Morgenimpuls Archiv
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Der Glaube der Menschen an den menschgewordenen Sohn Gottes war immer mehr zurückgegangen und wurde von vielen gläubigen Christen und hochgelehrten Theologen vehement abgelehnt. Und genau in dieser Zeit, will Franziskus von Assisi das Weihnachtsgeschehen so feiern, dass man es fühlen, spüren und neu glauben kann. Johannes von Greccio berichtet aus dem Winter 1223, also genau vor 800 Jahren: Franziskus habe den Wunsch gehabt, das Gedächtnis an jenes Kind [...], das in Bethlehem geboren wurde, und [...] die bittere Not, die es schon als kleines Kind zu leiden hatte, wie es in eine Krippe gelegt, an der Ochs und Esel standen, und wie es auf Heu gebettet wurde, so greifbar als möglich darstellen zu lassen. Und so haben die Leute ringsum alles dahingebracht: Ochs und Esel, Schafe und Heu und Stroh. Und die Brüder der Einsiedeleien und die Menschen der umliegenden Dörfer sind gekommen um mit Fackeln und Kerzen zu sehen, zu singen und zu beten. Und später wird berichtet: während der Predigt des Franziskus, der unentwegt davon gesprochen hat: "Das das heiligste und geliebte Kind uns geschenkt, für uns geboren am Weg und in eine Krippe gelegt worden ist, weil in der Herberge kein Platz gewesen ist", da habe man gesehen, dass das leblos daliegende Kind in der Krippe lebendig wurde. Soll heißen: dass das Krippenspiel die Herzen der Menschen [...], die im Glauben an Christus erkaltet waren, wieder aufgeweckt hat. Nach der Prozession, der Lesung des Evangeliums und der Predigt wurde das Krippenspiel beendet und die Menschen kehrten, in seliger Freude nach Hause zurück. In vielen Gemeinden werden in diesen Tagen Krippenspiele gespielt. Manchmal von Kindern, oft auch von Erwachsenen. Und wir, sonst so nüchterne Verstandesmenschen, fühlen uns im Inneren angerührt wegen der Geschichte der Geburt dieses Gotteskindes in Armut und Not. Wenn dieses Weihnachtsgeschehen mit seinen Krippenspielen, den alten, oft so romantischen Liedern und dem so bekannten Evangelium es schaffen kann, den Glauben an diesen menschgewordenen Sohn Gottes in uns wieder ein bisschen lebendiger zu machen, dann gibt es kein schöneres Geschenk für jeden von uns.
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Ich mag gestellte oder inszenierte Bilder nicht. Ja klar, kein Problem: da hinstellen, da hinschauen, beachten sie die Kamera nicht, gehen sie auf die Kamera zu und dann dicht daran vorbei, gaaaanz locker. Nee, geht irgendwie nicht. Dieses so-tun-als-ob liegt einfach nicht in unserer Natur. Es sei denn, man ist Schauspieler oder Künstlerin.Und das ist das tolle an dieser Adventszeit oder besser gesagt an dieser Zeit, in der wir auf Weihnachten zugehen. Gott hat nicht nur so getan, als ob ihm an den Menschen was liegt. Nein, es liegt ihm so viel an uns, dass er nicht nur Vorläufer und Botschafter und Minister schickt, um uns das glaubhaft zu machen. Nein, er schickt seinen eigenen Sohn. Damit wir verstehen, dass es ihm ernst um uns ist.Und so ist Weihnachten auch: nicht ein so-tun-als-ob wir an Gott glauben und deshalb den Geburtstag seines Sohnes feiern. Sondern wir feiern auch wenn uns nicht danach ist, wenn so vieles fehlt, was uns sonst so schön in Weihnachtsstimmung bringt, auch wenn ich eigentlich nichts davon halte, wie mir gestern eine Frau bekannt hat. Wir erinnern uns an dieses erste Kommen des Sohnes Gottes hier herunter zu uns.In den Sehnsuchtsversen des alten Bundes heißt es für heute: "O Spross aus Isais Wurzel, gesetzt zum Zeichen für die Völker - vor dir verstummen die Herrscher der Erde, dich flehen an die Völker: o komm und errette uns, erhebe dich, säume nicht länger!"Alte, scheinbar abgestorbene Wurzeln bringen neue Triebe hervor und immer neu kommt die Botschaft des kommenden Gottes zu uns, ob uns danach ist oder nicht, ob wir vorbereitet sind oder nicht, ob wir traurig oder vorfreudig, gelangweilt oder begeistert sind.Bitten wir Gott in diesen Tagen darum, in unseren Herzen und den Herzen der Mächtigen neu aufzubrechen und eindringlich zum Frieden und zur Mitmenschlichkeit zu mahnen. Und ich glaube ganz fest: Gott tut nicht nur so als ob. Gott wird wirken und wirkt immer.
