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Literatur Radio Hörbahn Archiv

2489 Episoden
9 Minuten
eine Rezension von Constanze Matthes

Nicht nur Debüts und Neuerscheinungen bekannter Autoren sorgen Jahr für Jahr für gespannte Aufregung. Erwartungsvoll schaue ich immer wieder in die Vorschauen mit der Hoffnung auf Wiederentdeckungen. Welche Schätze in den vergangenen Jahren gehoben werden konnten und welche Folgen sie auf den Buchmarkt haben, wären wohl ein interessantes Thema für eine wissenschaftliche Arbeit; wenn es sie vielleicht nicht schon gibt. 2012 trat ein Autor ins Rampenlicht, dessen Werke nach und nach wieder ins Bewusstsein gebracht worden sind: der russische Schriftsteller Gaito Gasdanow (1903-1971), der den neuerlichen Ruhm und die breite Rezeption, die bis heute anhält allerdings nicht mehr erleben durfte. …

Constanze Matthes, ich bin Journalistin und leidenschaftliche Leserin. Die Liebe zu den Büchern begann im zarten Alter von vier, fünf Jahren, als meine Mutter mich zum ersten Mal in die kleine Bücherei unseres Dorfes mitnahm. Wenige Jahre später schleppte ich die Bücher dann stapelweise allein nach Hause. In der Schule las ich stets die Pflichtlektüre und war meinen Mitschülern ein gern gesehener Gesprächspartner, um den Inhalt des zu lesenden Buches in der Pause vor der Deutschstunde zu erzählen. Sollte man an dieser Stelle „verraten“ sagen?

Nach dem Abitur und einem Auslandsaufenthalt in Norwegen studierte ich im Hauptfach Germanistik mit Schwerpunkt Literaturwissenschaft. Allerdings las ich dann nicht immer die Pflichtlektüre der mehrseitigen Lektüreliste und besuchte viel eher die wunderbare Bibliothek des Deutschen Literaturinstituts. Vor allem dann, wenn meine Mitbewohnerin den Koffer-Fernseher über das Wochenende wieder nach Hause mitnahm. Noch heute bin ich „fernseherlos“ und investiere vielmehr meine Zeit in große und kleine Geschichten, dicke und dünne Bücher.
15 Minuten
rausgefischt & vorgestellt von Marcus Weible und Gabi Leucht

Wir besprechen in loser Reihenfolge Bücher, die wir beim Entrümpeln unserer Regale entdeckt, wieder gefunden oder erneut gelesen haben.

„Die Geschichte des armen jüdischen Jungen, der in einem fremden Land ohne Geld ankam, aber erfolgreich die amerikanische Traumfabrik Hollywood gründete, beeindruckte Laemmles Zeitgenossen. Er wurde zu einem Beispiel an Willen, Überzeugung und Vorstellungskraft trotz seiner bescheidenen Anfänge. (…). Er war ein Mensch, der als Filmproduzent, kultureller Mediator und als Wohltäter Geschichte schrieb. Er versuchte sein ganzes Leben lang, zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland zu vermitteln, und das in einer Zeit voller politischer Extreme, wirtschaftlicher Schwierigkeiten und kultureller Unterschiede.“

Marcus Weible, geboren 1968 in München. Nach Abitur und Bundeswehr habe ich Geschichte und Rechtswissenschaften in Erlangen und Würzburg studiert. Ich war 15 Jahre als Rechtsanwalt und juristischer Repetitor bei Kern – Nordbayern tätig. In dieser Zeit bereitete ich bundesweit zahlreiche Studenten und Referendare auf das Erste und Zweite Juristische Staatsexamen vor. Mittlerweile lebe ich in Regensburg und gehe dort dem Anwaltsberuf mit Schwerpunkt im Verwaltungsrecht nach. Neben meinem Hobby Geschichte, sind und waren SF und Fantasy meine große Leidenschaft. Ich bin Mitglied des Münchner Fankreises „Die Phantasten“ und betätige mich auf mehreren Literaturseiten als Autor und Rezensent.”

