Morgenimpuls Archiv
1710 Episoden
3 Minuten
Gegenüber von unserem Küchenfenster stehen im Gärtchen zwei uralte Birnbäume. Sie stehen da krumm und schief und immer wieder haben wir Angst, dass sie eines Tages vor Altersschwäche umkippen werden. Aber jetzt, im Frühjahr, haben sie schon unendlich viele Blütenknospen und man sieht schon, dass sie in ein oder zwei Wochen in voller Pracht blühen werden. Das hat schon manches blütentrunkene wunderschöne Foto ergeben. Und wie es aussieht, wird es genau an Ostern so aussehen. Und spätestens bei diesem Gedanken fällt mir einer der Hymnen aus dem Stundengebet der Kirche ein. Da heißt es in den Laudes:"Du Sonne der Gerechtigkeit, Christus, vertreib in uns die Nacht, dass mit dem Licht des neuen Tags auch unser Herz sich neu erhellt.Du schenkst uns diese Gnadenzeit, gib auch ein reuevolles Herz und führe auf den Weg zurück, die deine Langmut irren sah."Und dann meine Lieblingsstrophe:"Es kommt der Tag, dein Tag erscheint, da alles neu in Blüte steht; der Tag, der unsre Freude ist, der Tag, der uns mit dir versöhnt.Dir, höchster Gott, Dreifaltigkeit, lobsinge alles, was da lebt. Lass uns durch deine Gnade neu, dich preisen durch ein neues Lied." Christus schenkt uns diese Gnadenzeit vor Ostern und kann unsere Nächte hell machen. Unsere Arbeit daran ist es, diese Zeit zu nutzen und auf den Weg zu und mit Gott zurückzukehren. Und dann kommt diese schöne Strophe mit dem Blühen und da heißt es am Ende: "Der Tag, der unsre Freude ist, der Tag der uns mit Dir versöhnt."Das Blühen und Grünen in den Ostertagen wird ein Symbol dafür sein, dass Christus uns durch sein Leiden, Sterben und Auferstehen mit Gott versöhnt hat.
4 Minuten
In der Fastenzeit gibt es viele Angebote in den Pfarreien und Pastoralverbünden, um Themen und Fragen des Glaubens zu hören, zu besprechen, zu bedenken, ins Gebet zu nehmen. In einer Gemeinde geht es darum, Gott Raum zu geben und es werden die einzelnen Bereiche in der wundervoll restaurierten Kirche angeschaut und bedacht. Da geht es um das Taufbecken und die Bedeutung der Taufe, um die Bilder und Statuen von Heiligen und die eigene Heiligkeit, dem Raum der Kirche als heiligem Boden und der Frage nach dem, was mir heilig ist. Und gestern Abend ging es um die Frage, wie denn der Glaube zu uns und dann sehr direkt, wie er zu mir kam und dem Ambo, als dem Ort der Verkündigung des Wortes Gottes. Zum Beginn des Abends war das Lied vom "Suchen und Fragen" aus dem Gotteslob der Startimpuls. Ich lese Ihnen die Strophen gern vor. 1. Suchen und fragen, hoffen und sehn, miteinander glauben und sich verstehn, lachen, sich öffnen, tanzen befrein: So spricht Gott sein Ja, so stirbt unser Nein.2. Klagende hören, Trauernde sehn, aneinander glauben und sich verstehn, auf unsere Armut lässt Gott sich ein: So spricht Gott sein Ja, so stirbt unser Nein.3. Planen und bauen, Neuland begehn, füreinander glauben und sich verstehn, leben für viele, Brot sein und Wein: So spricht Gott sein Ja, so stirbt unser Nein.Unter all dem, was da angesprochen wird an Glaube, Hoffnung, Liebe, Barmherzigkeit und Zukunft, kommt immer die Zusage: So spricht Gott sein Ja, so stirbt unser Nein. Nach einem spannenden Abend mit den Fragen nach dem, wie ich selbst das Glauben und Leben als Christ gelernt habe und der Aufforderung, doch mal ganz konkret zu verkünden, was jede und jeder in der Glaubensweitergabe für wichtig hält, kam dieses Lied am Ende des Abends noch einmal. Und es klingt diesmal, nach allem miteinander besprechen und bedenken, ganz neu und die Zusage: so spricht Gott sein Ja, so stirbt unser Nein, wirkt auf die Teilnehmenden sehr erleichternd und nimmt den Druck von der Seele. Das miteinander, aneinander und füreinander glauben wird sehr real. Und wenn ich gerade nicht so glauben kann, kann ein anderer für mich und mit mir den Glauben teilen und mit Vertrauen an diesen Gott denken, der sich auf unsere Armut einlässt und trotzdem sein Ja spricht.
