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Anfang Dezember habe ich eine Amaryllis geschenkt bekommen. Also ich wusste es nur, weil ein hübscher Anhänger daran war, auf dem der Name der Pflanze stand. Äußerlich war davon nichts zu erkennen. Es war eine rote Wachskugel auf einem hässlichen Drahtständer und oben war die Wachsschicht kreisrund offen und es war zu sehen, dass da abgeschnittene Blätterkanten herauslugten."Auf keinen Fall gießen", stand auf dem Anhänger und ich dachte, du arme Zwiebel. Jetzt bist du in eine Wachshülle gequetscht und ich darf dich nicht mal mit Wasser erquicken. Aber jetzt, nach 56 Tagen ohne jede Wasser- oder Düngerzufuhr, ist ein halber Meter hoher und dicker Stängel gewachsen und die Knospe, die sich entwickelt hat, wird dicker und dicker und wird in den nächsten Tagen aufspringen und blühen und ich freue mich sehr darauf. Aber es beschäftigt mich schon, dass quasi in der Blumenzwiebel alles angelegt und vorbereitet ist, damit sie ohne alles Zutun wachsen und blühen kann.Ich weiß, dass Vergleiche hinken aber ich kann nicht anders denken als daran, dass Gott der Schöpfer allen Seins, in uns, seine Menschen, alles hineingelegt hat, was wir zur Sehnsucht auf ihn hin brauchen. Und dass wir diese Sehnsucht nur wachsen und gedeihen lassen müssen, damit sie so groß wird und so blüht, bis wir bei ihm angekommen sein werden. Nur dürfen wir nichts tun, was der Entwicklung der Sehnsucht entgegensteht. Nicht mit anderen Dingen die Sehnsucht selbst stillen wollen, nicht das Sehnen mit Süchten selbst erfüllen wollen, nicht vor lauter Ungeduld daran ziehen oder artfremden Dünger daran gießen.Schon bei Augustinus im 4. Jahrhundert heißt es: "Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in Dir" oder noch anders mit einem Liedtext. "Wenn Dein Mund ist stille, dann spricht Dein Herz. Wenn dein Herz ist stille, dann spricht Gott". Gott hat die Sehnsucht nach ihm in unser Herz und unsere Seele hineingelegt wie das Wachsen und Blühen in die Amaryllis-Zwiebel. Lassen wir ihn wirken.
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Johannes Bosco (Todestag 31. Januar 1888) wächst in sehr ärmlichen Verhältnissen auf. Seinen Vater verliert er früh aber seine Mutter liebt ihn und seine Brüder sehr und gibt ihm ein grenzenloses Vertrauen in Gott mit auf den Weg. Johannes ist ein fröhlicher Mensch der die zauberhafte Gabe hat, auf Menschen zugehen zu können, sie wunderbar zu unterhalten und leicht und locker auch von Gottes Liebe zu erzählen. Er wird Priester und erlebt in Turin, das harte Leben der Jugendlichen, die aus den Dörfern in die Städte ziehen um Arbeit zu finden aber unversorgt und überfordert oft im Gefängnis landen. Dort findet Don Bosco seine Lebensaufgabe. "Erziehung ist eine Sache des Herzens." sagt er und hat mit seiner Pädagogik einen ganz neuen Weg eingeschlagen: Er hat die Jugendlichen gefördert, ihnen zugehört, sie begleitet. Ihm ging es dabei immer um eine ganzheitliche Erziehung. Er will den Jugendlichen immer auf Augenhöhe begegnen. Sein Erziehungsstil, der auf Liebe, Einsicht, Glaube und Prävention setzte statt auf harte Strafen, war revolutionär für die damalige Zeit. Und es gibt so viel zu tun, dass er nach Gleichgesinnten sucht, die ihm helfen, den vielen tausend Jugendlichen gerecht zu werden, ihnen Heimat, Geborgenheit und Ausbildung zu verschaffen. Es entstehen die großen Frauen und Männergemeinschaften der salesianischen Familie, die bis heute in über 133 Ländern im Dienst von Kindern und Jugendlichen stehen um Zukunftsperspektiven zu schaffen. "Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen" ist ein bekanntes Wort von ihm und es klingt freundlich und locker und leicht. Aber es muss die Grundhaltung des Herzens sein, wenn man bis an die Ränder gehen will, Jugendliche aus den Gefängnissen und den Spiralen der Gewalt holen will und sich sicher ist, dass selbst im noch so rauhen Burschen ein guter Kern steckt. "Ich will euch hier und ewig glücklich sehen" - von diesem Wunsch war das ganze Leben Don Boscos bestimmt. Wie kein anderer hat er mit seinem ganzen Lebenseinsatz junge Menschen begleitet. Jeder einzelne junge Mensch war für ihn wichtig, weil er wusste und fest glaubte, dass Gott jeden Menschen liebt.
