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Mit den Schwestern unseres Schwesternaltenheims im Nachbarstädtchen habe ich gestern schon einmal das Evangelium des 1. Adventssonntags angeschaut. Die Adventszeit ist in diesem Jahr nur drei Wochen und so wollten wir schonmal beginnen und uns die Ansagen der Heiligen Schrift zu eigen machen. In einem Bibelgespräch haben wir uns gegenseitig mitgeteilt, was uns da besonders angesprochen hat und wie wir damit in den Advent starten wollen. In dem Abschnitt aus dem Markusevangelium geht es um ein Gleichnis Jesu, wo es sehr intensiv darum geht, wachsam und bereit zu sein, damit der Herr, wenn er kommt uns nicht schlafend findet. Die Textstelle ist zunächst ja schon sehr bedrängend und manche sehr alte Schwester deutet diesen Text absolut auf die bei ihr endende Lebenszeit und das ganz reale Kommen des Herrn, um sie aus dem hiesigen Leben in seine Herrlichkeit zu holen. Und dann wachsam und bereit zu sein, obwohl man dann doch oft schon so müde ist, ist gar nicht so leicht. Aber noch viel eindrucksvoller fand ich die Erkenntnis, dass der Türhüter, den der Herr explizit benennt, im übertragenden Sinne ich selbst bin. Ich muss und kann entscheiden, welche Dinge ich in mein Herz und mein Inneres hineinkommen lasse. Lasse ich alle üblen Bilder, alle zersetzenden Filme, alle ewig schlechten Nachrichten, alle immer scheinbar neuen Dinge an mich ran, die mir für mein Leben überhaupt nichts nutzen, sondern mich eher runterreißen, depressiv machen und mir nicht zum Leben helfen. Bin ich der Türhüter meiner unsterblichen Seele und lasse draußen und verwehre den Zutritt allem, was mich von mir selber, von den Mitmenschen und von Gott trennen will? Mir hilft am Ehesten, wachsamer Türhüter meines eigenen Lebens zu werden, wenn ich mir jeden Tag eine Zeit der Stille nehme, um in mein Inneres zu hören, alles Ungute rauszuwerfen und stattdessen das Wort Gottes in mich hinein zu lassen, dass längst darauf wartet, zu mir durch zu dringen, damit es mein Beten, Denken und Handeln leiten kann.
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Es schneit und schneit und schneit. Viele von Ihnen kennen den Jubel, in den Kinder ausbrechen, wenn es dicke tanzende Flocken vom Himmel gibt und alles in kurzer Zeit so anders aussieht. Und dann mag Schule Schule sein und alle stürzen ans Fenster und freuen sich. Weil es in so kurzer Zeit so anders aussieht. Und selbst wir Erwachsene, können uns dem Zauber kaum entziehen und schauen immer wieder raus. Der Himmel ist grau, die Bäume sind kahl und leer, der Garten abgeerntet und graubraun, aber die weiße Pracht deckt nach und nach alles zu. Die Welt leuchtet anders und es wird freundlicher und sehr viel heller. Die Lesung heute aus dem ersten Brief an die Leute in Thessalonich gibt den Hinweis, wie es unter uns mit der Helligkeit sein kann. Da heißt es: "Schwestern und Brüder, ihr lebt nicht im Finstern, so dass euch der Tag nicht wie ein Dieb überraschen kann. Ihr alle seid Kinder des Lichts und des Tages. Wir gehören nicht der Nacht und nicht der Finsternis." Immer wieder geht es in den Texten des Alten und Neuen Testaments um Licht und Finsternis, um Licht auf den Leuchter und nicht unter einen Eimer. Ihr selbst sollt leuchten und als Kinder des Lichtes den Mitmenschen den Tag heller machen. Strahlend lachende kleine Kinder bezeichnen wir schon mal als Sonnenscheinchen und können uns ihrem Charme nicht entziehen und schaffen meist wenigstens ein Lächeln. Am Samstagabend beginnt der Advent und wir können das immer heller Werden des Lichtscheins der Kerzen am Adventskranz sehen und bewundern. Seien wir schon heute Menschen, die als Kinder des Lichtes von Gott her beschenkt, denen, die mit uns leben, den Tag ein bisschen heller und freundlicher machen oder die Dinge, die nicht so schön sind, mit einem freundlichen Lächeln zudecken.
