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Morgenimpuls Archiv

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Zwei Freundinnen wachsen in behütetem Umfeld auf. Die Eltern sind vermögend, die kleine Stadt mittelständisch und gutsituiert, die Kirche gleich neben dem Elternhaus, die Seelsorge geordnet und das kirchliche Leben geht seinen ruhigen Gang durchs Kirchenjahr. Aber eine der beiden, Aline, lässt sich davon nicht täuschen. Jahrelang hat ihr tieffrommer Onkel Arnold sie nicht nur mit zu jedem Gottesdienst genommen, sondern auch mit zu den versteckt und verschämt armen Leuten der Stadt, denen er die notwendigen Lebensmittel gebracht und manche Rechnung bezahlt hat. Und trotz vieler verschwurbelter Wege und Hindernisse gründet sie mit ihrer Freundin und noch einer dritten Frau eine Ordensgemeinschaft, um Gott in den Armen, und hier besonders den Kindern zu dienen. Das erleben wir ja ganz oft: da sind Omas oder Großväter, Onkel oder Tanten diejenigen, die in jungen Leuten ganz beharrlich ihre guten Werte, Themen und Überzeugungen grundlegen und sie so scheinbar nebenbei ins Leben, in den Glauben, ins tatkräftige Christsein einführen. Mir ging das so ähnlich: Bei meiner Tante habe ich das tägliche Beten gelernt, bei meiner Oma Katharina die Überzeugung, dass nicht nur Reden, sondern Tun wichtig ist und bei meiner Tante Elisabeth, dass Gott auch nach zerbrochenen Beziehungen an unserer Seite bleibt. Aline Bonzel, die Gründerin unserer Gemeinschaft, an deren Todestag wir heute denken, hat deshalb auch keine soziale Organisation oder eine Partei gegründet, die genau in ihrer Zeit auch entstanden sind, sondern eine Ordensgemeinschaft. Sie wollte vor Gott und für die Menschen da sein, weil sie wusste, dass die eigenen Kräfte und Fähigkeiten nie ausreichen würden sie aber mit Gottes Hilfe all das schaffen kann, was gerade dran ist.
3 Minuten
Ich bin als Kind und Jugendliche sehr selbstverständlich zum Blasiussegen am 3. Februar gegangen. Mich haben die gekreuzten Kerzen, die ganz nahe vor mein Gesicht gehalten worden sind, und der persönliche Segen, ganz für mich allein, sehr beeindruckt. Und ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht, was er bewirken kann oder soll. Ich wusste, gegen Halskrankheiten und damit war es gut. Und dann bekam mein Großvater Kehlkopfkrebs und ist daran gestorben und ich dachte: Hm, jetzt hat er sein ganzes Leben lang jedes Jahr den Blasiussegen gegen Halskrankheiten bekommen, und jetzt stirbt er an einer solchen Halskrankheit. Was ist denn da nun dran? Blasius war Arzt und Bischof in Sebaste in Armenien um 320 und wurde in der damaligen Christenverfolgung gefangen genommen und getötet. Er soll noch im Gefängnis einen Jungen vor dem Ersticken gerettet haben und von daher stammt diese Art des Segens. Mit dem Segen wird uns das Heil zugesagt, Heil für Leib und Seele durch Jesus Christus, den Heiland, den Heilbringer. In einer der Segensformeln heißt es: "Der Herr behüte dein Leben und bewahre Dich vor dem Bösen. Auf die Fürsprache des heiligen Blasius segne dich der allmächtige Gott." Die katholische Gemeinde Sankt Blasien im Schwarzwald weist darauf hin, dass Blasius eben auch als jener "Schutzpatron gegen die Gefahr des schnellen, unpassenden und vor allem verletzenden Wortes" empfohlen werde – um den Frieden zu wahren. So hoffe ich also für meinen Opa, dass ihm Jesus Christus zum Heil geworden ist und auch für mich und uns, dass wir durch die Fürsprache und den Segen bewahrt werden vor Halskrankheiten und allem Bösen, aber auch vor unpassenden und verletzenden Worten gegenüber anderen aus unserem eigenen Mund.
