Morgenimpuls Archiv
1710 Episoden
3 Minuten
Es gab einen unglaublichen Trend im Ägypten des dritten und vierten Jahrhunderts. Junge und auch gestandene Männer gingen in die Wüste. Nein, nicht um an der Rallye Paris-Dakar teilzunehmen oder um Selbsterfahrungskurse für Männer zu belegen. Sie konnten, wenn sie in die Wüste flüchteten, Steuern sparen und der Einberufung zum Militärdienst beim jeweiligen Kaiser entgehen. Also zogen Scharen von Menschen in die ägyptischen Wüsten und versuchten dann tatsächlich auch irgendwie asketisch und fromm zu leben, um zu zeigen, dass es nicht um Flucht vor, sondern Hingabe an ging. Und viele hatten von einem Mann gehört, der das schon viele Jahre getan hatte. Antonius, der Vater des Mönchtums. Der hatte zunächst ein reiches Erbe gemacht und sich dann nach dem Tod der Eltern um die Verwaltung der Güter und die Erziehung seiner Schwester gekümmert. Aber dann hat er Ausschnitte aus dem Matthäusevangelium gehört, wo es heißt: "Wenn Du vollkommen sein willst, dann verkaufe alles, was Du hast, und gib es den Armen. Und: Sorgt euch nicht um den morgigen Tag, denn der morgige Tag wird für sich selber sorgen." Das hat sein Leben komplett auf den Kopf oder vielleicht eher auf die Füße gestellt. Er hat ernst gemacht, alles verkauft, was er besaß und den Erlös den Armen gegeben, seine Schwester hat er frommen Frauen anvertraut und ist dann in die Wüste gezogen, um vor Gott und für die Menschen zu leben. In seine Einsiedelei besuchten ihn immer mehr Menschen und wollten Heilung oder Linderung, Rat oder Hilfe in schwierigen Lebenssituationen oder wollten bei ihm lernen, wie auch sie als Geistliche und Asketen leben konnten. Sie haben gespürt, dass dieser Mann ernst gemacht hat mir dem, was ihn einmal gepackt hatte: die Anfrage Gottes an ihn und seine radikale Antwort. Und er wurde kein weltfremder Asket und komischer Heiliger, sondern einer, der die Fragen und Themen der Menschen, der Politik und der Länder kannte und eine sehr energisch eigene Meinung dazu hatte. In allen christlichen Religionen wird er heute gefeiert und dient immer noch vielen Menschen als Vorbild: nicht als Steuerflüchtlinge oder Militärdienstverweigerer, sondern als ein Mensch, der mit seinem Glauben an Gott ernst macht und ihm allein dienen will.
3 Minuten
Morgens kurz die Nachrichtenlage checken, irgendwann zwischendurch in die Lokalzeitung schauen: ein Wohnungsbrand, Hochwassergefahr, wundervoller Schützenball, Geldautomaten aufgesprengt, Direktor für Grundschule gesucht, Rückblick zum Sportwochenende, zwischendurch die Nachrichtenapp durchforsten um in der aktuellen Weltlage informiert zu sein: Ukrainekrieg, Hungersnot im Jemen, auch Biden hatte Geheimdokumente zuhause, Erzbischof Gänswein hat mit seinem Buch Papst Franziskus verärgert, die NINA Warnapp ploppt mit Wetterwarnungen dazwischen, ach ja, alles irgendwie viel und nicht toll. Man könnte sich ja abschotten und nichts an sich ranlassen. Aber das ist auch keine Art und Weise mit dem Leben in der Welt umzugehen. Beim Propheten Jesaja, aus dessen Buch die heutige Lesung ist, steht aber etwas vollkommen anderes. Da heißt es: "Kamen Worte von dir, so verschlang ich sie; dein Wort war mir Glück und Herzensfreude; denn dein Name ist über mir ausgerufen, Herr, Gott der Heere." Mit DIR ist bei Jesaja, um 730 vor Christus, der Gott Jahwe gemeint. Wir Klosterleute haben es ja einfach: wir beten jeden Tag zusammen die Tagzeiten und jedesmal einen Bibeltext, es gibt die Heilige Messe mit Lesung und dem Evangelium und selbst zur Nacht hin, in der Komplet, hören wir ein Wort Gottes. Aber wie geht es Ihnen mit diesem "kamen Worte von Dir so verschlang ich sie, dein Wort war mir Glück und Herzensfreude"? Manchmal hilft es schon sehr, kurz mal nachzudenken, welches Wort aus der Bibel mir jetzt grad einfallen wird oder einfach, ganz zufällig mal die Heilige Schrift aufzuschlagen, um dann zu lesen und zu schauen, was da steht. Und vielleicht bleibt das eine Wort, das sich mir ins Hirn und ins Herz setzen kann. Mir hat eine Mitschwester, als freundlichen Gag, einen Aufkleber an die Zimmertür geklebt mit einem QR -Code vom Bibelwerk in Stuttgart. Und jeden Tag, wenn ich daran denke, gehe ich mit dem Scanner meines Smartphones darüber und mir wird jeden Tag ein kurzer Bibelvers zugesagt. Jeden Tag ein anderer. Heute heißt er: "Ich bin bei Dir alle Tage". Das ist eine gute Aufforderung an mich über den Tag, immer mal wieder an Gott zu denken und sein Wort mir Glück und Herzensfreude sein zu lassen.