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Heute Abend gibt es sie wieder: die Nacht der Versöhnung hier im Dekanat Südsauerland. Seit vielen Jahrzehnten gibt es dieses Angebot schon, das immer am Montag vor dem Heiligen Abend und am Montag in der Karwoche stattfindet. Die Orte und die Themen wechseln, aber der Inhalt ist immer der gleiche: Versöhnung suchen und finden; mit sich selber, mit den Mitmenschen, mit der Schöpfung und mit dem Gott unseres Lebens. Diesmal geht es um das entschieden Leben in der Heilig-Geist-Kirche hier in Olpe.Immer wieder müssen wir in unterschiedlicher Art und Weise im Hinblick auf verschiedene Dinge Entscheidungen treffen. Ein Leben ohne Entscheidungen kann es nicht geben und gibt es nicht. Entscheide ich nicht selbst, tun dies ggf. andere.Auch Gott hat sich entschieden: für uns, für die Menschen mit all ihren Stärken und Schwächen, ihren Fragen und Entscheidungen. Und das wird ganz besonders deutlich durch die Geburt Jesu Christi, indem Gott seinen Sohn zu uns schickt und zu einem von uns werden lässt. Die kommende Nacht der Versöhnung greift das Thema "Entscheidung" auf und stellt u.a. die Frage, welche Bedeutung die Entscheidung Gottes für uns Menschen ggf. für das eigene Leben hat. Führt sie dazu, dass ich mich auch für Gott entscheide? Und wenn ja, was bedeutet das dann ganz konkret?Für viele Menschen hier im Umfeld ist diese Form des Gottesdienstes mit viel Gesang und tiefgehenden Texten der wirkliche Beginn der festlichen Zeit am Ende des Advents und kurz vor Beginn des Weihnachtsfestes. Und nach dem Gottesdienst gibt es wie immer die Möglichkeit sich segnen zu lassen, das Sakrament der Versöhnung zu empfangen und zu Gespräch und Begegnung.In der Antiphon zum Benediktus heißt es heute: "Euer Herz sei wach und bereit: ganz nahe schon ist der Herr, unser Gott." Der Erlöser wird kommen und es ist gut, diese letzten Tage des Advents sehr entschieden in bereiter Erwartung zu leben.
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Jedes Jahr im Advent gibt es den Schwesternkaffee im Kinderhospiz. Zum Abschluss des Jubiläumsjahres 25 Jahre Kinderhospiz Balthasar waren wir Schwestern aus den beiden Olper Konventen, alle Eltern und Kinder, die sich zurzeit im Hospiz befinden, und die vielen MitarbeiterInnen eingeladen. Adventslieder singen, einer besonderen Geschichte lauschen und miteinander Kaffee trinken sind eine wunderbare Gelegenheit, sich kennen zu lernen und voneinander zu wissen.Ein junger Mann ist mir aufgefallen. Er war immer mit einem der Kinder, oder mit einem der Eltern oder Kollegen beschäftigt und im Gespräch. Der Leiter des Hospizes hat auf die Anfrage zu ihm kurz erzählt, dass er Heilerziehungspfleger ist, hier seine Ausbildung gemacht hat, dann erst noch etwas anderes versucht hat, aber schnell gemerkt hat, dass das Kinderhospiz und die Arbeit mit und für die Kinder genau seins ist. "Er hat ein unglaubliches Faible für Menschen" war die Aussage des Chefs.Genau wie Gott, habe ich sofort gedacht. Gott hat ein Faible für die Menschen und konnte es nicht länger ertragen, dass sie sich immer mehr von ihm entfernt haben und selbstgemachten Göttern hinterhergelaufen sind und diese angebetet haben. Er konnte es nicht länger ertragen, dass sie Angst vor ihm und seiner Macht hatten und hat deshalb seinen Sohn geschickt. Nicht als Herrscher, sondern als neugeborenes, hilfsbedürftiges Kind, dass man nur liebhaben und sich um es kümmern kann. Die dritte Strophe unseres Adventshymnus heißt deshalb:"Vom Himmel wird als Lamm gesandt, der alle Sünde auf sich nimmt.Wir blicken gläubig zu ihm auf und bitten ihn um sein Verzeihn."Vor einem Lamm hat niemand Angst. Gott wusste das, denn er hat ein Faible für seine Menschen.