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Es klingelt bei uns an der Haustür, aber an der inneren Klingel, sodass die Kamera nicht angeht und ich nicht weiß, wer schon im Flur steht und einen Wunsch hat. Manchmal bin ich dann ein bisschen befangen wegen dieser Ungewissheit und weil wir schon auch nicht so tolle Erfahrungen mit Besuchern gemacht haben. Also, habe ich tief Luft geholt, ein Stoßgebet zum Himmel geschickt und bin zur Tür gegangen. Dort stand eine Frau, die sehr froh ist, dass jemand von uns da ist. Ihr Anliegen ist einfach und sehr schön. Sie hatten einen kleinen Silberanhänger in Form eines Engels gekauft um ihn zu einer Bekannten in Amerika zu schicken und wollte gern, dass ich ihn segne. Erst wollte ich sagen, dass sie das doch auch selber tun könne, aber ich habe erst mal nichts gesagt, wir sind in die Kapelle gegangen und mir sind sofort Bibelstellen und Gebete eingefallen. Nach dem Gebet und dem Segen haben wir noch ein wenig geplaudert. Und ich habe dann so ganz nebenbei bemerkt, dass sie doch diesen kleinen Engel auch selbst segnen könnte. Ja, das weiß ich, war ihre Entgegnung mit einem Schmunzeln, aber ich wusste, dass ich anschließend mit Ihnen ein bisschen plaudern kann, und darauf hatte ich Lust. Wir haben beide gelacht und uns weiter sehr angeregt über Gott und die Welt unterhalten. Der kleine Engel war der Türöffner zu unserer Begegnung und zu herzlich offenem Austausch. Das war es eigentlich, was diese Besucherin wollte. Gastfreundschaft üben gehörte zu den typischen Merkmalen der ersten Christen und es ist wunderbar, wenn wir das nicht verlernen – nur kurz an der Haustür zu einer kleinen Plauderei oder zur Aufnahme von Gästen in unseren Häusern bis zur Gastfreundlichkeit gegenüber Menschen, die unsere Hilfe brauchen und Unterkunft und neue Heimat suchen. Im Hebräerbrief heißt es: "Übt Gastfreundschaft, auf diese Weise haben einige von Euch schon Engel beherbergt" In meinem Fall eine sehr schöne doppelte Bedeutung.  
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Ich habe ein bisschen gegoogelt, weil ich nicht viel über die heutigen Heiligen weiß. Und bei Andreas kamen ein paar Vorschläge wie Andreas Gabalier, Andreas Bourani und Andreas Scheuer. Da ich aber weder tolle Sänger noch den ehemaligen Verkehrsminister gesucht habe, musste ich schon den offiziellen vietnamesischen Namen eingeben: Andreas Dung Lac. Er steht, glaube ich, stellvertretend für die vielen Millionen verfolgten und getöteten Christen weltweit und durch die Jahrhunderte. Andreas hatte durch einen Katecheten den katholischen Glauben kennengelernt und hat dann Theologie studiert und ist 1823 Priester geworden. In der Christenverfolgung unter dem damaligen Kaiser ist er mehrfach gefangengenommen worden, wurde durch Lösegeldzahlungen seiner Gemeindemitglieder immer wieder freigelassen aber am Ende 1839 doch gefoltert und getötet worden. Er hätte sich retten können, wenn er still im Untergrund geblieben wäre, nicht mehr öffentlich Gottesdienst gefeiert und die Sakramente gespendet hätte.   Es hat sich über die Jahrhunderte nie geändert: immer wieder sind Christen in den vielfältigen Verfolgungen ihrem Glauben an Jesus Christus treu geblieben und haben lieber den Tod auf sich genommen, als ihrem Glauben untreu zu werden. Mit weiteren 116 vietnamesischen Märtyrern wurde er 1988 heiliggesprochen. Gerne gebe ich zu, dass ich nie wüsste, ob ich das könnte, so sehr für meinen Glauben einzustehen. Ich war schon sehr verärgert und wütend, weil ich in der damaligen DDR als Katholikin nicht zur Jugendweihe gegangen bin, dadurch nicht ins Gymnasium durfte und daraus resultierend nicht studieren konnte. Aber es ging nie um Leib und Leben.  Ich weiß also, wahrscheinlich genau wie Sie auch nicht, wie ich reagieren würde, wenn... Vielleicht macht es uns von daher sensibler, wenn wir von heutigen Verfolgungen von Christen weltweit hören und lesen und verstehen, und wenn viele der Verfolgten dann zur Flucht gezwungen sind, um Leib und Leben und die ganze Familie zu retten.  Bleiben wir wach für die vielfältigen Nöte unserer verfolgten Schwestern und Brüder im Glauben.