3 Minuten
Maria und Josef tun ihre religiöse Pflicht. Sie bringen ihren Erstgeborenen in den Tempel, um ihn Gott zu weihen und geben die vorgeschriebene Opfergabe ab. Aber dann passiert, dass der sehr alte Simeon dieses eine Kind, unter den vielen Neugeborenen, die im Tempel Gott geweiht werden, dieses eine Kind als das erkennt, das bedeutsam für sein Volk und sein eigenes Leben werden soll. Der alte Simeon wartet im Tempel auf die Erfüllung einer Offenbarung. Ihm war gesagt worden, dass er nicht eher sterben werde, bis er den Messias, den Retter aller Menschen, gesehen hat. Als Maria ihm schließlich das Jesuskind in die Arme legt, stimmt Simeon ein Loblied an: "Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel." Und auch Hannah, eine sehr alte Prophetin, die im Tempel lebt, erkennt dieses Kind und spricht darüber zu allen, die im Tempel sind. Simeon und Hannah haben ihr ganzes Leben darauf gewartet und gehofft, dass sie es sein werden, die diesen Messias noch erleben werden, der seit hunderten von Jahren verheißen und vom Volk erwartet wird. Und ihre Hoffnung wird erfüllt. Sie konnten aber nicht ahnen, dass es ein Säugling sein würde, den sie begrüßen und sehen würden. Viele haben einen Fürsten, einen König, einen Revolutionär, einen Kämpfer, einen Machthaber erwartet, der das Volk von innerer und äußerer Fremdherrschaft erlöst und befreit. Aber es ist ein Kind. Und sie erkennen ihn, weil sie sich auf Gott und nicht auf ihre eigenen Vorstellungen verlassen. Ihnen ist in diesem Kind sozusagen ein Licht aufgegangen. Sie haben eher als alle Schriftgelehrten und Studierten, eher als alle Religionsfunktionäre und Priester erkannt, dass Gott anders ist, als alle erwarten und denken und haben auf dieses Kind ihr Vertrauen gesetzt. Beten wir heute für uns alle in unserer Kirche, genau um das: dass uns ein Licht aufgeht und wir ein bisschen mehr erkennen, wie dieser Gott liebt und lebt und wie deshalb Christsein heute gehen kann.
3 Minuten
Vor einigen Tagen, in einem Gottesdienst für eine Verstorbene, wurde ein Text aus dem Buch Kohelet gelesen: Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde: Geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit; pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit; töten hat seine Zeit, heilen hat seine Zeit; abbrechen hat seine Zeit, bauen hat seine Zeit; weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit; klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit; Steine wegwerfen hat seine Zeit, Steine sammeln hat seine Zeit; herzen hat seine Zeit, aufhören zu herzen hat seine Zeit; suchen hat seine Zeit, verlieren hat seine Zeit; behalten hat seine Zeit, wegwerfen hat seine Zeit; zerreißen hat seine Zeit, zunähen hat seine Zeit; schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit; lieben hat seine Zeit, hassen hat seine Zeit; Streit hat seine Zeit, Friede hat seine Zeit. Und ich muss gestehen, in wenigen Sekunden des Zuhörens war ich in Gedanken ganz weit weg in meiner Zeit als Jugendliche in der DDR. Es gab da 1973 einen großen Hit der Puhdys, der uns wegen seiner Rhythmen, aber besonders wegen seines Textes unglaublich gefallen hat. Da hieß es: "Wenn ein Mensch kurze Zeit lebt, sagt die Welt das er zu früh geht. Wenn ein Mensch lange Zeit lebt, sagt die Welt es ist Zeit . . . dass er geht. Jegliches hat seine Zeit, Steine sammeln – Steine zerstreun. Bäume pflanzen – Bäume abhaun, leben und sterben und Streit. Jegliches hat seine Zeit, Steine sammeln – Steine zerstreun. Bäume Pflanzen - Bäume abhaun, leben und sterben und Frieden und Streit." Während einer Jugendparty in den Gemeinderäumen hat uns dann der junge Pfarrer gefragt, ob wir denn wüssten, dass dieser Text aus der Bibel ist. Das wussten wir nicht aber die Neugier war geweckt und die Lust, in solchen uralten Texten zu stöbern, wenn schon DDR-Bands daraus ihre Texte genommen haben, musste das was Tolles sein. Und diese Lust ist geblieben bis heute und das Erstaunen, dass schon vor tausenden von Jahren Menschen die gleichen Lebenserfahrungen mit sich und ihrem Gott gemacht haben und aufgeschrieben haben. Phänomenal!  
