Morgenimpuls Archiv
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Vorgestern Abend nach der Vesper, haben wir unsere Stundenbücher umsortiert: die normalen, also die für den Jahreskreis in den Schrank geräumt und die Bücher zur Fasten -und Osterzeit hervorgeholt. Und manche von uns hat im Stillen gedacht: okay, Buße, Reue, Fasten, Lieder in Moll statt in Dur und kein Halleluja und so. Und dann wurde es kompliziert: die Hymnen separat, die Psalmen nochmal an anderer Stelle, die Lesungen und der Rest dann nochmals an einem anderen Ort. Für unseren Laudes-Mit-Beter, war es noch komplizierter. Er hatte sich jetzt seit Wochen an das alte Buch gewöhnt, die Bändchen und Einlageblätter lagen an den richtigen Stellen und er konnte routiniert mitbeten und singen. Ach und jetzt wieder alles neu und anders und es braucht wieder Übung, bis man richtig drin ist. Wie es uns mit dem neuen Buch ergangen ist, ist es wahrscheinlich auch mit der Fastenzeit. Sie kommt einfach und ist jetzt da, ob es mir passt oder nicht und das allein ist schon eine gute Chance. Es ist nicht so verkehrt, mal aus den Routinen heraus zu kommen und etwas anders und neu zu machen. Und diese ersten Tage nach dem Aschermittwoch sind noch solche Tage. Viele von uns und Ihnen haben vielleicht schon eine Idee, was sie in dieser Zeit machen oder lassen wollen. Aber es ist noch neu und ungewohnt. Und weil in diese ersten Tage der Fastenzeit, genau heute, der Jahrestag des Angriffskrieges Russlands auf die Ukraine fällt, bekommt dieser Tag noch einmal eine andere Färbung. Viele Menschen spüren seit Beginn dieses Krieges, wie dankbar sie sind, dass es so viele Jahrzehnte Frieden in Europa gab und sind bereit, den Flüchtlingen aus der Ukraine zu helfen. Sie investieren Zeit und Möglichkeiten, um ihnen beizustehen oder spenden Geld an Hilfsorganisationen, die sich um Kriegsflüchtlinge kümmern. Ich finde das eine wunderbare Entscheidung: aus der Dankbarkeit für das eigene Leben im Frieden, denen beizustehen, die von Krieg und Leid und Tod bedroht sind. Und auch Gott um Frieden anzuflehen und für alle zu beten, die Entscheidungsträger sind und Möglichkeiten haben. In vielen Kirchen gibt es heute Friedensgebete aus Anlass dieses Tages. Auch hier in Olpe. Nehmen Sie sich die Zeit zum Mitbeten und in Gemeinschaft zu Danken und zu Bitten – um Frieden und um Gottes Hilfe für alle Menschen.
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Dieser Tage war eine junge Frau bei mir zum Gespräch. Sie wusste nicht so genau, was sie wollte, aber irgendwas über Glauben reden jetzt am Beginn der Fastenzeit wäre das doch sicher gut. Ich mag es sehr mit Menschen zu reden, die sich für Fragen des Glaubens und des Christseins interessieren und wenig Vorwissen haben. Das ist oft sehr viel offener und interessanter als mit binnenkirchlich tradierten Mitmenschen. Für sie war völlig klar, dass es beim Fasten um Verzicht und Gewichtsabnahme geht und man ansonsten sich also Sachen vornimmt, um des Verzichtes willen. Vielleicht noch um seinen eigenen Willen zu stärken. Im Laufe des Gesprächs, als ich ihr eher den Hintergrund erklärt hatte: die 40 Tage als Vorbereitungszeit auf Ostern hin, nach dem Vorbild Jesu, der nach seiner Taufe im Jordan, vor dem Beginn seines öffentlichen Wirkens, genau diese 40 Tage gefastet hatte. Und dass diese Fastenzeit eigentlich österliche Bußzeit heißt und Buße bedeutet, mal zu schauen, ob ich in vielerlei Hinsicht noch auf dem richtigen Weg bin und wenn nicht, neue und bessere Wege zu suchen. In der Beziehung zu mir selber mit Körper, Geist und Seele, in der Beziehung zu den Mitmenschen und für Christen, in ihrer Beziehung zu Gott. Und dass bei dieser Besinnung und Neuorientierung vieles helfen kann: Zeit anders einteilen, Stille ausprobieren, den Konsum ganz vielfältigster Dinge einschränken, mehr lesen, einen Gottesdienst besuchen usw. Das Gespräch dauerte immer länger, weil meine Gesprächspartnerin so überrascht war, dass die Fastenzeit so ganz andere Hintergründe hat, als sie in gängigen Zeitungen und Zeitschriften gefunden hatte. Und nach Fragen über die Hintergründe von Aschenkreuz und anderen Bräuchen haben wir uns verabschiedet. Sie will sich wieder melden und ich freue mich selbst über das sehr ausführliche, tiefgründige Gespräch, das meinen Start in die österliche Bußzeit nochmal beflügelt hat.
