Orthopädietechnik - ein Handwerk, das unter dem GKV-Spargesetz leiden muss | Diana Zollfrank

Orthopädietechnik - ein Handwerk, das unter dem GKV-Spargesetz leiden muss | Diana Zollfrank

vor 4 Tagen
38 Minuten
0
0 0
Podcast
Podcaster
Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel

Beschreibung

vor 4 Tagen

Welche Auswirkungen hat das GKV-Spargesetz auf Ärzt:innen, die
Physiotherapie und die Pflege? Darüber wird derzeit viel
gesprochen.


Eine Berufsgruppe gerät dabei jedoch kaum in den Fokus: die
Orthopädie-Technik. Dabei ist sie für schwer betroffene
Patient:innen, Schwerkranke sowie Kinder und Jugendliche
unverzichtbar. Ohne die Versorgung mit passenden Hilfsmitteln
sind Teilhabe, Lebensqualität und häufig auch der Erfolg einer
Therapie kaum möglich. Trotzdem verfügt dieser Bereich über nur
wenig politische Lobby.


Deshalb spricht Dr. Laura Dalhaus in dieser Folge von „5 Minus –
Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel“ mit Diana
Zollfrank, Orthopädietechnik-Meisterin.


Diana gibt einen Einblick in ihren Arbeitsalltag und erklärt,
welche Hilfsmittel in der Orthopädie-Technik gefertigt und
angepasst werden. Dazu gehören unter anderem Bandagen,
Kompressionsstrümpfe, Orthesen, Prothesen, orthopädische Schuhe
und viele weitere individuelle Versorgungen.





Eigentlich verfolgt auch Bundesgesundheitsministerin Nina Warken
das Ziel, Pflegebedürftigkeit möglichst lange zu verhindern. Für
Laura sind deshalb gerade Heil- und Hilfsmittel ein
entscheidender Baustein, damit Menschen möglichst lange
selbstständig in ihrer Häuslichkeit leben können. Umso weniger
nachvollziehbar ist für sie, dass das GKV-Spargesetz ausgerechnet
in diesem Bereich einen Pauschalabzug von drei Prozent vorsieht.





In ihrer hausärztlichen Praxis überweist Laura Patient:innen
deshalb bewusst in ein Sanitätshaus. Dort erhalten sie eine
fachkundige Beratung und kommen anschließend mit einem
Verordnungsvorschlag zurück. Aus ihrer Sicht sollten
Entscheidungen über Hilfsmittel von denjenigen getroffen werden,
die täglich damit arbeiten. Eine Hausärztin muss schließlich
nicht beurteilen, welcher Sitzwinkel für einen Rollstuhl
individuell der richtige ist.





Wie komplex das System inzwischen geworden ist, schildert Diana
anhand ihrer täglichen Arbeit. Sie verwaltet rund 700 Verträge
mit 95 Krankenkassen in insgesamt 39 Produktgruppen. Alle zwei
Jahre stehen neue Vertragsverhandlungen an. Gleichzeitig reicht
bereits ein kleiner Formfehler aus, damit eine Versorgung unter
Umständen gar nicht vergütet wird.





Hinzu kommt ein kaum nachvollziehbares Steuersystem: Für
Hilfsmittel gelten je nach Produkt sieben oder 19 Prozent
Mehrwertsteuer – teilweise sogar innerhalb derselben
Produktgruppe.





Auch die Orthopädie-Technik leidet unter einem erheblichen
Fachkräftemangel. Statistisch kommen auf 100 offene Stellen
lediglich 18 qualifizierte Bewerber:innen. Für Laura ist deshalb
klar, dass der Beruf deutlich mehr Aufmerksamkeit braucht und die
Ausbildung stärker beworben werden sollte.





Laura sieht durchaus, dass viele Hilfsmittel individuell
angepasst werden müssen. Gleichzeitig gibt es zahlreiche
Krankheitsbilder, bei denen standardisierte Lösungen möglich
wären. Ihr Vorschlag: Für bestimmte Diagnosen sollte direkt eine
definierte Gruppe an Hilfsmitteln verordnet werden können. Das
würde viele Genehmigungsprozesse vereinfachen und die Antragsflut
deutlich reduzieren.





Die Folgen der aktuellen Vertragsstrukturen wirken teilweise
absurd. So wird ein Rollstuhl manchmal von einem Sanitätshaus
geliefert, das über 100 Kilometer entfernt liegt, oder eine
Matratze landet lediglich an der Bordsteinkante einer älteren
Person – nur weil zwischen der Krankenkasse und dem örtlichen
Sanitätshaus kein Vertrag besteht.





Auch die langen Bearbeitungszeiten der Krankenkassen stellen ein
großes Problem dar. Auf einen Rollstuhl warten Betroffene
teilweise sechs bis acht Wochen. Gerade bei Kindern kann das dazu
führen, dass das Hilfsmittel bei der Genehmigung bereits nicht
mehr optimal passt, weil sie in dieser Zeit gewachsen sind.





Zusätzlich werden nahezu 50 Prozent aller Anträge vom
Medizinischen Dienst (MD) überprüft, was die Versorgung häufig
weiter verzögert.





Für Diana ist Orthopädie-Technik weit mehr als ein Beruf – sie
versteht ihr Handwerk als Hilfe für Menschen, die auf
individuelle Hilfsmittel angewiesen sind. Genau deshalb richtet
Laura zum Schluss einen klaren Appell an die Politik: Wer Pflege
vermeiden, Selbstständigkeit erhalten und Teilhabe ermöglichen
möchte, darf die Orthopädie-Technik nicht weiter ausbremsen.
Jetzt braucht nicht nur die Versorgung Unterstützung – sondern
auch das Handwerk, das sie überhaupt erst möglich macht.








Zur Petition:
https://www.openpetition.de/petition/online/alarmstufe-rot-individuelle-hilfsmittelversorgung-sichern-3-pauschalabschlag-streichen








Folg Laura auch hier:


LinkedIn:
https://www.linkedin.com/in/dr-laura-dalhaus-mahm-5470b597/


Instagram: https://www.instagram.com/lauradalhaus/


TikTok: https://www.tiktok.com/@laura.dalhaus


Mehr über Laura: https://linktr.ee/lauradalhaus


Unterstütz die Mission:
https://www.paypal.com/paypalme/podcast5minus


oder


https://buymeacoffee.com/lauradalhaus


Zum Shop von Laura: https://lauradalhaus-shop.de/

Starte jetzt mit Deinem eigenen Podcast!

Teste unser Podcast-Hosting kostenlos und unverbindlich für 30 Tage.

www.podcaster.de

#EinfachPodcasten #WerdePodcaster

15
15
Episode teilen
Orthopädietechnik - ein Handwerk, das unter dem GKV-Spargesetz leiden muss | Diana Zollfrank
Orthopädietechnik - ein Handwerk, das unter dem GKV-Spargesetz leiden muss | Diana Zollfrank

Close