3 Minuten
Johannes Bosco wächst in sehr ärmlichen Verhältnissen auf. Seinen Vater verliert er früh, aber seine Mutter liebt ihn und seine Brüder sehr und gibt ihm ein grenzenloses Vertrauen in Gott mit auf den Weg. Johannes ist ein fröhlicher Mensch der die zauberhafte Gabe hat, auf Menschen zugehen zu können, sie wunderbar zu unterhalten und leicht und locker auch von Gottes Liebe zu erzählen. Er wird Priester und erlebt in Turin das harte Leben der Jugendlichen, die aus den Dörfern in die Städte ziehen, um Arbeit zu finden, aber unversorgt und überfordert oft im Gefängnis landen. Dort findet Don Bosco seine Lebensaufgabe. "Erziehung ist eine Sache des Herzens", sagt er und hat mit seiner Pädagogik einen ganz neuen Weg eingeschlagen: Er hat die Jugendlichen gefördert, ihnen zugehört, sie begleitet. Ihm ging es dabei immer um eine ganzheitliche Erziehung. Er will den Jugendlichen immer auf Augenhöhe begegnen. Sein Erziehungsstil, der auf Liebe, Einsicht, Glaube und Prävention setzte statt auf harte Strafen, war revolutionär für die damalige Zeit. Und es gibt so viel zu tun, dass er nach Gleichgesinnten sucht, die ihm helfen, den vielen tausend Jugendlichen gerecht zu werden, ihnen Heimat, Geborgenheit und Ausbildung zu verschaffen. Es entstehen die großen Frauen und Männergemeinschaften der salesianischen Familie, die bis heute in über 133 Ländern im Dienst von Kindern und Jugendlichen stehen, um Zukunftsperspektiven zu schaffen. "Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen" ist ein bekanntes Wort von ihm und es klingt freundlich und locker und leicht. Aber es muss die Grundhaltung des Herzens sein, wenn man bis an die Ränder gehen will, Jugendliche aus den Gefängnissen und den Spiralen der Gewalt holen will und sich sicher ist, dass selbst im noch so rauen Burschen ein guter Kern steckt. "Ich will euch hier und ewig glücklich sehen." – Von diesem Wunsch war das ganze Leben Don Boscos bestimmt. Wie kein anderer hat er mit seinem ganzen Lebenseinsatz junge Menschen begleitet. Jeder einzelne junge Mensch war für ihn wichtig, weil er wusste und fest glaubte, dass Gott jeden Menschen liebt.
3 Minuten
Johannes Bosco wächst in sehr ärmlichen Verhältnissen auf. Seinen Vater verliert er früh, aber seine Mutter liebt ihn und seine Brüder sehr und gibt ihm ein grenzenloses Vertrauen in Gott mit auf den Weg. Johannes ist ein fröhlicher Mensch der die zauberhafte Gabe hat, auf Menschen zugehen zu können, sie wunderbar zu unterhalten und leicht und locker auch von Gottes Liebe zu erzählen. Er wird Priester und erlebt in Turin das harte Leben der Jugendlichen, die aus den Dörfern in die Städte ziehen, um Arbeit zu finden, aber unversorgt und überfordert oft im Gefängnis landen. Dort findet Don Bosco seine Lebensaufgabe. "Erziehung ist eine Sache des Herzens", sagt er und hat mit seiner Pädagogik einen ganz neuen Weg eingeschlagen: Er hat die Jugendlichen gefördert, ihnen zugehört, sie begleitet. Ihm ging es dabei immer um eine ganzheitliche Erziehung. Er will den Jugendlichen immer auf Augenhöhe begegnen. Sein Erziehungsstil, der auf Liebe, Einsicht, Glaube und Prävention setzte statt auf harte Strafen, war revolutionär für die damalige Zeit. Und es gibt so viel zu tun, dass er nach Gleichgesinnten sucht, die ihm helfen, den vielen tausend Jugendlichen gerecht zu werden, ihnen Heimat, Geborgenheit und Ausbildung zu verschaffen. Es entstehen die großen Frauen und Männergemeinschaften der salesianischen Familie, die bis heute in über 133 Ländern im Dienst von Kindern und Jugendlichen stehen, um Zukunftsperspektiven zu schaffen. "Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen" ist ein bekanntes Wort von ihm und es klingt freundlich und locker und leicht. Aber es muss die Grundhaltung des Herzens sein, wenn man bis an die Ränder gehen will, Jugendliche aus den Gefängnissen und den Spiralen der Gewalt holen will und sich sicher ist, dass selbst im noch so rauen Burschen ein guter Kern steckt. "Ich will euch hier und ewig glücklich sehen." – Von diesem Wunsch war das ganze Leben Don Boscos bestimmt. Wie kein anderer hat er mit seinem ganzen Lebenseinsatz junge Menschen begleitet. Jeder einzelne junge Mensch war für ihn wichtig, weil er wusste und fest glaubte, dass Gott jeden Menschen liebt.
