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Soziologische Perspektiven auf die Corona-Krise Archiv

118 Episoden
31 Minuten
Anna Henkel beleuchtet in Ihrem Vortrag den Umgang der moderne Gesellschaft mit der Corona-Krise. Die Gesellschaft steht immer vor der Herausforderung, sich mit den ihr zur Verfügung stehenden (sozialen) Mitteln auf Gefährdungen einzustellen. Für die Gesellschaft sind ökologische, technologische oder erdsystemische Gefährdungen räumlich und zeitlich oft fern. Eine in diesem Sinne ferne Pandemiegefahr ist mit Corona jedoch plötzlich ganz nah. Darin liegt aus Sicht der Soziologie für die Gesellschaft die Chance eines Stresstests.
32 Minuten
Der Beitrag von Katrin Auspurg nimmt eine Meta-Perspektive auf die Forschung ein. Derzeit gibt es aufgrund der Aussetzung üblicher Qualitätsstandards etliche Anzeichen für eine ineffiziente Wissenschaft. Viele Thesen entbehren transparenter Grundlagen; zahlreiche ad-hoc Surveys verletzen methodologische Grundregeln. Verzerrte Ergebnisse können aber zu falschen Schlussfolgerungen führen und die Wissenschaftsskepsis der Bevölkerung mehren. Der Beitrag plädiert daher für eine stärker analytisch-empirische Forschung, basierend auf den Prinzipien verlässlicher Sozialforschung. Damit sich verlässliche gegenüber überhasteter Forschung durchsetzen kann, erscheinen zudem Änderungen der Anreizstrukturen erforderlich: Hin zu mehr Forschungskooperationen, zu mehr Transparenz und intersubjektiver Nachvollziehbarkeit.
27 Minuten
In Krisensituationen müssen Menschen umdenken. Ein kollektiver Lernprozess beginnt und neue Ordnungsmuster entstehen. Doch werden die neuen sozialen Normen auch befolgt? Eine genauere Analyse muss dem unterschiedlichen Charakter sozialer Normen Rechnung tragen. Andreas Diekmann wird der Frage nachgegangen, unter welchen Bedingungen Regeln und soziale Normen der „sozialen Distanzierung“, für das Tragen von Schutzmasken oder die Anwendung digitaler Technik zur Nachverfolgung von Infektionsketten akzeptiert und befolgt werden.
34 Minuten
In ihrem Vortrag gehen Gabriele Klein und Katharina Liebsch aus körpersoziologischer Perspektive Fragen nach dem Ablauf und dem Vollzug der gegenwärtigen Veränderungen durch die Corona Pandemie nach. Sie stellen fest, dass durch die Corona Pandemie eine Vielzahl von Körperpraktiken für hochgradig ansteckend und damit für gefährlich erklärt wurden. Damit werden auch leibliche Erfahrungen neu klassifiziert – und dies, so ist zu vermuten, nicht nur in Zeiten der akuten und Monate dauernden Krisenbekämpfung sondern auch mit nachhaltigen Folgen. Daher wird in diesem Vortrag folgenden Fragen nachgegangen: Welche Neu-Klassifikationen der Körper entstehen mit den neuen Ge- und Verboten körperlicher Begegnung? Wie werden diese legitimiert? Wie integrieren Individuen diese in ihren Alltag?
24 Minuten
Die Demografie beschäftigt in der Corona-Krise bisher vor allem die Frage der Sterblichkeit. Doch welche Auswirkungen sind auf die Geburtenzahlen zu erwarten? In ihrem Vortrag gab Michaela Kreyenfeld einige erste Antworten darauf. Da es selbstverständlich noch keine Daten dazu gibt, hilft ein Blick in die Geschichte. Lange galt, dass nur langfristige Entwicklungen wie die Frauenemanzipation und Wertewandel auf die Fertilität wirken, nicht aber Wirtschaftskrisen. Dieser Blick hat sich inzwischen gewandelt. Wirtschaftliche Not kann, wie Kreyenfeld zeigt, die Geburtenzahlen beeinflussen. Gleichzeitig beeinflusst sie den familienpolitischen Spielraum, positiv darauf einzuwirken.
33 Minuten