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Beim Einkehrtag für unsere Schwestern in Drolshagen ging es um adventliche Menschen – früher und heute. Und nach einer kurzen Einführung zum Advent und der darin liegenden Erwartung auf das dreifache Kommen des Menschensohnes: in der Feier des Weihnachtsfestes als Erinnerung an sein Kommen, am Ende unseres eigenen irdischen Lebens und am Ende der Zeiten, haben wir ein bisschen gesucht und überlegt.Die klassischen Menschen des Advent, haben wir gefunden: Barbara und Luzia die Märtyrerinnen, als die Lichtbringerinnen in Zeiten der Verfolgung, Nikolaus als der Mensch der gelebten Nächstenliebe schlechthin, Adolph Kolping als der, der sich der konkreten Not der Handwerksgesellen angenommen hat, die Gottesmutter Maria mit ihrem entschiedenen JA zu den ungewöhnlichen Anfragen Gottes, Jesaja als der Prophet, der in kriegerischen Zeiten immer wieder dem Volk den Trost Gottes zugesagt hat und Johannes der Täufer, der sehr energisch von sich weg auf den wahren Messias hingewiesen hat.Und dann hat eine Schwester auf Wolodymyr Selenskyj, den Präsidenten der Ukraine hingewiesen, der mit all seinen Fähigkeiten und Möglichkeiten versucht, in seinem angegriffenen Volk die Hoffnung auf den Sieg und den Frieden immer wieder zu bestärken. Und unsere, fast hundertjährige Schwester bringt den neuen Paderborner Erzbischof ins Spiel. Auf meine Frage, warum sie das denn denkt, kann sie sehr klar sagen: Ich habe seine kurze Ansprache bei der Verkündung im Paderborner Dom gehört und er hat gesagt, dass er diesen Dienst mit Angst und Hoffnung angenommen hat.Und so geht es uns Christen doch oft: Die derzeitigen Krisen in aller Welt, die Kriege und Katastrophen, die wieder nicht ernsthaften Beschlüsse der Weltklimakonferenz, die Umbrüche in Kirche und Gesellschaft machen vielen Menschen Angst. Aber wir sind und bleiben Menschen der Hoffnung, weil wir der Ankündigung glauben, dass unser Gott bei uns bleibt in allen Höhen und Tiefen unseres Lebens und weil er diese Welt in seiner guten Hand hält und sie zu einem guten Ende führen wird.
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Wir haben Mittwoch und irgendwie "trubelt" es sich: viele haben den Eindruck, dass alle Termine, die in den letzten knapp drei Jahren ausgefallen sind, jetzt noch schnell gemacht werden müssen. Ein bisschen mit angehaltenem Atem und in Sorge, dass es wieder schlimm wird mit der Pandemie, eine große Grippewelle haben wir ja diesen Herbst schon, aber eigentlich muss das jetzt alles schnell noch sein. Noch da ein Treffen und da eine Adventsfeier und noch da eine Jahresabschlussbesprechung und so weiter. Aber schnell geht meistens gar nicht. Dann streikt der Laptop, dann das Schulkind und wird krank, dann die Heizung und kein Monteur zu kriege, dann das eigene Nervensystem. Wir sind nicht so cool wie wir meinen. Und manchmal hoffen wir dann, dass uns in allem doch mal ein Licht aufgeht. Und wir ein bisschen klarer sehen und einen Gang runterschalten. Die Heilige die wir heute feiern ist für das Licht zuständig. Sie, die Luzia, gilt als Sinnbild für die vielen Märtyrerinnen der frühen Kirche, die in den Jahrzehnten der Christenverfolgung mit ihrem Dasein ein Licht für Andere waren und Hoffnung und Zuversicht verbreiten konnten. Daher ist auch gut zu verstehen, dass ihr Fest besonders in den nordeuropäischen Ländern von so hoher Bedeutung ist, wo es so lange so tief dunkel ist, dass jedes so kleine Licht begrüßt und von Herzen aufgenommen wird. Viele Adventsgesänge handeln von diesem Licht aber was am ehesten aussagt, worum es wirklich geht ist dieses "Mache Dich auf und werde Licht, denn Dein Licht kommt“ Es hilft nichts, über die eigenen dunklen Seiten zu klagen und auf die Erleuchtung zu warten, es ist dringend, die eigenen Fähigkeiten und Helligkeiten nicht auch noch unters Bett zu stellen, sondern es ist dran, mich selbst auf die Socken zu machen und dem Licht, dem Kommenden, dem den ich erwarte entgegenzugehen.