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Meine Güte, meine Kirche: jetzt müsste sie doch endlich mal anfangen all die Dinge zu ändern, die sich in den letzten Jahrzehnten, Jahren, Monaten und Wochen angestaut hat: sexueller und geistlicher Missbrauch, Machtmissbrauch, Vertuschung und Männerbündisches Verhalten um die Innercircle-Ruhe nicht zu stören, die Missachtung der Frauen in der Kirche und die Höhersetzung des Zölibates über den Wert der Eucharistie, Angst vor der Weiterführung des Synodalen Weges… Ja, sie müsste… Der Papst müsste, die Bischöfe müssten die Priester müssten: ….ja sie müssten vieles ändern. Aber heute geht es nicht nur um die da oben, nicht die, von denen ich scheinbar so genau weiß, was sie tun müssten. Heute geht es auch um mich. Ich lasse mich mit Asche ankreuzen und mir den Auftrag geben: „Kehr um, und glaub an das Evangelium“ Das ist mein Auftrag, den ich von Jesus selbst bekomme, weil er es seinen Jüngern immer wieder gesagt hat. Manche kennen vielleicht noch die Formulierung: „Oh, Asche auf mein Haupt,“ oder „in Sack und Asche gehen“, wenn man einen Fehler zugibt und sich entschuldigen möchte. Ich habe mal nachgesehen, warum die Asche so das normale Mittel für den Beginn der Fastenzeit ist: Asche ist seit Jahrhunderten ein vielfältig verwendetes Putz- und Scheuermittel. Man kann damit Silber reinigen, Zähne putzen, Fußböden wischen, Wäsche waschen, Geschirrspülen. Aber man kann Asche auch als Dünger und Schädlingsbekämpfer und Unkrautvernichter einsetzen. Und so ein bisschen in unser religiöses Leben übersetzt ist das auch notwendig: wir müssen schon manches in unserem Leben abstauben und reinigen und putzen, damit wieder deutlich wird, wozu wir als Christen so da sind: wir sollen und wollen Jesus Christus nachfolgen und versuchen, nach seinem Evangelium zu leben. Und da ist die Asche als Dünger auch nicht verkehrt, damit Neues und Gutes wachsen kann und der Auftrag: „Kehr um und glaub an das Evangelium“ durch uns und unser Tun und Handeln und Beten Hand und Fuß bekommt und das Reich Gottes unter uns Wachsen und Gedeihen kann. Und die Asche als Unkrautvernichter kann mir schon ein Sinnbild dafür sein, dass mancher Wildwuchs im Reden und Tun doch mal beseitigt werden könnte. Wir können es ja versuchen. 7 Wochen gute Zeit ist dafür eingeplant.