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Am Sonntag hatten wir ein sehr ungewöhnliches Fest. Schwester Luitburg hat ihren 100. Geburtstag gefeiert. Vielleicht denken Sie, dass es so ungewöhnlich doch nicht ist. Aber bei uns schon, denn in den letzten Jahren sind immer wieder Schwestern kurz vor diesem Geburtstag gestorben. Einen heiter fröhlichen Kaffeeklatsch mit vielen Schwestern aus den umliegenden Konventen, mit Verwandten und Wegbegleitern aus früheren Lebensorten konnten wir begehen.Die Erinnerungen daran, was in diesen 100 Jahren in Kirche und Welt so geschehen ist, lässt einen echt sprachlos erstaunen. Aufbrüche und Abbrüche, Diktaturen und Kriege, Nachkriegsjahre und Hungerzeiten, Aufbauphasen und Wirtschaftswunder, Mondlandungen und technische Revolutionen, Konzils- und Nachkonzilszeiten, Entwicklungen im Ordensleben und in der gesamten Welt. Und alle diese Entwicklungen hat diese Schwester miterlebt, mitbestritten, mitgestaltet und begleitet. Mit wachem und gläubigem Geist und Herzen kann man mit ihr bis heute über Gott und die Welt debattieren und sehr unterschiedliche Auffassungen detailliert auseinanderpflücken.Viele Jahre ihres Berufslebens war sie als Krankenschwester in der ambulanten Krankenpflege unterwegs und kannte die Sorgen und Nöte der Menschen und hat sie immer sehr sorgfältig im Gebet vor Gott getragen, weil sie wusste, bei all ihrer eigenen Mühe und Arbeit ist er es, der das Gelingen voranbringt. Und ihr ist bis jetzt immer noch deutlich anzumerken, dass sie in vielen Jahren und verschiedenen Konventen den Dienst der Oberin getan hat. Immer noch gilt ihr Denken und Tun der Mitsorge um das leibliche und geistliche Wohl der Schwestern, die mit ihr im Altenheim leben.In den letzten Monaten vor dem Geburtstag habe ich sie natürlich gefragt, was sie mir für Tipps geben würde, um wie sie in dieser Weise alt zu werden. Sie hat erst ein bisschen verwundert geschaut und dann so nach und nach aufgezählt: "Naja, jeden Tag neu das tun, was Dir aufgetragen ist von Gott und den Oberen, bei allem Tun das Gebet nicht abkürzen und die Bibel lesen, den gesunden Menschenverstand benutzen und immer darauf vertrauen, dass Gott schon vollenden wird, was ich angefangen habe. Ach ja, und das Lachen nicht vergessen."Danke Gott und Danke Sr. Luitburg für diese 100 Jahre. 