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Im thüringischen Eichsfeld, wo ich geboren und aufgewachsen bin, gibt es viele Wallfahrtsorte und die meisten sind Marienwallfahrtsorte. Der bekannteste ist sicher Etzelsbach geworden, weil Papst Benedikt dort 2011 mit 90 000 Eichsfeldern eine Vesper gebetet hat. Eines der Wallfahrtslieder zur Gottesmutter ist das berühmte "Maria, durch ein Dornwald ging“ das aus dem Eichsfeld stammt. Ich kenne es von Kindheit an und mochte es wegen der schönen Melodie aber auch wegen des etwas geheimnisvollen Textes.Es wird die Szene besungen, dass sich Maria aufmacht, um ihre verwandte Elisabeth zu besuchen, die etwa 100 km entfernt im Bergland von Judäa wohnt und ebenso schwanger ist. Für eine 14-jährige Frau ist dieser Weg voller Dornen und Gefahren. Aber ihre gesamte Situation ist mehr als mühsam: seit der Verkündigung durch den Engel hat sie ihr Leben Gott anvertraut, sie trägt den Sohn Gottes und kann es ihren Mitmenschen und ihrem Umfeld kaum vermitteln, Josef, ihr Verlobter weiß noch von nichts, die Eltern sind entsetzt und die Nachbarn tuscheln, die Freundinnen wissen genau, dass das schiefgehen wird, wenn das bekannt wird… und so weiter.Aber etwas ist anders: sie geht den Weg nicht allein. Sie geht ihn mit dem, dem sie Mutter werden wird. Und in diesem Glauben und ziemlich grenzenlosen Vertrauen tragen sogar die Dornen am Ende Rosen. Die Dornen sind nicht weg, sie sind weiterhin lästig und stachelig und gefährlich. Aber sie tragen die Rosen des tiefen Gottvertrauens und den Duft einer großen göttlichen Liebe.Viele Menschen haben im Moment unter sehr vielen Dornen und Stacheln zu leiden. Unter Kriegen und Vertreibungen, unter Krankheiten und Schwächen, unter Existenzängsten und negativen Vorahnungen, unter Geldknappheit und Angst um den Arbeitsplatz. Erbitten wir Gottes Schutz und Geleit durch diese gefahrvollen Zeiten und gib uns eine Ahnung von diesem GOTT MIT UNS SEIN.
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Wir sind in der zweiten Adventswoche und vom schönen Adventskranzansinglied heißt die zweite Strophe:Wir sagen euch an den lieben Advent Sehet, die zweite Kerze brennt.So nehmet euch eins um das andere an. Wie auch der Herr an uns getan.Freut euch, ihr Christen! Freuet euch sehr! Schon ist nahe der Herr.Ganz stolz haben Vertreter der Stadtverwaltung im November verkündet, dass jetzt alle Weihnachtsbeleuchtung in der Stadt, über den Straßen und an den vielen großen Weihnachtsbäumen auf LED umgestellt ist und die Stadt so wieder schön beleuchtet werden kann, aber es sehr viel weniger Strom und somit Geld kostet als vorher. Und die schön leuchtenden Bäume um den kleinen Marktplatz herum leuchten erst schön, wenn ringsum alle Werbung und andere grelle und blinkende Beleuchtung aus ist. Diese zweite Adventswoche macht uns ohnehin deutlich, dass es weniger um Helligkeit und Glanz und Gloria, um Geschäfte und Geschenke gehen muss, sondern? Ja, sondern worum eigentlich?"Nehmet euch eins um das andere an" ist eine Möglichkeit. Dieser Tage war im Kinderhospiz Balthasar der "Tag der offenen Tür" und da ist mir wieder klar geworden, dass es genau das sein kann: Zeit haben zum Geschichten vorlesen, Zeit schenken zum Spielen, Zeit spenden an überforderte Eltern, Zeit dalassen für engagierte Mitarbeiter:innen. Geld spenden ist in Kinderhospizen auch wichtig, weil auch die Geschwisterkinder und Eltern betreut werden, was aber keine Kasse bezahlen will."Freut euch ihr Christen, freuet euch sehr, schon ist nahe der Herr" singt sich leicht und fröhlich, weil es eine muntere Melodie hat. Manchmal kommt schon die Frage auf, wie es sein wird, wenn der Herr am Ende der Zeiten kommen wird. Bei welchem Tun für Menschen oder bei welchem Sein und Warten auf IHN wird er uns antreffen?Freuen wir uns tatsächlich auf den kommenden Herrn, oder ist uns die schön geschnitzte Krippe mit dem niedlichen Krippenkind, die freundlich kniende Maria, der danebenstehende Josef, die leuchtenden Christbäume und die gemütliche Atmosphäre genug?