4 Minuten
Meine Güte, was ist los? Jetzt haben wir wohl die Wochen der gekränkten Seelen. Ja natürlich, es gibt immer wieder Situationen, in denen Menschen sich bis tief in die Seele verletzt und gekränkt fühlen und Zeit brauchen und Rückzug und stille Hilfe zur Bewältigung und Heilung. Aber kaum jemand schreibt darüber ein Buch. Aber jetzt haben wir da eins von Prinz Harry. Er beschreibt in "Reserve" alle Kränkungen durch das englische Königshaus Zeit seines Lebens und seine Reserverolle in der Rangfolge der Brüder. Und er packt aus und packt aus und erzählt und legt dar und macht Vorwürfe und erhebt Anklagen und alle sind entsetzt und erschrocken über Inhalt und Art und Weise. Und die englische Presse spricht von der größten Krise des Königshauses seit 30 Jahren. Und dann, in einem Begleitinterview sagt er mittendrin, dass er doch so sehr auf Versöhnung mit Bruder und Vater und Königshaus hofft. Und das macht mich noch mehr sprachlos und verwirrt und erschrocken. Da zieht einer vom Leder und schreit alles heraus, was seit vielen Jahren in ihm brodelt und klagt an und urteilt vernichtend - um im nächsten Moment um Versöhnung zu bitten. Im Epheserbrief heißt es heute: "Jede Art von Bitterkeit, Wut, Zorn, Geschrei und Lästerung und alles Böse verbannt aus eurer Mitte! Seid gütig zueinander, seid barmherzig, vergebt einander, weil auch Gott euch durch Christus vergeben hat." Was würden Sie tun, wenn Sie Harrys Bruder William wären? Oder sein Vater Charles? Könnten Sie Harry vergeben trotz all dem Müll den er über der Familie ausgeschüttet hat? Und was sollte Harry tun? Den Gang nach Canossa gehen, zwanzig Jahre still im ungeliebten Exil leben und nichts mehr sagen und schreiben? Ich finde es schwer, sich in fremde Menschen und ihre Beweggründe hinein zu versetzen. Viele von uns haben Ähnliches in einem anderen Maß erlebt und erlitten und oft war es unsäglich schwer, den richtigen Weg, die richtige Reaktion zu finden. Der Brief an die Epheser gibt eine Möglichkeit vor und eine einzige Begründung. Die Möglichkeit heißt: Seid gütig zueinander, seid barmherzig, vergebt einander. Und die einzige Begründung lautet: weil auch Gott euch durch Christus vergeben hat. Nur weil wir wissen und ahnen, dass Gott uns vielmehr vergeben hat, als wir überhaupt selbst noch wissen, nur deshalb sind wir in der Lage es auch zu können. Nur tun müssen wir es wirklich noch selbst. Wie auch Prinz Harry und Prinz William – es vielleicht oder hoffentlich tun werden.
