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Zugehört! Der Podcast des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr Archiv

100 Episoden
14 Minuten
Lessons Learned - die Analyse der Expedition

Oberstleutnant Dr. Christian Stachelbeck gewährt Einblicke in die „Einsatznachbereitung“ der deutschen Streitkräfte. Noch auf dem Heimweg legte Generalfeldmarschall Alfred Graf von Waldersee, der Oberkommandierende der internationalen Koalition, erste Aufzeichnungen an, die er Kaiser Wilhelm II. direkt vorlegte. Später richtete die Armee eine „Kommission zur Beratung der für etwaige künftige Expeditionen erforderlichen und wünschenswerten Maßnahmen“, kurz: die Waldersee-Kommission, ein. Sie wie auch eine spätere weitere Kommission kam zum Schluss, dass das Deutsche Reich für solche Fälle eine Expeditionsstreitmacht aufstellen sollte – wozu es aber nie kam: Armee und Marine konnten sich auch aus Etatgründen nicht darauf einigen, wer dafür Geld und Truppen bereitstellen sollte.
26 Minuten
Prof. Dr. Susanne Kuss, Universität Freiburg im Breisgau, beschreibt im zweiten Teil den Boxeraufstand und die internationale wie deutsche Reaktionen an sich. Insbesondere geht sie auf die „Hunnenrede“ von Kaiser Wilhelm II. bei der Verabschiedung deutscher Soldaten in Bremerhaven ein. Die Rede war eine Grenzüberschreitung des Kaisers, die die Gewaltexzesse deutscher Soldaten in China mit einem Freibrief versah. Kein Verbrechen musste verfolgt und geahndet werden.
38 Minuten
China 1900 - Ein Markt, der Begehrlichkeiten weckt.

Privatdozent Dr. Tanja Bührer, Universität Bern/Schweiz, führt im ersten Teil dieser Podcastfolge in die internationale Gemengelage ein, die im Krieg mündete. China war für einige europäische Mächte ein Markt der Zukunft, an dem man sich bereichern konnte und wo kein Staat auf Einfluss verzichten wollte. Handel wurde dabei anfänglich als Politikinstrument verstanden, aber durchaus mit militärischer Stärke untermauert. Letztlich führte der Widerstand der chinesischen Bevölkerung gegen die Invasoren und ihre Missachtung aller chinesischen Kultur zum Krieg. - Am Ende spannt Tanja Bührer den Bogen in die Jetztzeit und zeigt so auf, dass sich imperailistische Verhaltungsmuster in der Politik umkehren können.
25 Minuten
Sicherheitspolitische Entscheidungen am 11. September 2001. Donald Rumsfeld gegen Osama bin Laden.

25. Folge von "ZUGEHÖRT! Der Podcast des ZMSBw".

Mit fast 3.000 Toten waren die Anschläge vom 11. September 2001 in den USA die schwersten auf ein westliches Land. Doch welche Absicht verfolgten die hierfür Verantwortlichen und welche sicherheitspolitischen Entscheidungen lösten die Taten warum aus?

Über den Tag wurde bereits viel veröffentlicht, aber mitunter treten noch neue Quellen zu Tage. Anhand von zwei jüngst offengelegten Dokumenten lassen sich die Entscheidungen im ebenfalls an „9/11“ getroffenen US Department of Defense (DoD) rekonstruieren. Es handelt sich um die handschriftlichen Notizen des stellvertretender Leiters der Politikabteilung im DoD Stephen Cambone und der Öffentlichkeitsarbeitsbeauftragten des DoD Victoria Clarke.

Auch über die Entscheidungen innerhalb der für die Anschläge verantwortlichen Organisation al-Qaida und ihres damaligen Anführer Osama bin Laden ist mittlerweile mehr bekannt, insbesondere durch Zeitzeugengespräche. Aussagen von Angehörigen und engen Begleitern von bin Laden lassen erahnen, wieso bin Laden das Wagnis einging, die einzig verbliebene Supermacht USA anzugreifen.