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Heute ist der Veilchendienstag, so sagt man jedenfalls in karnevalsverrückten Gegenden. Und wieso Veilchendienstag? Eine Erklärung lautet, dass in Alfter, im Vorgebirge, viele Jahrzehnte Veilchen gezüchtet worden sind, die dann im Karneval verkauft wurden. Andererseits stehen Veilchen für Bescheidenheit, Anstand, Hoffnung, Treue und Liebe. Am Veilchendienstag kommt man nach langem, ausgiebigem und ausgelassenem Feiern wieder zur Besinnung und mancher ist vielleicht auch froh, dass er mit einem blauen Veilchenauge davongekommen ist oder jetzt bescheiden sein muss, weil an den Feiertagen sein ganzes Erspartes draufgegangen ist. Als nachdenkenswerte freundliche Gabe für diesen Tag habe ich für Sie das augenzwinkernde Gebet von Thomas Morus mitgebracht, der vor fünfhundert Jahren gelebt hat und es ausdrücklich ein Gebet um Humor nennt. Er betet also: "Schenke mir eine gute Verdauung, Herr, und auch etwas zum Verdauen. Schenke mir Gesundheit des Leibes mit dem nötigen Sinn dafür, ihn möglichst gut zu erhalten. Schenke mir eine heilige Seele, Herr, die im Auge behält, was gut und rein ist, damit sie sich nicht einschüchtern lässt vom Bösen, sondern Mittel findet, die Dinge in Ordnung zu bringen. Schenke mir eine Seele, der die Langeweile fremd ist, die kein Murren kennt und kein Seufzen und Klagen, und lasse nicht zu, dass ich mir allzu viel Sorgen mache um dieses sich breit machende Etwas, das sich "Ich" nennt. Herr, schenke mir Sinn für Humor. Gib mir die Gnade, einen Scherz zu verstehen, damit ich ein wenig Glück kenne im Leben und anderen davon mitteile. Amen"
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Was haben Sie heute vor? Viele von Ihnen haben einen ganz normalen Arbeitstag. Aber alle in den Karnevalshochburgen an Rhein und Main sind vor Vorfreude schon ganz hibbelig. Auch wir werden nachher nach Köln aufbrechen, mit den dortigen Schwestern ein feuchtfröhliches Frühstück einnehmen und dann mal schauen, wenn der Zoch kütt. Erinnern Sie sich an das vergangene Jahr? Ich bin ehrlich, ich wusste wirklich nicht mehr, dass der Rosenmontagszug voriges Jahr abgesagt worden ist. Einige Tage vorher hatte Putins Armee die Ukraine überfallen und Krieg und Rosenmontagsfeiern passten einfach nicht zusammen. Stattdessen hat man auf großen Plätzen die großen Persiflagewagen aufgestellt und eine Friedensdemo zur Unterstützung der Ukraine abgehalten. Und dieses Jahr? Der Krieg dauert immer noch an und ein Ende ist nicht abzusehen. Aber wir feiern, weil nach all dem Schrecklichen der letzten Jahre die Sehnsucht nach Gemeinschaft, nach miteinander Singen und Tanzen, sich verkleiden und vergnügt sein, so groß ist. So ist das Leben: Krieg und Frieden, Freude und Leid, Angst und Jubel, Trauer und Erlösung liegen so dicht beieinander, dass es, gerade in unserer Zeit fast mit den Händen greifbar wird. Singen gegen die Angst, zusammenschunkeln gegen die Einsamkeit, Jubeln und Lachen gegen die Mächte des Bösen und des Verderbens. Die einen mögen es Schicksal nennen, gegen das man ohnehin nichts machen kann. Aber andere, ich auch, leben eher aus einer Hoffnung und einer Gewissheit. Die Gewissheit, dass die Menschen schon oft unlösbar scheinende Katastrophen und Kriege überstehen und wieder neu anfangen konnten und die Hoffnung, dass da ein guter Gott ist, dem wir nicht gleichgültig sind, sondern der uns liebt und unsere Wege mitgeht – in Kreuz und Leid, in Lust und Fröhlichkeit und in allen grauen Farben dazwischen. In dieser Hoffnung und Gewissheit können wir heute feiern und singen und tanzen und genauso mit den Kriegsopfern leiden, den Opfern der Erdbeben beistehen und diesen Gott um seine Hilfe, seinen Beistand und seinen Segen bitten.
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Ich erinnere mich an so Aussprüche aus meinen ersten Klosterjahren. Da haben die älteren und alten Schwestern schonmal so eine Bemerkung gemacht, wenn man sich seiner Sache nicht mehr so sicher war. Ein ganz typischer Satz war ungefähr so: "Man merkt, ob man zum Ordensleben berufen ist, wenn man gut arbeiten, gut essen, gut schlafen und gut lachen kann." Und dann habe ich natürlich innerlich abgecheckt, wie es bei mir da so ist. Gut arbeiten können heißt eben, mich in meinem Bereich energisch einsetzen, die Arbeit, die einem aufgetragen wird, mit allen meinen Fähigkeiten erledigen aber auch sagen können, was nicht funktioniert, was ich vielleicht doch nicht kann, was verändert werden muss. Gut essen können klingt leicht, aber die meisten von Ihnen kennen auch, wenn es irgendwie ringsum nicht richtig stimmt, wenn Probleme da sind, die angepackt werden müssen, dann schlägt es einem auf den Magen. Man kann nicht essen und die Sache muss erst gelöst werden. Gut schlafen können ist so ähnlich. Wenn man jünger ist geht das Schlafen wie von selbst aber auch da gibt es Phasen, wo man so mit Fragen und Sorgen beschäftigt ist, dass man einfach nicht schlafen kann. Gut lachen können schien mir am Anfang ein bisschen wie Luxus. Wenn man sich in eine neue Art zu leben einfuchsen muss, wenn man lernen muss, wie man hier lebt mit den Schwestern, mit dem Rhythmus zwischen Beten und Arbeiten, mit all dem Neuen, dann bleibt einem eher die Luft erstmal weg und lachen geht nicht so schnell. Aber später wurde mir immer klarer: Menschen, die ihr Leben ganz auf Gott setzen, die ihm vertrauen in ihrem Beten, Arbeiten und Leben, die haben echt Humor. Mir scheint das heute ein Kennzeichen echter Christen zu sein: Humor haben und über sich und die Verrücktheiten des Lebens Lachen zu können, im Vertrauen auf den Gott des Lebens, der alle unsere Wege mitgeht. Checken Sie mal heute: gut arbeiten, gut essen, gut schlafen und gut lachen können ist ein wunderbares Merkmal für ein gutes Leben in Gottes Nähe.