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Ich erinnere mich an so Aussprüche aus meinen ersten Klosterjahren. Da haben die älteren und alten Schwestern schonmal so eine Bemerkung gemacht, wenn man sich seiner Sache nicht mehr so sicher war. Ein ganz typischer Satz war ungefähr so: "Man merkt, ob man zum Ordensleben berufen ist, wenn man gut arbeiten, gut essen, gut schlafen und gut lachen kann." Und dann habe ich natürlich innerlich abgecheckt, wie es bei mir da so ist.Gut arbeiten können heißt eben, mich in meinem Bereich energisch einsetzen, die Arbeit, die einem aufgetragen wird, mit allen meinen Fähigkeiten erledigen aber auch sagen können, was nicht funktioniert, was ich vielleicht doch nicht kann, was verändert werden muss.Gut essen können klingt leicht, aber die meisten von Ihnen kennen auch, wenn es irgendwie ringsum nicht richtig stimmt, wenn Probleme da sind, die angepackt werden müssen, dann schlägt es einem auf den Magen. Man kann nicht essen und die Sache muss erst gelöst werden.Gut schlafen können ist so ähnlich. Wenn man jünger ist geht das Schlafen wie von selbst aber auch da gibt es Phasen, wo man so mit Fragen und Sorgen beschäftigt ist, dass man einfach nicht schlafen kann.Gut lachen können schien mir am Anfang ein bisschen wie Luxus. Wenn man sich in eine neue Art zu leben einfuchsen muss, wenn man lernen muss, wie man hier lebt mit den Schwestern, mit dem Rhythmus zwischen Beten und Arbeiten, mit all dem Neuen, dann bleibt einem eher die Luft erstmal weg und lachen geht nicht so schnell.Aber später wurde mir immer klarer: Menschen, die ihr Leben ganz auf Gott setzen, die ihm vertrauen in ihrem Beten, Arbeiten und Leben, die haben echt Humor. Mir scheint das heute ein Kennzeichen echter Christen zu sein: Humor haben und über sich und die Verrücktheiten des Lebens Lachen zu können, im Vertrauen auf den Gott des Lebens, der alle unsere Wege mitgeht. Checken Sie mal heute: gut arbeiten, gut essen, gut schlafen und gut lachen können ist ein wunderbares Merkmal für ein gutes Leben in Gottes Nähe.
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"Wie der Herre, so‘s Gescherre" - die Redensart kennen vielleicht noch manche von Ihnen. Damit ist gemeint, dass die Kinder oft so ähnlich werden wie die Eltern. Dass Untergebene ähnlich ticken wie die Chefs, dass das Verhältnis Schüler – Lehrer abfärben kann.Dass Paulus einen ziemlichen Verschleiß an Mitarbeitern hatte, kann man gut nachlesen, aber Timotheus und Titus, die sogar als Apostelschüler bezeichnet werden und deren Gedenktag heute ist, scheinen in das Schema zu passen, dass Paulus versucht hat, für alle Gemeinden, in denen er missioniert hat, Menschen zu finden und ein zu setzen, die seine Aufgabe dort weiterführen konnten. Und so sind diese beiden sehr unterschiedlich und haben auch sehr unterschiedliche Aufgaben.Aber gemeinsam ist ihnen: nachdem sie Paulus kennengelernt haben, haben sie seine unglaubliche missionarische Kraft erlebt und sind ihm bis in seinen Tod hin treue Begleiter und Mitarbeiter in seinem Dienst geblieben.Die Briefe des Paulus haben manchmal kurze Passagen, in denen auch familiäre Hintergründe seiner Schüler auftauchen und in denen Paulus etwas liebevoller, zugewandter und persönlicher wird: in einem Brief an Timotheus schreibt er ihm:"Ich denke an deinen aufrichtigen Glauben, der schon in deiner Großmutter Loïs und in deiner Mutter Eunike lebendig war und der nun, wie ich weiß, auch in dir lebt.Darum rufe ich dir ins Gedächtnis: Entfache die Gnade Gottes wieder, die dir durch die Auflegung meiner Hände zuteil geworden ist. Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit."Hier wird mir wieder deutlich, wie lang die Überlieferung unseres Glaubens geschieht, und wie einfach es geht, wenn es geschieht: durch Vorfahren, Großeltern, Eltern, Missionare, die eben vorbeikommen, durch Handauflegung und Taufe.Aber dass es immer an uns selbst liegt, diese Gnade Gottes wieder anzufachen und nicht verzagt und ängstlich zu sein, sondern dem Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit zu trauen.