Gabriele Leucht, geboren: 1981 in München, Ausbildung: von den alten Sprachen bis zur Avvocatessa der Juristerei in Rosenheim, Birmingham, Maryland, Neapel, Straßburg und München. Interessen: Kunst, je abstrakter desto lieber, Literatur, besonders Romane und Dramen, Opern-Musik, fürs Herz italienisch, für den Rest auch alles andere, Politik: Grundgesetz-Fanatikerin, Antirassistin u.v.m., Sport: nicht ohne meine Berge.
12 Minuten
Isabell Piantschitsch erforscht mithilfe numerischer Simulationen die Strukturen der Sonnenatmosphäre.

Die Sonne ist der Stern, der unserer Erde am nächsten ist. Ihr Verhalten zu verstehen, ist nicht nur in der Grundlagenforschung von großem Interesse, sondern auch für das Leben und den Alltag auf unserem Planeten wichtig. Die Mathematikerin und Physikerin Isabell Piantschitsch erforscht mithilfe numerischer Simulationen die Strukturen der Sonnenatmosphäre. Das Physikinstitut an der Universität der Balearischen Inseln (UIB) in Palma de Mallorca bietet dafür die idealen Voraussetzungen. …

Den Originalbeitrag finden Sie hier

scilog – das Magazin des Wissenschaftsfonds FWF

Mit scilog wollen wir einen Beitrag dazu leisten, Wissenschaft und Forschung sichtbar zu machen, indem wir über aktuelle Fragestellungen und Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung berichten.

In scilog stellen wir FWF-geförderte Projekte aus allen Wissenschaftsdisziplinen vor. Wir porträtieren die Personen des Wissenschaftsbetriebs und sprechen mit anerkannten Persönlichkeiten über Fragen zur Zukunft der Forschung sowie über Entwicklung und Innovation zum Wohle der Gesellschaft.
10 Minuten
Literatur Radio Hörbahn stellt das Buch in besonderer Weise vor. Christian Bommarius setzt das Panorama eines Jahres der Extreme durch eine Vielzahl meisterhaft erzählter Geschichten und Porträts zusammen. Formal ist es chronologisch nach den Monaten des Jahres 1923 gegliedert. Unsere 12 Sendungen werden jeweils am Anfang eines Monats die Ereignisse des entsprechenden Monats vor 100 Jahren vorstellen.

Wir haben dafür wunderbare Sprecher gefunden, denen es ein Anliegen war, die Ereignisse dieses, für Deutschland und die Welt so wichtigen, Jahres, nach dem Buch von Christian Bommarius in Auszügen zu vertonen. 

Es lesen:

Matthias  Pöhlmann: Januar-April 1923

Steven Lundström: Mai-August 1923

Florian Kienast: September-Dezember 1923

Uwe Kullnick: Einleitungen der Monate Januar-Dezember 1923

DAS TURBULENTESTE UND SPANNENDSTE JAHR DER WEIMARER REPUBLIK

1923 ist das Jahr der Hyperinflation, in der Angestellte die Geldscheine eines Wochenlohns mit der Schubkarre transportierten. 1923 ist das Jahr der Besetzung des Ruhrgebiets und einer heftigen Streikwelle. 1923 ist das Jahr von blutig niedergeschlagenen kommunistischen und nationalsozialistischen Aufstandsversuchen. Und es ist das Jahr radikaler Gegensätze zwischen bitterer Armut einerseits und einer orchideenhaft blühenden Unterhaltungskultur.

1923 ist in seiner Ambivalenz das Ende der Nachkriegszeit und der Auftakt zu den Goldenen Zwanzigerjahren der Weimarer Republik.

