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  4. Gynäkologie in 2027: Wie sieht die Versorgung aus? | Esther Scherrenbacher
Die ambulante Versorgung steht massiv unter Druck – und das
betrifft auch die Gynäkologie. Darüber spricht Dr. Laura Dalhaus
in der neuen Folge von „5 Minus – Das Gesundheitssystem verfehlt
das Klassenziel“ mit Dr. Esther Scherrenbacher.

Für Esther ist derzeit völlig offen, wie viele Schwangere sie
2027 noch in ihrer Praxis betreuen kann. Grund dafür sind die
Auswirkungen des GKV-Spargesetzes. Als Gynäkologin macht sie
diese Unsicherheit betroffen, denn bislang war es
selbstverständlich, Schwangere zuverlässig versorgen zu können.

Laura kritisiert außerdem einen Widerspruch im System:
Krankenkassen erinnern Patient:innen an Präventionsangebote –
teilweise sogar dann, wenn diese Untersuchungen gerade erst
stattgefunden haben. Hintergrund ist, dass die Kassen
verpflichtet sind, bestimmte Mittel für Prävention einzusetzen.
Gleichzeitig werden jedoch Leistungen wie die gynäkologische
Krebsvorsorge und die Betreuung von Schwangeren budgetiert.

Eine klassische Warteliste führt Esther inzwischen nicht mehr.
Der organisatorische Aufwand dafür war für ihre MFAs schlicht zu
groß. Stattdessen arbeitet sie erfolgreich mit kurzfristig
verfügbaren Last-Minute-Terminen. Ihre offene Sprechstunde wird
sie mit Blick auf 2027 allerdings neu strukturieren müssen.

Auch Laura hat in ihrer Praxis bereits verschiedene
Konsequenzstufen eingeführt. Viele Leistungen aus ihren
Zusatzqualifikationen hat sie bisher ohne zusätzliche Berechnung
angeboten. Im kommenden Jahr wird das so voraussichtlich nicht
mehr möglich sein. Leistungen aus Bereichen wie Sportmedizin,
manueller Therapie oder Ernährungsmedizin wird sie dann häufiger
als IGEL-Leistungen abrechnen müssen.

Zusätzlich kompliziert wird die Situation dadurch, dass ein und
dieselbe Leistung nicht einmal gesetzlich und ein anderes Mal
privat abgerechnet werden darf. Berufsrechtlich ist genau das
untersagt.

Auch bei der Mammographie zeigt sich für die beiden Ärztinnen ein
Widerspruch: Die Leistung wurde budgetiert, während gleichzeitig
der Kreis der Patientinnen erweitert wurde, die einen Anspruch
darauf haben.

Esther stammt selbst aus einer Familie von Gynäkologen und ist
mit großer Leidenschaft Ärztin. Trotzdem sorgen die aktuellen
Rahmenbedingungen bei ihr zunehmend für Unruhe.

Ein weiteres Thema sind mögliche Regresse. So kann Esther
beispielsweise in der Schwangerschaft nicht ohne Weiteres eine
TSH-Bestimmung durchführen, obwohl diese Untersuchung die
Versorgung in bestimmten Situationen deutlich vereinfachen
könnte.

Laura macht deutlich, dass ein funktionierendes Gesundheitssystem
auch eine demokratische Bedeutung hat. Gerade angesichts der
aktuellen politischen Lage ist es besonders wichtig, eine stabile
und verlässliche Gesundheitsversorgung zu sichern.

Umso wichtiger ist für beide Ärztinnen der Austausch mit
Kolleg:innen. Laura beobachtet inzwischen eine Art zunehmenden
Widerstand innerhalb der Ärzteschaft gegenüber politischen
Entscheidungen. Die Möglichkeiten, darauf aufmerksam zu machen,
sind allerdings begrenzt – streiken dürfen Ärzt beispielsweise
nicht ohne Weiteres.

Viele Patient wissen bislang kaum, welche Veränderungen 2027 auf
sie zukommen könnten. Entsprechend groß dürfte bei einigen die
Überraschung sein, wenn bestimmte Angebote künftig nicht mehr im
bisherigen Umfang verfügbar sind.

Von Herrn Linnemann wünscht sich Esther vor allem eine
Entbudgetierung der ambulanten Versorgung. Hinzu kommen für sie
der dringend notwendige Abbau von Bürokratie, eine konsequentere
Digitalisierung und mehr Wertschätzung für die Arbeit der
niedergelassenen Ärzt:innen seitens der Politik.

Laura kritisiert, dass die Bedeutung der ambulanten Ärzteschaft
für das Funktionieren des gesamten staatlichen Systems politisch
offenbar unterschätzt werde. Viele Aufgaben und Bescheinigungen,
die heute in den Praxen erledigt werden, könnten nicht einfach
auf den stationären Bereich übertragen werden – insbesondere dann
nicht, wenn dort zusätzlich umfangreiche Papierstapel bearbeitet
werden müssten.

Zum Abschluss geht es außerdem um § 218. Beim Deutschen Ärztetag
2025 hat sich Laura intensiv dafür eingesetzt, dass sich die
Ärzteschaft geschlossen gegen die Kriminalisierung von
Schwangerschaftsabbrüchen positioniert. Eine einheitliche Haltung
innerhalb der Gynäkologie nimmt sie in dieser Frage bislang
jedoch nicht wahr.

Zum Instagram-Profil von Esther:
https://www.instagram.com/dr.scherrenbacher

Mehr über Laura: https://linktr.ee/lauradalhaus

Zum Shop von Laura: https://lauradalhaus-shop.de/
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„Gynäkologie in 2027: Wie sieht die Versorgung aus? | Esther Scherrenbacher“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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