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"Na, wie ist es mit Dir? Wann bist Du eigentlich vom Pferd gefallen?" hat mich vor vielen Jahrzehnten ein junger Franziskaner ganz unverblümt gefragt. Ich hatte nicht die leiseste Ahnung, was er gemeint haben könnte und worauf er hinaus wollte. Am Ende des Jugendwochenendes damals kannte ich zumindest ein paar dieser Sprichworte, die wir so kennen: "Wie vom Blitz getroffen", "Vom Pferd gefallen" oder auch "Vom hohen Ross geschubst" und vor allem das "Vom Saulus zum Paulus".Ein sehr verehrter Bischof damals in Erfurt, Hugo Aufderbeck, hat einmal gesagt: "Wenn ich damals gelebt hätte, ich wäre auch Paulus gewesen." Also der, der seinen Glauben, sein Jüdischsein, sein Pharisäersein vehement verteidigt und die Christen, die seinem Glauben gefährlich wurden, bis aufs Blut verfolgt hat. Ich finde dieses Fest der Bekehrung des Apostels Paulus ein sehr gefährliches Fest. Wir feiern es fein brav, weil wir Gottes Macht feiern, der damals einen Verfolger zu einem seiner leidenschaftlichsten Nachfolger gemacht hat. Aber ich denke, dass die wenigsten, die das in Gottesdiensten und Gebetszeiten feiern und in Predigten loben, daran denken, dass Gott heute die gleiche Macht hat.Er kann uns heute auf die gleiche Weise so vom Pferd unserer kirchlichen Gewissheiten schubsen, dass uns Hören und Sehen vergeht und wir völlig blind sind für das, was Gott wirklich von uns will. Ich bin mir sicher, dass alle aktuellen Probleme unseres Kirche-Seins, vom Macht- und sexuellen Missbrauch durch Kleriker, vom Vertrauensverlust gegenüber Bistumsleitungen, von der als mangelhaft gesehenen Seelsorge derzeit, von der bis heute geltenden Benachteiligung von uns Frauen in der Kirche, dass in all diesen Dingen Gott sich seine Kirche erneuern wird. Er wird Leute vom hohen Ross schubsen, er wird noch mehr mit Blindheit schlagen und er wird auch viele völlig neu bekehren.Damit sie SEINE Wahrheit verkünden vor aller Welt und die Menschen von der Finsternis des Unglaubens und Aberglaubens zum wahren Licht der Welt führen.
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Einen besonders gütigen und liebenswerten Heiligen feiern wir mit der Kirche heute.Franz von Sales hat von 1567 bis 1622 gelebt, war das älteste von zehn Kindern und sollte nach dem Willen des Vaters in den diplomatischen Dienst gehen. Er hat dann zwar Philosophie und Jura studiert, aber aus persönlichem Interesse auch Theologie.Nach seiner Anstellung als Rechtsanwalt und eigentlich mit der Aussicht auf eine glänzende Karriere als Senator, ließ er sich aber zum Priester weihen und wurde einer der besten Prediger seiner Zeit und damit beauftragt, die Bevölkerung rings um den Genfer See wieder zum katholischen Glauben zurück zu bringen.Weil die Machthaber den Einwohnern aber verboten haben, seine Predigten zu besuchen, nutzte er intensiv die damals komplett neuen Medien: in einer klaren und einfachen Sprache druckte er die damals hochmodernen Flugblätter und heftet sie an Häuser, Zäune und Bäume. Und er brachte seine Botschaft in der Landessprache, was damals absolut unüblich und sensationell war.Franz von Sales war glaubwürdig in einer Sprache, die Gehör und Glauben fand. Franz war ein begnadeter Prediger und ein vorbildlicher Seelsorger, dem es um die persönliche Vertiefung des Glaubens jedes Einzelnen ging. Er leitete als Bischof sein Bistum mit Visitationsbesuchen, Predigt und Katechese.Seine Liebenswürdigkeit und die Übereinstimmung von Worten und Taten in seiner Lebensführung brachten ihm das Vertrauen der Menschen.Dieser Wesenszug seiner Persönlichkeit gefällt mir besonders gut: die Übereinstimmung von Worten und Taten.Nehmen wir doch heute mal diesen Satz auf und schauen, wie es denn bei mir selbst damit ist: stimmen meine Worte mit dem überein, was ich tue? Bin ich in dem, was ich tue, glaubwürdig für das, was ich sage?