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Heute ist Weiberfastnacht, so heißt zumindest der Donnerstag vor dem Rosenmontag im Rheinland. Der Straßenkarneval beginnt mit diesem Tag und das wunderbar bunte Treiben in den Städten mit Musik und Tanz und Schunkelei. Bei uns im thüringischen Eichsfeld heißt er der Dicke-Fette-Donnerstag und hat auch ziemlich witzige Traditionen. In diesem früheren Armenhaus Deutschlands, wo viele Leute in sehr prekären Verhältnissen gelebt haben, galt es an diesem Tag sieben Sorten Fleisch oder Wurst zu essen, damit man die lange Fastenzeit aushalten konnte. In unserem Dorf war an diesem Tag der Faschingsball und es gab die sehr witzige Geschichte, dass die Männer gewogen wurden. Der schwerste Mann musste dann eine Saalrunde ausgeben. Mein Vater hat viele Jahre diesen Wettbewerb gewonnen und hat immer mit viel Vergnügen auf seine Schwergewichtigkeit hingewiesen und konnte unendlich viele Witze machen über Dicke. Und er konnte immer sehr vergnügt darlegen, dass er ja nicht genug Geld habe für eine Saalrunde und so haben seine Freunde ihm sehr schnell aus der Patsche geholfen. Mit Vergnügen, Jahr für Jahr. Das ist es ja auch, was den Fasching, den Karneval ausmacht: über sich selbst und seine Macken und Makel und Fehler lachen und sich köstlich amüsieren können, und zwar nicht auf Kosten anderer, sondern auf eigene Kosten. Genießen Sie also diese närrischen Tage, feiern und singen und tanzen Sie und lachen Sie auch über sich selbst: über unseren so typischen deutschen Ernst, über alle die Probleme, die Sie sonst so wälzen und lösen müssen und über all den Kleinkram, der unseren Alltag sonst so lästig machen kann. "Gott will, dass der Mensch seinen Spaß hat", behauptet die große Teresa von Avila und in diesem Fall finde ich es, genau wie sie, wunderbar Gottes Willen zu tun.
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In einem Chat auf Facebook ging es dieser Tage um den Krieg in der Ukraine und darum, dass man doch mit Waffenlieferungen den Krieg nur verlängert. "Unterschreiben Sie eine Petition gegen Waffenlieferungen", wurde gefordert. Wenn man das aber ernst nehmen würde, wird den Aggressoren Tor und Tür geöffnet und sie können weiter und weiter und weiter Krieg führen, bis sie alles erobert haben, was sie wollen. Nein, es ist nicht einfach und einfache Antworten gibt es schon gar nicht. Und dass es natürlich auch viele außerordentlich dumme Kommentare im Netz gibt und sehr viele sehr dumme Stammtischparolen, ist leider auch wahr. Vom Altkanzler Konrad Adenauer gibt es ein sehr prägnantes Zitat. Er hat einmal bemerkt: "Ich bin ja mit dem lieben Gott so einigermaßen überein. Aber dass er bei den Menschen der Klugheit Grenzen gesetzt hat, der Dummheit aber nicht, das nehme ich ihm wirklich übel." Soweit das Zitat und jeder, der mit Mitmenschen umgeht, hat natürlich Erfahrungen damit. Aber, schon im Alten Testament der Bibel ist ein ganzes Buch der Weisheit Gottes und der Weisheit des Menschen gewidmet und da heißt es: "Ein unerschöpflicher Schatz ist die Weisheit für den Menschen und sie erwerben ist wertvoller als Gold." Vielleicht nutze ich heute die Chance, mich mal mit anderen Bereichen zu beschäftigen, als ich es sonst tue, einen Artikel über ein ganz anderes Gebiet zu lesen, als ich sonst lesen würde, mich mit jemandem zu unterhalten, der ganz andere Themen kennt als ich. Eine unserer sehr betagten Schwestern pflegt dann immer zu sagen: "Man wird nicht dümmer, wenn man fremden Leuten zuhört und sich mit ihnen unterhält." Also heute ein kleines Plädoyer für den Erwerb von Klugheit und Weisheit in jeglicher Richtung.