Stefan Liebig und Simon Kühne gehen in Ihrem Vortrag der Frage nach, inwiefern die Pandemie auf soziale Ungleichheitsstrukturen trifft. Informationen hierzu wurden in einer Zusatzerhebung des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) gesammelt. Liebig und Kühne berichten in ihrem Vortrag erste vorläufige Ergebnisse aus der Befragung und zeigen auf, warum die längsschnittliche Forschungsperspektive des SOEP insbesondere auch für die politische Steuerung in der aktuellen Krise entscheidend sein kann.
32 Minuten
In ihrem Vortrag gaben Frauke Kreuter und Johannes Abeler eine Übersicht zum Thema App-basierter Kontaktverfolgung. Man kann andere Personen bereits infizieren, bevor man die typischen Symptome einer Covid-19 Erkrankung zeigt. Da eine frühe häusliche Quarantäne ein weitertragen des Virus von frisch angesteckten Personen verhindern würde, könnte ein App-basierte Kontaktverfolgung helfen das Virus einzudämmen. Falls genügend Menschen eine solche App nutzen würden, könnte die Epidemie auch ohne flächendeckende Ausgangs- oder Kontaktsperren eingedämmt. In Anbetracht des Potentials von Kontaktnachverfolgung, ist es kaum verwunderlich, dass viele Länder unter Hochdruck an der Entwicklung solcher Apps arbeiten. Nichtsdestotrotz gibt es noch immer einige ungeklärte Fragen in Bezug auf die Akzeptanz App-basierter Kontaktnachverfolgung.
29 Minuten
In seinem Vortrag mit dem Titel „Shutdown der offenen Gesellschaft“ ging Aladin El-Mafaalani der Fragen nach, was die Corona-Krise für die offene Gesellschaft bedeutet, welche Paradoxien in der Krise zum Vorschein treten und inwieweit es sich um eine Krise der Offenheit handelt.
29 Minuten
Heinz Bude stellte in seinem Vortrag die Bedeutung der Corona-Krise für gesellschaftliche Solidarität dar. Die Krise sieht er als totales soziales Phänomen. An die Stelle von Freiheit individueller Selbstverantwortung, die die letzten Jahrzehnte prägten, treten Verletzbarkeit und gegenseitige Abhängigkeit. Die Staatsbedürftigkeit der Gesellschaft und Möglichkeiten einer neuen Solidarität werden sichtbar. In dieser Grundkonstellation stellt Bude, dem Titel seines Vortrags folgend, Legitimationsglaube, Folgebereitschaft und Verhaltensorientierung der Bevölkerung in der aktuellen Situation dar.
26 Minuten
In ihrem Vortrag gingen Mareike Bünning und Lena Hipp aus der WZB-Forschungsgruppe „Work and Care“ der Frage nach: Wie wirkt sich Corona auf Arbeit, Familie und Wohlbefinden aus? Erste Antworten konnten sie dabei auf Basis der empirischen Erhebung zu diesen Themen teilnehmen, die unter corona-alltag.de läuft. Basierend auf den Antworten von rund 8000 Teilnehmer*innen der ersten Erhebungswelle geht es im Vortrag insbesondere um die Auswirkungen im Bereich der Erwerbsarbeit – abhängig etwa davon, ob man in einem systemrelevanten Beruf arbeitet oder nicht.
28 Minuten
In seinem Vortrag geht Armin Nassehi der Frage nach, wie eine Gesellschaft, die nicht wie aus einem Guss reagieren kann, mit der Corona-Infektion umgeht. Ausgehend von der Beobachtung, dass nicht nur der menschliche Körper, sondern auch die Gesellschaft offensichtlich vom Corona-Virus infiziert ist, analysiert Nassehi die Abwehrreaktionen gesellschaftlicher Funktionssysteme auf diese Infektion.
28 Minuten
In seinem Vortrag gab Karl Ulrich Mayer einen ersten Überblick, welchen Beitrag der analytische Werkzeugkasten der Soziologie zur Bewältigung der Coronakrise leisten kann. Wer in welchem Maße von der Krise betroffen ist, hat viel mit sozialer Ungleichheit zu tun. Sie bestimmt, wie Kontakt- und Ansteckungsrisiken, Zugangschancen zu medizinischer Behandlung und Sterberisiken gesellschaftlich verteilt sind. Ein exaktes Wissen über diese Wirkungen braucht, um zu verhindern, dass die Corona-Krise soziale Ungleichheit weiter verschärft.
Soziologische Perspektiven auf die Corona-Krise

Soziologische Perspektiven auf die Corona-Krise

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