3 Minuten
Nein, es ist nicht an der Zeit, dass die Verantwortlichen in der Ukraine die weiße Fahne hissen. Das wird weltweit als Symbol der Kapitulation erkannt. Und wenn die Ukraine kapitulieren würde, dann stirbt dieses Volk, seine Sprache, seine Kultur, sein Glaube. Alles. Nein Papst Franziskus, nein wirklich nicht. Da bist Du im Unrecht. Auch wenn es Dir das eigentliche Anliegen ist, dass das Töten und Zerstören aufhört. Jeder weiß, dass Verhandlungen und ein Waffenstillstand nur bedeuten würde, dass der Aggressor Russland die besetzten Gebiete drangsalieren und zerstören, seine eigenen Waffenarsenale auffüllen und die Armee verstärken wird, um die nächste Welle irgendwann später zu starten.Entschuldigen Sie bitte, dass ich am frühen Morgen mit meinem Ärger in Ihre Ohren komme. Aber so geht es schon einmal. Nicht alles, was von Kirchenoberen kommt, ist immer richtig und treffend und zielführend. Und selbst wenn man die gute Absicht unterstellt, ist es nicht immer gut. Aber wenn unsereiner schon einmal Unfug erzählt, im Eifer des Gefechts unpassende Worte verwendet, ist es auch nicht richtig und auch schädlich und auch falsch und kann viel Schaden anrichten. Wenn man Glück hat, kann es eine Debatte auslösen, ein Gespräch ergeben, in einem Chat geklärt werden. Aber wenn alles in wütenden Reaktionen steckenbleibt, wenn man sich voneinander entfernt, nicht mehr redet, dann ist etwas anderes dran – um Verzeihung und Vergebung bitten. Umkehren von den eigenen Erkenntnissen, wenn sie sich als falsch erweisen, neu beginnen, neu denken, neu sprechen, neu beten, neu bitten. Es hört nie auf.Von Konrad Adenauer gibt es ein berühmtes Zitat. Er sagte: "Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?" – Okay, denke ich, das klingt ganz schön hochmütig. Aber eigentlich wird bei diesem Zitat meist der zweite Halbsatz vergessen. Er sagte nämlich: "Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern? Nichts hindert mich, heute weiser zu werden." Also bitte weiser werden, Papst Franziskus, ich und Sie. Bitte.
3 Minuten
Nein es ist echt kein Scherz: diese Lesung, die Sie gleich hören werden aus dem Buch Exodus im Alten Testament, in der es heißt: "Gott sagt: ihr habt gesehen, wie ich euch auf Adlerflügeln getragen und hierher zu mir gebracht habe" Und wenn wir bedenken, dass die Worte Gottes nicht nur damals, vor vielen tausend Jahren, sondern auch heute an die gerichtet sind, die auf ihn hören, dann werde ich hellhörig.Viele Menschen haben ein ziemlich anstrengendes und mühsames Leben und plagen sich jeden Tag sehr, um sich und ihre Familien über die Runden zu bringen. Auf Adlerflügeln getragen fühlen sie sich garantiert nicht.Viele Menschen kümmern sich um die Vielen, die in Not sind: um Flüchtlinge und Asylbewerber, um Strafgefangene und Nichtsesshafte, um alle, die durch unser soziales Netz gefallen sind. Und sie wissen oft nicht, wie sie mit der vielen Not klarkommen sollen.Auf Adlerflügeln getragen fühlen sie sich garantiert nicht.Viele Menschen pflegen ihre kleinen Kinder, ihre chronisch Kranken, Körperlich und geistig behinderten und alten Familienmitglieder zuhause mit viel Liebe und Einsatz, der sie aber oft bis an die Grenzen ihrer körperlichen und seelischen Kraft bringt.Auf Adlerflügeln getragen fühlen sie sich garantiert nicht.Viele Menschen engagieren sich in ihrer Kirche und müssen immer wieder damit klarkommen, dass alle Sünden und Fehler Einzelner immer allen angelastet werden. Und auch damit, dass sie als Frauen, als Laien, als Nichtgeweihte wenig Chancen haben, etwas in dieser ihrer Kirche zu verändern. Auf Adlerflügeln getragen fühlen sie sich garantiert nicht.Und doch, und trotzdem, und gerade deshalb gibt es diese Zusage Gottes an Sein Volk: "Ich habe Euch auf Adlerflügeln hierher zu mir getragen. Ihr werdet unter allen Völkern mein besonderes Eigentum sein." Es kann ein Trost, eine Hilfe, eine Motivation sein, wenn ich weiß: in all meiner Mühe und Sorge, in all dem, was mir mein Leben nicht gerade einfach macht, bin ich bei ihm, in Gottes Nähe, lebe ich vor seinen Augen und gehöre zu seinem einzigartigen Volk, das er selbst sich erwählt hat.
