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Soziologische Perspektiven auf die Corona-Krise Archiv

118 Episoden
30 Minuten
Ein verringertes Verkehrsaufkommen war eine der unmittelbaren Folgen der Corona-Pandemie. Der internationale Güter- und Personenverkehr sankt anfangs drastisch, in geringerem Maße aber auch der Pendel- und Freizeitverkehr. In ihrem Vortrag vom 25. November 2020 gab Katharina Manderscheid einen Überblick, wie sich die geänderten sozialen Mobilitäts- und Immobilitätsverhältnisse fassen lassen. Inbesondere im Arbeitsbereich sind die Risiken ungleich verteilt, je nachdem, ob man eine ungefährdete Festanstellung hat und ins Home Office gehen kann – oder gezwungermaßen mobil bleibt oder die Arbeit ganz verloren hat. So macht die Pandemie gleichermaßen bestehenden Ungleichheiten sichtbar und bringt neue hervor.
31 Minuten
In their study, based on survey evidence from a representative sample of Dutch respondents taking part in an online panel, Valentina Di Stasio and Tobias Stark examine the association between the social norms of one's social network and the likelihood to comply with social distancing measures to prevent the spread of Covid-19. Their results show that compliance is stronger for people whose network members follow the rules (descriptive social norm) and expect others to do the same (injunctive social norm). They also present results from a survey experiment in which they test whether this association can be given a causal interpretation.
31 Minuten
Schon früh in der Corona-Pandemie gab es Hinweise, dass sozial benachteiligte Gruppen besonders hohe Erkrankungs- und Sterberisiken tragen. Mittlerweile liegen zahlreiche Studien vor, die dieses Muster belegen und erste Hinweise auf die Ursachen geben. Jan Paul Heisig leitet die Forschungsgruppe Gesundheit und soziale Ungleichheit am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB). Nach wie vor kommen die meisten Arbeiten aus den USA und dem Vereinigten Königreich, aber auch für Deutschland und für andere Staaten der Europäischen Union gibt es inzwischen belastbare Befunde. In seinem Vortrag vom 18. November 2020 fasst Jan Paul Heisig die Ergebnisse einiger zentraler Studien zusammen. Zudem diskutiert er wichtige offene Fragen und Herausforderungen für die weitere Erforschung der laufenden und möglicher zukünftiger Pandemien. Moderation: Michelle Boden
30 Minuten
In ihrem Beitrag vom 18. November 2020 diskutieren Gabriele Klein und Katharina Liebsch die Bedeutung der Fortsetzung des Ausnahmezustands und die Verstetigung des Krisenhaften, die mit dem ‚social distancing‘ für die Körper verbunden ist. Die anhaltende Präsenz des Außergewöhnlichen – Masken, Abstandsgebote, Kontaktbeschränkungen, ‚lockdown light‘ – versetzt die Körper in einen Krisen-Modus, der anhand von zwei Fragen veranschaulicht werden soll: Was bedeutet die Verstetigung des Ausnahme-Zustands für Prozesse der Vergesellschaftung von Körpern und Subjekten?Welche grundlegenden Transformationen von Körperpraktiken und Körperordnungen bringen die „Körper im Krisen-Modus“ hervor? Gabriele Klein ist Professorin für Soziologie und Psychologie von Bewegung, Sport und Tanz am Institut für Bewegungswissenschaft der Universität Hamburg. Katharina Liebsch ist Professorin für Soziologie an der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg. Moderation: Joshua Perleberg
33 Minuten
Ein wichtiger Indikator für die Einschätzung einer Pandemie ist die Sterblichkeit, insbesondere die Übersterblichkeit, auch Exzess-Mortalität genannt. In seinem Vortrag vom 11. November 2o2o stellt Roland Rau was man unter Exzess-Mortalität versteht und wie man diese misst. Zudem stellt er die Ergebnisse für Deutschland bis zur 41. Kalenderwoche (Verfügbarkeit am 6. November 2020) vor und kontrastiert diese mit den Entwicklungen anderer Länder sowie ausgewählten Bundesstaaten in den USA. Roland Rau ist Professor für Demographie an der Universität Rostock und Leiter der Forschungsgruppe Mathematische Demografie am Max-Planck-Institut für Demografische Forschung.