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Vor einigen Tagen, bei einem wunderschönen gemeinsamen Abend mit Chorkolleginnen, kamen wir untereinander auf unsere Lebensgeschichten zu sprechen und damit auch auf die vielen Trennungsgeschichten. Berichte von Trennungen der Eltern mit gutem und nicht so gutem Ausgang, von Schmerz und Wut und Zorn, aber auch dem Gefühl, dass es gut so war. Geschichten über eigene Scheidungen und Trennungen und den Leiden der Kinder, der verlassenen Elternteile, der Gesamtfamilie. Der Not, dass ja die Scheidung einer kirchlich geschlossenen Ehe zwar geht, aber nicht gut ist und Folgen hat, wenn man wieder heiraten möchte. Und so weiter. Ich hatte lange zugehört und aus eigenem Familienerleben genug Episoden im Hinterkopf und Fragen und Zweifel. Und dann die Frage an mich: "Wie siehst Du das eigentlich?" Zunächst habe ich ein wenig ausgeholt und erzählt, dass die christliche Eheschließung, die wir heute kennen, erst zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert so entstanden ist, die Festlegung der Eheschließung als eins der sieben Sakrament, dass Wissen, das noch bis in den Anfang des 20. Jahrhunderts "bis das der Tod euch scheidet" im Durchschnitt 12 Jahre bedeutete und Silberhochzeiten die absolute Ausnahme waren. Und dass die Regulierung der Ehe immer auch zum Schutz der Frauen wichtig wurde, die sonst oft keinen Schutz, keinen Verdienst, keine eigene Zukunft haben konnten. Ich kenne viele Eheleute, die sich ihr gesamtes langes Leben lang gemeinsam durch Höhen und Tiefen gekämpft haben und immer zusammengeblieben sind. Aber ich kenne auch zu viele, bei denen das immer nur schrecklich und schwierig war und in Verbitterung geendet hat. Und dann habe ich meine heutige Überzeugung erklärt: "Ich weiß und ich glaube, dass Gott der Gott der Liebe ist. Und ich glaube nicht dass Gott wollen kann, dass Menschen in einer zerrütteten Ehe zusammen bleiben und die gesamte Familie unglücklich wird. Gott will, dass alle seine Geschöpfe glücklich werden. Und das hat auch manchmal die Konsequenz, dass Eheleute sich trennen müssen, um leben zu können," Danach kommt das Gespräch so richtig in Fahrt und ich habe sehr gespürt, wie erleichtert viele waren, dass ich diese Äußerung gemacht hatte, dass Gott die Liebe ist und er will, dass wir in seiner Liebe und in der Liebe untereinander glücklich werden.