Christian Bommarius setzt das Panorama eines Jahres der Extreme durch eine Vielzahl meisterhaft erzählter Geschichten und Porträts zusammen.
1 Stunde 24 Minuten
Schule – jeder verbindet diesen Begriff, diesen Lebensabschnitt mit höchst unterschiedlichen Emotionen. Ein Ort des Lernens, des Wissens, der persönlichen Entwicklung und des Miteinanders. Aber auch ein Ort, der sich der heutigen Zeit und den modernen Gegebenheiten anpassen muss – und das nicht erst seit der Corona-Pandemie. Zu diesen neuen Herausforderungen gehört unbestritten die Digitalisierung. Doch welche Vorteile hat diese für die Schulen? Verlernen wir durch WhatsApp und Co. den sozialen Umgang nicht ohnehin immer mehr? Verbringen Kinder nicht bereits jetzt schon zu viel Zeit vor Bildschirmen? Michael Piazolo, Bayerischer Staatsminister für Unterricht und Kultus, vermittelt spannende Einblicke in die Arbeit der bayerischen Bildungspolitik seit 2018. Quasi über Nacht wurde er das Gesicht zu den Themen »Distanzunterricht« sowie »digitale Schule«. Zur Rolle des Vordenkers gesellte sich zusätzlich jene des Krisenmanagers. Dennoch oder gerade deswegen konnten wegweisende Neuerungen im Bereich mediengestützter Unterricht umgesetzt werden – von der BayernCloud Schule über die Lernplattform mebis bis hin zur Ausstattung mit elektronischen Geräten und digitalen Lehrmaterialien. Michael Piazolo zieht nicht nur Bilanz, er verschafft einen Überblick über das Leistungsspektrum der bayerischen Schulpolitik – insbesondere die sechs zentralen Handlungsfelder Digitalisierung, Eigenverantwortung, Multiprofessionalität, Individualisierung, Achtsamkeit und Nachhaltigkeit (D.E.M.I.A.N.). Eine Lektüre sowohl für Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler, aber auch für deren Eltern. …

Michael Piazolo studierte in München und Lausanne Rechts- und Politikwissenschaft sowie Erwachsenenpädagogik. Er promovierte an der Universität Regensburg in Jura und habilitierte sich anschließend an der Universität Augsburg für das Fach Politische Wissenschaften. Berufliche Stationen führten ihn u. a. als Dozent an die Akademie für Politische Bildung, Tutzing, als Privatdozent an die Universität Augsburg sowie als Professor an die Hochschule für Wirtschaft und Verwaltung, Berlin und an die Hochschule München.

Politische Mandate brachten ihn in den Münchner Stadtrat und seit 2008 in den Bayerischen Landtag, wo er sich insbesondere bildungs- und kulturpolitischen Themen widmete. Von 2010 bis 2019 war er Generalsekretär der Freien Wähler Bayern. Seit 2018 bekleidet er das Amt als Staatsminister für Unterricht und Kultus in Bayern und war in dieser Funktion besonders mit der Corona-Pandemie, der Aufnahme ukrainischer SchülerInnen sowie der Digitali­sierung der Schulen intensiv befasst.
4 Minuten
Sandra Hoffmann

DRAUSSEN – jeden Montag ein Stück Leben

im Literaturportal Bayern und Literatur Radio Hörbahn

DRAUSSEN – “Nicht zu brechende Schaffenskraft”, gesprochen von der Autorin

In dieser wöchentlichen Kolumne schildert Sandra Hoffmann, was sie draußen, unterwegs auf dem Land und der Natur erlebt. Ob sie nun Rehe und Fasane beobachtet oder das Licht beobachtet, Kräuter sammelt, Suppen aus allem kocht, was das Hochbeet hergibt.

Vor allem aber geht es um das Draußensein selbst. In einer Gegenwart, die uns die Folgen des langen menschlichen Raubbaus an der Natur immer drastischer vor Augen führt, sind darin wesentliche gesellschaftspolitische Fragen angelegt. Sandra Hoffmann geht dem in Form einer Schule der Wahrnehmung nach: Da DRAUSSEN gibt es etwas zu sehen, zu spüren, zu holen und zu schützen und nun auch zu hören!

