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Man lernt nie aus…

Manche Gedanken sind sehr kraftvoll.

Sie heben die Schädeldecke aus den Angeln.

Schießen dir wie ein Blitz in den Kopf

und hinter den hochgezogenen Augenbrauen,

dem Rücken der sich gerade streckt und dem Lächeln,

das sich auf deinem Mund langsam abzeichnet,

ist der Sitz deiner Seele dem Hagel und dem Regen
offenbart.

Du hältst inne, denn die Welt ist wie verzaubert.

Hältst inne, um zu verstehen,

formulierst deine Wahrheiten immer wieder als Fragen,

um den Geschmack ihres Klangs mit der Zunge zu testen.

Ein einzelner Gedanke,

so kräftig, als wäre es der einzige Gedanke,

den du jemals gedacht hast,

reicht um deinen Blick zu schärfen

und mit einem Mal die richtigen Fragen zu stellen.

Und während du zunächst noch wacklig wie auf Stelzen gehst,

werden deine Schritte immer zielstrebiger,

weil du weißt was du willst.

Doch von Zeit zu Zeit musst du immer noch weinen,

wegen den Dingen, die du nicht verstehst,

wegen den Städten, in denen du niemals warst,

den Menschen die du nicht kanntest

und den Häusern die du nie betreten hast,

die aber dennoch so nah an deinem Herzen liegen.

Letztlich hast du doch immer etwas mitgenommen von den
Sternen,

auf denen du nach Leben gesucht hast,

auch wenn es nur das Lichtermeer der Nacht

aus einem leicht verschobenen Blickwinkel war.

Du bist nicht zu hundert Prozent sicher,

wovon es ausgelöst wird,

aber du weißt wie es anfängt:

Deine Stimme wird leise und eine Spur von Neugier schleicht sich
ein.

Ein simples Vergnügen entwickelt sich weiter.

Vielleicht ein Gespräch, das so gut ist,

dass sich ein unspektakulärer Ort in eine heilige Stätte
verwandelt.

Der Boden ist plötzlich weicher unter den Füßen

und man fühlt sich, als würde ein unsichtbarer Freund

neben einem gehen und

auch wenn man allein ist, ist man doch nicht einsam.

Man stellt fest, dass man sich selbst genügt.

Und das “da draußen”, das so gefährlich schien,

erschließt sich einem plötzlich,

die Mysterien der Nachbarschaft,

scheinen ihrer Entdeckung näher als zuvor.

Tränen weichen einem spontanen Lachen,

das noch lange in einem Lächeln nachglüht.

Du ranntest durch Gärten und über zertrampelte Gräber

und dann bleibst du stehen,

weil du nicht mehr weglaufen musst.

Mit rasendem Herzen ziehst du den Atem in deine Lungen

und das Blut rauscht durch deine Adern.

Und nach all den Ultimaten zwischen Kartenhäusern,

die viel zu hoch gestapelt waren,

ohne das Gewicht der gestohlenen Schlüssel zu Dachböden und
Kellertüren,

in deiner Tasche,

bist du dankbar dich geirrt zu haben.

Desorientierung weicht Euphorie

und einer Unfähigkeit, dieses schiere Glück in Worte zu fassen.

Kerim Mallée
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„Man lernt nie aus...“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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