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"Wie der Herre, so‘s Gescherre" - die Redensart kennen vielleicht noch manche von Ihnen. Damit ist gemeint, dass die Kinder oft so ähnlich werden wie die Eltern. Dass Untergebene ähnlich ticken wie die Chefs, dass das Verhältnis Schüler – Lehrer abfärben kann. Dass Paulus einen ziemlichen Verschleiß an Mitarbeitern hatte, kann man gut nachlesen, aber Timotheus und Titus, die sogar als Apostelschüler bezeichnet werden und deren Gedenktag heute ist, scheinen in das Schema zu passen, dass Paulus versucht hat, für alle Gemeinden, in denen er missioniert hat, Menschen zu finden und ein zu setzen, die seine Aufgabe dort weiterführen konnten. Und so sind diese beiden sehr unterschiedlich und haben auch sehr unterschiedliche Aufgaben. Aber gemeinsam ist ihnen: nachdem sie Paulus kennengelernt haben, haben sie seine unglaubliche missionarische Kraft erlebt und sind ihm bis in seinen Tod hin treue Begleiter und Mitarbeiter in seinem Dienst geblieben. Die Briefe des Paulus haben manchmal kurze Passagen, in denen auch familiäre Hintergründe seiner Schüler auftauchen und in denen Paulus etwas liebevoller, zugewandter und persönlicher wird: in einem Brief an Timotheus schreibt er ihm: "Ich denke an deinen aufrichtigen Glauben, der schon in deiner Großmutter Loïs und in deiner Mutter Eunike lebendig war und der nun, wie ich weiß, auch in dir lebt. Darum rufe ich dir ins Gedächtnis: Entfache die Gnade Gottes wieder, die dir durch die Auflegung meiner Hände zuteil geworden ist. Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit." Hier wird mir wieder deutlich, wie lang die Überlieferung unseres Glaubens geschieht, und wie einfach es geht, wenn es geschieht: durch Vorfahren, Großeltern, Eltern, Missionare, die eben vorbeikommen, durch Handauflegung und Taufe. Aber dass es immer an uns selbst liegt, diese Gnade Gottes wieder anzufachen und nicht verzagt und ängstlich zu sein, sondern dem Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit zu trauen.
3 Minuten
Ein Chanukka-Leuchter steht auf der Fensterbank und das Foto zeigt, dass am Haus auf der anderen Straßenseite die Hakenkreuzfahnen wehen. Eine entzückend schöne Puppe im Stil ihrer Zeit sitzt in einer Vitrine, das Hörrohr eines Professors liegt fast achtlos da, ein wunderbar emaillierter Kinderkochherd mit Töpfen und Schüsseln lädt zum Spielen ein, die Abendtasche einer jungen Frau wird gleich mit in die Oper genommen. 16 verschiedene, normale Gegenstände des Alltags sind im Bundestag ausgestellt anlässlich des 70 Jahrestages der Gedenkstätte Yad Vashem. Und an jedem Gegenstand hängt eine Geschichte. Eine Geschichte von jüdischen Mitbürgern, die in den Jahren des Nationalsozialismus immer mehr unterdrückt und ausgegrenzt worden sind denen aber, im Gegensatz zu Millionen ihrer Mitbürger, die rechtzeitige Flucht gelungen ist. Und da es in den meisten Fällen keine normale Auswanderung in Friedenszeiten war, sondern unter höchster Geheimhaltung und Not organisierte Flucht, desto mehr beeindrucken mich diese Alltagsdinge, die Menschen unbedingt mitnehmen mussten. Dinge die ihre Identität ausgemacht haben, die vielleicht Erbstücke einer langen Familientradition waren, Geschenke oder einfach die Sachen, die die Menschen um sich haben wollten. Bei dieser Ausstellung, die nicht das millionenfache Morden an den Juden durch die Nazis zum Thema haben, sondern 16 gerettete Gegenstände von 16 geretteten Familien, wird unglaublich klar, was millionenfach verloren gegangen ist: die Liebe zu den kleinen Dingen des Alltags, zu den familiären Traditionen, zu dem, was Menschsein ausmacht. "Erinnern heißt, eines Geschehens so ehrlich und rein zu gedenken, dass es zu einem Teil des eigenen Innern wird." Dieses Zitat von Richard von Weizsäcker in seiner Rede 1985, kann helfen, sich an diesem 27. Januar an all das Schlimme in unserer Vergangenheit zu erinnern, aber auch, mit diesem Erinnern vor Augen zu behalten, dass es immer Arbeit bleibt, dass so etwas nie wieder geschehen darf.