In dieser Folge von "ZUGEHÖRT!" spricht Oberstleutnant Dr. Heiner Möllers mit Dr. Philipp Münch. Er ist Projektbereichsleiter im Forschungsbereich Sicherheitspolitik und Streitkräfte und arbeitet derzeit an einer Studie über die internationalen Schlüsselentscheidungen, die das militärische Engagement in Afghanistan bestimmten.
38 Minuten
Am 24. Mai 1941 versenkte die „Bismarck“ mit dem Schweren Kreuzer „Prinz Eugen“ im „Unternehmen Rheinübung“ den britischen Schlachtkreuzer „Hood“ - und ging selbst drei Tage später nach einer beispiellosen Jagd der Royal Navy in den Fluten des Atlantiks unter. Die Faszination um das damals modernste deutsche Schlachtschiff ist bis heute ungebrochen.

Der britische Premierminister Winston Churchill war einer der ersten, der an der aufkommenden Mythenbildung mitwirkte. Er verlangte von der Royal Navy die Versenkung dieses dieses damals modernsten Schlachtschiffs, „whatever it costs!“. Und dies, obwohl die „Bismarck“ nur eines von sehr wenigen wirklich gefährlichen Schiffen der Kriegsmarine war. Insgesamt war die deutsche Flotte damals der britischen an Zahl deutlich unterlegen.

Vom bis heute die „Bismarck“ umgebenden Mythos zeugt auch ihre mediale Wahrnehmung: Beinahe monatlich wiederholen Spartensender im Fernsehen ihre Dokumentationen über dieses mächtige Schiff. Und noch 2019 brachte die schwedische Heavy-Metal-Band Sabaton einen Song mit dem Titel Bismarck heraus. Tatsächlich geht es dem deutschen Schlachtschiff wie der „Titanic“ 1912: bei der Jungfernfahrt untergegangen, überlebt sie in der Erinnerung, von Mythen verklärt.

In der 23. Folge von “ZUGEGHÖRT! der Podcast des ZMSBw„ Podcast beschreibt Fregattenkapitän Dr. Christian Jentzsch im Gespräch mit Fregattenkapitän Dr. Guntram Schulze-Wegener den Mythos dieses deutschen Schlachtschiff-Giganten, die Strategie, die zu der Atlantikoperation des Kampfverbandes führte, sowie den Verlauf des „Unternehmen Rheinübung“ und die Folgen für die deutsche Seekriegführung: Der Untergang der „Bismarck“ war faktisch nicht weniger als das Ende der deutschen Überwasserkriegführung im Zweiten Weltkrieg. Außer U-Booten hatte die deutsche Kriegsmarine in den folgenden Jahren nicht mehr viel zu bieten.
45 Minuten
Der Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 eröffnete Hitlers Krieg - den rasseideologischen Eroberungs- und Vernichtungskrieg im Osten. Die 24. Folge von „ZUGEHÖRT! Der Podcast des ZMSBw“ widmet sich diesem Krieg, der vor 80 Jahren begann.

Der Krieg gegen die Sowjetunion zur Eroberung neuen Lebensraumes war Hitlers Lebensziel. Bereits in seinem Buch „Mein Kampf“ hatte er davon geschrieben; nach der Machtübernahme 1933 die Spitzenmilitärs von dieser Absicht unterrichtet und nach dem Ende des Frankreichsfeldzuges im Juli 1940 angewiesen, diesen Feldzug vorzubereiten. Hitlers „Weisung für die Kriegführung Nr. 21 - Fall Barbarossa“ gab den groben Rahmen vor.

Im Juni 1941 standen der Wehrmacht rund 150 Divisionen des Heeres zur Verfügung, von denen allerdings nur einige wenige motorisiert und nur 19 Panzerdivisionen waren. Der deutsche Soldat lief in der Regel zu Fuß und das Heer hatte mehr Pferde, z.B. für die bespannte Artillerie, als die Truppen des Kaiserreichs im Ersten Weltkrieg.

Besonders schwerwiegend war jedoch aus militärischer Sicht, dass der Angriffsplan kein wirkliches Ziel und keine strategische Ausrichtung besaß, die Deutschland mit seinen Ressourcen erreichen konnte. Faktisch war der Überfall der Beginn des Endes - der Krieg war nicht zu gewinnen. Darüber täuschten die Anfangserfolge jedoch hinweg. Im Herbst/Winter 1941 zeichnete sich ab, dass die Wehrmacht scheitern würde.

Oberstleutnant Dr. Harald Potempa spricht über das Unternehmen „Barbarossa“, seine Entstehung und Namensgebung, seine politische Dimension und sein Scheitern mit Oberstleutnant Chris Helmecke M.A.
35 Minuten
Am 20. Mai 1941 begann die Eroberung der Insel Kreta durch über 10.000 deutsche Fallschirmjäger, die später- durch eine Gebirgsdivision verstärkt wurden. Annähernd 5.000 Fallschirmjäger kamen dabei ums Leben, blieben vermisst oder wurden verwundet. „Operation Merkur“ war die erste operative Luftlandung in der Militärgeschichte.