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Bei uns in der Nachbarschaft wird gebaut, an dem einen Haus seit gefühlt knapp zwei Jahren und am anderen Haus seit dem Frühjahr. Immer wieder schaue ich fasziniert hin, wenn an einem Haus zwei Leute energisch den ganzen Tag arbeiten und ich den Eindruck habe, die können tatsächlich alles selbst: den Abbruch, das Entrümpeln, den Abbau des Daches, das Einsetzen der Fenster und so weiter. Am anderen Haus tauchen, je nach anfallender Arbeit, immer mal andere Leute auf und tun das, was dran ist oder was ihrer Profession, ihrer Fachausbildung und Firma entspricht. Beides ist möglich und richtig: die einen, die so vielfältig begabt sind, dass sie fast alles selbst machen können, die anderen, die das tun, wofür sie Experten sind. Bei vielen Menschen ist das auch im normalen Leben so. Sie meistern das, was ihr Leben ausmacht und ja unendlich vielfältig ist, fast unentwegt selbständig. Und andere stürzen von einer Katastrophe in die andere, ob es Wohnung, Familie, Erziehung, Arbeitsalltag oder was auch immer betrifft. Natürlich haben wir unterschiedliche Begabungen und Möglichkeiten. Der wichtigste Aspekt aber scheint mir zu sein, dass ich immer bereit bin zu lernen. Aus Fehlern lernen ist die eine Sache, die wohl, wenn man sie nutzt, die einprägsamste ist. Aber auch durch gute Tipps anderer und eigene Aus- und Weiterbildung bieten viele Möglichkeiten, die anfallenden Aufgaben besser und richtiger zu tun. "Ich weiß nicht, was ich glauben soll", war eine Aussage bei der Statistik, die vor zwei Wochen nach Glauben und Kirche gefragt hat. Für viele Menschen ist hier der gute Tipp, doch mal an einem Glaubenskurs teilzunehmen, eine Predigtreihe zu hören, Vorträge und Podiumsgespräche zu besuchen oder Bücher zum jeweiligen Thema zu lesen. Wir können nicht alles können und wissen, aber wir können lernen und uns in Fragen und Themen vertiefen, wenn wir merken, dass wir uns unsicher geworden sind oder unser Kinderglaube nicht mitgewachsen ist. Das Psalmwort aus dem 25. Psalm, Vers 5, kann gut in den neuen, lernwilligen Tag leiten. Da heißt es: "Leite mich in deiner Wahrheit und lehre mich! Denn du bist der Gott, der mir hilft; täglich warte ich auf dich."
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Am vergangenen Samstag haben wir an einer Abtsbenediktion teilgenommen. Diese Segensfeier für den neugewählten Abt der Abtei Königsmünster in Meschede im Sauerland war mehr als eine Amtseinführung. Viele Gäste und viele Freunde und Förderer der Abtei sind gekommen, um diese Feier mit zu begehen. Wir sind also früh genug gefahren, um noch einen Platz auf dem Parkplatz und in der Kirche zu bekommen. Meine beiden Begleiterinnen hatten so etwas noch nie erlebt und waren gespannt und aufgeregt. Die gute Einführung in den Gottesdienst und meine leisen Erläuterungen zwischendurch, haben ihnen geholfen, das Geschehen zu verstehen und mit zu vollziehen. Mich selbst hat die Allerheiligenlitanei sehr beeindruckt: der Neugewählte lag auf dem Boden vor dem Altar lang ausgestreckt und der Chor und alle in der Abteikirche haben die Hilfe aller Heiligen angerufen, damit er gestärkt wird für seinen Dienst an den Brüdern seines Klosters. Und dann bekommt er die Insignien seines Dienstes: den Ring, als Zeichen der Treue zu seiner Berufung, geschmiedet in der Klosterschmiede. Die Mitra, als Zeichen des Vorstehers der Gemeinschaft, gewebt und geschneidert in der Klosterweberei. Und dann der Stab, der Hirtenstab, überreicht vom Vorgängerabt. Es ist der Stab des ersten Abtes des Klosters und er wird immer weitergereicht zum Zeichen der Kontinuität in der Hirtensorge und Leitungsverantwortung. Der neue Abt ist von den Brüdern für 12 Jahre gewählt und danach wird ein neuer Abt gewählt. Diese Leitungsverantwortung auf Zeit könnte ein gutes Vorbild sein für andere hohe Leitungsfunktionen in unserer Kirche. Die Schola der Mönche, ein großer Chor des eigenen Gymnasiums und ein ökumenischer Projektchor haben diese Feier mit ihren Gesängen geprägt und begleitet. Und dabei habe ich wieder gespürt, dass Gesänge und Chöre und Musik sosehr zur Liturgie gehört, weil es viel mehr in unserem Inneren erreicht als bloße Worte. Es bringt ganz andere Seiten in uns zum Klingen und kann einfach Herz und Seele erheben. Beschwingt und bewegt haben wir diesen Gottesdienstort verlassen und auf dem Heimweg und noch Zuhause war das Nachschwingen zu spüren. Vielleicht erleben Sie heute etwas, das Ihnen Herz und Seele erlebt und ins Schwingen und Klingen bringt.