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Puzzeln Sie gerne? Ich mach es schon gern, aber ich gebe zu, ich kann es nicht besonders gut. Den Rand bekomme ich ja noch hin, weil das ja mehr oder weniger leicht ist. Und wenn die Strukturen des Puzzles klar und eindeutig sind, ist es auch nicht so schwer.Aber wenn es mehr als 1000 Teile sind, brauche ich ein sehr genaues Bild vor mir um zu finden, wo dieses eine Teil jetzt hinmuss.Einige meine Mitschwestern ticken da ganz anders. Sie verschaffen sich einen Überblick, sortieren die Farben und legen los. Und wenn dann noch ewig blaue Himmelsflächen, tiefgrüner Wald oder ein endloses Häusermeer zu sehen ist, sortieren sie alles Steine nach ihrer jeweiligen Art und probieren solange aus, bis es passt.Und wenn ich dann aber irgendwie nicht mehr weiterkomme, sitze ich davor und denke: ja genau, so ist das mit unserem Bild von der Kirche.Es gibt unendlich viele kleine Puzzleteile, die auf der ganzen Welt verteilt sind und die Vielfalt des Lebens, des Glaubens, der Dienste der Liebe, der Schönheit der Liturgie, und der vielen Menschen zeigt, die zu dieser Kirche gehören. Und es gibt herrliche Farben und leuchtende Bilder, und dunkle Flecken und schäbige Stellen, und Mutiges und Schändliches und Hoffnungsvolles und Schreckliches.Es gibt den Papst, der an die Ränder geht und zum Frieden mahnt, aber manchmal krude Sachen zum Synodalen Weg in Deutschland von sich gibt und dann aber eine Weltsynode beruft.Dann gibt es Bischöfe und Priester und die vielen anderen Männer in den Ämtern und Machtzentralen, die scheinbar schalten und walten können wie sie wollen. Und es gibt unendlich viel größere Zahl der Frauen und Mütter und Großmütter, die ihren Lieben den Glauben weitergeben und ihn ganz selbstverständlich leben.Und es gibt die unzählbar vielen tausend Puzzleteile in dieser Kirche, die scheinbar nicht mehr richtig dazugehören, oder noch gar nicht dabei sind, ohne die aber das Bild der Kirche nicht vollständig wird.Wenn ich dann vor all den Millionen Teilen sitze, dann hab ich aber trotzdem die Hoffnung, dass Gott der Vater und sein Sohn Jesus Christus, den Überblick behalten und sehr genau wissen, wie alles zusammenpasst, was ich zur Zeit im Kirchenpuzzle überhaupt nicht erkennen kann.
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Wir hatten ein wunderbares Wochenende. Aber hauptsächlich, weil hier ringsum alles dick verschneit ist. Es ist wunderbar weiß und damit hell und strahlend und es sieht so zauberhaft aus. Die Stadt ist viel stiller als sonst, weil viel weniger Autos fahren. Sauerländer sind den Winter gewohnt, aber sie müssen nicht mit dem Auto fahren, wenn es anders geht.Also habe auch ich manchmal einfach nur am Schreibtisch oder im Wohnzimmer gesessen und nach draußen gestaunt. Vor dem Fenster die Bäume haben tatsächlich auf jedem noch so kleinen Ästchen und Zweiglein Schnee liegen, der wegen der Kälte auch festgefroren ist. An den Futterstationen, die wir im Garten für die Vögel platziert haben, balgen sich die Meisen und Amseln und Drosseln um die fettesten Körner. Ab und zu kommt ein Schwarm dicker Dohlen und vertreibt die kleinen Vögel und wenn die Großen wieder weg sind, kommen die Kleinen wieder. Wann nimmt man sich eigentlich mal die Zeit, außer vielleicht im Urlaub, einfach nur da zu sein, zu schauen und zu staunen. Und dabei tut das so gut. Es entschleunigt und lässt aufatmen.In vielen biblischen Texten kommt tatsächlich der Schnee vor. Am besten gefällt mir der Vers 8 aus dem Psalm 148. Der ganze Psalm ist ein großer Lobpreis auf den Schöpfer, den Herrn des Kosmos. Und in diesem Vers 8 heißt es: "Feuer und Hagel, Schnee und Nebel, Du Sturmwind der sein Wort vollzieht" - Der Beter des Psalms ist sich also sicher, dass in allem, was ihm im Kosmos, in den Naturgewalten und in den Jahreszeiten begegnet, Gottes Wort vollzogen und deutlich wird.In Gottes Schöpfung wird uns seine Größe und Herrlichkeit wunderbar offenbart und lockt uns heraus zum Staunen und Loben und Danken. Und falls bei Ihnen statt wunderbar weißem Schnee nur Regen, Kälte und Nässe herrschen, finden Sie vielleicht in einer Pfütze das Spiegelbild des Himmels und locken ihren Blick nach oben, zum Schöpfer allen Seins mit Dank und Lob.
