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tl;dr #53 Herbert Marcuse: «Konterrevolution und Revolte» | mit Peter-Erwin Jansen

tl;dr #53 Herbert Marcuse: «Konterrevolution und Revolte» | mit Peter-Erwin Jansen

tl;dr vor 11 Monaten
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In «Konterrevolution und Revolte» von 1972 beschreibt Herbert
Marcuse, wie die westlichen Staaten nach den 68er-Protesten mit
einer Konterrevolution reagierten, um das kapitalistische System zu
restabilisieren. Politische Repression und das Versprechen von
Wohlstand wirkten dabei zusammen – nicht nur Unterdrückung, sondern
auch die ideologische Integration der Arbeiter*innenklasse in die
«Konsumgesellschaft» machte Widerstand zunehmend
unwahrscheinlicher, indem jegliches revolutionäres Potenzial in
Konsumbedürfnisse umgelenkt und durch das Versprechen ökonomischen
Aufstiegs innerhalb der bestehenden Ordnung befriedigt werden
sollte. Gleichzeitig macht Marcuse auf die Keimformen einer neuen
Revolte aufmerksam. Diese entspringe weniger der traditionellen
Arbeiterklasse, sondern anderer gesellschaftlicher Randgruppen:
Studierenden, Frauen, People of Color, ökologischen und
antiimperialistischen Bewegungen. In ihrer Revolte zeige sich nicht
nur politischer Protest, sondern auch ein kulturelles Aufbrechen
bestehender Lebensweisen, etwa in der Sexualität, in der Kunst und
in Alltagspraktiken. Damit werde ein Feld eröffnet, in dem andere
Bedürfnisse, andere Formen des Zusammenlebens und andere Freiheiten
sichtbar werden, die der Konsum nicht zu erfüllen vermag. Wie kann
in einer Gesellschaft, die durch inhärenten Konsumzwang die
Bedürfnisse der Subjekte vereinnahmt und ihre Fantasien formt, ein
revolutionäres Begehren entstehen? Ist die Revolte marginaler
Gruppen der Anfang einer neuen politischen Praxis oder nur ein
kulturelles Störgeräusch, das allmählich vom System absorbiert
wird? Und wie ist Marcuses Diagnose heute zu lesen – in einer Zeit,
in der gesellschaftliche Errungenschaften von konservativen und
rechten Akteur*innen massiv angegriffen werden? Kontakt, Kritik,
Feedback: theoriepodcast@rosalux.org

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