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Stühlerücken

3 Minuten
"Stühlerücken" steht ab und zu mal in der Zeitung, wenn in großen Konzernen oder in der Politik gleich mehrere Führungspositionen neu besetzt werden. Oftmals ist damit eine Aufbruchstimmung verbunden, denn neue Besen kehren zumindest anders. Einen Stuhl hat auch jeder Bischof, auf dem er in der Liturgie Platz nimmt, eine Kathedra, wie man auf Griechisch sagt.Das heutige Fest "Kathedra Petri" erinnert an den Bischofsstuhl des heiligen Petrus als Bischof von Rom. Und den kann man sich anschauen, wenn man dort im Petersdom ganz vorne unter dem großen Heilig-Geist-Fenster steht. Die ganze Darbietung mag vielleicht etwas protzig daherkommen, aber mir gefällt die Symbolik, das Setting, in das dieser Stuhl eingebunden ist. Es geht da nämlich um die Lehre der Kirche. Der Stuhl ist der Lehrstuhl. Er steht im Petersdom aber nicht ganz allein für sich. Von unten wird er gestützt durch die vier Kirchenväter Ambrosius, Athanasius, Johannes Chrysostomos und Augustinus. Und über allem schwebt der Heilige Geist.Glaubenslehre ist nicht etwas Statisches. Sie benötigt einmal die Theologie und den Rat der Wissenschaft, aber auch der Gläubigen, um sich den Anfragen der jeweiligen Zeit auszusetzen und immer wieder neu zu begründen. Und der Heilige Geist sorgt immer wieder für den notwendigen frischen Wind. Und so manches Mal im Laufe der Kirchengeschichte ist auch der Lehrstuhl der Kirche immer mal wieder in andere Richtungen etwas verschoben worden.Papst Franziskus hat in den letzten Jahren dafür gesorgt, dass manche Diskussionen neu angestoßen wurden. Und im Moment hat man eher den Eindruck, dass er Angst vor seiner eigenen Courage hat, zwar Leilinien für die Weltsynodenthemen vorlegt, aber ansonsten lieber die alteingesessene Kurie machen lässt.Auch wenn es um bestimmte Positionen immer wieder Streit gibt, so sollten wir bedenken, dass das Gefüge Heiliger Geist, Lehre und Wissenschaft dafür sorgt, dass unser Glaube lebendig bleibt.

"Oh, Aua da!"

3 Minuten
Seit meinem Sprunggelenkbruch vor vier Wochen habe ich so eine Unterschenkelorthese, also so einen Plastikstiefel an, der die Beweglichkeit einschränken und den Fuß stabilisieren soll.Und wenn ich dann nach nebenan in die Kirche will, brauche ich noch zwei Unterarmstützen, damit ich den Fuß nicht belaste. Viele von Ihnen haben das an sich selbst schon erlebt und kennen die Einschränkungen und die komplizierten Abläufe, die das mit sich bringt. Viele gute Wünsche bekommt man dann um gute Besserung und viel Geduld und so weiter. Am Sonntag im Gottesdienst saß neben mir ein Herr mit seinem Enkel, der vielleicht ein Jahr alt ist. Er kommt in die Bank neben mich, strahlt mich an und ich strahle zurück. Und dann sieht er meinen dicken Stiefel und die Stöcke und verkündet sehr laut: "Oh, Aua da!" Ja er hatte vollkommen recht. Da war echt viel "Aua da" und ich war amüsiert ob seiner Anteilnahme. Aber wer kleine Kinder hat oder kennt, weiß auch, dass das dann nicht mehr aufhört. Während der ganzen Heiligen Messe, beim Wechseln vom Schoß der Oma auf Opas Schoß, beim Zurückkommen vom "Vater unser" am Altar mit seiner großen Schwester oder dem Kommuniongang mit Papa, immer wenn er meinen Fuß sah, kam laut und deutlich: "Oh, Aua da!" und mit dem Zeigefinger deutlich allen zeigen, wo das Aua ist. Kinder können das laut und ungeniert, ungebremst und ausdauernd.Aber auch viele Erwachsene tun das zurzeit laut und ungeniert. Sie weisen hin, dass kein Brief der Kurie aus Rom etwas stoppen sollte, was helfen wird, den Missbrauch in unserer Kirche endlich aufzuarbeiten und dann zu beenden. Dass kein noch so verzögertes Verfahren gegen Kirchenobere der Aufarbeitung dient und den Eindruck erweckt, dass gegen Chefs mit milderem Maß gemessen wird. Sie weisen hin und halten den Finger drauf, dass es immer noch unerträglich ist, wie mit Frauen in dieser Kirche umgegangen wird. Es ist nicht so einfach, immer und immer wieder laut und deutlich zu sagen, wo in unserer Kirche das große AUA, die großen Verletzungen und Schmerzen sind und wo es notwendig bleibt, sie solange zu benennen und zu beklagen, bis sich etwas ändert, bis Reformen eine Heilung möglich machen und es Menschen möglich macht, in dieser Kirche zu bleiben oder sogar wieder zu ihr zurückzukehren. 