3 Minuten
Ich liebe es, beim Wintersport im Fernsehen zuzuschauen. Meine liebste Disziplin ist Biathlon. Dieser Wechsel aus Langlauf und Schießen, wobei die Treffer oder Nieten sich aufs Laufgeschehen auswirken: Es ist immer so spannend. Bei den letzten Rennen bei der Weltmeisterschaft und danach gab es einige interessante Reaktionen zu beobachten. Ein Biathlet hatte fünf Nieten geschossen und hatte keine Lust mehr weiter zu laufen. Er wurde aber von seinem Team gedrängt, das Rennen zu Ende zu laufen. Ein anderer hat nach vielen Fehlschüssen aufgegeben und hat die Strecke wirklich verlassen. Und wieder eine andere hatte ebenso viele Fehlschüsse, ist im Rennen aber so über sich hinausgewachsen, dass sie noch in den Top 15 gelandet ist, was niemand für möglich gehalten hat. Ich finde das ein ziemlich gutes Beispiel für unser Umgehen mit der Fastenzeit. Wir sind jetzt fast auf der Hälfte der Zeit und am Sonntag ist der Sonntag Laetare – Freue Dich. Wie war Ihr Rennen bisher? Haben alle Vorsätze bisher ins Schwarze getroffen oder haben Sie Extrarunden gedreht? Haben Sie an den Tagen, wo sie gegen Ihre eigenen Vorsätze schmählich verloren haben, alles hingeworfen und die Strecke verlassen? Oder sind Sie immer wieder aufgestanden und haben immer wieder neu angefangen? "Nicht das Beginnen wird belohnt, sondern einzig und allein das Durchhalten" – ein Wort von Katharina von Siena ist nicht die schlechteste Beschreibung unseres Weges durch die Österliche Bußzeit.Aber es muss mir auch immer wieder klar sein, wofür ich diese Zeit vor Ostern nutze. Es geht um eine Umkehr: weg vom Kreisen um sich selbst und wieder Hinkehren zu Gott, zu seinem Evangelium, zum Leben als Christen für die Mitmenschen und gegen Vernichtung der Schöpfung. Und selbst wenn ich in der Zeit viele Nieten geschossen haben sollte, ist uns an Ostern der Jubel aller im Ziel garantiert.
3 Minuten
Ein weiteres, von den Menschen gewünschte Werk der Barmherzigkeit für Thüringen erwirkt die wunderbare Zusage. Ich gehe ein Stück mit Dir. Vielen ist mit einem guten Rat allein nicht geholfen. Es bedarf in der komplizierten Welt von heute oft einer Anfangshilfe, gleichsam eines Mitgehens der ersten Schritte, bis der andere Mut und Kraft hat allein weiterzugehen. Das Signal dieses Werkes der Barmherzigkeit lautet: "Du schaffst das! Komm, ich helfe dir beim Anfangen!" Aber es geht hier nicht nur um soziale Hilfestellung. Es geht auch um Menschen, bei denen vielleicht der Wunsch da ist, Gott zu suchen. Sie brauchen Menschen, die ihnen Rede und Antwort stehen und die ein Stück des möglichen Glaubensweges mit ihnen mitgehen.Ich teile mit Dir, ist ebenso Not wendend. Es wird auch in Zukunft keine vollkommene Gerechtigkeit auf Erden geben. Es braucht Hilfe für jene, die sich selbst nicht helfen können. Das Teilen von Geld und Gaben, von Möglichkeiten und Chancen wird in einer Welt noch so perfekter Fürsorge notwendig bleiben. Ebenso gewinnt die alte Spruchweisheit gerade angesichts wachsender gesellschaftlicher Anonymität neues Gewicht: "Geteiltes Leid ist halbes Leid, geteilte Freude ist doppelte Freude!"Ich besuche Dich Meine Erfahrung ist: Den anderen in seinem Zuhause aufsuchen ist besser, als darauf warten, dass er zu mir kommt. Der Besuch schafft Gemeinschaft. Er holt den anderen dort ab, wo er sich sicher und stark fühlt. Aber auch der Besuch im Krankenhaus und im Altenheim ist ein unschätzbarer Dienst, der lebendig macht.Ich bete für Dich. 42 Prozent der Deutschen glauben laut einer Umfrage an die Kraft des Gebets. Wer für andere betet, schaut auf sie mit anderen Augen. Er begegnet ihnen anders. Auch Nichtchristen sind dankbar, wenn für sie gebetet wird. Ein Ort in der Stadt, im Dorf, wo regelmäßig und stellvertretend alle Bewohner in das fürbittende Gebet eingeschlossen werden, die Lebenden und die Toten – das ist ein Segen. Sag es als Mutter, als Vater deinem Kind: Ich bete für dich! Tun wir es füreinander, gerade dort, wo es Spannungen gibt, wo Beziehungen brüchig werden, wo Worte nichts mehr ausrichten. Gottes Barmherzigkeit ist größer als unsere Ratlosigkeit und Trauer.