3 Minuten
"Seht, golden steigt das Licht empor - da schwindet hin die dunkle Nacht, die unsren richtungslosen Schritt hart an des Abgrunds Rand gebracht." Bisher habe ich diese erste Strophe im Hymnus der Laudes immer ganz arglos und freudig gebetet. Bis dieser Tage. Da ist mir nahezu jedes Wort nochmal anders bewusst geworden. Nach einem Mittelfußbruch musste ich nach der Operation doch ein paar Tage im Krankenhaus bleiben. Mit meiner sehr netten, nach einem Treppensturz sehr schwerverletzten Zimmernachbarin, habe ich mich am Tag wunderbar unterhalten über Gott und die Welt, über Reisen und über die Familie und wie gut es ihr mit allem geht. Alles was so am Tag war, wurde klaglos erledigt und ertragen. Aber dann kamen die Nächte und die Schmerzen und ihre Ängste und Sorgen. Und die Schmerzmittel, die scheinbar nicht wirkten und die Sorge um Mann und Familie und Zukunft und, und, und... Und von der Station hörte man viele Geräusche von rennenden Nachtwachen, lauten Klingeltönen, jämmerlichen Klagen und Weinen und aufgeregtem Telefonieren. Und wenn ich dann doch mal kurz eingeschlummert war, hat sie mich laut klagend gebeten, ihr doch zu helfen. Und so sind wir zusammen durch die Nacht geschlingert mit Jammern und Klagen und der eindringlichen Bitte an Gott und die Gottesmutter, diese Nacht doch vorbeigehen zu lassen und wenn es Gott doch hoffentlich gibt, dann sollte er doch… Und dann ist er doch gekommen, der so ersehnte Morgen. Ein leicht heller werdender Himmel, mehrere ruhige Stimmer des Frühdienstes auf dem Flur und die Nachtschwärze innen und außen verschwand immer mehr. Und mit dem heller werdenden Himmel verschwanden auch die nächtlichen Dämonen der Angst und Sorge und der Not um die Zukunft. Und dann habe ich den Hymnus für uns beide laut gebetet und nie war er mir passender als an diesem dankbar erreichten Morgen: "Seht, golden steigt das Licht empor - da schwindet hin die dunkle Nacht, die unsren richtungslosen Schritt, hart an des Abgrunds Rand gebracht. Und jener letzte Morgen einst, den wir erflehn voll Zuversicht, er finde wachend uns beim Lob und überströme uns mit Licht. Amen"
3 Minuten
Am Bildschirm meines Computers im Büro klebt eine Postkarte und darauf ein Wort, das dem heiligen Franziskus von Assisi zugeschrieben wird. Da steht: "Tu erst das Notwendige, dann das Mögliche und plötzlich schaffst du das Unmögliche". Es ist ja wie mit allem, was man so Tag für Tag vor Augen oder vor Ohren hat, man nimmt es irgendwie nicht mehr wahr. Obwohl es direkt in meinem Blickfeld hängt, sehe ich es eigentlich nicht mehr. Aber manchmal, wenn ich dasitze und ein Problem wälze, nach Ideen forsche, einen komplizierten Sachverhalt klären muss ... plötzlich fällt mein Blick auf diesen Satz. Dann hole ich tief Luft und versuche zu sortieren: Was ist denn im Moment das Notwendige? Und dann tue ich zunächst das; also, einen Text suchen, vergangene Vorgehensweisen zurate ziehen, schauen, wie ich ähnliche Probleme früher gelöst habe und so weiter. Und dann das Mögliche. Manchmal muss ich bedenken, dass ich das Problem heute nicht lösen kann. Erst noch Gespräche führen, mich mit Leuten beraten, die sich in dem zu klärenden Sachverhalt besser auskennen, Mails und Telefonate erledigen. Manchmal muss man auch über eine Sache erst einmal drüber schlafen, etwas anderes dazwischen machen oder...oder und beten - es vor Gott bringen! Und plötzlich hat man die Lösung und es scheint ganz einfach gewesen zu sein. Im Buch Tobit heute steht ebenfalls ein so einfacher wie uralter Tipp: "Suche bei Verständigen Rat. Einen brauchbaren Ratschlag verachte nicht und preise Gott den Herrn zu jederzeit. Bitte ihn, dass dein Weg geradeaus führt und alles, was du tust und planst, ein gutes Ende nimmt." Es ist also ein Plädoyer dafür, was die Alten Gottvertrauen genannt haben - glaube ich. Das, was ich tun kann, in Ruhe tun, meine Talente, Fähigkeiten und Fertigkeiten einsetzen. Mir Rat und Hilfe suchen, wo ich es brauche und alles tun und gelingen, Gott anvertrauen und im Gebet vor ihm bedenken. Also, auch für Sie heute der Tipp des heiligen Franz von Assisi: "Tu erst das Notwendige, dann das Mögliche und plötzlich schaffst du das Unmögliche."