3 Minuten
Am Sonntag war in der 11 Uhr-Messe auch die Kinderkirche. Die Kinder gehen nach der Eröffnung ins alte Pastorat nebenan und haben eine eigene kindgerechte Katechese zum Thema des Evangeliums. Zur Gabenbereitung kommen sie dann wieder hereingehüpft, gerannt, gegangen, bringen die Kinderkirchenkerze zum Altar und ganz kurz wird benannt, was die Kinder gemacht haben. Soweit gut und richtig schön. Zum Vaterunser kommen die Kinder nach vorn zum Altar und beten es gemeinsam mit den Großen in der ganzen Kirche. Und dann passierte etwas wirklich Berührendes.Beim Aufruf zum Friedensgruß sind sich zwei sehr kleine Kinder so herzlich um den Hals gefallen und haben sich so innig umarmt, dass es eine wahre Wonne war. Alle in der Kirche, die es gesehen haben, hatten ein strahlendes Lächeln im Gesicht und die ganze Kirche war kurze Zeit von Heiterkeit erfüllt. Unsere Gottesdienste sind oft so staatstragend ernsthaft, dass man manchmal das Gefühl hat, nur strenger ernst sei die richtige Form, Gott zu ehren. Wer aber schonmal in anderen Ländern und Kontinenten war und die Gottesdienste dort voller überschäumender Freude erlebt hat weiß, dass es auch anders geht. Wir Deutschen sind eher nicht so voll überschäumenden Temperamentes, aber eine heitere Gewissheit und stille Freude kann uns Glaubende schon ausmachen. Vom Jesuiten Wilhelm Eberschweiler gibt es den wundervollen Einwurf dazu der lautet. "Die Heiterkeit und Freudigkeit des Herzens will ich zu bewahren suchen, um dadurch allen zu zeigen, einem wie guten Herrn ich diene."Wenn ich diese innere Heiterkeit und Freudigkeit aus dem Glauben an den Auferstandenen habe, dann zeigt es sich im Reden, Denken und Tun. Und vielleicht auch manchmal in der Art und Form, wie wir Gottesdienst mitfeiern. Dass unsere Eucharistiefeiern eine feste Form haben, ist ja die eine Seite. Aber eine andere Seite ist die, ob ich ihn mit grimmigem Gesicht absitze, nicht mitbete oder singe, den Nachbarn nicht sehe und hinterher schnell verschwinde. Oder eben ob ich mit heiterem und freudigem Herzen mitfeiere. Wie die beiden kleinen Kinder, die sich herzlichst umarmt und den Frieden gefeiert haben. 
3 Minuten
Vor der Sitzung eines Aufsichtsrates, gibt eine Mitschwester immer einen kurzen geistlichen Impuls oder hat ein Gebet oder einen bedenkenswerten Text. Ich finde das eine gute Idee, um das innere Gedankenkarussell anzuhalten und Herz und Verstand und Leib und Seele dahin auszurichten, dem all unser Dienst gelten soll. Und diesmal hatte sie ein Gebet mit.Ein Gebet für gestresste Manager. Es lautet: "Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie im Anfang so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen." Hm, denken Sie vielleicht eventuell nun, damit enden doch fast alle unsere formulierten Gebete und was soll daran was für gestresste Manager sein?Ja das stimmt. Dafür muss ich es jetzt so lesen, wie sie es gelesen hat. "Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie im Anfang so auch jetzt, jetzt, jetzt, jetzt und für alle Zeit und in Ewigkeit. Amen."Das JETZT macht den Unterschied. Im Gottesdienst oder beim gemeinsamen Beten, geht es automatisch von den Lippen und wir würden bestimmt zustimmen, dass es ja wahr ist und wir Gott ehren möchten. Theoretisch und im Hinterkopf ist das sicher auch so. Aber hat das eine Bedeutung für uns im normalen, chaotischen, schmerzlichen, schönen oder stressigen Alltag? Wenn es nicht fromme Theorie bleiben soll, würde es bedeuten, dass ich auch den stressigen Berufsalltag, all die tausend kleinen und einzelnen großen Entscheidungen zur Ehre Gottes tue.Paulus schreibt im Ersten Korintherbrief: "Ob ihr esst oder trinkt oder etwas anderes tut, tut das alles zur Ehre Gottes!" Oder mein Lieblingsausspruch von Teresa von Ávila: "Gott ist auch zwischen den Kochtöpfen." Oder von unserer Gründerin Maria Theresia Bonzel: "Wenn ihr über all eurer vielen Arbeit keine Zeit zum Gebet habt, dann sei eure Arbeit das Gebet zur Ehre Gottes."Wenn Sie also Manager sind oder einen der vielen tausend anderen Berufe ausüben und sich über den Tag gestresst fühlen, denken Sie an das JETZT und erledigen Sie es zur Ehre Gottes. 