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Über Sünde redet man kaum noch. Es ist ein ziemlich besetztes Thema. Und dann auch noch Erbsünde. Aber das, was wir als Erbsünde bezeichnen, ist eigentlich eine reine Beziehungsstörung. Durch die Ursünde, die in ihrem Kern der Versuch des Menschen ist, sein zu wollen wie Gott, wird das ganz Beziehungsnetz des Menschen gestört - es kommt zu einer Störung in der Beziehung zu Gott, - zum Mitmenschen, - zu sich selbst - und zur Schöpfung.Erlösung, die mit Maria beginnt meint dann: Ent-störung, Heilung des gesamten Beziehungsgeflechts des Menschen, d. h. der Mensch wird durch Jesus Christus wieder in die von der Schöpfung ursprünglich angedachte heile Beziehung zu Gott gebracht, in die Möglichkeit versetzt, in enger Beziehung mit ihm zu leben, nicht in einer frechen und aufmüpfigen Auflehnung gegen Gott, sondern in einer super Beziehung.Das heutige Fest Maria Empfängnis besagt demnach – auf den Punkt gebracht und ein bisschen salopp: Maria lebt vom ersten Augenblick ihres Daseins, in einer super Beziehung mit Gott. Dass das so ist – dafür kann Maria nichts. Das ist pures Privileg. Sie ist in Person der Anfang der ungestörten Beziehung zu Gott. Sie ist deshalb störungsfrei, weil sie von Gott eine Sendung trägt: Sie soll den tragen und bringen, der die Beziehung des Menschen mit Gott wieder normalisieren soll, der mit seinem Leben, Sterben und Auferstehen dazu beitragen wird, dass jeder Mensch in eine super Beziehung mit Gott finden kann, mit Gott in Gemeinschaft lebt, in Communio. Gott ist reinste Beziehung. Und Maria ist die Erste, die von Anfang an in ungetrübter Weise mit Gott in Beziehung steht, die Beziehung in Gott mit lebt – das meint der heutige Festtag. Alles an Maria hat in irgendeiner Form auch Bedeutung für uns und unser Leben: Ihr Privileg, ohne Auflehnung vor Gott zu leben verweist uns darauf, was auch als Hoffnung für uns gedacht ist: - dass wir mit Gott in einer super Beziehung leben können, - dass wir in guter Beziehung zu uns selbst leben können, mit all unseren Macken und Fehlern, - dass wir Gemeinschaft miteinander leben können in Familie, Gemeinde und Staat, - und dass wir in guter Beziehung leben können zur Schöpfung, die Gottes gute Gabe für uns ist.