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In diesem Jahr ist das Markusjahr. Das heißt, in der Regel wird aus dem Markusevangelium gelesen und das Wort Gottes verkündet. Der heutige Abschnitt sagt ziemlich viel über Jesus und die aus, die er sich aussucht. Da heißt es: "In jener Zeit stieg Jesus auf einen Berg und rief die zu sich, die er selbst wollte, und sie kamen zu ihm. Und er setzte zwölf ein, damit sie mit ihm seien und damit er sie aussende, zu verkünden und mit Vollmacht Dämonen auszutreiben."Er ruft die, die er selbst wollte. Also er hatte eine Idee, wer zu seinem Auftrag, die beste Botschaft der Welt zu verkünden, passen würden. Und sie kommen also auch zu ihm. Und weiter heißt es: "Und er setzte zwölf ein, damit sie mit ihm seien" - Das Wort "damit sie mit ihm seien" beeindruckt mich heute. Er will das Ganze nicht allein tun, sondern Menschen um sich haben, die mit ihm sind und nicht nur bei ihm. Und dann kommt, meines Erachtens nach, der Hammer. Da steht: "und damit er sie aussende, zu verkünden und mit Vollmacht Dämonen auszutreiben." Aussenden und verkünden hätte ich da ja auch ganz vorn vermutet. Aber dass schon an dritter Stelle steht "mit Vollmacht Dämonen auszutreiben" war mir bisher nicht bewusst. Die Dämonen sind die, die mit anderer Vollmacht gegen Gott und seine Botschaft arbeiten. Und da ist es mehr als notwendig dagegen anzugehen und sie zu vertreiben – auch heute und jetzt aus unseren Gedanken, Worten und Werken.Und die Zwölf, die er ausgesucht hat, haben manche Titel von Jesus bekommen oder werden aus ihrer Familienstellung benannt: da ist der Fels, der Sohn des, der Bruder des, die Donnersöhne und der, der ihn dann ausgeliefert hat. Keine Berufsbezeichnung, keine Stellung in der Stadt oder Ortsgemeinde, keine Positionsbezeichnungen. Was mag er zu mir oder zu Ihnen sagen, die er ja auch berufen hat, damit wir mit ihm seien und seine Botschaft zu verkünden?
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Wir haben ganz viel Schnee dieser Tage und die Räumfahrzeuge des Winterdienstes schaffen es manchmal erst am Nachmittag, auf unserer kleinen Straße den Schnee zur Seite zu schieben und Salz zu streuen. Meine Mitschwester wollte dieser schneereichen Tage in unsere Einfahrt fahren, aber es ging nicht mehr. Die Räder sind durchgedreht und das Auto stand schräg und war ein gefährliches Hindernis. Was tun? Also irgendwas vor die 4 Räder legen, damit sie Grip bekommen, nicht mehr durchdrehen und das Auto von der Straße kann.Das Einzige, was wir für geeignet gefunden haben, waren Matten, die immer in der Kapelle beim Taizé-Gebet genutzt werden. Also habe ich vor jedes Rad eine der Meditationsmatten gelegt, die Räder konnten darauf fahren und vorsichtig konnte das Auto von der Straße zur Seite gelenkt werden. Puh. Und natürlich kam in mir an dem Nachmittag ein sehr bewegender Gedanke: die Meditationsmatten mit den Hockern werden genutzt, um beim Taizé-Gebet in unserer Kapelle zu sitzen oder zu knien, vor Gott zu verweilen, zu beten, zu singen, zu hören und Gottes Wort zu bedenken.Gegen die immer schneller durchdrehenden Räder in den Krisen unserer Zeit scheint es mir immer wichtiger zu werden, diese Matten unter die Räder des Denkens und Glaubens zu legen, damit wir wieder Grip bekommen und in Ruhe und Geduld die Dinge anschauen können, um dann Entscheidungen zu treffen, die nicht aus gehetztem, durchdrehendem Modus kommen.Matten aus Stille, Gebet, hörendem Herzen, Studium des Wortes Gottes, Gesängen und Bitten. "Nur in Umkehr und Ruhe liegt eure Rettung, nur Stille und Vertrauen verleihen euch Kraft", lesen wir beim Propheten Jesaja. Dieses Wort ist einige tausend Jahre alt, aber weiterhin hochaktuell – wie die Matten unter unseren durchdrehenden Autoreifen.