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Seit dem mörderischen Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober und der Ermordung von mehr als 1200 Menschen und der Geiselnahme von mehr als 200 Männern, Frauen und Kindern, tobt ein Krieg im heiligen Land. Wieder einmal. Der Staat, das Land Israel wehrt sich gegen den Terror und es gibt im Gegenzug viele Opfer unter der Zivilbevölkerung in Gaza und in Israel. Und mittendrin gibt es heute einen kleinen Lichtblick – einen Gedenktag in unserer Kirche mit Namen "Unsere Liebe Frau in Jerusalem". Wenn nicht Jerusalem im Titel gestanden hätte, wäre mir dieses Gedenken gar nicht aufgefallen. Ursprünglich war dieser Tag die Erinnerung an die Einweihung einer Marienkirche in Jerusalem. Und vorher schon wurde daran gedacht, dass Marias Eltern, Joachim und Anna, ihr Kind im Tempel dargebracht haben, wie es damals Brauch war. Maria selbst wird in unserer Kirche als lebendiger Tempel Gottes verehrt; weil sie durch das vorbehaltlose Ja zu ihrer Berufung der Heilige Tempel Gottes geworden ist, die Erfüllung des alten Jerusalem und das Urbild der Kirche. Es ist gut, heute in unserem Denken und Beten um den Frieden im Heiligen Land zu bitten, um die Beendigung des Terrors und der Stellvertreterkriege, um eine neue Aussöhnung derer, die über Jahrhunderte friedlich zusammengelebt haben. Viele von uns stehen mutlos und hilflos der nicht enden wollenden Gewalt gegenüber. Und trotzdem beten sehr viele Menschen Tag für Tag um den Frieden, weil sie Gott vertrauen und seiner Macht über die Herzen der Menschen. Maria, als das jüdische Mädchen, dass der Ankunft des Messias vertraut hat und nie die Hoffnung verloren hat, obwohl die Menschen ihrer Zeit seit Jahrhunderten des Wartens auf ihn müde geworden sind, diese Maria bittet mit uns bei ihrem Sohn für seine Menschen.  
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Wir hatten am Wochenende Studentinnen bei uns im Konvent zu Kloster auf Zeit. Und weil am Sonntag das Fest der Heiligen Elisabeth gefeiert worden ist, haben wir uns mit ihrer Geschichte befasst. Elisabeth, die Landgräfin von Thüringen, ist eine der beeindruckendsten Frauen ihrer Zeit und wahrscheinlich darüber hinaus. Gäbe es sonst heute noch so viele Werke und Einrichtungen, die ihren Namen tragen. Und dabei war ihr Start echt alles andere als einfach. Mit vier Jahren wird sie, aus heirats- und machtpolitischen Gründen aus ihrer Heimat Ungarn nach Thüringen gebracht und muss in fremdem Land mit fremder Sprache auf der Wartburg aufwachsen. Als der ihr zugedachte Landgrafensohn stirbt, wird sie einfach dem nächsten verlobt und verheiratet. Das war dann allerdings ein großes Glück. Denn diesen Ludwig hat sie sehr geliebt, was den Machthabenden dort aber ziemlich egal war. Elisabeth hat sehr glücklich in Ihrer Ehe mit Ludwig gelebt und mit ihm drei Kinder gehabt. Als er, auf der Reise zum Kreuzzug gestorben ist, wäre sie vor Trauer und Herzeleid fast gestorben. Jegliche, wieder aus Machtkalkül angebahnten Hochzeiten hat sie ausgeschlagen. Aber dann hat sie sich wieder gefangen. Sie hatte viel von Franziskus von Assisi gehört und schon in Eisenach Franziskaner in die Stadt geholt. Nach ihrem Beispiel hat sie dann ihr Leben Gott geweiht, ihren Witwensitz zu einem Hospital gemacht und Kranken und Armen gedient. Alles also, die Ehe mit ihrem Gatten Ludwig, die tiefe Trauer um ihn, die Liebe zu ihren Kindern, die Weihe an Gott und den Dienst an den Kranken und Armen hat sie immer mit ganzem, vollen und liebenden Herzen getan.   Ich finde es ein gutes Bild für uns, die wir in so verschiedenen Lebenssituationen sind: Tun wir doch alles, was im Moment dran ist: die Arbeit, das vielfältige Engagement, das Beten, das Krank sein, die Pflege von Angehörigen und Kindern, das Alt werden, immer mit ganzem Herzen und großer Liebe. Mehr ist nicht von uns verlangt – aber auch nicht weniger. Alles in großer Liebe tun.  