Der deutsche Sieg auf Kreta war teuer erkauft. Die Feindlage war den Deutschen unzureichend bekannt. Da das Mittelmeer von der (britischen) Royal Navy kontrolliert wurde, mussten die deutschen Kräfte mit Transportflugzeugen nach Kreta gebracht werden. Von mehr als 500 eingesetzten Flugzeugen waren danach mehr als 200 infolge des Flakfeuers nach Bruchlandungen, Abstürzen oder anderen Beschädigungen nicht mehr einsetzbar. Die Luftlandung entwickelte sich am Boden zu einem harten Kampf, den die deutschen Truppen mit enormer Luftunterstützung gegen einen zahlenmäßig überlegenen Feind mit über 42.000 Soldaten trotz immenser Verluste letztlich für sich entscheiden konnten.

Auf Kreta begingen die Deutschen zahlreiche Verbrechen, bereits am ersten Angriffstag erschossen Fallschirmjäger gemäß den sog. offiziösen „zehn Geboten“ aufgegriffene Zivilisten. Am 31. Mai erließ General der Flieger Kurt Student einen Befehl über „Vergeltungsmaßnahmen“: die Fallschirmjäger beschuldigten die kretischen Zivilisten, mit Verbrechen an deutschen Kriegsgefangenen angefangen zu haben. Die Verbrechen – wie die Erschießung von 23 Männern aus dem Dorf Kondomari - lösten tiefe Verbitterung bei der kretischen Bevölkerung aus.

Die Schlacht um Kreta steht trotz der hohen Verluste auch für die Stilisierung der deutschen Fallschirmjäger zur „unüberwindlichen“ „Elitetruppe“ - auch wenn sie bis Kriegsende auf deutscher Seite nie wieder zu Luftlandeoperationen in ähnlich großer Stärke und Geschlossenheit eingesetzt wurde. Stattdessen kämpfte der Fallschirmjäger fortan wie der gewöhnliche Infanterist, wenn auch die Fallschirmjäger- gegenüber den Infanteriedivisionen des Heeres bevorzugt mit Personal und Material ausgestattet wurden. Auch diese Infanterieeinsätze – besonders die Schlachten um den Monte Cassino im Frühjahr 1944 südlich Rom – sind bis heute zentrale Bestandteile des „Mythos Fallschirmjäger“ und deren „unüberwindlicher Standhaftigkeit“.

Das Militärhistorische Museum der Bundeswehr zeigt in Dresden die Sonderausstellung „Hitlers Elitetruppe? Mythos Fallschirmjäger“. Wir sprachen mit dem Kurator Dr. Magnus Pahl.
50 Minuten
Am 6. April 1941 überfiel die Wehrmacht Jugoslawien und Griechenland. In gerade einmal ... Wochen gelang es ihr, beide Länder zu erobern. Die deutsche Besatzung dauerte bis 1945 an. Dabei war dieser feldzug so nicht geplant und zeitlich eher ein Vorspiel zum Überfall auf die Sowjetunion. In dieser Folge des Podcasts erklärt Oberstleutnant Chris Helmecke die Hintergründe dieses Feldzuges, der mehr als ein „Zwischenspiels auf dem Balkan“ war. Das Gespräch führt Oberstleutnant Dr. Heiner Möllers.

Auf www.zmsbw.de finden Sie Literaturhinweise und Karten zum Podcast.
55 Minuten
Deutsche Minensucher räumten nach dem 2. Golfkrieg 1991 im Persischen Golf in einer internationalen Koalition diejenigen Minen, die die irakischen Streitkräfte vor dem Krieg dort verlegt hatten. Dieser erste Einsatz deutscher Streitkräfte außerhalb des NATO-Bündnisgebietes nach der Deutschen Einheit war fraglos ein humanitäre Hilfeleistung mit UN-Mandat. Dennoch gab es in der Bundesregierung Vorbehalte gegen diesen Einsatz: Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher lehnte ihn ab, während Bundeskanzler Helmut Kohl ihn auch als Zeichen gewachsener internationaler Verantwortung des vereinten Deutschlands sah.