Sandra Hoffmann lebt nach einem Studium der Literaturwissenschaft, Mediävistik und Italianistik (M.A.) seit 2003 als freie Schriftstellerin. Seit Ende 2012 in München. Sie hat seither 6 Romane veröffentlicht, schreibt Radiofeature und Radioessays für den Bayerischen Rundfunk und den Südwestrundfunk, für den sie auch Sachbücher bespricht. Für DIE ZEIT schreibt sie v. a. Reisereportagen. Für das Literaturportal Bayern schrieb sie von 2020 – 2022 die Kolumne DRAUSSEN. Sie unterrichtet kreatives und literarisches Schreiben u. a. an der Universität Karlsruhe, dem Literaturhaus München und für die Bayerische Akademie des Schreibens, sowie für Goetheinstitute im Ausland.

Buchveröffentlichungen:

schwimmen gegen blond, eine Erzählung in 52 tagen, C.H. Beck, 2002

Den Himmel zu Füßen, Roman, C.H. Beck, 2004

Liebesgut, Roman, 2008, C.H. Beck, 2008

Was ihm fehlen wird, wenn er tot ist, Hanser Berlin, 2012

Paula, Hanser Berlin, 2017

Das Leben spielt hier, Roman, Hanser Jugendbuch, 2019
11 Minuten
Im Projekt School Quality and Teacher Education (SQTE) hat Roland Bernhard in Direktionen und unter schulischen Führungskräften nachgefragt, wie binnen weniger Jahre Londoner Schulen mit großen Herausforderungen in Orte verwandelt werden konnten, die benachteiligte Kinder effektiv voranbringen. Das Rezept erscheint einfach: Ideen am Standort umsetzen, weniger Administration, offene Klassenzimmertüren und eine hilfreiche Kennzahl. …

scilog – das Magazin des Wissenschaftsfonds FWF

Mit scilog wollen wir einen Beitrag dazu leisten, Wissenschaft und Forschung sichtbar zu machen, indem wir über aktuelle Fragestellungen und Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung berichten.

In scilog stellen wir FWF-geförderte Projekte aus allen Wissenschaftsdisziplinen vor. Wir porträtieren die Personen des Wissenschaftsbetriebs und sprechen mit anerkannten Persönlichkeiten über Fragen zur Zukunft der Forschung sowie über Entwicklung und Innovation zum Wohle der Gesellschaft.
17 Minuten
Heinrich Christian Wilhelm Busch wurde am 15. April 1832 in Wiedensahl geboren und starb am 9. Januar 1908 in Mechtshausen.

Er war einer der einflussreichsten humoristischen Dichter und Zeichner Deutschlands. Zwischen 1862 und 1888 hielt er sich oft in Wolfenbüttel auf, der Heimatstadt des Sprechers, was letzterem von Kindheit an ein besonderes Verhältnis zum Werk Wilhelm Buschs ermöglichte.

Wohl jeder kennt die Streiche von Max und Moritz. Auch die Bildergeschichten wie Hans Huckebein und Die fromme Helene sind immer noch in Erinnerung. Aber es gibt noch andere Seiten im Wirken von Wilhelm Busch, die weitgehend unbekannt sind. Seine große Leidenschaft war die Malerei und er schuf unzählige Zeichnungen und Gemälde, die er aber nie veröffentlichte, da er sie für nicht gut genug hielt.

Er war auch Dichter, aber die Gedichte und Erzählungen, die er veröffentlichte, sind von seinen Lesern nie wirklich angenommen worden. Die Menschen wollten nur seine lustigen Bildergeschichten lesen. Seine vom Stil Heinrich Heines und der Philosophie Arthur Schopenhauers beeinflusste Lyrik und Prosadichtung stießen beim Publikum, das mit seinem Namen nur komische Bildergeschichten verband, auf Unverständnis.
14 Minuten
Wer von Nürnberg aus über Röthenbach nach Stein fährt, hat sogleich mit der Ortseinfahrt linker Hand dieses wuchtige Schloss vor Augen. Es gehört der gräflichen Familie Faber-Castell samt der Fabrik für Bleistifte und anderes Schreibgerät hundert Meter dahinter, die die Familie seit dem 19. Jahrhundert reich gemacht hat. Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten, und wir tun es trotzdem gerne. Ob wir diese nachgebaute Romantik aus der Zeit um 1900, kombiniert mit Neorenaissance eines älteren Gebäudeteils, schön finden oder nicht, ist am Ende unerheblich. Einer der Gäste des Jahres 1946 sprach von einer „German-Schrecklichkeit“. Immerhin hatte zu Beginn des 20. Jahrhunderts der bekannte Architekt und Inneneinrichter Bruno Paul an der Um- und Neugestaltung der Räumlichkeiten mitgewirkt.
11 Minuten
Mit künstlicher Intelligenz optimiert Harald Özelt starke Magnete für die Energiewende.