2 Minuten
Als Kind habe ich mit Grausen den Märchenfilm "Das kalte Herz" gesehen, der 1950 nach einem Märchen von Wilhelm Hauff gedreht worden ist. Ein armer junger Mann macht einen Deal mit einem Waldgeist, um endlich Geld und Besitz zu bekommen. Er tauscht sein liebendes, warmes, junges Herz gegen ein kaltes Herz aus Stein, das nicht mehr lieben und leiden kann und nur noch an sich und an das Geld denkt. Er wird mit diesem Herzen zu einem, der nur an sich denkt und am Ende sogar seine Frau erschlägt. Erst da wird er wach und begreift, was aus ihm geworden ist. Dass er jetzt zwar Geld und Gold und Reichtum hat, aber sonst nichts und niemanden mehr. Mit ganz viel Mut und List überwindet er den Waldriesen und ergaunert sein eigenes Herz zurück. Macht mit einem Zaubertrick alles böse Geschehene rückgängig und geht Hand in Hand mit seiner geliebten Frau der Zukunft entgegen. Dieser Film hat die später sehr erfolgreiche Märchen- und Kinderfilmreihe der DEFA, der DDR-Filmstudios, begründet und mich, das gebe ich gerne zu, hat er sehr geprägt. Mir war seit diesem Film klar, dass ich auf keinen Fall ein kaltes Herz aus Stein haben will und lieber mit wenig Besitz und arm durchs Leben gehen will, aber mit viel Liebe und Wärme im Herzen.
3 Minuten
In einer Kathedrale in Burgund gibt es eine faszinierende Steinmetzarbeit. Sie stammt von Meister Gislebertus aus dem Jahr 1220 und stellt die Sterndeuter, die Heiligen Drei Könige dar. Sie liegen fest schlafend unter einer kostbaren Decke und ein Engel zeigt ihnen im Traum, sehr energisch den Stern und versucht ganz vorsichtig, am kleinen Finger des obersten Königs, die drei zu wecken. Er will sie wecken aus den dunklen Tiefen und sie ermutigen, sich wieder auf die Suche nach dem Licht zu machen, dass sie am Himmel hatten aufgehen sehen und dem sie schon bis zu König Herodes gefolgt sind. Und dort hatten sie erfahren, dass nicht dieser widerwärtige Kerl der neue König ist, sondern dass sie nach einem Kind suchen müssen, dass wohl noch keine zwei Jahre alt ist. Und in meiner Phantasie sehe ich sie losstürzen und aufbrechen und dann, Gott sei Dank den Stern wieder sehen, der sie bisher geleitet hat und dem sie sich nun wieder anvertrauen. Diesem Stern sind im Laufe der Jahrhunderte Millionen von Menschen gefolgt um nach dem Licht für ihr Leben zu suchen und diesem Christus nachzufolgen. Auf dem Vierungsturm des Kölner Doms, wird der große Stern noch bis zum 9. Januar angestrahlt. Die Illuminierung soll die Weihnachtsbotschaft von Jesu Geburt besonders sichtbar machen. Doch nicht nur das: "Zugleich soll der illuminierte Stern uns in diesen herausfordernden Zeiten trösten und Mut machen. Er soll uns dazu aufrufen, zusammenzustehen, aufeinander Rücksicht zu nehmen und hoffnungsvoll ins neue Jahr zu blicken", heißt es auf der Seite des Kölner Doms. Herausfordernde Zeiten gab es in den letzten zwei Jahrtausenden immer und auch wir Christen müssen immer wieder neu schauen, dass wir dem richtigen Stern folgen und nicht irgendwelchen Herrschern, Königen, Kanzlern oder Erzbischöfen folgen, statt nach dem göttlichen Kind zu suchen, das für uns gekommen ist und zu unserem Heil die Herrlichkeit des Himmels verlassen, und zu uns in die reale Welt gekommen ist um unser Leben hell zu machen und die göttlichen Gaben an alle Menschen weiter zu geben.