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Ende der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts war ich mal in Helfta. Und ich war entsetzt. Ich wusste ja, dass das Kloster im 13. Jahrhundert seine große Blütezeit hatte und das Zuhause der drei großen Mystikerinnen Mechthild von Magdeburg, Mechthild von Hackeborn und Gertrud der Großen war. Dann wurden sie vertrieben und über Jahrhunderte war das Klostergelände landwirtschaftlich genutzt. Aber jetzt, zum Ende der DDR, war es völlig heruntergekommen und sah erbarmungswürdig aus. Aber dann schon 1999 wurde das Kloster Helfta neu besiedelt von Zisterzienserinnen. Die Patronin dieses Klosters ist die Frau, an die wir heute besonders denken: die Heilige Gertrud von Helfta. Ein wunderbares Wort von ihr gefällt mir besonders gut. Sie sagt: Gott ist höher und tiefer als alle Erkenntnis; nur die Liebe erreicht ihn. Das Kloster Helfta wurde 1229 gegründet und bestand gut 300 Jahre. Darin gab es eine hohe Blütezeit, weil die Äbtissin Gertrud von Hackeborn ihren Schwestern ein hohes Maß an Bildung und Ausbildung zukommen ließ. Sie hat großen Wert daraufgelegt, dass Theologie, Naturwissenschaften und Musik gelehrt wurden. Ihr war sehr klar, dass ohne Vernunft auch der Glaube verloren gehen würde und so brachte ihre Klosterschule viele sehr wissenschaftlich und geistlich hochgebildete Frauen hervor, die in ihrer Zeit die Seelsorge im Umfeld und die Bildung und Erziehung geprägt haben. Die jetzigen 8 Zisterzienserinnen leben, beten, schweigen und arbeiten dort und geben Zeugnis für die Größe Gottes. Sie sagen von sich: wir sind katholisch, weiblich, jung und leben dort, wo große Mystikerinnen gewirkt und weibliche Spiritualität ins Wort gefasst haben. Mich beeindruckt immer wieder, dass einzelne Menschen durch ihr Leben, ihren Glauben ihre Art der Gottesbeziehung über Jahrhunderte bekannt waren und es immer neu Nachfolgerinnen und Nachfolger gibt, die sich trauen, wieder neu anzufangen. Wenn wir im Moment so viele Probleme in unserer Kirche haben, tut es schon mal gut, auf die großen Frauen zu schauen, die in ihrer Zeit Vernunft und Glauben verbunden und sehr selbständig ihre großen Klöster geleitet und ganze Glaubensepochen mit ihren Schriften geprägt haben.
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Kennen Sie noch dieses Kinderreimspiel: Ich sehe was, was Du nicht siehst und das ist zum Beispiel rot. Und dann mussten die anderen suchen und raten, was diejenige meinen könnte. Ehrlicherweise fiel mir dieses Verslein ein, als ich die Statistik gelesen habe, die vorgestern herausgekommen und durch die Medien gegangen ist. Da wurden Katholiken gefragt, wie es um Glauben und Kirche bei ihnen aussieht.: 4 Prozent gläubiges Mitglied und eng verbunden mit Kirche, 36 Prozent bin mit Kirche verbunden, aber kritisch, 32 Prozent fühle als Christ:in, aber Kirche bedeutet nicht viel, 3 Prozent religiös, fühle mich aber nicht als Christ:in, 8 Prozent lebe religiöse Bedürfnisse individuell, 5 Prozent weiß nicht, was ich glauben soll, 12 Prozent ich brauche keine Religion. Bei den letzten drei Gruppen bin ich ratlos und sehe was, was diese selber nicht sehen: religiös sein, aber sich nicht als Christ fühlen, und das als getaufte katholische Christen? Wie geht das? Religiöse Bedürfnisse individuell leben, wenn ich es brauche? Oder: Ich weiß nicht, was ich glauben soll? Dann wäre religiöse Bildung und Weiterbildung eine gute Idee. Und die, die als getaufte Christen sagen, dass sie keine Religion brauchen? Hm, ich weiß es nicht. Aber wirklich hängen geblieben bin ich bei denen, die sagen, dass sie gläubiges Mitglied sind und der Kirche verbunden oder kritisch zu ihr stehend. Kritisch zu ihr stehen, diese Formulierung hat mir sehr viel Mut gemacht. Wenn fast 40 Prozent sagen, dass sie kritisch zur Kirche stehen, heißt das, dass sie sich mit Glauben und Kirche auseinandersetzen und mit ihr ringen. Und 32 Prozent fühlen sich als Christen aber Kirche bedeutet nicht viel. Das bedeutet, sie glauben an Gott und leben ein christlich geprägtes und wertorientiertes Leben. Und das ist viel mehr, als ich erwartet habe. Und die Kirche besteht aus denen, die als Christen leben und sich für Gott und die Menschen engagieren. Ich sehe was, was Du nicht siehst, nämlich viele Millionen Menschen, die an ihrem Glauben an Gott trotz Unsicherheit, Zweifeln und Wut auf die Kirche festhalten und auf der Suche bleiben nach dem Gott, der immer schon nach ihnen Ausschau hält und der viel mehr sieht, als wir sehen können.