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"Na, wie ist es mit Dir? Wann bist Du eigentlich vom Pferd gefallen?" Das hat mich vor vielen Jahrzehnten ein junger Franziskaner ganz unverblümt gefragt. Ich hatte nicht die leiseste Ahnung was er gemeint haben könnte und worauf er hinauswollte. Am Ende des Jugendwochenendes damals kannte ich zumindest ein paar dieser Sprichworte, die wir so kennen: "Wie vom Blitz getroffen", " Vom Pferd gefallen" oder auch "Vom hohen Ross geschubst" und vor allem, das: "Vom Saulus zum Paulus" Ein sehr verehrter Bischof damals in Erfurt, Hugo Aufderbeck hat mal gesagt: "Wenn ich damals gelebt hätte, ich wäre auch Paulus gewesen" Also der, der seinen Glauben, sein Jüdischsein, sein Pharisäersein vehement verteidigt und die Christen, die seinem Glauben gefährlich wurden, bis aufs Blut verfolgt hat. Ich finde das heutige Fest der Bekehrung des Apostels Paulus ein sehr gefährliches Fest. Wir feiern es fein brav, weil wir Gottes Macht feiern, der damals einen Verfolger zu einem seiner leidenschaftlichsten Nachfolger gemacht hat. Aber ich denke, dass die wenigsten, die das in Gottesdiensten und Gebetszeiten feiern und in Predigten loben, daran denken, dass Gott heute die gleiche Macht hat. Er kann uns heute auf die gleiche Weise so vom Pferd unserer kirchlichen Gewissheiten schubsen, dass uns Hören und Sehen vergeht und wir völlig blind sind, für das, was Gott wirklich von uns will. Ich bin mir sicher, dass alle aktuellen Probleme unseres Kirche-Seins, vom Macht- und sexuellen Missbrauch durch Kleriker, vom Vertrauensverlust gegenüber Bistumsleitungen, von der als mangelhaft gesehenen Seelsorge derzeit, von der, bis heute geltenden Benachteiligung von uns Frauen in der Kirche, dass in all diesen Dingen, Gott sich seine Kirche erneuern wird. Er wird Leute vom hohen Ross schubsen, er wird noch mehr mit Blindheit schlagen und er wird auch viele völlig neu bekehren. Damit sie SEINE Wahrheit verkünden vor aller Welt und die Menschen von der Finsternis des Unglaubens und Aberglaubens zum wahren Licht der Welt führen.
3 Minuten
Einen besonders gütigen und liebenswerten Heiligen feiern wir mit der Kirche heute. Franz von Sales hat von 1567 bis 1622 gelebt, war das älteste von zehn Kindern und sollte nach dem Willen des Vaters in den diplomatischen Dienst gehen. Er hat dann zwar Philosophie und Jura studiert, aber aus persönlichem Interesse auch Theologie. Nach seiner Anstellung als Rechtsanwalt und eigentlich mit der Aussicht auf eine glänzende Karriere als Senator, ließ er sich aber zum Priester weihen und wurde einer der besten Prediger seiner Zeit und damit beauftragt, die Bevölkerung rings um den Genfer See wieder zum katholischen Glauben zurück zu bringen. Weil die Machthaber den Einwohnern aber verboten haben, seine Predigten zu besuchen, nutzte er intensiv die damals komplett neuen Medien: in einer klaren und einfachen Sprache druckte er die damals hochmodernen Flugblätter und heftet sie an Häuser, Zäune und Bäume. Und er brachte seine Botschaft in der Landessprache, was damals absolut unüblich und sensationell war. Franz von Sales war glaubwürdig in einer Sprache, die Gehör und Glauben fand. Franz war ein begnadeter Prediger und ein vorbildlicher Seelsorger, dem es um die persönliche Vertiefung des Glaubens jedes Einzelnen ging. Er leitete als Bischof sein Bistum mit Visitationsbesuchen, Predigt und Katechese. Seine Liebenswürdigkeit und die Übereinstimmung von Worten und Taten in seiner Lebensführung brachten ihm das Vertrauen der Menschen. Dieser Wesenszug seiner Persönlichkeit gefällt mir besonders gut: die Übereinstimmung von Worten und Taten. Nehmen wir doch heute mal diesen Satz auf und schauen, wie es denn bei mir selbst damit ist: stimmen meine Worte mit dem überein, was ich tue? Bin ich in dem, was ich tue, glaubwürdig für das, was ich sage?  
