auskommt und stattdessen mit einem
einzigen, starken Bild arbeitet.
Ausgangspunkt der Folge ist die japanische Reparaturkunst
Kintsugi. Zerbrochenes Porzellan wird dabei nicht unsichtbar
geflickt, sondern die Bruchstellen werden mit goldhaltigem Lack
bewusst nachgezogen und sichtbar gemacht. Dahinter steckt die
japanische Ästhetik-Philosophie Wabi-Sabi, die Schönheit gerade
im Unvollkommenen, Vergänglichen und Gebrauchten sucht, statt nur
im makellosen Neuzustand. Sabine überträgt diesen Gedanken auf
den Umgang mit KI und mit uns selbst: Während wir von Maschinen
zu Recht Zuverlässigkeit erwarten, übertragen wir diesen
Perfektionsanspruch zunehmend auch auf uns selbst, mit wenig
hilfreichen Folgen für den eigenen Umgang mit eigenen Fehlern.
Als Grafikdesignerin beschreibt Sabine, wie sehr dieser Gedanke
ihrem eigenen beruflichen Selbstverständnis zunächst
widerspricht, da Perfektion und Sauberkeit in der Gestaltung
meist als oberstes Ziel gelten, und wie befreiend es für sie war,
diesen Anspruch für einen Moment infrage zu stellen.
Um zu zeigen, wie produktiv Fehler tatsächlich sein können,
erzählt Sabine zwei bekannte Geschichten aus der
Innovationsgeschichte: die zufällige Entdeckung des Klebstoffs
hinter dem Post-it, der ursprünglich als gescheiterter Versuch
für einen besonders starken Kleber galt, sowie die Entdeckung des
Penicillins durch eine vergessene, verschimmelte Bakterienkultur.
Beide Beispiele zeigen, wie aus einem vermeintlichen Fehlschlag
am Ende etwas entstanden ist, das die Welt tatsächlich verändert
hat, im Fall des Post-it ein alltägliches Bürowerkzeug, im Fall
des Penicillins ein Medikament, das Millionen Menschenleben
gerettet hat. Sabine ergänzt das um eine eigene, kleinere
Beobachtung aus ihrem Alltag mit KI-Tools: Auch dort führen
vermeintlich falsche oder am Thema vorbeigehende Antworten
manchmal zu Ideen, auf die sie sonst nie gekommen wäre, weshalb
sie inzwischen bewusst innehält, bevor sie eine unerwartete
KI-Antwort vorschnell verwirft.
Ein besonders unterhaltsamer Teil der Folge ist eine reale
Gerichtsgeschichte aus Kanada von 2024. Der Chatbot der
Fluggesellschaft Air Canada versprach einem Kunden
fälschlicherweise einen nachträglichen Rabatt auf einen
Trauerfall-Tarif. Als die Airline sich weigerte, diesen
einzuhalten, argumentierte sie vor Gericht allen Ernstes, der
Chatbot sei eine eigenständige, für sich selbst verantwortliche
Instanz gewesen. Das Gericht folgte dieser Argumentation nicht
und verurteilte Air Canada zur Zahlung des Rabatts sowie der
Anwaltskosten des Klägers. Sabine nimmt diese Geschichte mit
einem Schmunzeln auf, weil der Versuch, Verantwortung auf eine
Maschine abzuwälzen, aus ihrer Sicht selbst ein zutiefst
menschlicher Reflex ist, den vermutlich viele Menschen in einer
ähnlichen Situation nachvollziehen könnten, auch wenn ein
internationaler Konzern eigentlich wissen sollte, dass diese
Argumentation vor Gericht nicht standhält.