3 Minuten
Das eine sind die leiblichen Werke der Barmherzigkeit, die wir am Montag bedacht haben und das nächste die geistigen Werke, die gestern unser Thema waren. Im Jahr 2006/7, als der 800. Geburtstag der heiligen Elisabeth von Thüringen gefeiert wurde, hat das Bistum Erfurt eine öffentliche Umfrage gestartet mit der Frage, was die Menschen dort denn heute besonders brauchen und suchen würden. Was für sie selbst heute besonders notwendig ist. Und diese Umfrage, an der sich viele tausend Menschen beteiligt haben, ergab am Ende die "sieben Werke der Barmherzigkeit für Thüringen heute". Sie lauten: Du gehörst dazu – Ich höre Dir zu – Ich rede gut über Dich – Ich gehe ein Stück mit Dir – Ich teile mit Dir – Ich besuche Dich – Ich bete für Dich.Das erste und somit am meisten genannte Werk ist die Zusage: Du gehörst dazu!Was unsere Gesellschaft oft kalt und unbarmherzig macht, ist die Tatsache, dass in ihr Menschen an den Rand gedrückt werden: die Arbeitslosen, die Ungeborenen, die psychisch Kranken, die Ausländer usw. Das Signal, auf welche Weise auch immer ausgesendet: "Du bist kein Außenseiter!" – "Du gehörst zu uns!" – z. B. auch zu unserer Pfarrgemeinde – das ist ein sehr aktuelles Werk der Barmherzigkeit.Eine oft gehörte und geäußerte Bitte lautet: "Hast Du mal ein bisschen Zeit für mich?"; "Ich bin so allein!"; "Niemand hört mir zu!" – Die Hektik des modernen Lebens, die Ökonomisierung von Pflege und Sozialleistungen zwingt zu möglichst schnellem und effektivem Handeln. Es fehlt oft – gegen den Willen der Hilfeleistenden – die Zeit, einem anderen einfach einmal zuzuhören. Zeit haben, zuhören können – ein Werk der Barmherzigkeit, paradoxerweise gerade im Zeitalter technisch perfekter, hochmoderner Kommunikation so dringlich wie nie zuvor! Also mein Auftrag heute: Ich höre dir zu.Und ein Drittes: Jeder von uns hat das schon selbst erfahren: In einem Gespräch, einer Sitzung, einer Besprechung – da gibt es Leute, die zunächst einmal das Gute und Positive am anderen, an einem Sachverhalt, an einer Herausforderung sehen. Natürlich: Man muss auch manchmal den Finger auf Wunden legen, Kritik üben und Widerstand anmelden. Was heute oft fehlt, ist die Hochschätzung des Anderen, ein grundsätzliches Wohlwollen für ihn und seine Anliegen und die Achtung seiner Person. Respektvolles Umgehen miteinander beginnt heute also für mich mit der Zusage an einen Mitmenschen: Ich rede gut über Dich.