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Hier im Sauerland und gerade auch am Biggesee, ist jetzt im Herbst viel Nebel. Und da das gestern mal wieder so war, fiel mir eine Begebenheit ein, die ich voriges Jahr um die Zeit hatte. Mit einer jungen Besucherin wollte ich etwas höher ins Sauerland fahren und auf einen Turm steigen, uns das Land anschauen und ein bisschen dort oben spazieren gehen. Hier in Olpe war so dicker Nebel, dass wir uns erst nicht getraut haben loszufahren und noch eine halbe Stunde gewartet haben. Und dann, nur ein paar Kilometer weiter und Höhenmeter höher, konnten wir zuschauen, wie sich der Nebel lichtet, die Sonne strahlend am blauen Himmel steht und die Welt wunderbar glanzvoll vor uns liegt. Und plötzlich hat meine Begleiterin gerufen: Schau mal, da ist der Nebel über dem Dorf und man kann drüber und drunter schauen. Das war echt beeindruckend. Für mich war es ein wunderbares Bild für all die Sachen, von denen wir oft nicht wissen, wie sie wirklich aussehen. Wenn man direkt unter dem Nebel ist, ist alles nur grau und dicke Suppe über einem, wenn man direkt darüber ist, sieht man das Dorf und die Straßen und die Menschen nicht, aber über einem den strahlend schönen Himmel. Und da ist es echt wertvoll, Meschen zu haben, die diese verschiedenen Sichtweisen kennen und nutzen und deren Kompetenz weit über alle Kleinkariertheit hinausgeht. Von Albert dem Großen, dem Dominikanermönch aus dem 13. Jahrhundert, kann man so reden. Er war eigentlich alles: Gelehrter der Theologie, aber auch vieler Naturwissenschaften, Dominikaner und Bischof, Leiter der Klosterschule in Köln und noch vieles mehr. Seine Schule in Köln hatte ein solches Ansehen, dass sie Studenten aus ganz Europa angezogen hat und als Nachfolgeschule kurze Zeit später die Universität zu Köln gegründet worden ist. Albert spielte in seiner Kölner Zeit auch eine herausragende Rolle in den Auseinandersetzungen zwischen Stadt und Erzbischof. In einem Schiedsprozess am 17. April 1252 und am 28. Juni 1258 gutachtete er zu Gunsten der Bürgerschaft der Stadt Köln, deren Rechte der damalige Erzbischof Konrad von Hochstaden auf sein Anraten hin dann auch anerkannt hat. Er hat also den Nebel, der über vielen Gegebenheiten seiner Zeit lag, immer wieder gelichtet und eine wissenschaftliche, christliche und menschliche Sichtweise und Herangehensweise bevorzugt, die auch heute ziemlich gut passen würde.
