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Beschreibung
vor 15 Stunden
Warum versanden so viele KI-Initiativen zwischen PoC und
produktivem Betrieb? Und wo liegt der echte Hebel für
Differenzierung, wenn Co-Pilot, GenAI-Stack und Agentic-AI-Demo
gerade Commodity werden? Darüber spreche ich mit Heinrich Suhr –
23 Jahre Mercedes-Benz (zuletzt globale IT von Marketing &
Sales), Gast-Autor unseres Buchs „Das ABC der Digitalisierung“
und heute Senior Advisor unter dem Namen consuhrtium. Diese Folge
ist Teil der ABC-Insights-Sonderserie.
Heinrichs zentrales Modell für den Weg vom PoC in die Skalierung
sind drei Phasen mit ganz unterschiedlichen Freiheitsgraden:
Phase 1 als isolierte Sandbox ohne Real-Daten und mit maximaler
Innovationsfreiheit. Phase 2 als Vision-getriebener vertikaler
Durchstich auf einem zukunftsfähigen Stack, mit Anbindung an
Identity, Access & Co. Phase 3 als bewusstes Go-Wide, in dem
auch Lieferanten an die Hand genommen werden. Sein wichtigster
Punkt: Nicht alles muss Phase 3 werden – oft sind zwei, drei
Märkte genug. Bewusst stoppen ist Führung, nicht Verzicht.
Beim Thema Data Ownership zieht Heinrich eine klare Grenze: Die
IT verantwortet Architektur und Pipelines, das Business
definiert, was ein Datenpunkt bedeutet. Sein Lieblingsbeispiel:
„Wann ist ein Auto verkauft? Geld auf dem Konto? Vom Hof gerollt?
Beim Händler abgegeben?“ Solange diese Frage nicht im Business
beantwortet ist, bringt auch die sauberste IT-Pipeline keinen
Wert. Im „grauen Bereich“ dazwischen sitzen die entscheidenden
Teams: Digital-Business-Leute und IT, die sich nicht mehr in „wir
vs. ihr“ aufteilen lassen.
Auf der EAM-Ebene formuliert Heinrich drei Kriterien gegen den
zerfasernden Stack: Transparenz herstellen, Use Cases nach
Fachlichkeit gruppieren und Erwartungsmanagement etablieren (95 %
der Versuche werden im Funnel gekillt – das ist Lean, das muss
von Anfang an offen kommuniziert werden). Beim Golden Record für
Daten genauso pragmatisch: Greenfield ja, Brownfield mit 30
Jahren Werks-IT meist nein – lieber Übersetzungs-Layer als
milliardenschwere Harmonisierung ohne Wertbeitrag.
Zum Schluss die Kulturperspektive: Strategiearbeit wird oft
vernachlässigt, weil die ehrliche Retrospektive („hier waren wir
nicht gut, hier hören wir auf“) beiseitegeschoben wird. Wer das
nicht kann, reitet tote Pferde länger als nötig. Plus sein
zentraler Hebel: Digital-Strategie ist nicht IT-Strategie. Wer AI
ernst meint, muss Prozesse digital denken – nicht Prozesse nur
digital machen.
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