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Seit einer Woche erschüttern uns die Bilder und Videos vom Erdbeben in der Türkei und Syrien. Die unglaublichen Szenen der einstürzenden Häuser, der Schreie der Menschen, die Hoffnungslosigkeit der Überlebenden sind fast unerträglich. Aber ein Video ist mir bis ins Mark gegangen. Ein Mann und seine Freunde graben mit bloßen Händen im Schutt und Geröll seines Hauses. Und zwischendurch läuft er weinend auf und ab und beugt sich immer wieder in die Trümmer seines Hauses und ruft die Namen seiner Frau und seiner Kinder. Und dann warten er und seine Freunde und Verwandten auf Antwort, warten ganz still und beginnen wieder und wieder und wieder zu rufen, zu schreien und zu weinen. Und mitten im Video fiel es mir ganz plötzlich auf: So muss es sein, wenn der Vater im Himmel uns, seine Kinder, ruft. Er ruft und ruft und ruft und lässt nicht nach damit. Wir können verschüttet sein unter all unseren rastlosen Beschäftigungen, unter allem, was uns zuschüttet mit Geräuschen und Texten, Meinungen und Tätigkeiten. Er ruft uns in allen unseren persönlichen Katastrophen und Schwierigkeiten. Er ruft uns auch, wenn wir unsere Ohren mit Kopfhörern zugedeckt haben und uns selbst beschallen. Er lässt nicht nach, uns zu rufen, weil er es ernst meint mit seinem Vatersein. So wie er seinem Sohn Jesus Christus zusagt, "Du bist mein geliebtes Kind, an Dir habe ich mein Gefallen", so will er auch uns sagen: Du bist meine geliebte Tochter, mein geliebter Sohn. An Dir habe ich Gefallen. Jesus malt uns quasi das Bild dieses liebenden Vaters und will uns damit zeigen, dass wir nicht an einen drohenden Übergott glauben müssen, einen der als Herrscher über Wohl und Wehe der Menschen entscheidet, einen fernen Machthaber, der über die Millionen seiner Untertanen den Daumen hebt oder senkt. Jeus zeigt uns, dass sein Vater und damit unser Vater Beziehung ist und Beziehung will. Mit jedem seiner Kinder. Gott ist die Liebe und dieser liebende Gott wird niemals aufhören, nach seinen geliebten Kindern zu rufen, sie zu suchen und in sein Vaterhaus zu holen.
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Seit einer Woche erschüttern uns die Bilder und Videos vom Erdbeben in der Türkei und Syrien. Die unglaublichen Szenen der einstürzenden Häuser, der Schreie der Menschen, die Hoffnungslosigkeit der Überlebenden sind fast unerträglich. Aber ein Video ist mir bis ins Mark gegangen. Ein Mann und seine Freunde graben mit bloßen Händen im Schutt und Geröll seines Hauses. Und zwischendurch läuft er weinend auf und ab und beugt sich immer wieder in die Trümmer seines Hauses und ruft die Namen seiner Frau und seiner Kinder. Und dann warten er und seine Freunde und Verwandten auf Antwort, warten ganz still und beginnen wieder und wieder und wieder zu rufen, zu schreien und zu weinen. Und mitten im Video fiel es mir ganz plötzlich auf: So muss es sein, wenn der Vater im Himmel uns, seine Kinder, ruft. Er ruft und ruft und ruft und lässt nicht nach damit. Wir können verschüttet sein unter all unseren rastlosen Beschäftigungen, unter allem, was uns zuschüttet mit Geräuschen und Texten, Meinungen und Tätigkeiten. Er ruft uns in allen unseren persönlichen Katastrophen und Schwierigkeiten. Er ruft uns auch, wenn wir unsere Ohren mit Kopfhörern zugedeckt haben und uns selbst beschallen. Er lässt nicht nach, uns zu rufen, weil er es ernst meint mit seinem Vatersein. So wie er seinem Sohn Jesus Christus zusagt, "Du bist mein geliebtes Kind, an Dir habe ich mein Gefallen", so will er auch uns sagen: Du bist meine geliebte Tochter, mein geliebter Sohn. An Dir habe ich Gefallen. Jesus malt uns quasi das Bild dieses liebenden Vaters und will uns damit zeigen, dass wir nicht an einen drohenden Übergott glauben müssen, einen der als Herrscher über Wohl und Wehe der Menschen entscheidet, einen fernen Machthaber, der über die Millionen seiner Untertanen den Daumen hebt oder senkt. Jeus zeigt uns, dass sein Vater und damit unser Vater Beziehung ist und Beziehung will. Mit jedem seiner Kinder. Gott ist die Liebe und dieser liebende Gott wird niemals aufhören, nach seinen geliebten Kindern zu rufen, sie zu suchen und in sein Vaterhaus zu holen.