3 Minuten
In unserer Zeitung war dieser Tage eine kleine Notiz. In der Valentinskapelle am Biggesee kann der Festgottesdienst nicht am eigentlichen Festtag, am 14.2.2024, gefeiert werde, weil dieser Tag auf den Aschermittwoch fällt. So wird der Gottesdienst auf den heutigen Freitag verlegt und dazu und zum gemütlichen Beisammensein im Anschluss herzlich eingeladen.Ich bin eher ein Fan davon, die Feste zu feiern wie sie fallen, aber mir gefällt es gut zu entscheiden: Ein Festgottesdienst würde auch auf den Aschermittwoch passen, aber ein anschließendes Feiern eher nicht. Die Geschichte rund um diese Kapelle macht auch noch einmal deutlich, wenn mir etwas wichtig ist, engagiere ich mich dafür. Eine Bürgerinitiative kümmert sich seit vielen Jahren um die kleine Kapelle, hält sie offen, schmückt sie und achtet auf das Umfeld. Der Vorplatz wurde neugestaltet und Bänke laden zum Bleiben ein. In der Weihnachtszeit war eine schöne Krippe darin aufgebaut und auch sonst gehen immer wieder Spaziergänger hinein und verweilen kurz.Was ist mir, was ist Ihnen so wichtig, dass Sie dafür Zeit, Geld, Engagement aufwenden? Die Fastenzeit ist eine gute Gelegenheit mal wieder zu schauen, wo mein Einsatz, meine Ideen, meine Beteiligung gefragt sein könnten und etwas neu beginnen kann. Und vor allem etwas, was nur ich, was nur Sie können und niemand anders. Unterschätzen wir nicht die vielfältigen Talente die jeder von uns hat, die in uns schlummern und die wir zum Teil noch gar nicht ausgepackt und ausprobiert haben.Das Schlussgebet heute hilft noch einmal zu verstehen, dass oft keine großen Dinge sein müssen, dass nicht die Größe des Werkes wichtig ist, sondern das Herz, das Herzblut, mit dem wir etwas tun. Da heißt die erste Zeile: "Allwissender Gott, du siehst nicht auf unsere äußeren Werke, sondern auf unser Herz." Womit wir wieder bei Valentin und der kleinen Kapelle am See wären. Der Heilige Valentin hatte ein Herz für Liebende und die Bürgerinitiative hat ein Herz für den Erhalt und die Pflege seiner Kapelle. 