3 Minuten
Wir hatten ein wunderbares Wochenende. Aber tatsächlich nur, weil hier ringsum alles dick verschneit ist. Es ist wunderbar weiß und damit hell und es sieht so zauberhaft aus. Die Stadt ist viel stiller als sonst, weil viel weniger Autos fahren. Sauerländer sind den Winter gewohnt, aber sie müssen nicht fahren, wenn es anders geht. Also habe auch ich manchmal einfach nur am Schreibtisch oder im Wohnzimmer gesessen und nach draußen gestaunt. Vorm Fenster die Bäume haben tatsächlich auf jedem noch so kleinen Ästchen und Zweiglein Schnee liegen der wegen der Kälte auch festgefroren ist. An den Futterstationen, die wir im Garten für die Vögel platziert haben, balgen sich die Meisen und Amseln und Drosseln um die fettesten Körner. Ab und zu kommt ein Schwarm dicker Dohlen und vertreibt die kleinen Vögel und wenn die wieder weg sind, kommen die Kleinen wieder. Wann nimmt man sich eigentlich mal die Zeit, außer vielleicht im Urlaub, einfach nur da zu sein, zu schauen und zu staunen? Und dabei tut das so gut. In vielen biblischen Texten kommt tatsächlich der Schnee vor. Am besten gefällt mir der Vers 8 aus dem Psalm 148. Der ganze Psalm ist ein großer Lobpreis auf den Schöpfer, den Herrn des Kosmos. Und in diesem Vers 8 heißt es: "Feuer und Hagel, Schnee und Nebel, Du Sturmwind der sein Wort vollzieht" Der Beter des Psalms ist sich also sicher, dass in allem, was ihm im Kosmos, in den Naturgewalten und in den Jahreszeiten begegnet, Gottes Wort vollzogen und deutlich wird. In Gottes Schöpfung wird uns seine Größe und Herrlichkeit wunderbar offenbart und lockt uns heraus zum Staunen und Loben und Danken. Und falls bei Ihnen statt wunderbar weißem Schnee nur Regen, Kälte und Nässe herrschen, finden Sie vielleicht in einer Pfütze das Spiegelbild des Himmels und locken ihren Blick nach oben, zum Schöpfer allen Seins mit Dank und Lob.
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Heute feiern wir mit der Kirche das Fest des Heiligen Sebastian. Er war Soldat in Mailand und wurde zum Offizier in der Leibgarde von Kaiser Diocletian und Maximian. Da er sich als Hauptmann der Prätorianergarde aber am Hof zu seinem Christsein bekannt und gestanden hatte, notleidenden Christen geholfen zu haben, wurde er zum Tod verurteilt und von Bogenschützen erschossen. In der Meinung er sei tot, wurde er liegengelassen. Aber er war nicht tot, sondern schwer verletzt und wurde gesund gepflegt. Wieder genesen, ging er umgehend wieder zum Kaiser und bekannte sich zu Jesus Christus. Und wieder wurde er verurteilt und um 288 getötet. Ich würde heute nicht so ausgiebig von ihm erzählen, wenn er nicht auch unter anderem der Patron der Schützenbruderschaften ist und es hier in Olpe ein sehr ausgiebiges Brauchtum dazu gibt. Am Vorabend gibt es seit einigen Jahren wieder das Beiern, das heißt, die Glocken werden so angeschlagen, dass Musikstücke und Lieder erklingen. Es gibt dann heute Abend ein Festhochamt in rappelvoller Kirche mit Musik mit dem Musikzug der Feuerwehr. Am Anfang war mir das so fremd, dass ich nicht so genau wusste ob ich lachen oder ernsthaft bei der Sache sein sollte. Aber wenn mir dann Schützen erklärt haben, dass die Schützen gegründet worden sind, um zu schützen: die Stadt, die Kirche den Glauben, war ich dann doch ein bisschen versöhnt. Und wenn wir zurzeit wissen und darüber erschrocken sind, dass die Christen weltweit die am meisten verfolgte Religionsangehörigen sind, tun wir gut daran, die Kirche und den Glauben zu schützen, für ihn einzutreten und sich auch im normalen Alltag zum Glauben zu bekennen. Wenn das vielleicht in der Predigt heute Abend Thema sein wird und die vielen hundert Schützen, die zum Gottesdienst kommen, nicht nur heute Abend daran denken, dass ihr Patron für seinen Glauben umgebracht worden ist, dann ist das ganze drumherum ja auch nicht so verkehrt.