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In der vergangenen Woche war in Prag eine der ersten europäischen Synodalversammlungen für die weltweite Synode der Katholischen Kirche. Beim Prager Synodentreffen gab es Onlinechats in den verschiedenen Themenfeldern mit den Delegierten aus den meisten europäischen Ländern. Und mitten im Austausch in einer dieser Chatgruppen kommt es zum Eklat: der Chat der Arbeitsgruppe wurde während der Sitzung ohne Vorwarnung abgestellt und geschlossen. Schwester Katharina Ganz, Generaloberin der Oberzeller Schwestern und Synodale, hat in einem offenen Brief Beschwerde eingelegt gegen die sehr offensichtliche Behinderung der Deutschen Synodalen, der Missachtung der angemeldeten deutschen Brüder und Schwestern. Sie schreibt: "Inzwischen frage ich mich: Ist das gewollt? Hatten die Organisator*innen ein Interesse daran, die Teilnehmenden aus der deutschen Kirche aktiv zu hindern, sich mit den Delegierten der anderen Länder offen auszutauschen? Wie kommt es, dass als Gäste offiziell noch 44 Personen eingeladen wurden, die überwiegend die Linie des Vatikans vertreten, aber keine kritischen Stimmen zu hören sind? Ist denn Vielfalt nicht gewollt? Welches Konzept von einer synodalen Kirche wird hier von den Veranstaltern verfolgt? Ist die Beteiligung, die wir hier praktizieren nur eine Scheinbeteiligung? Ich hätte gerne Antworten auf diese Fragen. Denn ich bin von diesen Vorgehensweisen irritiert, verärgert und auch frustriert." Soweit der Brief. Ich wiederum bin verärgert und erschrocken über die Art und Weise, wie mit den Synodalen umgegangen wird. Er erinnert mich sehr an Bevormundung und Ausgrenzung von außen gegen die Kirche, die wir während der Zeiten des kalten Krieges in Osteuropa erlebt haben. Ich dachte, wie Schwester Katharina Ganz, dass nur echte Synodalität echte Kommunikation und belebender Austausch uns als Kirche weiterbringt. Und ich bin dankbar für alle, die sich trotz dieser irritierenden Erfahrungen nicht hindern lassen, an einer anderen, christlicheren allumfassenden katholischen Kirche mit zu bauen.