3 Minuten
Vorgestern Abend nach der Vesper, haben wir unsere Stundenbücher, also die Bücher, aus denen wir die täglichen gemeinsamen Gebetszeiten lesen, umsortiert: die normalen, also die für den Jahreskreis in den Schrank geräumt und die Bücher zur Fasten -und Osterzeit hervorgeholt. Und manche von uns hat im Stillen gedacht: Okay, Buße, Reue, Fasten, Lieder in Moll statt in Dur und kein Halleluja und so. Und dann wurde es kompliziert: die Hymnen separat, die Psalmen nochmal an anderer Stelle, die Lesungen und der Rest dann nochmals an einem anderen Ort. Für unsere indische Gastschwester und unsere Laudesmitbeter, war es noch komplizierter. Sie hatten sich jetzt seit Wochen an das alte Buch gewöhnt, die Bändchen und Einlageblätter lagen an den richtigen Stellen und sie konnten routiniert mitbeten und singen. Ach und jetzt wieder alles neu und anders und es braucht wieder Übung, bis man richtig drin ist. Wie es uns mit dem neuen Gebetbuch ergangen ist, ist es wahrscheinlich auch mit der Fastenzeit. Sie kommt einfach und ist jetzt da, ob es mir passt oder nicht und das allein ist schon eine gute Chance. Es ist nicht so verkehrt, mal aus den Routinen heraus zu kommen und etwas anders und neu zu machen. Und diese ersten Tage nach dem Aschermittwoch sind noch solche Tage. Viele von uns und Ihnen haben vielleicht schon eine Idee, was sie in dieser Zeit machen oder lassen wollen. Aber es ist noch neu und ungewohnt. Eine Aktion in der Fastenzeit in einem kleinen Ort im Sauerland trägt den spannenden Titel gottRAUMgeben. Geben Sie doch in dieser Fastenzeit Gott neu Raum in Ihrem Tag. Und ob es fünf Minuten durchatmen am Fenster am Morgen, fünf Minuten Stille in der Mitte des Tages, oder fünf Minuten ein Gebet am Abend ist, geben Sie Gott Raum in Ihrem Tag, Ihrer Wohnung, Ihren Abläufen, Ihrem Denken und Tun. Und Gott wird mit Ihnen sein.
3 Minuten
Am Aschermittwoch, also heute, beginnt die 40-tägige Fastenzeit vor Ostern. Seit Ende des 11. Jahrhunderts gibt es die Tradition, sich an diesem Tag in Gottesdiensten ein Aschenkreuz auf die Stirn zeichnen oder Asche aufs Haupt streuen zu lassen. Die aus gesegneten Palmzweigen vom Vorjahr gewonnene Asche gilt als Symbol der Trauer und Buße.Das Aschenkreuz steht für den Beginn der Bußzeit und zugleich für die Hoffnung der Christen auf Auferstehung. In den vergangenen Pandemiejahren wurde kein Aschenkreuz auf die Stirn gezeichnet, sondern Asche auf den Kopf gestreut. Das ist die viel frühere und ursprünglichere Form dieses Startsignals in die Fastenzeit.Manche kennen vielleicht noch die Formulierung: "Oh, Asche auf mein Haupt," oder "in Sack und Asche gehen" wenn man einen Fehler zugibt und sich entschuldigen möchte. Ich habe mal nachgesehen, warum die Asche so das normale Mittel für den Beginn der Fastenzeit ist: Asche ist seit Jahrhunderten ein vielfältig verwendetes Putz- und Scheuermittel. Man kann damit Silber reinigen, Fußböden wischen, Wäsche waschen, Geschirrspülen. Aber man kann Asche auch als Dünger und Schädlingsbekämpfer und Unkrautvernichter einsetzen. Und so in unser religiöses Leben übersetzt ist das auch notwendig: wir müssen schon manches in unserem Leben mal abstauben und reinigen und putzen, damit wieder deutlich wird, wozu wir als Christen so da sind: wir sollen und wollen Jesus Christus nachfolgen und versuchen, nach seinem Evangelium zu leben. Und da ist die Asche als Dünger auch nicht so verkehrt, damit Neues und Gutes wachsen kann und der Auftrag: "Kehr um und glaub an das Evangelium" durch uns und unser Tun und Beten Hand und Fuß bekommt und das Reich Gottes unter uns Wachsen und Gedeihen kann. Der eigentliche Grund für all unser Mühen steht in der heutigen Lesung. Da heißt es: Daran sollst du erkennen: Jahwe, dein Gott, ist der Gott; er ist der treue Gott; noch nach tausend Generationen achtet er auf den Bund und erweist denen seine Huld, die ihn lieben und auf seine Gebote achten.Versuchen wir es ernsthaft. Sieben Wochen sind dafür eine gute Zeit.