31 Minuten
Die Corona-Krise verändert das Zusammenspiel von Wissenschaft, Politik, Medien und Öffentlichkeit, so die Grundannahme von Manfred Prisching. In seinem Vortrag vom 11. November mit dem Titel „Viren, Wirren, Wissen: eine Irritation wird bearbeitet“ schlug er eine wissenssoziologische Perspektive auf Veränderungsprozesse vor. Die Corona-Pandemie fordert Weltsichten heraus. Sie verändert die Rolle von Nichtwissen für Wissenschaft, Politik und Medien. Sie geht mit einer neuen Visualität der Pandemie einher, in Statistiken oder Piktogrammen. Schließlich erfordert ihre Bewältigung eine politische Symbolik. Manfred Prisching ist emeritierter Professor für Soziologie an der Universität Graz und hat sich in seiner Arbeit mit gesellschaftlichen Krisen sowie wissenssoziologischen und zeitdiagnostischen Fragen beschäftigt.
29 Minuten
Wenn Urbanität auf der Pluralität sozialer Alltagsinteraktionen im Stadtraum beruht, dann ist sie auch zeitlich: Interaktionen produzieren Raum. Zeit-raumsoziologisch befragt Fraya Frehse, was die Räumlichkeiten von (nicht-)verbalen Interaktionen bzgl. der Corona-Maßnahmen in São Paulo über diese Stadt nach Corona aussagen. Soziale Ungleichheiten historischer Natur verweben sich räumlich mit der Corona-Krise so, dass fünf Typen von post-Corona-Urbanität zum Vorschein kommen. Fraya Frehse ist seit 2006 Professorin für Soziologie (Schwerpunkt Alltags-, Stadt- und Raumsoziologie) an der Universidade de São Paulo. Moderation: Florian Binder
33 Minuten
Im Zeitraum April bis Juni wurden mehr als 6000 Personen aus Haushalten, die an den jährlichen Erhebungen des Sozio-oekonomischen Panels teilnehmen, zu ihrer Lebenssituation in der Pandemie und ihren Wahrnehmungen und Bewertungen befragt. Damit ist es möglich, sowohl Veränderungen im Vergleich zu den Jahren vorher, als auch Dynamiken über den Beobachtungszeitraum hinweg festzustellen. In diesem Beitrag berichten Simon Kühne und Stefan Liebig zentrale Ergebnisse mit Blick auf die sozio-ökonomische Situation der Haushalte, die Art und Weise, wie sie mit den sozialen und ökonomischen Einschränkungen durch die Pandemie umgegangen sind und wie sich dies im subjektiven Wohlbefinden und der psychischen Verfasstheit widerspiegelt. Stefan Liebig ist Direktor des Sozio-oekonomischen Panels sowie wissenschaftliches Vorstandsmitglied des DIW Berlin. Zudem ist er seit 2019 Professor für Soziologie an der Freien Universität Berlin. Simon Kühne arbeitet am Lehrstuhl für Methoden der empirischen Sozialforschung mit dem Schwerpunkt quantitative Methoden der Fakultät für Soziologie der Universität Bielefeld. Moderation: Joshua Perleberg
30 Minuten
Im Kolloquium wurde immer wieder die Wirkung der Corona-Pandemie auf soziale Ungleichheiten thematisiert – wohl eine der wichtigsten Aufgaben, die die Soziologie bei der wissenschaftlichen Analyse der Krise hat. Empirisch nachzuvollziehen, welche Wirkungen die Krise hat, ist dabei die eine Herausforderung – sie theoretisch zu konzeptionieren die andere. In ihrem Vortrag vom 28. Oktober 2020 machte Anja Weiß einen Vorschlag, der Vielfalt von Ungleichheitsstrukturen gerecht zu werden. Im Zentrum steht dabei die Annahme, dass soziale Ressourcen nur in bestimmten Kontextrelationen umgesetzt werden können. Auf solche Relationen hat die Corona-Pandemie unterschiedliche Folgen. So verstärkt sie zwar bestehende Ungleichheiten, bringt aber auch neue hervor – etwa einem Cleavage zwischen Personen, die unter körperlicher Ko-Präsenz arbeiten müssen, und solchen, die raumzeitlich zunehmend Flexibilität gewinnen. Anja Weiß ist Professorin für Soziologie an der Universität Duisburg-Essen mit Schwerpunkt Makrosoziologie und transnationale Prozesse. Moderation: Jan Wetzel