Der Physiker will den Anteil an teuren und begrenzt verfügbaren seltenen Erden in den Magneten reduzieren und gleichzeitig ihre Leistung für den Einsatz in Motoren und Generatoren verbessern. Im Fokus der selbstlernenden Algorithmen steht zunächst das einzelne Magnetkorn, dann aber auch ihr Zusammenspiel in einem Verband. …

scilog – das Magazin des Wissenschaftsfonds FWF

Mit scilog wollen wir einen Beitrag dazu leisten, Wissenschaft und Forschung sichtbar zu machen, indem wir über aktuelle Fragestellungen und Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung berichten.

In scilog stellen wir FWF-geförderte Projekte aus allen Wissenschaftsdisziplinen vor. Wir porträtieren die Personen des Wissenschaftsbetriebs und sprechen mit anerkannten Persönlichkeiten über Fragen zur Zukunft der Forschung sowie über Entwicklung und Innovation zum Wohle der Gesellschaft.
1 Stunde 17 Minuten
Karine Hansen ist Deutsch-Armenierin, aufgewachsen in einer Familie, in der die armenische Tradition liebevoll gelebt wird. Während des Studiums lernt sie Frederick Behrens kennen und verliebt sich Hals über Kopf in ihn. Seine konservative Art und seine Selbstsicherheit ziehen sie an. Doch als Frederick während eines Familienessens nicht für Karine einsteht, als der Genozid an den Armenier*innen geleugnet wird, kommt es zum Bruch. Die fehlende Unterstützung bei der Bewältigung von Alltagsrassismus, der ihr immer wieder begegnet, eine gewisse Orientierungslosigkeit nach dem Studium und ein Gespräch mit ihrer armenischen Großmutter, sind Auslöser für Karines Entscheidung kurzerhand nach Armenien zu ziehen und einen Job bei einer kleinen NGO anzunehmen. Sie findet sich in einem ihr völlig fremden Land wieder, das postsowjetisch, korrupt und patriarchalisch geprägt ist. In ihrer NGO-Kollegin Gohar Manoukian findet Karine eine Seelenverwandte. Durch ihre Freundschaft wird Karine politisiert und hineingezogen in die »Junge Bewegung« gegen Korruption. Doch dann wird die Bewegung von einem mächtigen Oligarchen bedroht … »Aprikosenzeit, dunkel« bietet einen wichtigen Einblick in die armenische Geschichte, die vom Genozid und dessen Verleugnung in der Türkei geprägt ist, und nimmt uns mit in ein von der Geschichte gebeuteltes und korruptes Land, dem die Jugend davonläuft. Nur wenige setzen sich gegen die Umstände zur Wehr und zahlen dafür einen hohen Preis. …

Corinna Kulenkamp, 1987 in Düsseldorf geboren, wuchs zweisprachig als Tochter einer Armenierin und eines Deutschen in der Pfalz auf. Sie studierte in München und Harvard Politikwissenschaft und Völkerrecht und wurde anschließend in München zur Dr. phil. promoviert. Sie erhielt zahlreiche Stipendien. Aprikosenzeit, dunkel ist ihr Romandebüt. Sie lebt und arbeitet in München.