3 Minuten
Neben den leiblichen Werken der Barmherzigkeit, die wir gestern angeschaut haben, gibt es auch die geistigen Werke der Barmherzigkeit, die vielen von uns nicht so geläufig sind.Das sind: Unwissende lehren, Zweifelnde beraten, Trauernde trösten, Sünder zurechtweise, Beleidigern gern verzeihen, Lästige geduldig ertragen, für Lebende und Verstorbene beten.Bei jedem Einzelnen dieser Werke spüre ich relativ schnell, wie ich an meine Grenzen gerate. Unwissende lehren scheint mir Aufgabe der Lehr- und Erziehungsberufe zu sein, aber das allein ist es ja nicht. Auch in vielen Glaubensfragen herrscht eine große Unwissenheit und wir wagen kaum, unseren Auftrag der Verkündigung wahr zu nehmen. Beleidigern gern verzeihen klingt wirklich schwierig, weil man schon spürt, wenn ich beleidigt werde, wie schwer mich das trifft und wie mühsam es ist, die Kurve zu bekommen um auch ihn mit den liebenden Augen Gottes anzuschauen. Lästige geduldig ertragen scheint mir eine sehr heroische Aufgabe zu sein. Jeder von ihnen kennt lästige Menschen in Familie und Umfeld, die ertragen werden müssen und es eine wirkliche Aufgabe ist, es zu tun ohne denjenigen spüren zu lassen, dass er mir lästig ist. Trauernde trösten fällt vielen Menschen immer schwerer, weil sie kaum noch geübt sind im Aushalten und Mitgehen mit den Schritten Trauernder. Alle Werke der Barmherzigkeit haben gesellschaftliche, politische und öffentliche Dimensionen, jedoch wird in den geistigen Werken das darüber hinaus gehende seelische und geistige Heil angesprochen, das oftmals nötiger als eine materielle Unterstützung ist. Eine rein materielle Barmherzigkeit allein wird der mitmenschlichen Erwartung nicht gerecht, ebenso wenig wie eine Gerechtigkeit, die ohne Barmherzigkeit auszukommen meint. Die geistigen Werke verweisen auch auf die Herausforderungen, denen sich ein "barmherziges" Leben ausgesetzt sieht. Die Menschlichkeit, die in den Werken der Barmherzigkeit beschrieben wird, geht über unsere menschlichen Kräfte hinaus. Ohne die Barmherzigkeit Gottes gerät unsere menschliche Barmherzigkeit schnell an Grenzen.
3 Minuten
Die österliche Bußzeit ist immer wieder die besondere Zeit, um auf Grundlagen unseres Handelns als Christen zu schauen. Barmherzigkeit als das etwas aus der Mode gekommene Wort, für dieses Handeln wird am deutlichsten im Matthäusevangelium beschrieben:Da heißt es: "Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen. Ich bin nackt gewesen, und ihr habt mir Kleider gegeben. Ich war krank, und ihr habt mich besucht. Ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen."Aus diesem Text haben sich von Anfang des Christentums her, die sieben leiblichen Werke entlehnt: Hungrige speisen, Durstigen zu trinken geben, Fremde beherbergen, Nackte kleiden, Kranke pflegen, Gefangene besuchen, Tote bestatten. Das ist das ganze Hilfs-Spektrum unseres Lebens, wenn wir in Not sind: wer hungert braucht keine frommen Worte und guten Trost, sondern Nahrung, wer durstig ist braucht keine Lebensberatung, sondern genug zu trinken, wer in der Fremde strandet braucht keine Unterrichtsstunden über die Vorzüge des Landes, sondern Unterkunft und Aufnahme, wer nackt ist, braucht keine moralischen Vorträge, sondern passende Kleidung, wer krank ist, braucht erstmal keine Lehrfilme über Gesundheitsberatung, sondern Pflege, Hilfe und Medikamente, wer im Gefängnis sitzt braucht keine erhobenen Zeigefinger, sondern Besuch und Kontakt und Beziehung,und für die Toten braucht es eine würdevolle Begleitung auf dem berühmten letzten Weg, weil er und sie niemals ihre Würde verlieren.Bei den sieben leiblichen Werken der Barmherzigkeit wird ganz leicht ganz deutlich: nicht reden, sondern tun ist dran und erste Hilfe zum Leben und Überleben!