3 Minuten
Heute ist der Veilchendienstag, so sagt man jedenfalls in karnevalsverrückten Gegenden. Und wieso Veilchendienstag? Eine Erklärung lautet, dass in Alfter, im Vorgebirge, viele Jahrzehnte Veilchen gezüchtet worden sind, die dann im Karneval verkauft wurden. Andererseits stehen Veilchen für Bescheidenheit, Anstand, Hoffnung, Treue und Liebe. Am Veilchendienstag kommt man nach langem, ausgiebigem und ausgelassenem Feiern wieder zur Besinnung und mancher ist vielleicht auch froh, dass er mit einem blauen Veilchenauge davongekommen ist oder jetzt bescheiden sein muss, weil an den Feiertagen sein ganzes Erspartes draufgegangen ist.Als nachdenkenswerte, freundliche Gabe für diesen Tag habe ich für Sie das augenzwinkernde Gebet von Thomas Morus mitgebracht, der vor fünfhundert Jahren gelebt hat und es ausdrücklich ein Gebet um Humor nennt. Er betet also:"Schenke mir eine gute Verdauung, Herr, und auch etwas zum Verdauen. Schenke mir Gesundheit des Leibes mit dem nötigen Sinn dafür, ihn möglichst gut zu erhalten. Schenke mir eine heilige Seele, Herr, die im Auge behält, was gut und rein ist, damit sie sich nicht einschüchtern lässt vom Bösen, sondern Mittel findet, die Dinge in Ordnung zu bringen. Schenke mir eine Seele, der die Langeweile fremd ist, die kein Murren kenntund kein Seufzen und Klagen, und lasse nicht zu, dass ich mir allzu viel Sorgen mache um dieses sich breit machende Etwas, das sich "Ich" nennt. Herr, schenke mir Sinn für Humor. Gib mir die Gnade, einen Scherz zu verstehen, damit ich ein wenig Glück kenne im Leben und anderen davon mitteile. Amen.“
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Die Karnevalsmuffel haben die Hochburgen an Rhein und Main längst verlassen und machen irgendwo weit weg einen Kurzurlaub. Alle anderen, mich inbegriffen, werden langsam aber sicher hibbelig und vorfreudig aufgeregt und können es kaum erwarten, dass es endlich losgeht – der vielgeliebte Rosenmontagszug. Für mich diesmal nur am Fernseher aber für viele live und in Farbe in Köln, Mainz, Bonn oder auch in den vielen kleinen Städtchen und Dörfern. Aber, aber es ist doch Krieg, da kann man doch nicht feiern? Ja, der Krieg dauert immer noch an und ein Ende ist nicht abzusehen. Aber wir feiern, weil nach all dem Schrecklichen der letzten Jahre die Sehnsucht nach Gemeinschaft, nach Miteinander Singen und Tanzen, sich verkleiden und vergnügt sein, so groß ist. So ist das Leben: Krieg und Frieden, Freude und Leid, Angst und Jubel, Trauer und Erlösung liegen so dicht beieinander, dass es, gerade in unserer Zeit fast mit den Händen greifbar wird. Singen gegen die Angst, zusammenschunkeln gegen die Einsamkeit, Jubeln und Lachen gegen die Mächte des Bösen und des Verderbens. Die einen mögen es Schicksal nennen, gegen das man ohnehin nichts machen kann. Aber andere, ich auch, leben eher aus einer Hoffnung und einer Gewissheit.  Die Gewissheit, dass die Menschen, schon oft, unlösbar scheinende Katastrophen und Kriege überstehen und wieder neu anfangen konnten und die Hoffnung, dass da ein guter Gott ist, dem wir nicht gleichgültig sind, sondern der uns liebt und unsere Wege mitgeht – in Kreuz und Leid, in Lust und Fröhlichkeit und in allen grauen Farben dazwischen. Ein Wort von Johann Wolfgang Goethe, dem großen Dichterfürsten hat mich heute überrascht und so mag ich es Ihnen gerne mit in den Tag geben. Er sagte einmal: "Wenn ich an Gott dachte, war ich heiter und vergnügt." Denken wir heute also zwischendurch immer mal an Gott und seien wir heiter und vergnügt. 