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Ambrosius, an den wir heute in der Kirche denken, ist ein unglaublich spannender Mensch gewesen. Er gilt als ältester der vier großen lateinischen Kirchenväter. Nach dem Tod des Vaters zieht die Familie nach Rom, wo Ambrosius eine umfassende Bildung erhält und bald eine steile Karriere als Politiker machte, die in Sirmium - dem heutigen Sremska Mitrovica - beginnt. Von Kaiser Valentinian wird er 370 zum Statthalter für Ligurien und die Emilia in Oberitalien ernannt mit Sitz in Mailand.Das Volk liebt und achtet ihn, weil er Milde und Gerechtigkeit walten lässt. Beim Tod des Bischofs von Mailand gibt es schwere Unruhen in der Stadt. Die Anhänger der arianischen Irrlehre, die besagt, dass Jesus nicht Gott ist, und der orthodox-katholischen Mehrheit, streiten sehr aufgebracht über die Nachfolge, die dann ja auch eine Richtungsänderung in grundsätzlichen Glaubensfragen bedeuten könnte. Ambrosius versucht zwischen beiden Parteien zu schlichten und weil er sehr beliebt, aber auch sachlich und fachlich anerkannt ist, kann er den Streit beenden und einen Bürgerkrieg verhindern. Und daraufhin wird er von den Leuten der Stadt für das Bischofsamt vorgeschlagen und beide Parteien sind damit einverstanden. Da er noch im Katechumenat, also in der Vorbereitungsphase auf die Taufe ist, muss es jetzt schnell gehen: Taufe, Firmung, Kommunion und Priesterweihe wird er empfangen und dann wird er am 7. Dezember zum Bischof geweiht.Mir gefallen einige Sätze aus seiner Lebensbeschreibung besonders gut. Da heißt es: Er verkaufte zunächst seinen Besitz und verteilte alles an die Armen. Ambrosius studierte Theologie und lernte Bischof zu sein. Er war eifrig als Seelsorger und kümmerte sich intensiv um Arme, die ihn belagerten, so dass man oft nicht bis zu ihm vordringen konnte; er war ein großer Beter und galt bald schon als begnadeter Prediger. Energisch verteidigte er die Rechte und die Unabhängigkeit der Kirche gegenüber staatlichen Übergriffen: "Der Kaiser steht innerhalb der Kirche, nicht über ihr." So wird über ihn berichtet. Vom Verwaltungsbeamten und römischen Statthalter zum Bischof für die Armen und später zum großen Kirchenlehrer.Schon eine eher ungewöhnliche Lebenskurve, die deutlich macht, dass ein Mensch, der sich einbringt, der seine Fähigkeiten entwickelt und für andere einsetzt, ungewöhnliche Wege gehen kann. Und eines unserer wundervollen Adventslieder stammt auch aus seiner Feder: "Komm Du Heiland aller Welt, Sohn der Jungfrau mach Dich kund, darob staune was da lebt, also will Gott werden Mensch."
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Vor zwei Tagen war ich im Nachbarstädtchen. Die Verantwortliche der Frauengemeinschaft hatte mich eingeladen, zur Jahreshauptversammlung einen geistlichen Impuls zu geben. Irgendwie hatte ich völlig vergessen zu fragen, wie viele Frauen denn kommen würden. Und so habe ich mal, auch angesichts der Wetterlage mit Dauerschneefall und Glätte, mit ungefähr 40 Frauen gerechnet. Als ich fast 15 Minuten vor Beginn in den Saal gekommen bin, hat es mich völlig verblüfft: der Saal ist voller Frauen, die an festlich gedeckten Tischen sitzen und vorfreudig plaudern und ein Blasmusikensemble spielt adventliche Lieder. Auch die hochengagierten Frauen, die das Ganze ringsum gestalten und vorbereiten, sind verblüfft. Etwa 80 Frauen hatten sich angemeldet und weit mehr als 100 sind gekommen. Wir sind viele, sagt die Leiterin und agiert ein bisschen zwischen Stolz und Chaos, weil noch so viel zu regeln ist. "Wir sind Viele" ist wohl das richtige Wort. An vielen Orten sind viele Frauen sehr engagiert im normalen Alltag des Ortes und der Gemeinde. Sie kümmern sich um Alleinstehende, Kranke, Alte, um Trauerseminare und Liturgiekreise, um ein gutes Miteinander und um Angebote zu kirchlichen und gesellschaftlichen Themen. Und dieser Nachmittag hat deutlich gemacht, worum es schon dem heiligen Bischof Nikolaus damals vor 1700 Jahren gegangen ist. Die Güte und Menschenfreundlichkeit dieses Gottes verkünden, in dem ich mich gütig und menschenfreundlich den Mitmenschen zuwende, sie in ihrer Einsamkeit, ihrem Alter und Kranksein stütze und beistehe.Die Überlieferung hat den heiligen Nikolaus immer mit jenem Bischof Nikolaus gleichgesetzt, der am Konzil von Nizäa teilnahm und zusammen mit dieser ersten großen Bischofsversammlung das Bekenntnis zur wahren Gottheit Jesu Christi formulierte: Jesus Christus, „Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater“. Diese Liebe des himmlischen Vaters, der seinen Sohn in die kalte Welt schickt, damit die Menschen wieder lieben können, ist die einzig wirkliche Grundlage allen christlichen Handelns von Frauen und Männern heute. Ob sie Predigen oder Liturgie feiern oder ob sie Mitmenschen einen wunderbaren Adventsnachmittag schenken, der allen an Leib und Seele guttut und Gemeinschaft und Zusammenhalt stiftet.