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Haben Sie schon mal von einer Gewitterhexe gehört oder von einer Donnerschwester? Das sind witzig gemeinte und liebevoll gewählte Beschreibungen für eine Frau, die im sechsten Jahrhundert gelebt hat. Wir wüssten wahrscheinlich nicht so viel von ihr, wenn nicht ihr berühmter Bruder, einiges von dem notiert hat, was er mit seiner Schwester erlebt hat. Es ist die Geschichte von den zwei Geschwistern, die mir schon lange richtig gut gefällt. Benedikt von Nursia, der große Vater des abendländischen Mönchtums, hat eine geniale, wunderbar ausgewogene Ordensregel geschrieben. Ora et Labora – das ausgewogene Verhältnis von Gebet und Tätigkeit, von Stille und Gemeinschaft ist so klug geschrieben, dass diese Regel Hunderttausende Mönche in der ganzen Welt über eineinhalb Jahrtausende bis heute sehr gut leben und beten und wirken lässt. Den Benediktinern verdanken wir die Kultivierung Europas in vielerlei Hinsicht. Eine Regel in dieser Ordnung besagt, dass es nur unter außergewöhnlichen Umständen erlaubt ist, außerhalb des Klosters zu übernachten. Immer am Abend sollen alle Brüder zurück sein. Und dann gibt es seine Schwester Scholastika, die wahrscheinlich durch das Vorbild des Bruders Nonne geworden ist und in ihrem Kloster in der Nähe lebt. Gelegentlich besucht Benedikt seine Schwester und sie reden über Gott und das Leben in seiner Nachfolge. Eines Abends als Scholastika weiß, dass ihre Lebenszeit zu Ende geht, will sie ihren Bruder überzeugen, dass er noch bei ihr bleibt und sie weiter miteinander reden und meditieren können. Aber Benedikt weist das entrüstet zurück, weil er niemals die Ordensregel brechen wird. Scholastika faltet still die Hände und bittet Gott kurz um seine Hilfe. Ein mordsmäßiges Gewitter bricht herauf und niemand kann auch nur einen Fuß vor die Tür setzen. "Was hast Du gemacht?" klagt Benedikt zunächst, weil er schon ahnt, dass seine Schwester das erbeten hat. Aber er bleibt und sie reden die ganze Nacht und sie spüren beide, dass Gott ganz nahe ist und sie durch ihr Leben trägt. Ein paar Tage später stirbt Scholastika und Benedikt sieht ihre Seele zu Gott gehen. Sie konnte bei Gott viel erreichen – weil sie die größere Liebe hatte. Regeln einhalten ist gut und notwendig, damit das Gemeinwohl lebendig und funktionstüchtig bleibt. Aber wichtiger ist immer die Liebe. Und dazu kann man schon mal um Blitz und Donner bitten, wenn der eigene Bruder mal wieder nichts kapiert vom wirklichen Leben mit Gott.
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Puzzeln Sie gerne? Ich mach es schon gern, aber ich gebe zu, ich kann es nicht besonders gut. Den Rand bekomme ich ja noch hin, weil das ja mehr oder weniger leicht ist. Und wenn die Strukturen des Puzzles klar und eindeutig sind, ist es auch nicht so schwer. Aber wenn es mehr als 1000 Teile sind, brauche ich ein sehr genaues Bild vor mir um zu finden, wo dieses eine Teil jetzt hinmuss. Einige meine Mitschwestern ticken da ganz anders. Sie verschaffen sich einen Überblick, sortieren die Farben und legen los. Und wenn dann noch ewig blaue Himmelsflächen, tiefgrüner Wald oder ein endloses Häusermeer zu sehen ist, sortieren sie alles Steine nach ihrer jeweiligen Art und probieren solange aus, bis es passt. Und wenn ich dann aber irgendwie nicht mehr weiterkomme, sitze ich davor und denke: ja genau, so ist das mit unserem Bild von der Kirche. Es gibt unendlich viele kleine Puzzleteile, die auf der ganzen Welt verteilt sind und die Vielfalt des Lebens, des Glaubens, der Dienste der Liebe, der Schönheit der Liturgie, und der vielen Menschen zeigt, die zu dieser Kirche gehören. Und es gibt herrliche Farben und leuchtende Bilder, und dunkle Flecken und schäbige Stellen, und Mutiges und Schändliches und Hoffnungsvolles und Schreckliches. Es gibt den Papst, der an die Ränder geht und zum Frieden mahnt, aber manchmal krude Sachen zum Synodalen Weg in Deutschland von sich gibt und dann aber eine Weltsynode beruft. Dann gibt es Bischöfe und Priester und die vielen anderen Männer in den Ämtern und Machtzentralen, die scheinbar schalten und walten können wie sie wollen. Und es gibt unendlich viel größere Zahl der Frauen und Mütter und Großmütter, die ihren Lieben den Glauben weitergeben und ihn ganz selbstverständlich leben. Und es gibt die unzählbar vielen tausend Puzzleteile in dieser Kirche, die scheinbar nicht mehr richtig dazugehören, oder noch gar nicht dabei sind, ohne die aber das Bild der Kirche nicht vollständig wird. Wenn ich dann vor all den Millionen Teilen sitze, dann hab ich aber trotzdem die Hoffnung, dass Gott der Vater und sein Sohn Jesus Christus, den Überblick behalten und sehr genau wissen, wie alles zusammenpasst, was ich zur Zeit im Kirchenpuzzle überhaupt nicht erkennen kann.