Bemerkenswert ist dazu, dass deutsche Minensucher bereits ab 1987 im Mittelmeer im Einsatz waren - infolge der zunehmenden Krisen in der Golfregion und als Entlastung für andere NATO-Partner, die bereits damals im Persischen Golf aktiv waren.

Kapitän zur See Dr. Jörg Hillman spricht mit Fregattenkapitän Dr. Christian Jentzsch zu diesem spannenden Thema der militärisch-maritimen Zeitgeschichte. Dr. Jentzsch forscht am Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr zur Geschichte der Bundesmarine und besonders zur Marine im Umbruch zwischen 1985 und 1995.
39 Minuten
Die Bevölkerungsumfrage des ZMSBw ist die längste und umfassendste Studienreihe in Deutschland zu sicherheits- und verteidigungspolitischen Fragen. Sie wird jedes Jahr im Auftrag des Bundesministeriums der Verteidigung durchgeführt und umfasst beispielsweise Themenbereiche wie Sicherheits- und Bedrohungswahrnehmungen, Einstellungen zum außen- und sicherheitspolitischen Engagement Deutschlands, Haltungen der Bürgerinnen und Bürger zur Bundeswehr, die Wahrnehmung der Bundeswehr in der Öffentlichkeit sowie Einstellungen zu den Aufgabenbereichen der Bundeswehr und den Auslandseinsätzen.

In dieser Folge des Podcasts spricht Kapitän zur See Dr. Jörg Hillmann mit Dr. Markus Steinbrecher über die methodischen Herausforderungen bei der Durchführung der Bevölkerungsbefragung und ausgewählte zentrale Ergebnisse.
28 Minuten
Folge 18 von "ZUGEHÖRT! Der Podcast des ZMSBw", heute zur Reichsgründung 1871 im Spiegelsaal von Versailles mit Michael Epkenhans und Jörg Hillmann.
43 Minuten
Die Innere Führung wird oft als „Betriebsphilosophie“ der Bundeswehr bezeichnet und dabei oft auch missverstanden. Sie definiert die Stellung des Soldaten in der Demokratie. Damit definiert sie auch den Werterahmen, den inneren Kompass, in und mit dem ein Soldat oder eine Soldatin ihren Dienst versehen soll.

Angelehnt an das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland – sozusagen als der Wertekanon, der unveränderbar das Große und Ganze bestimmt – sind in der Konzeption der Inneren Führung die Soldatenpflichten definiert. Natürlich gibt es das für die Bundeswehr auch in Vorschriftenform, beintaschenfreundlich zum ständigen Mitführen geeignet.

Richtig verstandene Innere Führung hat aber nichts mit „weicher Welle“ oder „Innerem Gewürge“ – wie sie früher oft verschmäht wurde – zu tun. Sie muss für uns in der Bundeswehr eine Selbstverständlichkeit sein. Sie muss gelebt werden und jeder in der Bundeswehr muss sie kennen und verinnerlichen, damit sie gelebt werden kann.

Eines muss man allerdings immer wieder feststellen: Die Innere Führung ist einzigartig in unseren Streitkräften. Viele andere Armeen beneiden uns deswegen. Die Bundeswehr hat mit der Inneren Führung und dem Leitbild des „Staatsbürgers in Uniform“ etwas, das unvergleichbar ist und bleibt.

In der 17. Folge unseres Podcast diskutieren die Sozialwissenschaftlerin Dr. Meike Wanner, und der Theologe Dr. Markus Thurau mit Kapitän zur See Dr. Jörg Hillmann über das, was die Innere Führung ist, was sie bedeutet und ausmacht.

Um eines vorwegzunehmen: Innere Führung ist nicht nur für Vorgesetzte da! Selbst wenn sie manchmal für die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr komplex und kompliziert erscheinen mag, ist sie im Kern einfach zu verstehen.
48 Minuten
Millionen toter Soldaten haben ihre letzte Ruhe auf Kriegsgräberfriedhöfen im Ausland gefunden. So sind auch Millionen deutsche Soldaten in Frankreich, in Russland oder in anderen Staaten, in denen Deutschland Kriege geführt hat, beigesetzt worden. Vielfach wurden und werden sie Jahre oder Jahrzehnte nach den Kriegen aus provisorischen Begräbnisstätten auf einen Soldatenfriedhof überführt und dort würdevoll beigesetzt. Dies hat nicht zuletzt auch für die Angehörigen eine große Bedeutung, die wissen wollen, wo ihr Vater oder Sohn, ihr Bruder oder Onkel, wo also ihre Verwandten ihre letzte Ruhe gefunden haben.