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Am Freitag war bei uns hier in Olpe auf dem Marktplatz eine Kundgebung gegen Antisemitismus; angeregt und vorbereitet mit einem Team von einem Arzt aus unserer Stadt, der sich seit Jahrzehnten für das Wohl der Mitmenschen im Umfeld und im fernen Afrika einsetzt und dessen zivilgesellschaftliches Engagement jeder schätzt. Und so kamen viele hundert Menschen zusammen und haben zugehört: einem Grußwort des Bundespräsidenten, der Rede des Initiators, des Landrats und des Bürgermeisters und eines jüdischen Mitbürgers. Und zwischendurch haben Schüler Texte vorgelesen aus einem Buch über jüdisches Leben in Olpe. Mit dem Gebet einer jüdischen Frau und einer Schweigeminute für alle Opfer des Krieges endete diese sehr beeindruckende, aber auch sehr mutmachende Stunde. Alle die dabei waren haben sehr gespürt, dass es jetzt auf den und die Einzelne ankommt, die solche Dinge anstößt, aber dann auch auf die Gemeinschaft derer, die zusammenstehen und zusammenhalten und man sich des gegenseitigen Empfindens vergewissern kann. Es gab unglaublich viel Beifall für die einzelnen Beiträge und damit eine Zustimmung, die sehr stark und ungewöhnlich war. "Wehret den Anfängen" und "Nie wieder ist jetzt" sind starke Worte aus unserer erlebten und überlieferten Geschichte und derzeit spüren alle, dass es immer notwendiger wird, dass gerade wir Christen, die mit unseren jüdischen Geschwistern die gleiche Glaubenswurzel haben, zu ihnen stehen und sie verteidigen, wenn wieder gegen sie Hass und Hetze verbreitet wird und sie um ihr Leben fürchten müssen. "Sucht den Frieden und jagt ihm nach", ist ein Bibelwort, dem jeder zustimmt. Suchen wir den Frieden für alle unsere Mitbürger, egal welchen Glaubens und welcher Nationalität. In unserem Denken, Reden und Tun muss deutlich werden, dass wir alle Kinder des einen Gottes sind und in der Würde gleich vor ihm und voreinander.
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Am Wochenende gab es hunderte von Martinszügen in Deutschland mit zehntausenden von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen und Musikgruppen, die die Züge begleitet haben, und das Martinsstück auf dem Marktplatz mit Pferd und Reiter und dem armen Bettler am Boden und dem geteilten Mantel. Und dann Punsch für die Kleinen und Glühwein für die Großen und Martinshörnchen, Brezeln oder Stutenkerle für die Kinder zum Genießen und zum Teilen.   Das ist leicht und macht Freude und macht selbst am regnerischen Abend eine gute Stimmung. Komplizierter wird es, wenn man sich außer der berühmten Mantelteilungsszene an andere Aspekte im Leben des Heiligen Martin erinnert. Mit zehn Jahren wurde er Taufbewerber in Pavia. Als Sohn eines römischen Offiziers musste er in den Militärdienst und mit 15 Jahren gehörte er zur Leibgarde des Kaisers. Erst mit 34 Jahren wurde er dann tatsächlich getauft. Vor einer großen Schlacht gegen die Alemannen vor Worms erklärte er offen, nicht in den Kampf zu ziehen da er jetzt kein Soldat des Kaisers, sondern ein Soldat Christi geworden sei. Natürlich wurde ihm vorgeworfen, dass er lediglich aus Feigheit und nicht aus Glauben nicht kämpfen würde. Das hat er nicht auf sich sitzen lassen sondern angeboten, dem Feind unbewaffnet zu Fuß entgegen zu treten. Am nächsten Tag ergaben sich die Germanen, so dass er das nicht mehr tun musste. Nach 25 Jahren Dienstzeit wurde er aus dem Heer entlassen. Als Mönch zurückgezogen und asketisch lebend, hat er so viel Gutes getan, dass er schon sehr schnell sehr verehrt wird. Als Nothelfer und Wohltäter wird er von den Leuten in Tours zum Bischof gewählt, lebt in einer einfachen Holzhütte am Rand der Stadt und müht sich, durch die Gründung von Kirchen und Klöstern die Christianisierung des Landes zu festigen. Von Sulpitius Severus stammt die Aussage "Vor Martin gab es nur ganz wenige, die in dieser Gegend den christlichen Glauben angenommen hatten. Durch seine Tugenden und sein Glaubensbeispiel ist der Glaube in einem solchen Maß gewachsen, dass es heute keinen Ort gibt, der nicht voll ist von Kirchen und Klöstern." Die Glaubenskraft eines einzelnen Menschen kann so groß sein, dass sie ganze Länder und Generationen begeistert und zum Glauben bewegt.