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Ich denke ganz oft, dass wir in schwierigen Zeiten leben und viele von Ihnen denken das auch. Aber wenn ich dann an die Zeiten von Mutter Maria Theresia denke, scheinen mir unsere Probleme echt kleiner. Schon zwölf Jahre nach der Gründung der Gemeinschaft 1863 gab es drastische Verbote durch die damalige Regierung. Es durften keine neuen Mitglieder mehr in die Ordensgemeinschaft aufgenommen werden, das Waisenhaus musste geschlossen werden und Vieles mehr. Lediglich die Krankenpflege war noch möglich, aber in Olpe nur, wenn die Schwestern gerufen wurden und ansonsten nur in den umliegenden Dörfern. Und noch dazu machte der Protektor der Vinzentinerinnen, die im Krankenhaus tätig waren, Mutter Theresia das Leben schwer. Mit Verleumdungen und falschen Behauptungen, mit Anzeigen beim Bischof in Paderborn hat er alles versucht, die Franziskanerinnen aus Olpe zu vertreiben.Dabei sind mir bei Mutter Theresia zwei wichtige Wesenszüge aufgefallen. Zum einen hat sie den Anordnungen der Regierung und der örtlichen Behörden Folge geleistet und alles getan, um die Schwestern und ihre junge Gründung zu schützen. Aber dann hat sie immer auch mit Mut und Courage und einer ziemlichen Portion Bauernschläue, Wege gefunden, die die weitere Existenz möglich gemacht hat. Sie selbst hätte das wohl eher als Gottvertrauen bezeichnet und da ist ja auch was dran.  Als 1900 die Generaloberin der Vinzentinerinnen zu ihr gekommen ist, um sie zu bitten, das Olper Krankenhaus zu übernehmen, hat sie ihr nichts davon erzählt, wiesehr sie in den vielen Jahren unter dem Konflikt mit dem Protektor der Vinzentinerinnen gelitten hat.  So sind im Juli 1900 die ersten Olper Franziskanerinnen ins Krankenhaus eingezogen und haben dort bis 2005 den Dienst an den Kranken und Sterbenden und an den Müttern und ihren Kindern getan. Heute am Gedenktag der Seligen Maria Theresia Bonzel findet wieder die Lichterprozession zu ihren Ehren statt. Sie beginnt um 18.00 Uhr in der Mutterhauskirche mit der Litanei für die Stadt Olpe.
3 Minuten
Wenn ich aus meinem Fenster im Schlafzimmer schaue, fällt mein Blick seit fast einem Jahr auf die Bauarbeiten am gegenüberliegenden Haus. Erst Berge von Holz und Steinen und Bauschutt in den ehemaligen Garten werfen und entsorgen, dann wochenlang keinerlei Regung, dann Anbauten abbrechen und die kahle Wand mit Folie abdichten, dann eine Grube ausheben und die Erde abtransportieren, Verschalungen einbauen, Riesenmengen Beton hineinleiten und abdecken und so weiter. Meist bei Regenwetter oder Schneegestöber oder klirrender Kälte. Manchmal stehen irgendwie wichtig aussehende Leute dort und beugen sich über Zeichnungen und Plänen. Ich habe keine Idee, was da wird, aber die unglaublich vielen verschiedenen Gewerke wissen sehr genau was sie tun, haben einen Plan und verfolgen ihn. Sie erledigen ihren Anteil am Gesamtwerk. Ein bisschen bin ich neidisch. Die vielen Berufsgruppen sehen am Ende des Tages, was sie geschafft haben und nach einigen Wochen können sie ihr eigenes Werk zufrieden übergeben. Bei vielen von uns ist das nicht so. Bei allem Tun und Machen und Arbeiten und Konferenzen und Gesprächen und Haushalt und Kindern und Gebet und Freizeit, kann man oft kein Muster erkennen. Kein schönes, neu aufgebautes Haus mit allem, was man heute so dazu hat: Aufzug, Parkplätze, Terrasse usw. Höchstens ein wirres Durcheinander von Geleistetem und Schiefgegangenem, von Schönem und Schwerem, von Krankheit und Gesundheit, von Lachen und Weinen. Aber ich bin ein grundsätzlich hoffnungsvolles Menschenkind und ich glaube schon, dass ich am Ende meiner Tage und meines Lebens das Muster und manches fertige Projekt erkennen werde und hoffnungsvoll darauf warte, das mir zugesagt wird: Und Gott sah, dass es gut war!