Insbesondere nach der Zeitenwende 1989/90 wurde es zunehmend möglich, Kriegsgräberstätten in den osteuropäischen Staaten und den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion zu errichten. Eine große Bedeutung kommt dabei dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.eingetragener Verein zu: Er kümmert sich um die Bewahrung und würdewahrende Instandhaltung dieser Friedhöfe. Vielfach kann er dieses mit Freiwilligen leisten, die sich zur Gräberpflege bereiterklären. Neben Jungendgruppen sind darunter auch immer wieder Soldaten der Bundeswehr. Vor allem aber sorgt der Volksbund dafür, dass zwischenzeitlich aufgefundene sterbliche Überreste toter Soldaten auf eine Kriegsgräberstätte umgebettet werden.

Der Volksbund hat eine lange Geschichte und 2019 sein 100-jähriges Bestehen mit einem Festakt im Auswärtigen Amt begangen. Kurz nach dem Ersten Weltkrieg nahm er sich der Aufgabe an, die vielen Vereine, die sich um Soldatengräber kümmerten, zusammenzuführen und die für diese große Aufgabe notwendige Organisation zu schaffen. Dies war nicht zuletzt gerade wegen der zahlreichen Grabstätten im Ausland notwendig.

Den meisten Bundesbürgern dürfte der Volksbund am ehesten im Zusammenhang mit dem Volkstrauertag bekannt sein. Der Volkstrauertag wird als zentraler Gedenktag der Bundesrepublik Deutschland für die Opfer von Kriegen und Gewaltherrschaft erst seit 1952 zwei Wochen vor dem 1. Adventssonntag begangen. In diesem Jahr am 15. November.

Kapitän zur See Dr. Jörg Hillmann spricht im 15. Podcast zum Volksbund und seiner Geschichte, zum Volkstrauertag und der vielfältigen Bildungsarbeit mit Maximilian Fügen M.A. Der 30-jährige studierte Historiker und Reserveoffizier der Luftwaffe ist Bildungsreferent des Landesverbandes Bayern im Volksbund.
30 Minuten
In der „Luftschlacht um England“, oder wie es richtigerweise heißen muss in der „Battle of Britain“ hat der Luftangriff auf Coventry eine besondere Bedeutung. Nach den Angriffen auf London sowie einiger Gegenangriffe der Royal Air Force markiert diese Operation eine Zäsur im Krieg: Nunmehr ging die deutsche Luftwaffe auch gegen Städte vor, die nicht in bisherige Kriegshandlungen einbezogen war. Der Schritt zum unterschiedslosen Bombenkrieg, der später auch viele deutsche Städte treffen sollte, war vollzogen. Mehr als 500 Menschen starben bei den Angriffen, die mehr als 12 Stunden dauerten. Über 4.000 Häuser wurden zerstört und unwiederbringliche Kunst- und Kulturschätze gingen verloren, nicht zuletzt die St. Michael`s Cathedral. Sie war im 15. Jahrhundert als gotische Pfarrkirche fertiggestellt worden.

Ungeachtet der verheerenden Zerstörung der mittelalterlichen Innenstadt von Coventry und der langfristigen Kriegsfolgen ging von dieser Stadt mit der „Nagelkreuzbewegung“ eine einzigartige Versöhnungsbewegung aus. Mittlerweile sind Hunderte Städte in ihr zusammengeschlossen, die durch den Bombenkrieg besonders getroffen und gezeichnet wurden; in Deutschland neben Dresden unter anderem auch Hamburg, Würzburg, Pforzheim, Berlin und nicht zuletzt die im teilweisen Wiederaufbau befindliche Garnisonkirche Potsdam.

Bemerkenswert an dieser Bewegung ist noch heute, dass bereits wenige Tage nach dem Angriff der Domprobst der Kathedrale St. Michael in Coventry, Richard Howard, zur Versöhnung aufrief. Diesem Aufruf folgte dann nach dem Ende des Krieges die Versöhnungsarbeit von Angesicht zu Angesicht.