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Es gab einen unglaublichen Trend im Ägypten des dritten und vierten Jahrhunderts. Junge und auch gestandene Männer gingen in die Wüste. Nein, nicht um an der Rallye Paris – Dakar teilzunehmen oder um Selbsterfahrungskurse für Männer zu belegen. Sie konnten, wenn sie in die Wüste flüchteten, Steuern sparen und der Einberufung zum Militärdienst beim jeweiligen Kaiser entgehen. Also zogen Scharen von Menschen in die ägyptischen Wüsten und versuchten dann tatsächlich, auch irgendwie asketisch und fromm zu leben, um zu zeigen, dass es nicht um Flucht vor, sondern Hingabe an, ging. Und viele hatten von einem Mann gehört, der das schon viele Jahre getan hatte. Antonius, der Vater des Mönchtums. Der hatte zunächst ein reiches Erbe gemacht und sich dann, nach dem Tod der Eltern, um die Verwaltung der Güter und die Erziehung seiner Schwester gekümmert. Aber dann hat er Ausschnitte aus dem Matthäusevangelium gehört wo es heißt: "Wenn Du vollkommen sein willst, dann verkaufe alles, was Du hast, und gib es den Armen. Und:  Sorget euch nicht um den morgigen Tag, denn der morgige Tag wird für sich selber sorgen." Das hat sein Leben komplett auf den Kopf, oder vielleicht eher auf die Füße gestellt. Er hat ernst gemacht, alles verkauft, was er besaß und den Erlös den Armen gegeben, seine Schwester hat er frommen Frauen anvertraut und ist dann in die Wüste gezogen um vor Gott und für die Menschen zu leben. In seine Einsiedelei besuchten ihn immer mehr Menschen und wollten Heilung oder Linderung, Rat oder Hilfe in schwierigen Lebenssituationen oder wollten bei ihm lernen, wie auch sie als Geistliche und Asketen leben konnten. Sie haben gespürt, dass dieser Mann ernst gemacht hat mir dem, was ihn einmal gepackt hatte: die Anfrage Gottes an ihn und seine radikale Antwort. Und er wurde kein weltfremder Asket und komischer Heiliger, sondern einer, der die Fragen und Themen der Menschen, der Politik und der Länder kannte und eine sehr energisch eigene Meinung dazu hatte. In allen christlichen Religionen wird er heute gefeiert und dient immer noch vielen Menschen als Vorbild: nicht als Steuerflüchtlinge oder Militärdienst-verweigerer, sondern als ein Mensch, der mit seinem Glauben an Gott ernst macht und ihm allein dienen will. 
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Ein Blick nach draußen und alles ist anders – es hat geschneit, die Welt ist wunderbar weiß und hell, alles Graue und Abgestorbene ist freundlich zugedeckt. Ich freue mich.Ein Blick vor die Haustür, mit Schneeschieber und Besen bewaffnet und alles ist anders -  ich sehe, dass ein freundlicher Mensch schon mal eine breite Spur geschoben hat und ich das Weitere auf die Zeit nach Gebet und Frühstück verschieben kann.Ein Augenblick beim Besuch einer kranken Mitschwester und alles ist anders - ich sehe, dass es ihr viel besser geht und sie die Schmerzen und Beschwernisse nach einem Sturz vor Wochen gut überwunden hat.Ein Augenblick beim Gespräch mit einem Mitmenschen und alles ist anders – es offenbart ihre Not und wir können nach kurzer Absprache sofort und unkompliziert helfen.In einer Predigt am Wochenende habe ich ein erstaunliches Wort gehört: "Das Sakrament des Augenblicks“. Und seitdem beschäftigt es mich. Mit Kopf und Verstand wissen wir, dass wir die Vergangenheit nicht ändern und die Zukunft nur begrenzt planen können. Was wir tun können ist das JETZT leben, den jetzigen Augenblick und uns von ihm ansprechen, angehen, anfeuern lassen.Im Brief an die Thessalonicher heißt es für heute:"Schwestern und Brüder, ihr lebt nicht im Finstern, sodass euch der Tag nicht wie ein Dieb überraschen kann. Ihr alle seid Kinder des Lichts und des Tages. Wir gehören nicht der Nacht und nicht der Finsternis." Als Kinder des Lichtes nutzen wir das Licht des Tages, das Licht des Glaubens, das Licht der Nächstenliebe und jeden Augenblick, der uns zum Sakrament – zum Berührungspunkt mit Gott werden lässt.  