3 Minuten
Wenn ich dienstags ins Mutter-Kind-Haus gegangen bin, gab es oft sehr angeregte Gespräche mit den jungen Frauen. Ich bin ja dort, zum einen als Ordensfrau im Habit und zum anderen wegen meines Alters, mindestens dreimal so alt wie die jungen Mamas hier, immer irgendwie Exotin. Und das macht sie neugierig und ganz oft hören sie in vielen Dingen tatsächlich auf mich. Dann ging es mal wieder ums Smartphone. Eine Mama hat immer das Smartphone dabei und daddelt und telefoniert und schreibt und sucht – egal ob sie ihr Kind auf dem Arm hat, oder ihm das Fläschchen gibt. Und eine andere junge Frau, mit der ich darüber schon vor Monaten gesprochen mal hatte, hat nun quasi meine Worte benutzt, um ihrer Kollegin zu sagen, dass es nicht so toll ist, das Telefon zu nutzen, während das Baby dabei ist: Dann denkt doch Dein Kind, das dieses komische schwarze Ding das wichtigste in Deinem Leben ist und wird, sobald es kann versuchen, dieses schwarze Ding zu bekommen und zu beherrschen. Ganz erschrocken hat die junge Frau das Handy weggesteckt und ganz ungläubig gefragt, ob das wirklich so ist. Da ist mir noch mal klar geworden, dass wir selbst in unserem Alltag immer mal schauen müssten: Wem gilt eigentlich meine ganze Aufmerksamkeit, wer oder was fesselt mich, wofür habe ich immer Zeit, was schaue ich immer wieder an? Von der Heiligen Klara von Assisi gibt es ein schönes Wort. Sie hat einmal gesagt: "Im Anschauen Deines Bildes o Herr, werde ich verwandelt in Dein Bild." In unser heutiges Verständnis übersetzt könnte das heißen: Wenn ich jeden Tag eine Zeit damit verbringe auf Jesus zu schauen, ein Bild oder ein Kreuz zu betrachten, seine Worte zu lesen, sie in ein paar Minuten Stille mal zu bedenken, dann werde ich nach und nach von ihm geprägt: von seiner Liebe und Güte, von seinem Engagement für die Armen, von seinem Eifer für das Reich Gottes. Und ich werde IHM ähnlicher, dem ich meine Aufmerksamkeit gebe.
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Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich sitze einfach nicht gern vorne. Ich bin einfach immer lieber mittendrin. Ein paar Leute vor mir, einige hinter mir, rechts und links auch welche. Egal ob in Konferenzen, Gottesdiensten, im Theater oder im Stadion. Aber zurzeit sitze ich immer in der ersten Reihe, in unserer Pfarrkirche und auch in der Mutterhauskirche zur Eucharistiefeier. Am Sonntag hat mich das sehr erheitert. Da saß eine sehr alte Dame in der ersten Reihe im Seitenschiff, ihre Unterarmstützen unter die Bank gelegt, daneben eine Frau mittleren Alters, ebenso mit Gehhilfen und dann ich, wegen meines gebrochenen Fußes ebenso auf Stützen angewiesen. Wir haben uns amüsiert angelächelt und auf unsere Malässen hingewiesen. Zum einen hat man in der ersten Reihe einfach mehr Platz für die Stöcke, aber eigentlich geht es um etwas anderes. Zur Kommunionausteilung muss man nicht erst alles sortieren um mühsam nach vorn zu kommen. Sondern die Kommunionhelfer*innen kommen an die Bank und reichen ganz einfach die Kommunion, denen die da sitzen. Ich finde, dass es, obwohl es ein so kleines Zeichen ist, sehr deutlich macht, warum Gott seinen Sohn zu uns auf die Erde geschickt hat: um den Mühseligen und Beladenen, den Kranken und Gebrechlichen, denen, die sich kaum selbst helfen können, besonders nahe zu sein. Kommunikation und Kommunion sind zwei Seiten dieses Geschehens: ich kann meine Verletzlichkeit und Schwäche zeigen und zugeben und Gott kommt, um mich zu trösten, mir Kraft zu geben und bei mir zu sein. Aber er zeigt es auch auf einer zweiten Seite. Neben jeder von uns, die auf Hilfe angewiesen war, saß auch ein Helfer, eine Helferin. Eine Mitschwester bei mir, der Sohn bei der alten Dame und der Ehemann bei der etwas jüngeren Frau. Gott kommt uns nahe um bei uns zu sein: in den Sakramenten seiner Liebe und in den Mitmenschen, die er uns zur Seite gibt, damit wir gut leben können.
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