3 Minuten
Ich glaube, jeder und jede von Ihnen feiert diesen Morgenimpuls in einer je unterschiedlichen Situation mit. Viele werden sicherlich gleich auf dem Weg zur Arbeit sein und dann durch den Berufsverkehr müssen, wenn Sie nicht eh schon mittendrin stecken. Und dann wird Ihnen vielleicht auch auffallen, dass in der Bahn vor allem jüngere Menschen einen Kopfhörer aufhaben oder mancher im Auto die Musik laut aufgedreht hat, so dass man die Bässe gut nach draußen durchwummern hört. Sicherlich, es mag zunächst wie ein sich Abschotten wirken. So Leute mit dickem Kopfhörer auf den Ohren scheinen in ihrer eigenen Welt zu leben, hinter ihren eigenen Windschutzscheiben. Ich kann aber auch sagen, dass so ein Einstieg in den Tag mit Musik einfach schön ist. Auch unser Morgenimpuls ist immer voll mit Texten, Gesängen und Musik. Viele von Ihnen singen die Lieder, die Ihnen bekannt und vertraut sind, mit. Und manchmal beobachte ich auch draußen oder in der Bahn Leute mit Kopfhörern, die rhythmisch mitwippen oder gar leise mitsingen, die richtig Freude an dem haben, was sie da gerade hören und wenn sie an ihrem Arbeitsplatz angekommen sind, gute Laune haben. Was wäre unser Leben ohne Musik, ohne Lieder, ohne Instrumente? Stellen Sie sich mal ein Fußballspiel ohne Fangesänge vor? Zu Coronazeiten war das schrecklich. Und mehr noch, was wären unsere Gottesdienste ohne Gesang, ohne die vielen Lieder, die wir von klein auf kennen? Meine Oma pflegte zu sagen: „Wer singt, betet doppelt.“ Was schon der heilige Augustinus im vierten Jahrhundert wusste – Das stimmt, denn neben dem Kopf darf beim Singen auch der ganze Körper mitmachen. Und wenn so ein Lied in mir oder aus mir erklingt, dann hilft mir das sehr häufig, mit einer Situation besser klarzukommen. Und am schönsten ist es doch, mit Mehreren zusammen zu singen, in einem Chor oder in einem Ensemble. Also: Ob Sie gleich zur Arbeit fahren oder noch unter die Dusche wollen. Singen Sie einfach ein Ihnen vertrautes Lied und Sie werden merken, dass der Tag gleich viel schöner anfängt!
4 Minuten
Wer kennt es nicht, irgendwann muss die Wohnung oder das Haus renoviert werden. Und wenn es ein älteres Haus ist, kommt unter der Tapete vielleicht noch eine Tapete hervor. Und dann noch eine. Die kann dann grell mit Blumenmuster sein und ist wohl ein ferner Gruß aus den farbenfrohen 1960er oder 1970er Jahren. Das ist einem Bekannten von mir passiert. Er hat gerade ein Haus von 1969 übernommen. Die hoch betagten Eigentümer haben sich gefreut, dass wieder eine Familie mit Kindern in das Haus einzieht, so wie sie früher als junge Familie in dem Haus gelebt haben. Der neue Eigentümer ist zwar vom Tapeteabkratzen genervt, doch die vielen bunten Tapeten unter der Raufaser-Tapete erinnern ihn daran, dass hier über Jahrzehnte Menschen miteinander ihr Leben geteilt haben, dass das Besitzerehepaar ihre Kinder großgezogen hat, sie miteinander alt geworden sind und nun ihren Lebensabend begehen. Vielleicht ist unsere Kirche ja ein bisschen wie ein Haus. Über viele Generationen leben und wirken Menschen in ihr. Die Mauern bleiben, das Dach auch. Doch innen drin, da gibt es Änderungen. Was heute noch als schick galt, das wird etwas später als überholt angesehen. Also kommt eine neue Tapete drüber. Wichtig ist, dass die Kirche nicht museal erstarrt, sondern immer wieder neu lebendig wird durch die Menschen, die gerade in ihr leben. Manche Glaubenssätze sind unverrückbar wie eine tragende Wand: Christentum ohne Auferstehung oder ohne Gottes- und Nächstenliebe ist undenkbar. Doch andere Dinge sind buchstäblich weniger festgemauert. Nur wohl wenige fühlen sich beispielsweise heute von der Art der Gottesdienstfeier von vor 70 Jahren noch angesprochen; das Verständnis, das Miteinander haben sich verändert. Bei anderen Fragen gibt es schon Zweifel, ob es mit ein bisschen neuer Farbe wirklich getan ist. Und manchmal erweist sich ein vermeintlicher Grundpfeiler, ohne den alles einzustürzen droht, doch nur als Fassadenteil und letztlich austauschbar. Aber: ich finde es faszinierend, dass in unserer Kirche seit zwei Jahrtausenden Menschen ihren Glauben leben. Mancher Gruß aus der Vergangenheit wirkt vielleicht etwas schrill oder befremdlich. Und doch erinnern die Zeichen der Vergangenheit uns daran, wie Christen früher ihren Glauben gelebt haben – und das kann uns für unser Christsein heute inspirieren. Denn dass schon so lange Gläubige in unserer Kirche gemeinsam das Wort Gottes hören und Eucharistie feiern – das schafft eine Verbundenheit über die Zeit hinweg.