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Haben Sie zuhause schon entweihnachtet? So nennen wir das immer scherzhaft, wenn all die Deko, die Krippen, die Fenstersterne, die Weihnachtsdecken und der Baum weggeräumt werden und alles Zubehör wieder in die Kisten und Schränke verstaut wird. Den Baum zu entsorgen bestimmen die Jugendlichen, die immer an einem Samstag kommen und ihn abholen, für das Osterfeuer im Frühjahr. Wir haben also noch alles da, weil dieser wunderbare Sinn von Weihnachten, dass das Licht in die Welt gekommen ist, ja gerade in unserer dunklen Jahreszeit noch immer besonders deutlich wahrgenommen wird. Wir genießen die warme Beleuchtung der Sträuße und Bäume und haben noch gar keine Lust, alles weg zu packen. Und wir hoffen sehr, dass wir noch lange nicht Ent-weihnachten – diesmal im sehr übertragenen Sinn. Dieses wunderbare Fest tut unserem Herzen und unseren aufgescheuchten Seelen gut und gibt die Gewissheit, dass dieser Gott nicht hoch da oben in seinem Himmel geblieben ist, sondern heruntergekommen ist. Herunter in unser oft so mühsames Dasein, in unsere schwierigen Beziehungen, in unsere innere und äußere Armut. Der heruntergekommene Gott teilt unser Leben und alles, was darin ist und hilft uns, ihn in uns selbst und in allen Dingen und Menschen zu finden. Das ist, was unter Menschwerdung gemeint ist. Gott ist Mensch geworden, damit auch wir immer mehr Mensch werden, mit all seinen vitalen und wunderbaren Seiten, aber auch mit all seinen Problemen und Leiden. "Mach's wie Gott, werde Mensch“ ist eine populäre Floskel geworden, aber da ist etwas dran. Vom Moment der Zeugung bis zum Tod sind wir Menschen von Gott dazu auserwählt, immer mehr Mensch zu werden, uns zu entwickeln, uns zu bilden, unser Leben weiter zu schenken so wie ER uns gedacht hat. Entweihnachten wir also nicht, sondern werden wir weiterhin Mensch – wie Gott. 
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Bei meiner vergnüglichen Reise durch die Bilderbücher von Leo Lionni ist mein Letztes für Sie heute die Geschichte vom Buchstabenbaum. Auf jedem Blatt saßen vergnügt die einzelnen Buchstaben und wiegten sich im Wind. Erst ein Sturm wirbelt sie alle durcheinander und viele werden weggepustet. Ängstlich klettern die restlich Verbliebenen weiter nach unten und wissen nicht was sie tun sollen. Der Wortkäfer kommt und bringt ihnen bei, wie sie Wörter bilden können und sich damit fest zusammenschließen. Aber erst die große Raupe fordert sie auf, aus den einzelnen Wörtern Sätze zu bilden, die etwas Wichtiges zu sagen haben. Aufgeregt beschließen sie den wichtigen Satz: "Auf Erden Frieden den Menschen" zu bilden und die Raupe trägt diesen Satz überall dorthin, wo die Menschen diesen Satz dringend brauchen. "Auf Erden Frieden den Menschen" Und jeder denkt sofort: warte mal, den Satz kenne ich doch. Ja genau. Es ist der zweite Teil der Botschaft der Engel an die Hirten auf den Feldern um Bethlehem der heißt: "Ehre sei Gott in der Höhe – und Friede den Menschen auf Erden" Und wenn wir in unsere aktuelle Welt schauen, mit den vielen Kriegen und kriegerischen Auseinandersetzungen, könnte genau das die Frage sein, die uns umtreiben sollte. Vielleicht geht Frieden nicht, wenn wir ihn nur allen Menschen wünschen und gönnen und auftragen und dafür kämpfen. Vielleicht geht Frieden nur, wenn Gott die Ehre gegeben wird. Gott die Ehre geben bedeutet zu achten und zu ehren, was er geschaffen hat: die Menschen und die Schöpfung. Wenn ich Gott ehre, habe ich Achtung vor der Würde jedes Menschen und seines Lebens. Dann würden Kriege unmöglich. Aber weil Putin weder die Menschen in der Ukraine noch die eigenen Soldaten achtet, kann er tun, was er tut. Und die Hamas und die Ayatollas, auch wenn sie so tun, als handelten sie in göttlichem Auftrag, und so weiter. Geben wir Gott die Ehre und erhoffen wir, dass die Botschaft der Engel, "und Friede den Menschen auf Erden" in diesem Jahr eine reale Bedeutung bekommt. 
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