3 Minuten
Der Alltag hat uns wieder. Mit dem Fest der Taufe Jesu, endet liturgisch gesehen, die Weihnachtszeit. Und gleich heute früh, ist die Lesung sehr alltäglich aber sofort auch herausfordernd. Da geht es im Brief des Paulus an die Thessalonicher unter anderem darum: Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen. Alle sollen in Ruhe ihrer Arbeit nachgehen und ihr selbstverdientes Brot essen. Nein, Nein, keine Sorge. Es geht nicht um Arbeitslose, um Kranke oder Arbeitsunfähige. Es geht um die, die nicht arbeiten wollen. Die ein unordentliches Leben führen und alles Mögliche treiben, nur nicht arbeiten. Die Ermahnungen des Paulus haben damit zu tun, dass in den jungen Gemeinden Tendenzen da waren, auf die Wiederkunft Jesu zu warten und sich nicht mehr um das alltägliche Leben zu kümmern. Aber die Wiederkunft Jesu wird sich ereignen, während wir mit dem Alltäglichen beschäftigt sind: das Brot und alles was wir brauchen verdienen, uns um die Kinder, die Kranken, die Alten kümmern, das Haus, die Wohnung, das Feld bestellen und was alles unseren Alltag ausmacht. Das ordentliche Leben bedeutet, in der Ordnung leben, die ein gutes Miteinander in der Gesellschaft möglich macht. Paulus ermahnt die Christen, so zu leben. Er gebietet im Namen Jesu Christi des Herrn. Das hat bis heute eine Ausstrahlung auf das Umfeld in dem wir leben. Selbst in tiefen DDR-Zeiten, waren die hauptsächlich katholischen/christlichen Orte, Dörfer und Städte anders: aufgeräumt, gepflegt und schön gestaltet, das Zusammenleben enger und von nächstenliebender Sorge geprägt. "Ihr aber, Brüder und Schwestern werdet nicht müde, Gutes zu tun" ist die letzte Aufforderung unserer Lesung. Tut, was dran ist und was von euch verlangt ist. Aber darüber hinaus tut Gutes für Eure Brüder und Schwestern und werde darin nicht müde. Los geht’s.
3 Minuten
Heute um 9.30 Uhr beginnt auf dem Petersplatz in Rom das Requiem für den verstorbenen ehemaligen Papst Benedikt XVI. Dass ein amtierender Papst die Begräbnisfeiern für seinen Vorgänger leitet, ist einfach ungewöhnlich, aber das ist in den Medien schon vielfach besprochen worden. Vieles im Leben Joseph Ratzingers war ungewöhnlich und vielfältig und in manchen Dingen auch zwiespältig. Natürlich hatte ich in den ganzen Jahren vor seiner Wahl verfolgt, wie er als Panzerkardinal verrufen war, wie er unsere Franziskaner in Brasilien um Leonardo Boff, die sich um die Armen gekümmert haben, diskreditiert hat und vielen Berufs- und Verkündigungsverbot erteilt hat. In der Erinnerung an ihn bleibt mir der Weltjugendtag in Köln 2005. Benedikt war einige Wochen zuvor gewählt worden und es war seine erste große Reise und Veranstaltung mit vielen hunderttausend Menschen danach. An einem frühen Morgen um 7.30 Uhr war ich mit 20 Ordensleuten zu einem Gottesdienst mit ihm im Erzbischöflichen Haus in Köln eingeladen. Bei seinem Einzug dachte ich: Oh, der ist aber klein. Und er ist schon ziemlich alt. Schon während der Eucharistiefeier spürte man nichts mehr von Alter oder Schwäche. Es war eine wunderbare gesammelte einfache Feier mit kurzer Einleitung und viel Stille. Anschließend gab es einen kleinen Empfang, und jede/r wurde ihm vorgestellt und man konnte kurz mit ihm reden, was wir vorher nicht wussten. Ich habe ihm kurz von den Angeboten der Berufungspastoral an St. Gereon erzählt und ihm ein Silikonarmband gegeben, dass alle Pilger hatten und er war amüsiert und hat herzlich gelacht. In unserem kurzen Austausch hatte ich das Gefühl, ganz allein mit ihm da zu sein und intensiv im Gespräch mit Nachfragen und Reaktionen. Und tatsächlich nichts mehr von Alter. Es war eine zugewandte aufmerksame Begegnung, die meine Sicht auf ihn für die nächsten Jahre geprägt hat. Zum Rückblick auf diesen Menschen Josef Ratzinger fällt mir auch heute noch der wunderbare Song von Herbert Grönemeyer ein, der singt: "Und der Mensch heißt Mensch. Weil er irrt und weil er kämpft Und weil er hofft und liebt. Weil er mitfühlt und vergibt. Und weil er lacht und weil er lebt Du fehlst. Oh, weil er lacht, weil er lebt. Du fehlst."