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Gestern hat es hier im Sauerland stundenlang geschneit. Die Welt sieht so verzaubert aus und das strahlende Weiß überdeckt all das Graue und Schwarze und die kahlen Bäume und die nackten Sträucher und unsere alten Schwestern im Altenheim schauen völlig verzückt aus den Fenstern, weil alles so schön klar und hell und weiß ist. Eine Strophe im Adventshymnus sagt das auch, aber nicht nur für eine schön verschneite, strahlend weiße Oberfläche. Es heißt: "Dies ist der Hoffnung lichte Zeit; der Morgen kommt, der Tag bricht an: Ein neuer Stern geht strahlend auf, vor dessen Schein das Dunkel flieht."Nach langen sorgenvollen Jahrhunderten hat das Volk Israel wieder Hoffnung geschöpft und hat der Verheißung, dass der Messias kommen wird, wieder mehr geglaubt und mehr gehofft. Und als er dann gekommen ist, war es schwierig, weil es zum einen so schwer zu erkennen war: wer vermutet schon, dass der verheißene neue Stern, der strahlend aufgeht, als Säugling in die Welt kommt, der Muttermilch braucht, die Nächte durchschreit und in Windeln macht. Und dreißig Jahre später, als der Messias sich mit seinen Jüngern dem Volk gestellt hat, war es wieder schwierig, weil die Menschen sich unter dem Messias den vorgestellt haben, der sie mit Macht und Herrlichkeit von den Römern befreit und eine neue Herrschaft Israels aufrichtet. Und wir Heutigen? Wir glauben und hoffen, dass Jesus, wie er es verkündet hat, in Macht und Herrlichkeit wiederkommt. Aber wir sind auch ziemlich unsicher, weil es schon zwei Jahrtausende her ist mit dieser Verheißung und wir mit den Sorgen und Nöten unserer Zeit und all der Kriegsangst beschäftigt sind. Aber genau da hinein gilt Gottes Zusage, dass er kommen wird und schon gekommen ist. und bei uns bleiben wird, in allen Höhen und Tiefen. Weil: "Dies ist der Hoffnung lichte Zeit; der Morgen kommt, der Tag bricht an: Ein neuer Stern geht strahlend auf, vor dessen Schein das Dunkel flieht."Haben wir Hoffnung!
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"Mein Schuh tut gut" - Ja klar, denken Sie, wenn ich meine Schuhe anziehe und sie mir richtig gut passen und warm und sicher sind, tun sie gut. Aber "Mein Schuh tut gut" ist eine Aktion des Kolpingwerkes, das deutschlandweit zum achten Mal heute beginnt. Es werden getragene, aber noch gute Schuhe gesammelt und sortiert und dann für kleines Geld an Menschen gegeben, die sich kein neues Paar Schuhe leisten können. Nach den sensationellen Sammelergebnissen der Vorjahre liegt die Gesamtzahl der gespendeten Schuhe bei knapp 1,4 Millionen Paar Schuhen. Dadurch konnten über eine Viertelmillion Euro Erlös für die KOLPING INTERNATIONAL Foundation erbracht werden.Adolph Kolping hätte diese Aktion garantiert sehr gefallen. 1813 in Kerpen geboren, ist er zunächst Schuhmacher geworden. In seinen Wanderjahren als Geselle hat er die unglaubliche soziale Not der Gesellen kennengelernt und hat damals schon begonnen, sich um sie zu kümmern. Einer zweiten Berufung folgend hat er dann noch das Abitur nachgeholt, hat Theologie studiert und ist Priester geworden. In seinen Einsatzstellen als Priester hat er sich dann um die soziale, wirtschaftliche und geistliche Not der jungen Menschen seiner Zeit gekümmert und dann Gesellenvereine gegründet und begleitet, weil er wusste, nur in guten, familienähnlichen Strukturen können junge Menschen Halt und Geborgenheit finden, sich weiterbilden und sich in ihrem Umfeld füreinander einsetzen. Seinem Talent entsprechend hat er eine sehr rege publizistische Tätigkeit begonnen und hat viele Wege genutzt, um auf die Not seiner Zeit aufmerksam zu machen und Vorschläge zu ihrer Behebung zu machen.Aus diesem unglaublichen Engagement eines Einzelnen, der an der Not seiner Mitmenschen nicht vorbeigegangen ist, ist das große internationale Kolpingwerk entstanden. Auf allen Kontinenten gibt es Kolpingsfamilien, die sich für Menschen und gegen Armut und Unterdrückung einsetzen. "Mein Schuh tut anderen gut" könnte heute eine Idee sein, wie Sie sich Menschen zuwenden können.