AKTUELLES 24. 09. 2023 (Quelle: Silke Bigalke im Leitartikel der SZ)

Die Region Bergkarabach mit ihrer armenischen Bevölkerung ist von Aserbaidschan endgültig geschluckt, und das von Putin fallengelassene Armenien kann nur zuschauen, konstatiert Silke Bigalke im Leitartikel der SZ: “Armenien hält sich militärisch bisher zurück, um einen größeren Krieg zu vermeiden. Premierminister Nikol Paschinjan konnte über Monate nur zusehen, wie die Menschen in der abgeschnittenen Region hungerten und bombardiert wurden. Für Paschinjan ist der Verlust der Region nach drei Jahrzehnten eine Niederlage, die seine Machtlosigkeit zeigt. Doch Aserbaidschan ist auch Armenien militärisch weit überlegen. Er wollte keinen Angriff auf armenisches Staatsgebiet riskieren.”
11 Minuten
„Bereits mit dem Kauf überschreitet sie ganz bewusst eine Grenze. An einem Sonntag im November entdeckt Valeria beim Tabakhändler ein Notizbuch. Mit all ihren Überredungskünsten überzeugt sie ihn, ihr schließlich doch den schlichten Band auszuhändigen, obwohl er sonntags nur Tabak verkaufen darf, der letztlich in Form von Zigaretten auch das eigentliche Ansinnen Valerias war, das Haus an jenem Morgen zu verlassen. Das Notizbuch und das Schreiben verändern fortan das Leben der Ehefrau und zweifachen Mutter. Mit „Das verbotene Notizbuch“ hat die kubanisch-italienische Schriftstellerin Alba de Céspedes (1911-1997) einen zeitlosen Klassiker über eine Frau und das verzweifelte Ringen um Selbstbestimmung gesc. …

Constanze Matthes, ich bin Journalistin und leidenschaftliche Leserin. Die Liebe zu den Büchern begann im zarten Alter von vier, fünf Jahren, als meine Mutter mich zum ersten Mal in die kleine Bücherei unseres Dorfes mitnahm. Wenige Jahre später schleppte ich die Bücher dann stapelweise allein nach Hause. In der Schule las ich stets die Pflichtlektüre und war meinen Mitschülern ein gern gesehener Gesprächspartner, um den Inhalt des zu lesenden Buches in der Pause vor der Deutschstunde zu erzählen. Sollte man an dieser Stelle „verraten“ sagen?

Nach dem Abitur und einem Auslandsaufenthalt in Norwegen studierte ich im Hauptfach Germanistik mit Schwerpunkt Literaturwissenschaft. Allerdings las ich dann nicht immer die Pflichtlektüre der mehrseitigen Lektüreliste und besuchte viel eher die wunderbare Bibliothek des Deutschen Literaturinstituts. Vor allem dann, wenn meine Mitbewohnerin den Koffer-Fernseher über das Wochenende wieder nach Hause mitnahm. Noch heute bin ich „fernseherlos“ und investiere vielmehr meine Zeit in große und kleine Geschichten, dicke und dünne Bücher.
4 Minuten
Sandra Hoffmann

DRAUSSEN – jeden Montag ein Stück Leben

im Literaturportal Bayern und Literatur Radio Hörbahn

DRAUSSEN – “Altern”, gesprochen von der Autorin

In dieser wöchentlichen Kolumne schildert Sandra Hoffmann, was sie draußen, unterwegs auf dem Land und der Natur erlebt. Ob sie nun Rehe und Fasane beobachtet oder das Licht beobachtet, Kräuter sammelt, Suppen aus allem kocht, was das Hochbeet hergibt.

Vor allem aber geht es um das Draußensein selbst. In einer Gegenwart, die uns die Folgen des langen menschlichen Raubbaus an der Natur immer drastischer vor Augen führt, sind darin wesentliche gesellschaftspolitische Fragen angelegt. Sandra Hoffmann geht dem in Form einer Schule der Wahrnehmung nach: Da DRAUSSEN gibt es etwas zu sehen, zu spüren, zu holen und zu schützen und nun auch zu hören!