3 Minuten
Familienleben ist schon mal kompliziert! Das eine Ehepaar lebt seit mehr als 14 Jahren getrennt, ist aber nicht geschieden. Jede und jeder hat einen neuen Partner und neue Gewohnheiten. Ein Kind bei ihr, ein Kind bei ihm, aber mittlerweile sind beide jungen Erwachsenen ausgezogen und in andere Orte umgezogen. Ein anderer Verwandter ist gerade frisch getrennt, nach 15 Jahren mit der dritten Lebensabschnittsgefährtin. Die Tochter lebt allein in einer anderen Stadt und kommt, wann immer es geht, zum Vater, weil bei der Mutter, wegen des Neuen Lebensgefährten, kein Platz mehr ist. Aber einmal im Jahr, am Heiligen Abend, trifft sich die erste Familie und feiert zusammen. Seit mehr als 14 Jahren. Mittlerweile bringt der Sohn die Freundin mit, die aus einer ganz anderen Kultur kommt. Und die ehemalige Schwägerin regte an, dass ihr Ex- Schwager, der jetzt plötzlich allein ist, doch auch dazu kommen kann. Sie kochen füreinander, essen zusammen, plaudern sehr angeregt über die Ereignisse der letzten Monate, spielen zusammen und verteilen kleine, sehr liebevoll ausgesuchte Gaben aneinander. Niemand von ihnen geht in eine Kirche, und ob sie an Gott glauben, weiß ich echt nicht. Vielleicht ist alles Ritual, vielleicht ist es eine gute Gewohnheit, vielleicht ist es um der Kinder wegen, die ja immer Kinder bleiben. Vielleicht aber ist es eine Ahnung davon, dass es möglich ist, trotz aller Trennungen und Verletzungen, aller Tränen und Traurigkeiten, zusammen zu sein und den Geburtstag eines Gottessohnes zu feiern, der sich genau in dieses Chaos und Durcheinander der Menschen hineinbegibt und es mit ihnen teilt. Und meine Hoffnung und meine Ahnung ist, dass zwischen diesen Menschen mehr Liebe, mehr Vergebung, mehr Hoffnung auf Zukunft ist, als in manchen christlichen Familien, in denen dieses Weihnachtsfest oft kaum etwas mit Liebe und Frieden und gegenseitigem Respekt zu tun hat. Und ich bin mir sicher, dass Gott allein die Liebe sieht und annimmt. Weil Gott die Liebe ist. Und ich bete jeden Tag für sie. Denn es ist meine Familie und ich liebe sie von ganzem Herzen.
3 Minuten
Im ersten Jahr, als wir die ägyptisch koptische Flüchtlingsfamilie bei und aufgenommen hatten, gab es mit dem kleinen Sohn das schöne Spiel, an den Bildern und Statuen im Haus entlangzugehen und die Namen der Personen zu sagen. Aber das ist für einen Einjährigen nicht so leicht. Aus Katharina wurde also Nina, aus Veronika wurde Otta, aus dem Hl. Josef wurde Bubu und so weiter. Und im Treppenhaus, an einem Poster mit einem Kreuz kam dann: Oh guck: Schua. Es hat ein bisschen gedauert bis ich verstanden habe, dass er Jeschua – Jesus meinte. Heute denken wir mit der ganzen Kirche an diesen Heiligsten Namen Jesu. Der Apostel Paulus bringt die große Bedeutung des Namens Jesu in den Zeilen des Philipperbriefes auf den Punkt. Da heißt es: "Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen, damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu und jeder Mund bekennt 'Jesus Christus ist der Herr' – zur Ehre Gottes, des Vaters" Der Name ist schon von seiner Übersetzung her gewissermaßen Programm. Denn "Jesus" (von Jeschua oder Jehoschua) bedeutet wörtlich übersetzt "Gott rettet". Somit spricht jeder, der den Namen Jesu nennt, immer auch ein kurzes Glaubensbekenntnis. In den Jahrhunderten ab 1500 haben die Franziskaner und die Jesuiten, die Verehrung des Namens Jesu, und damit des menschgewordenen Gottessohnes besonders gefördert. Erst seit 2002 ist er wieder als Gedenktag im römischen Kalender. In der Ostkirche hat sich das immerwährende Jesusgebet, auch Herzensgebet genannt, erhalten und viele Menschen beten es. Es ist ganz einfach und heißt: "Jesus Christus, erbarme Dich meiner". Nehmen Sie sich zwischendurch in einer Pause, beim Warten an der roten Ampel, auf die Bahn oder beim Weg zum Einkaufen vor, dieses kleine Gebet zu beten: Jesus Christus, erbarme Dich meiner. Sie bekennen und vertiefen ihren Glauben an den rettenden Sohn Gottes und an den, der gesagt hat: Ich bin bei euch alle Tage, bis zum Ende der Welt!