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Heute ist der vorletzte Tag vor dem Jahreswechsel. Das Kirchenjahr wechselt: Von den Feiern des Christkönig und den Texten der Endzeit geht es jetzt quasi wieder ganz von vorn los. Das ganze Jahr über werden uns Ereignisse und Feste gegeben, die uns Gott und das Leben Jesu näherbringen und ein bisschen zum Begreifen möglich machen wollen.Und weil schon der 1. Dezember ist, können wir auch schon das erste Türchen vom Adventskalender öffnen. Irgendwie so mitten dazwischen fühlt sich dieser Tag für mich an. An diesem letzten Freitag vor dem Advent gibt es die erste Strophe des Hymnus, bei der ich immer hängen bleibe, weil sie so stark, aber eben auch so anders und auch ein bisschen witzig klingt. Da heißt es:Du Wort, das der Vater spricht,behältst deine Gottheit nichtals Beute und Raub,du springst in den Staub:Du Leben, du Lichtwirst Mensch, der zerbricht,da fließen die lebenspendenden Wasserdes Heils. Halleluja. Gott bleibt nicht in seinem Himmel, fern und thronend. Er springt in unseren Staub. Er kommt herunter. Aber nicht als der große King und Showman, als der große Diktator, der jetzt sein neues tolles großes Reich ankündigt und wahr macht. Nein, er kommt als Säugling. Hilflos, wehrlos, machtlos. Du Leben, Du Licht wirst Mensch, der zerbricht und dann, am Kreuz, da fließen die lebensspendenden Wasser des Heils.Verstehen kann ich das alles Jahr für Jahr nicht und manchmal ist auch mein Glaube ziemlich gefordert. Aber ich freue mich immer auf diesen Neustart, auf dieses Hoffnungsvolle und auf die neue Chance zu glauben und zu schauen, weil dieser Gott für mich herunterkommt und für Dich und für die Kriegs - und Krisengeplagte Menschheit auch und sowieso.
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Wenn man an der Bahnschranke steht und das Andreaskreuz einen warnt, auf den Zugverkehr zu achten, denken sicher die wenigsten dabei daran, warum dieses Kreuz so heißt. Es hat den Namen vom Heiligen Apostel Andreas, der nach der Überlieferung an einem Kreuz, dass so ähnlich aussah, zu Tode gebracht worden ist. Andreas war eigentlich ein Jünger Johannes des Täufers und war der erste, der sich entschieden hat, Jesus nach zu folgen. Er hat dann auch seinen Bruder mitgenommen und Jesus nannte diesen Bruder dann Petrus, der Fels. Andreas hat später weite Missionsreisen unternommen und muss sehr erfolgreich den Glauben an den auferstandenen Christus verkündet haben. So erfolgreich, dass es einem Statthalter zu bunt wurde, er ihn gefangen nehmen und töten ließ.Eigentlich war er ein einfacher Fischer und gehörte zu denen, die offen und bereit waren, ihr Leben für eine bessere Botschaft grundlegend zu ändern. Und so ist er dann, statt still und stetig auf den See Genezareth zum Fischen auszufahren, drei Jahre mit Jesus durchs Land gezogen, hat ihn in allen Höhen und Tiefen eines Wanderpredigers erlebt, und war so umgewandelt, dass er danach sogar Tod und Auferstehung glauben konnte. Und dann hätte er ja zurück gehen können zum See und zu seinem Alltagsgeschäft. Und das haben er und seine Kollegen auch zunächst versucht. Aber als sein Bruder Petrus begriffen hatte, dass es Jesus ist, der sie am See überrascht, am Ufer sitzt und ihnen zu essen gibt, kapiert auch er, dass sie jetzt doch anfangen könnten, wie Jesus Menschenfischer zu werden. Und so wird auch Andreas zum Verkünder des Auferstandenen.Manchmal sind es die eigenen Verwandten, die so überzeugend leben, dass es Menschen begeistert und sie auch nach dieser Begeisterung fragen. Und dann kann ein Mensch auch mitten in seinem bisherigen Dasein ganz neu anfangen und sein Leben radikal ändern.