Sandra Hoffmann lebt nach einem Studium der Literaturwissenschaft, Mediävistik und Italianistik (M.A.) seit 2003 als freie Schriftstellerin. Seit Ende 2012 in München. Sie hat seither 6 Romane veröffentlicht, schreibt Radiofeature und Radioessays für den Bayerischen Rundfunk und den Südwestrundfunk, für den sie auch Sachbücher bespricht. Für DIE ZEIT schreibt sie v. a. Reisereportagen. Für das Literaturportal Bayern schrieb sie von 2020 – 2022 die Kolumne DRAUSSEN. Sie unterrichtet kreatives und literarisches Schreiben u. a. an der Universität Karlsruhe, dem Literaturhaus München und für die Bayerische Akademie des Schreibens, sowie für Goetheinstitute im Ausland.

Buchveröffentlichungen:

schwimmen gegen blond, eine Erzählung in 52 tagen, C.H. Beck, 2002

Den Himmel zu Füßen, Roman, C.H. Beck, 2004

Liebesgut, Roman, 2008, C.H. Beck, 2008

Was ihm fehlen wird, wenn er tot ist, Hanser Berlin, 2012

Paula, Hanser Berlin, 2017

Das Leben spielt hier, Roman, Hanser Jugendbuch, 2019
1 Stunde 44 Minuten
30. Mai 1941: in Oberteuringen eilt die Nachricht von Haus zu Haus: „Am Nachmittag wird ein Pole gehängt. Man kann die Erhängung ansehen.“

Theodor Heilborn, Gendarmerie-Beamter in Oberteuringen, hat von der Aktion erfahren, weil seine Tochter im Rathaus arbeitet. Er berichtet später: „Ich habe von meiner Wohnung aus viele Leute zur Hinrichtungsstätte hinströmen sehen und auch einen LKW oder PKW, in dem der Pole zur Erhängungsstätte transportiert wurde.“3 Sogar Schulkinder sind unter den Neugierigen. Der Vater eines Schülers ist Ortsgruppenleiter Vöhringer. Der Junge hat den anderen Kindern erzählt, was geschehen soll. Darauf schwänzen die Jungs den Nachmittagsunterricht und folgen den Erwachsenen zu Kaplans Wäldle.

Eine Sonderkommission des Landeskriminalamts Ludwigsburg untersuchte 1959, 18 Jahre später, die Hinrichtung von Alexander Borowiec. Es handelte sich um ein „Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt wegen Mordes und Beihilfe zum Mord“, §§ 221 und 49 StGB.5 Bei den Ermittlungen vom 13. bis 19. Oktober 1959 stellten die Beamten fest, dass während der Jahre 1941/1942 mehrere polnische Kriegsgefangene in der Region Bodensee ohne Gerichtsurteil hingerichtet wurden: in Oberteuringen, in Madenreute bei Meckenbeuren, auf dem Hofgut Mückle bei Langenargen.

„Am Nachmittag wird ein Pole gehängt. Man kann die Erhängung ansehen.“

Alexander Borowiec, Mieczyslaw Grabowski, Eugen Pagacz, Ludwigk Walaczynski, Josef Musial, Wladislaw Lenda, Jan Kobus, Gregor Lisowskie, Wladislaw Sobolak
17 Minuten
Die norwegische, in Oslo lebende Biologin Hanna Bjørgaas mit den Schwerpunkten Biodiversität und Evolution und einer Zusatzausbildung in „Outdoor Life“ scheint das zu sein, was man einen hoffnungsvollen Fall nennen könnte:

Hoffnungsvoll in dem Sinne zum einen, dass sie, die auch als „Reiseleiterin für Kreuzfahrttouristen“ in der Arktis und Antarktis (siehe unten) gearbeitet und Touren zum Thema Pflanzen, Pilze und Flechten durchgeführt hat, ihre (Arbeits-)Tage selbst in vermeintlich vertrauter urbaner Umgebung offenbar stets voller Neugierde und Erwartungen auf neue Erfahrungen, Einsichten und Erkenntnisse angeht, ‚bewaffnet‘ meist mit Skizzenbuch, Fernglas und Lupe. …

Von Günter Helmes