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Genau vor zehn Jahren sind wir Schwestern aus allen Provinzen und viele Menschen aus Olpe und dem Rheinland nach Paderborn gefahren zur ersten Seligsprechung im Paderborner Dom. Unsere Gründerin, Maria Theresia Bonzel, hatte 1859 mit zwei Mitstreiterinnen begonnen gemeinsam zu leben, die Anbetung Gottes zu üben und sich um Waisenkinder zu kümmern. Daraus ist in nunmehr 160 Jahren ein großes Werk in vier Ländern auf vier Kontinenten geworden und Schwestern und MitstreiterInnen kümmern sich weiterhin um alle, die Hilfe brauchen: Kinder, Arme, Obdachlose, Kranke, alte Menschen und der Wahlspruch "Anbeten und Anpacken" sagt genau das aus, was sie leben. Aus den Quellen der eucharistischen Anbetung Kraft zu tanken, die täglichen Dienste tun in dem Wissen, dass Gott immer der Größere ist und wir uns nicht absolut setzen dürfen und müssen. Aber muss dafür eine Seligsprechung sein? Wir nüchternen Deutschen sind da sehr zurückhaltend aber unsere Schwestern aus den anderen Kontinenten sehen das anders. Ihnen ist klarer, dass wir heutigen Menschen Vorbilder brauchen, an denen wir ablesen können, wie Christsein gehen kann und wie es andere geschafft haben, sich selbst und ihre Begabungen und Fähigkeiten einzusetzen für Gott und seine Menschen. Und deshalb feiern wir morgen und übermorgen ein Festwochenende mit einem Konzertabend in der Martinuskirche und einem Festgottesdienst am Sonntag mit anschließendem Feiern im Gemeindezentrum. "10 Jahre Selig" heißt das Festtagsmotto und selig heißt dann auch: in großer Freude gemeinsam daran denken, dass Gott zu allen Zeiten, bis heute, Frauen und Männer aussendet, um seine tolle Botschaft vom liebenden Gott zu den Menschen zu bringen. Selig seid ihr – die ihr einfach lebt, selig seid ihr – die ihr Lasten tragt. Selig seid ihr, die ihr lieben lernt – selig seid ihr – die ihr Güte wagt. Selig seid ihr – die ihr Leiden merkt – selig seid ihr – die ihr ehrlich bleibt. Selig seid ihr – die ihr Frieden macht – selig seid ihr – die ihr Unrecht spürt.
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Der Mann verheddert sich in der Pressekonferenz. Er verliest eine Erklärung und im komplizierten Amtsdeutsch weiß er selber nicht so genau, was er da sagt. Man soll, wie immer damals, Anträge stellen dürfen und Genehmigungen erhalten. Irgendwas mit ständig und immer. Aber ein italienischer Journalist hakt nach und will Näheres wissen. Ab wann diese Regelung gelten soll und ob auch für Berlin? Er wühlt in seinen Zetteln und Unterlagen und stammelt: "Nach meiner Kenntnis sofort, unverzüglich." Es war ein Versehen, ein Versprecher, ein, in der Bedrängnis der Konferenz nicht richtig gelesener Zettel. Aber welche Auswirkung! Als erstes bringt die britische Nachrichtenagentur Reuters die Nachricht, dann die Tagesschau, dann das heute-journal und die Tagesthemen. Und dann sind sich die Leute sicher und strömen zur Grenze. Zu den hermetisch verschlossenen Grenzübergangsstellen in Berlin und an der Westgrenze. Die Grenzpolizei hat keine Order, keinen Befehl und weiß nicht, was sie machen soll. Und dann, kurz vor Mitternacht, gibt ein hochrangiger Offizier an der Bornholmer Straße dem Druck der Massen nach. Er holt nicht sein Maschinengewehr und gibt keinen Schießbefehl. Er öffnet den Schlagbaum und das Tor und die Menschen fluten das unerreichbare, das eigene, das bisher geteilte Land. Ein Versprecher gibt das Startsignal und sechs Wochen später ist die alte Diktatur in sich zusammengebrochen und Neues kann entstehen. Für mich, die ich in der DDR groß geworden bin und alles hautnah erlebt habe, ist der Held dieses Abends er: der Offizier in der Bornholmer Straße. Er hat sich nicht hinter seinem erlernten Feindbild, seinen Befehlsstrukturen versteckt, sondern ist seinem Herzen gefolgt oder seiner Vernunft oder seinen seit langem gehegten Zweifeln am System; und hat das Tor geöffnet statt zu schießen. Sagen wir nicht so leicht, ich als ein Einzelner kann da nichts tun. O doch. Ich kann, immer. Er ist für mich der beste Beweis. Und mir scheint, in diesen Tagen der Kriege in der Ukraine, in Israel und noch weltweit, wird es immer wichtiger, dass wir Einzelnen Flagge zeigen, uns gegen Hetze, Hass und Gewalt einsetzen und uns nicht hinter der Masse verstecken.
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