3 Minuten
Wir Katholiken sind schon manchmal ein interessantes Völkchen, speziell wir Katholiken in Olpe im Sauerland: Heute zum Beispiel fasten ganz viele von uns, geben im Laufe der nächsten Tage Almosen in eine Kiste in der Kirche, die dem Bürgermeister gebracht wird, damit er akute Not schnell lindern kann. Dann gehen wir am Sonntag ins Hochamt, wo der Rat der Stadt ein uraltes Gelübde dem Pastor nachsprechen wird, dann in Anbetungsstunden, hören eine hoffentlich gute Predigt am Abend, gehen mit dem Allerheiligsten durch die mit Kerzen beleuchtete Stadt und singen mit Inbrunst vom "Haus voll Glorie schauet weit über alle Land" und dann nach Hause oder ins Pfarrhaus zur Party mit köstlichen italienischen Speisen und gutem Wein.Und warum das Ganze? Zunächst weil mal wieder die Stadt abgebrannt war und deshalb der Rat der Stadt 1665 beschlossen hatte, dieses Gelübde abzulegen und die heilige Agatha als Schutzpatronin gegen Feuersnot zu bitten, ihre Stadt zu verschonen. Weil auf die Fürsprache der Heiligen in Catania auf Sizilien mehrfach ihre Stadt vor dem Ausbruch des Ätna verschont worden war.Wenn sich über viele hundert Jahre bis heute die Verehrung für eine junge Frau erhalten hat, muss da doch etwas mehr dran sein als nur Brauchtumspflege und Respekt vor alten überlieferten Texten. Und genau das ist es: Agatha, diese junge Frau steht für die vielen Christinnen und Christen in der langen Geschichte des Christentums, die mit Mut, starkem Glauben, innerer Freiheit und Gelassenheit für Jesus Christus eingetreten sind, auch wenn es sie das Leben gekostet hat. Es ist gut himmlische Fürsprecher zu haben, die auch uns in existenziellen Nöten in Kirche und Gesellschaft zur Seite stehen und Vorbild sein können.
4 Minuten
Ich sitze seit zwei Wochen mit gebrochenem Sprunggelenk, das fein säuberlich verplattet und verschraubt ist, zuhause und übe mich in Geduld. Noch 4 Wochen den Fuß nicht belasten, nur hinstellen und ansonsten sitzen, mit einem wendigen Bürorollstuhl durch die Wohnung rollen und das Treppengehen möglichst noch lange vermeiden. Aber was ist meine kleine Geduld für ein paar Wochen im Vergleich zur erwartungsvollen Geduld von Simeon und Hannah.Maria und Josef tun ihre religiöse Pflicht. Sie bringen ihren Erstgeborenen in den Tempel, um ihn Gott zu weihen und geben die vorgeschriebene Opfergabe ab. Aber dann passiert, dass der sehr alte Simeon dieses eine Kind unter den vielen Neugeborenen, die im Tempel Gott geweiht werden, dieses eine Kind als das erkennt, das bedeutsam für sein Volk und sein eigenes Leben werden soll. Der alte Simeon wartet im Tempel auf die Erfüllung einer Offenbarung. Ihm war gesagt worden, dass er nicht eher sterben werde, bis er den Messias, den Retter aller Menschen, gesehen hat. Als Maria ihm schließlich das Jesuskind in die Arme legt, stimmt Simeon ein Loblied an: "Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, dass du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel."Und auch Hannah, eine sehr alte Prophetin, die seit Jahrzehnten im Tempel lebt, erkennt dieses Kind und spricht darüber zu allen, die im Tempel sind. Simeon und Hannah haben ihr ganzes Leben darauf gewartet und gehofft, dass sie es sein werden, die diesen Messias noch erleben werden, der seit hunderten von Jahren verheißen und vom Volk erwartet wird. Und ihre Hoffnung wird erfüllt. Sie konnten aber nicht ahnen, dass es ein Säugling sein würde, den sie begrüßen und sehen würden. Viele haben einen Fürsten, einen König, einen Revolutionär, einen Kämpfer, einen Machthaber erwartet, der das Volk von innerer und äußerer Fremdherrschaft erlöst und befreit. Aber es ist ein Kind. Und sie erkennen ihn, weil sie sich auf Gott und nicht auf ihre eigenen Vorstellungen verlassen. Ihnen ist in diesem Kind sozusagen ein Licht aufgegangen.Beten wir heute für uns alle in unserer Kirche genau um das: dass uns ein Licht aufgeht und wir ein bisschen mehr erkennen, wie dieser Gott liebt und lebt und wie deshalb Christsein heute gehen kann. Und dass er uns Geduld gebe zu diesem Warten auf ihn und für all den Alltagskram, der im Moment von jedem von uns die je eigene Geduld fordert.
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