3 Minuten
Der Alltag hat uns wieder! Die Zeit nach den Weihnachtsfeiertagen, den Tagen "zwischen den Jahren" und dem Jahreswechsel ist für nicht wenige eine Zeit der Ernüchterung. Beim Blick auf die Waage fällt einigen auf, dass das Essen an den Feiertagen doch recht reichhaltig war. Und so beginnt die Zeit der guten Vorsätze: Bewusste und gesündere Ernährung, weniger Alkohol, dafür mehr Bewegung und Sport – und nicht zuletzt ein besserer Umgang mit meinen Mitmenschen. Zum neuen Jahr nehmen wir uns immer eine ganze Menge vor. Aber nicht selten stellen wir schon nach einer gewissen Zeit fest, die guten Vorsätze vom Jahresbeginn haben eine recht kurze Halbwertzeit und schon nach einigen Wochen und Monaten haben uns die alten Gewohnheiten zurückerobert. Woran liegt das eigentlich? Vielleicht ist der Grund dafür der, dass wir uns zu viel vornehmen und die Zeit bis zum nächsten Jahreswechsel eine ziemliche Durststrecke sein kann. Der heilige Papst Johannes XXIII. hatte dafür eine sehr schöne Lebensregel auf Lager, aus der ich Ihnen heute einige Merksätze mitgeben möchte: "Nur für heute werde ich mich bemühen, den Tag zu erleben, ohne das Problem meines Lebens auf einmal lösen zu wollen. Nur für heute werde ich große Sorgfalt in mein Auftreten legen: vornehm in meinem Verhalten; ich werde niemand kritisieren, ja ich werde nicht danach streben, die anderen zu korrigieren oder zu verbessern – nur mich selbst. Nur für heute werde ich zehn Minuten meiner Zeit einer guten Lektüre widmen; wie die Nahrung für das Leben des Leibes notwendig ist, ist eine gute Lektüre notwendig für das Leben der Seele. Nur für heute werde ich etwas tun, für das ich keine Lust habe zu tun: sollte ich mich in meinen Gedanken beleidigt fühlen, werde ich dafür sorgen, dass es niemand merkt. Nur für heute werde ich ein genaues Programm aufstellen. Vielleicht halte ich mich nicht genau daran, aber ich werde es aufsetzen – und ich werde mich vor zwei Übeln hüten: der Hetze und der Unentschlossenheit." Hinter diesen Zeilen steckt ein wichtiger Gedanke, nämlich das Gott immer wieder neu mit uns anfängt, jeden Tag. Es braucht also gar nicht die großen Entwürfe und Riesenschritte. Lasst uns daher die Neujahrsvorsätze in kleineren Etappen denken, dann sind sie auch gar nicht so schwer umzusetzen.
3 Minuten
Vielleicht kennen Sie solche Bilder auch noch. Im Wohnzimmer einer Tante hing ein großes Bild mit dickem, goldenem Rahmen. Und auf dem Bild war die Gottesmutter Maria zu sehen, die den kleinen Jesus aus dem Schoß hatte. Und den, von der Arbeit nachhause kommenden Nährvater Josef, mit der Axt über der Schulter der dem Kind einen Teller mit wunderbaren Früchten hinhält: Weintrauben, Pfirsiche, Äpfel. Es war ein typisches Bild der Heiligen Familie von Nazareth. Dieses Fest wurde von der Kirche schon im 17. Jahrhundert eingeführt und im 19. Jahrhundert nochmals stärker betont, weil man gespürt hat, dass die Menschen ein Vorbild brauchten, wie man christliches Familienleben in den damaligen Problemen leben könnte. Und wie ist das heute bei unseren vielfältigen Familienkonstellationen? Eigentlich brauchen wir nur in die Bibel zu schauen und das schmückende, später dazu gedachte Beiwerk weglassen. Da ist eine junge Frau, die nicht verheiratet, aber schwanger ist. Da ist der Verlobte, der nicht der Vater des Kindes ist, seine Partnerin aber nicht wegschickt und sie somit vor dem sicheren Tod rettet, da ist der Kaiser, der mehr Steuern eintreiben will und somit alle Leute im Reich quer durchs Land schickt, damit seine Steuerlisten perfekt sind, da sind die überfüllten Herbergen und die geldgierigen Vermieter, die das Pärchen in den Stall abschiebt, da wird das Kind nach der Tradition in den Tempel gebracht und der armen Mutter verheißen, dass ihr ein Schwert durch die Seele dringen wird, da ist ein König, der vom neugeborenen König hört und in Panik alle Neugeborenen in der Umgebung töten lässt, da ist der Josef, der durch dubiose Träume rechtzeitig gewarnt wird und auf die Flucht muss, da ist die Familie als Flüchtlinge im fremden Land und muss sich so durchschlagen, da stirbt der alte König endlich und sie können nachhause, müssen aber völlig neu anfangen, da nehmen sie den Sohn mit auf Wallfahrt und müssen ihn drei Tage lang suchen, weil er einen eigenen Kopf hat und neue Wege geht und völlig unverständliche Dinge erzählt. Und immer so weiter. Ich denke, wenn Familien spüren können: Diese Familie von Nazareth hat so viel Trouble und Chaos und Katastrophen im Leben gehabt und sie haben es trotzdem geschafft, auf Gott zu vertrauen und ihr Leben auf ihn zu setzen, dann kann es tatsächlich Vorbild für uns und unser heutiges Leben in all seinem Chaos und Durcheinander sein. Denn nicht die scheinbar heile Welt auf dem Gemälde mit den köstlichen Früchten stellt die heilige Familie dar, sondern das Vertrauen in Gott trotz aller Katastrophen.