Aus alldem entwickelt Sabine die zentrale These der Folge: Der
eigentliche Unterschied zwischen einem menschlichen und einem
KI-Fehler liegt nicht darin, dass Fehler passieren, das tun sie
auf beiden Seiten. Der Unterschied liegt darin, was danach
geschieht. Menschen können aus Fehlern lernen, sich schämen, sich
entschuldigen und daran wachsen, während eine KI schlicht keine
Geschichte hat, die durch einen Fehler geprägt wird. Genau diese
Fähigkeit, Fehler in die eigene Geschichte zu integrieren,
vergleichbar mit den goldenen Linien auf einer Kintsugi-Tasse,
sieht Sabine als einen der eigentlichen menschlichen Vorteile
gegenüber der Maschine.
Diese Episode eignet sich besonders für alle, die sich mit
folgenden Themen beschäftigen: Fehlerkultur, Perfektionismus im
digitalen Zeitalter, Kintsugi und Wabi-Sabi, KI-Fehler und
Halluzinationen, Innovationsgeschichte durch Zufall,
Chatbot-Haftung und Verantwortung sowie die Frage, was Menschen
von Maschinen unterscheidet. Die Folge passt außerdem zu
Suchanfragen wie: Warum sind Fehler wichtig? Was ist Kintsugi?
Haftet ein Unternehmen für Fehler seines Chatbots? Welche
Erfindungen entstanden durch Zufall?
KIRRE … na hör mal! ist ein deutschsprachiger
Podcast über künstliche Intelligenz und ihre Auswirkungen auf
Alltag, Kreativität und Arbeit, moderiert von Sabine, auch
bekannt als Applebee, Grafikdesignerin mit langjähriger Erfahrung
und seit drei Jahren intensiver KI-Nutzerin. Der Podcast richtet
sich an kreative und wissensbasierte Selbstständige, die KI weder
unkritisch feiern noch pauschal verteufeln wollen, sondern einen
ehrlichen, humorvollen und reflektierten Umgang damit suchen.
Wenn du selbst eine Geschichte hast, bei der ein Fehler am Ende
zu etwas Gutem geführt hat, ob mit oder ohne KI, schreib Sabine
gerne, sie sammelt genau solche Geschichten für kommende Folgen.
Wer merkt, dass der eigene Perfektionsanspruch im Arbeitsalltag
eher hinderlich als hilfreich geworden ist, findet über die
Kontaktadresse auch den Zugang zu Sabines Beratungsangeboten
unter der Marke Applebee. Vielleicht ist es am Ende genau das,
was diese Folge im Kern vermitteln will: dass die eigenen
goldenen Risse kein Grund zur Scham sind, sondern ein Beleg
dafür, dass man bereit war, etwas zu wagen, statt es gar nicht
erst zu versuchen.
Weiterführende Links:
Kontakt für eigene Meinungen, Gegenbeispiele und
Geschichten:
hoermal@kirrepodcasting.com
Japanische Lebensweisheiten, entfessle dein inneres Gleichgewicht
und persönliches Wachstum*:
–> Hier geht's zum Buch
Wer es selbst mal ausprobieren möchte*:
–> Hier gibt's eine Kintsugi Deluxe Box
Air Canada Chatbot-Urteil, Civil Resolution Tribunal of British
Columbia (Originalentscheidung BCCRT 149, Februar 2024):
https://www.cbsnews.com/news/aircanada-chatbot-discount-customer/
Mehr zur Philosophie von Kintsugi und Wabi-Sabi:
https://www.philomag.de/artikel/kintsugi-der-schoene-verschleiss
*[Werbung]
Keywords: Fehlerkultur, Kintsugi, Wabi-Sabi, KI-Fehler,
Halluzination künstliche Intelligenz, Chatbot Haftung,
Perfektionismus, Innovation durch Zufall, KIRRE Podcast, Sabine,
Applebee
Weitere Episoden
12 Minuten
vor 12 Stunden
10 Minuten
vor 1 Tag
10 Minuten
vor 2 Tagen
10 Minuten
vor 3 Tagen
10 Minuten
vor 4 Tagen
Abonnenten
Wuppertal
Kommentare (0)
Melde Dich an, um einen Kommentar zu schreiben.