32 Minuten
In der Zeit des Corona-Lockdowns unterliegt der Familienalltag wesentlichen Veränderungen, da Erwerbsarbeit und Kinderbetreuung koordiniert werden müssen. Auch die Organisation des Essalltags bedarf häufig neuer Gestaltung, da Schulen und Kitas geschlossen sind und keine Verpflegung außer Haus stattfindet. In ihrem Vortrag stellt Lea Eileen Pöhls dar, inwieweit der mit dem Coronavirus begründete Lockdown zu einer Veränderung der sozialen Gestaltung von Mahlzeiten in der Familie führt und stützt sich auf die Auswertung von Ernährungstagebüchern, die in zwei Etappen erhoben wurden: das Ernährungstagebuch 1.0 vor der Corona-Krise und das Ernährungstagebuch 2.0 während des Corona-Lockdowns. Die Ergebnisse wurden explizit in Bezug auf die beruflichen Veränderungen der Eltern während des Lockdowns analysiert. Lea Eileen Pöhls ist Promotionsstudentin an der WISO Graduate School der Universität Hamburg. Die in Ihrem Vortrag vorgestellten Ergebnisse beruhen auf Erhebungen, die im Rahmen ihres Dissertationsprojekts durchgeführt wurden.
26 Minuten
Der Erfolg eines Krisenmanagements in Corona-Gesellschaften hängt von der Steuerungsfähigkeit des Staates, aber auch der Bereitschaft der Menschen ab, den Empfehlungen der Politik zu folgen und ihr Verhalten entsprechend anzupassen. In seinem Vortrag vom 21. Oktober 2020 stellte Johannes Weyer Ergebnisse aktueller empirischer Studien zu beiden Themenkomplexen vor. Er entwickelt zudem Vorschläge, mit welchen Methoden die Soziologie denkbare Zukunftsszenarien durchspielen und so zum gesellschaftlichen Krisenmanagement beitragen kann. Johannes Weyer ist Professor für Techniksoziologie an der Technischen Universität Dortmund. Er befasst sich mit der Mensch-Maschine-Interaktion in hochautomatisierten Systemen, der Steuerung (und Transformation) komplexer soziotechnischer Systeme sowie der Echtzeitgesellschaft.
29 Minuten
In ihrem Vortrag machte Lisa Suckert darauf aufmerksam, dass die Corona-Krise nicht nur zu einer Refiguration des Raumes, sondern auch der zeitlichen Ordnung der Gesellschaft geführt hat. Die Pandemie macht einen Umgang mit Zeit erforderlich, der mit der vorherrschenden kapitalistischen Ordnung von Wirtschaft und Gesellschaft kollidiert. Statt Beschleunigung und Wachstum gilt es zu verlangsamen und geduldig zu bleiben. Stärker selbst zu leistende Sorgearbeit kostet Zeit, die für Erwerbsarbeit und Konsum fehlt. Die Vorstellung einer plan- undgestaltbaren Zukunft wird durch radikale Unsicherheit verdrängt. Covid erschüttert das kapitalistische Zeitregime, lässt aber auch dessen Eigenheiten, Paradoxien und Schwachstellen besonders deutlich hervortreten. Lisa Suckert ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln. In ihrer wirtschaftssoziologischen Forschung setzt sie sich mit den Themen Kapitalismus, Zukunftsvorstellungen, Konventionen und Diskurse sowie Nachhaltigem Wirtschaften auseinander.
Soziologische Perspektiven auf die Corona-Krise

Soziologische Perspektiven auf die Corona-Krise

Der Podcast zum digitalen Kolloquium