2 Minuten
Wir sind "zwischen den Jahren" – Weihnachten ist irgendwie schon vorbei, das aktuelle Jahr liegt in den letzten Zügen, aber das neue ist noch nicht da. Wobei wir Christen wissen: Die Weihnachtszeit, die dauert ja noch. Viele Menschen nutzen die Tage jetzt zum Entspannen, vielleicht das Buch zu lesen, das man geschenkt bekommen hat oder man hat endlich mal Zeit für die Familie. Zwischen den Jahren: 2022 ist gefühlt vorbei, 2023 aber noch nicht da. Mir fällt auf: Eigentlich sind wir Christen immer "zwischen den Jahren". Denn wir warten ja auf die Wiederkunft von Jesus Christus. Das klingt erstmal etwas fremd, aber so endet die Bibel: mit der festen Hoffnung, dass am Ende der Zeiten – "Endzeit", klingt irgendwie bedrohlich – Jesus wiederkehrt. Und gleichzeitig sagt Jesus im Matthäusevangelium: "Ich bin bei euch alle Tage". Ja, was denn nun? Ist er schon da oder kommt er noch? Beides, wir können uns auf seine Gegenwart jetzt verlassen, im Gebet, in der Begegnung mit anderen Menschen, im Gottesdienst. Und dann sagt die Bibel, dass diese Welt irgendwann endet und Jesus Christus wiederkommt. Ob das mit der Apokalypse so sein wird wie in manchen Hollywood-Filmen mit Erdbeben und allen möglichen Katastrophen? Das weiß ich nicht. Aber tröstlich finde ich den Gedanken, dass wenn alles irgendwann endet, wir darauf vertrauen können, dass dann Jesus Christus mit uns da ist. Die Welt vergeht, aber Jesus bleibt. So klingt das mit dem Ende der Welt dann gar nicht so mehr so bedrohlich. Also, genießen Sie die Zeit zwischen den Jahren.
2 Minuten
Wir sind "zwischen den Jahren" – Weihnachten ist irgendwie schon vorbei, das aktuelle Jahr liegt in den letzten Zügen, aber das neue ist noch nicht da. Wobei wir Christen wissen: Die Weihnachtszeit, die dauert ja noch. Viele Menschen nutzen die Tage jetzt zum Entspannen, vielleicht das Buch zu lesen, das man geschenkt bekommen hat oder man hat endlich mal Zeit für die Familie. Zwischen den Jahren: 2022 ist gefühlt vorbei, 2023 aber noch nicht da. Mir fällt auf: Eigentlich sind wir Christen immer "zwischen den Jahren". Denn wir warten ja auf die Wiederkunft von Jesus Christus. Das klingt erstmal etwas fremd, aber so endet die Bibel: mit der festen Hoffnung, dass am Ende der Zeiten – "Endzeit", klingt irgendwie bedrohlich – Jesus wiederkehrt. Und gleichzeitig sagt Jesus im Matthäusevangelium: "Ich bin bei euch alle Tage". Ja, was denn nun? Ist er schon da oder kommt er noch? Beides, wir können uns auf seine Gegenwart jetzt verlassen, im Gebet, in der Begegnung mit anderen Menschen, im Gottesdienst. Und dann sagt die Bibel, dass diese Welt irgendwann endet und Jesus Christus wiederkommt. Ob das mit der Apokalypse so sein wird wie in manchen Hollywood-Filmen mit Erdbeben und allen möglichen Katastrophen? Das weiß ich nicht. Aber tröstlich finde ich den Gedanken, dass wenn alles irgendwann endet, wir darauf vertrauen können, dass dann Jesus Christus mit uns da ist. Die Welt vergeht, aber Jesus bleibt. So klingt das mit dem Ende der Welt dann gar nicht so mehr so bedrohlich. Also, genießen Sie die Zeit zwischen den Jahren.