Der Deckname „Operation Mondscheinsonate“ für den Angriff auf Coventry, hat allerdings nichts mit seinem Komponisten, Ludwig van Beethoven, zu tun – dessen diesjähriges Gedenkjahr angesichts der Pandemie glücklicherweise bis zum September 2021 verlängert wurde. Vielmehr haben die deutschen Planer scheinbar bevorzugt die deutsche Kultur und Geschichte (Wotan) als Decknamensreservoir für sich entdeckt und verwendet. Die Royal Air Force verwandte zeitweilig biblische Bezeichnungen (Gomorrha, Millenium) und später dann Namen von Fischen (Crayfish, Yellow Thuna) verwandte.

Über das Ereignis und die Hintergründe der Unternehmung und dessen bedeutungsmächtigen Folgen für die daraus unerwartet resultierende Versöhnungsarbeit nach dem Zweiten Weltkrieg spricht Kapitän zur See Dr. Jörg Hillmann mit Oberstleutnant Dr. Harald Fritz Potempa, Historiker und Luftkriegsexperte im ZMSBw.
1 Stunde 10 Minuten
Als am 12. November 1955 die ersten 101 Freiwilligen der neuen westdeutschen Streitkräfte ihre Ernennungsurkunden erhielten, mündete eine langjährige Konzeptions- und Planungsphase in den konkreten Aufbau der Bundeswehr.

Erste Maßnahmen reichen bis in das Jahr 1947 zurück und nehmen ab Herbst 1949 Gestalt an. Ab diesem Zeitpunkt verbanden sich der politische Wille Konrad Adenauers mit dem Angebot ehemaliger Offiziere um Dr. Hans Speidel und Adolf Heusinger, der jungen Bundesrepublik Streitkräfte zu schaffen, um sich vom Objekt zum Subjekt internationaler Politik wandeln zu können. Seit 1949/50 hatten verschiedene Personen und Personengruppen selbständig oder im Auftrag der künftigen Alliierten begonnen, über einen westdeutschen Verteidigungsbeitrag nachzudenken, nicht zuletzt Bundeskanzler Konrad Adenauer. Für ihn waren Streitkräfte unverzichtbarer Bestandteil eines souveränen Staates.

Mehr als fünf Jahre sollte es allerdings noch dauern, bis diese erste Phase abgeschlossen werden konnte. Dazwischen lagen die Erstellung zentraler Konzeptionspapiere wie der Besprechungsplan oder der Augustdenkschrift, die Experten-Tagung im Kloster Himmerod, die langjährigen Verhandlungen um die letztlich gescheiterte Europäische Verteidigungsgemeinschaft und die Aufnahme der jungen Bundesrepublik Deutschland in die NATO im Mai 1955.

Mit der Ernennung der ersten Soldaten sollte – jedoch nicht sofort – die Aufstellungsphase beginnen. Ab dem 2. Januar wurden die ersten Verbände, Schulen und Kommandos aufgestellt. Mit der Einführung der Wehrpflicht ab dem 1. April 1957 wuchsen die Streitkräfte, die seit 1956 „Bundeswehr“ hießen, rasant an. Doch die Zusage an die NATO, in vier Jahren 500.000 Soldaten dem Bündnis bereit zu stellen, konnte nicht eingehalten werden. Erst Ende der 1960er Jahre erreichte die Bundeswehr annähernd diese Marke.

Im Übrigen erfolgte die Ernennung der ersten Freiwilligen an einem historischen Tag, dem 200. Geburtstag des preußischen Heeresreformers Generalleutnant Gerhard Johann David von Scharnhorst. Dieser ursprünglich hannoversche Offizier hatte nach 1806 und bis zum seinem Tod 1813 Grundlagen für eine Reform der preußischen Armee gelegt. Dazu zählte z.B. die Öffnung des Offizierkorps für Bürgerliche, die Forderung nach einem hohen Bildungsniveau und nicht zuletzt auch die 1814 eingeführte Allgemeine Wehrpflicht. Zu ihr hatte Scharnhorst festgestellt: „Alle Bürger des Staates sind geborene Verteidiger desselben.“

Im 14. Podcast des ZMSBw spricht Kapitän zur See Dr. Jörg Hillmann mit den beiden Historikern und Oberstleutnanten Dr. Thorsten Loch (Heer) und Dr. Heiner Möllers (Luftwaffe) über die schwierige Gründung der Bundeswehr als Armee im Bündnis.
Zugehört! Der Podcast des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr

Zugehört! Der Podcast des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr

Interviews des ZMSBw zu Militärgeschichte, Militärsoziologie und Sicherheitspolitik: für Wissenschaft, Bundeswehr und Gesellschaft