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Da scheint sich mal wieder etwas zusammen zu brauen weltweit. China schickt Aufklärungsballons um die Welt und wundert sich, dass niemand das Märchen von den Wettersatelliten glaubt. Die Amerikaner schießen sie ab und wollen trotzdem, dass ihr Präsident zurücktritt, weil es zu lange gedauert hat, bis der Abschuss geschehen ist. Putin ärgert sich, dass der Krieg gegen die Ukraine schon fast ein Jahr dauert und lügt in bester Manier, dass der Westen diesen Krieg begonnen hat, dass nun wieder deutsche Panzer gegen Russland rollen. Erdogan wettert gegen Schweden weil die angeblich Terroristen fördern und will daher deren Natobeitritt nicht zustimmen und wundert sich, dass die Menschen im eigenen Land diese Ablenkungsmanöver schon kennen und sie missbilligen. Nordkorea testet weiterhin Atomraketen und stört sich überhaupt nicht daran, dass die eigene Bevölkerung hungert und ohne Menschenrechte leben muss. Und dann kommt das schwere Erdbeben im türkisch-syrischen Grenzgebiet. Tausende Menschen sterben, werden schwer verletzt, werden obdachlos in der Winterkälte und suchen ihre Angehörigen. Und dann kommt eine unglaubliche Welle der Hilfe und Hilfsbereitschaft der Europäer und anderer Staaten. Flugzeuge voller Materialien kommen ins Land, Suchhundestaffeln, Technische Hilfe bei der Versorgung mit Strom und Wasser und dann Jubel über jeden, der nach Tagen noch lebend gefunden wird. Die Hilfe der Staaten und Länder und Hilfsorganisationen und der Einzelnen ist unglaublich, weil jeder spürt, da sind Menschen, die brauchen meine Hilfe in ihrer unverschuldeten Not und da muss ich auch helfen. Wir Menschen ticken Gott sei Dank so, weil wir Gottes Geschöpfe sind, nach seinem Ebenbild geschaffen. Und dass ist bei all den Kriegs- und Katastrophennachrichten der letzten Tage ein echter Lichtblick.
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Jetzt ist Weihnachten doch tatsächlich vorbei. Wie, Weihnachten, oh je, das ist doch schon ewig her, denken Sie vielleicht. Und das stimmt auch: offiziell endet die Weihnachtszeit mit dem Fest der Taufe Jesu, und das ist schon eine Weile her. Aber viele Christen, wir im Konvent auch, haben nach der alten Ordnung, in der die Weihnachtszeit noch bis zum Fest der Darstellung des Herrn ging, erst jetzt die Krippe abgebaut und unsere Wohnetage und die öffentlichen Räume "entweihnachtet" – wie wir so sagen. Und während wir so abgeräumt haben, die Krippe, die Sterne, den Schwibbogen und die Engel, habe ich so darüber nachgedacht und überlegt: Was ist uns eigentlich von Weihnachten geblieben, so jetzt am 7. Februar? Dass Gott Mensch geworden ist, kann auch nach ausgiebigem Weihnachten feiern immer noch nicht so richtig begreifen, dass ER vom Himmel gekommen ist, um unser kleines Leben zu teilen, lässt mich eher immer noch staunend und fragend dastehen. Ein bisschen hat mir beim Überlegen eine kleine Visitenkarte geholfen: Auf der Vorderseite: kleine Plastikweihnachtsmänner in Regalen und die Überschrift: "Jesus, der Weihnachtsmuffel". Uuups, dachte ich, was ist denn das für eine Behauptung. Auf der Rückseite dann die Erläuterung: "Er, Jesus machte nie einen Bohei um seinen Geburtstag, verlor nirgends ein Wort über Tannenbäume. Und er beschenkt lieber täglich als alljährlich" Okay, habe ich gedacht. Wieder so eine Behauptung, auch wenn sie echt witzig daherkommt. Aber ganz klein stand die Bibelstelle dabei: Und da habe ich bei Matthäus gelesen: "Sucht zuerst sein Reich und seine Gerechtigkeit. Dann wird euch alles andere dazu gegeben werden" Das ist aber mal echt ein Auftrag: sein Reich suchen, mitten unter den Menschen und seine Gerechtigkeit den Menschen zukommen lassen, erkämpfen, verschaffen. Dieser Gott, der mitten in unser Leben gekommen ist, macht uns alle zu denen, die mit ihm und in seinem Namen für die Menschen da sein sollen, da sein wollen, da sein werden.