2 Minuten
Vorige Woche hatte ich Besuch. Ronny war hier. Er ist ein Mann mittleren Alters, der in einer Stadt im Hessischen lebt, in einer betreuten Sozialwohnung wohnt, einen Behindertenausweis hat und damit, je nach Lust und Laune quer durchs Land fährt. Irgendwann hatte er etwas über Olpe gelesen und machte sich auf den Weg dieses Städtchen kennen zu lernen. Und so landet er auch irgendwann bei uns und fragt nach Kaffee und Brot, aber eigentlich nach einem gemütlichen halben Stündchen Plauderei. Es ist für mich manchmal eine Herausforderung im wahren Sinn des Wortes: herausgerufen werden, meine Arbeit liegen lassen, Kaffee kochen, Brote machen und plaudern mit jemandem, dessen geistiger Horizont sehr eingeschränkt ist, der aber etwas sehr Liebevolles und Freundliches ausstrahlt. Und dann legt er mir eine Tafel Schokolade hin und sagt: Ich habe Ihnen etwas mitgebracht. Sie ist zwar billig, aber sie ist von Herzen. Und ich sitze da mit offenem Mund und staune ihn an und freue mich von Herzen.Und dann hat er mir eine Geschichte erzählt, die mich beeindruckt hat: ein anderer Mann lebte in seiner Nähe auch in einer betreuten Sozialwohnung. Als er aber krank wird und das Alleinsein nicht mehr aushält, zieht er einfach zu Ronny. Als das Amt es gemerkt hat, so sagt Ronny, haben sie ihm kein Geld mehr gegeben und die Wohnung jemand anderem vermietet. Und bleibt bei ihm, bis er stirbt. "Wovon habt ihr gelebt?", habe ich ihn erstaunt gefragt. "Von meiner Rente, ich habe alles mit ihm geteilt", erzählt er lächelnd.Und ich habe ein bisschen Gänsehaut und bin sehr dankbar für Ronnies Lektion.
3 Minuten
Wir Menschen wünschen es exakt. Schon die alten Römer haben sich gemüht, den exakten Kalender zu erstellen. Irgendwann hat man gemerkt, dass es nicht ganz hinkommt mit dem Sonnenjahr. Da hätten wir jedes Jahr sechs Stunden Zeitabweichung und nach und nach würde sich alles verschieben. Die Jahreszeiten, die Monatsdaten, die Zählweise. Und so wurde, nach mehreren Kalenderreformen das Schaltjahr eingeführt. Alle vier Jahre hat der Februar einen Tag mehr.Heute ist dieser Tag. Und was machen Sie damit? Schade, nichts anderes als alle anderen Werktage. Ein Donnerstag wie jeder andere. Ein Schalttag ist also dafür da, dass der Kalender stimmt, dass die Abläufe und Jahreszeiten in ihren Bahnen laufen. Diesen Tag können wir doch tatsächlich einmal nutzen, wie es Bernhard von Clairvaux an seinen früheren Mönch Papst Eugen III. schreibt. In einem klugen Brief versucht er ihm darzulegen, dass alle diese unglaublich vielen Dinge, die er zu tun hat, nicht klug sind, wenn ihm nicht die Besinnung und das im Einklang leben mit sich selbst vorausgeht.Er schreibt dann: "Es ist viel klüger, du entziehst dich von Zeit zu Zeit deinen Beschäftigungen, als dass sie dich ziehen und dich nach und nach an einen Punkt führen, an dem du nicht landen willst. Wenn du dein ganzes Leben und Erleben völlig ins Tätigsein verlegst und keinen Raum mehr für Besinnung vorsiehst, soll ich dich da loben? Damit deine Menschlichkeit allumfassend und vollkommen sein kann, musst du also nicht nur für alle anderen, sondern auch für dich selbst ein aufmerksames Herz haben. Denn was würde es dir nützen, wenn du – nach dem Wort des Herrn (Mt16,26) – alle gewinnen, aber als einzigen dich selbst verlieren würdest?" und dann noch ein sehr entscheidender Tipp von ihm: "Wer mit sich selbst schlecht umgeht, wem kann der gut sein? Denk also daran: Gönne dich dir selbst. Ich sag nicht: Tu das immer, ich sage nicht: Tu das oft, aber ich sage: Tu es immer wieder einmal. Sei wie für alle anderen auch für dich selbst da."Und ich denke, da kann dieser 29. Februar, dieser Schalttag, ein Tag sein, den Schalter einmal zwischendurch umzulegen und Dich Dir selbst zu gönnen. Trauen Sie sich.
3 Minuten
Wir haben in unserem kleinen Garten auf der Stadtmauer ein paar uralte Birnbäume, die schief und schräg stehen. Und da ist es ganz einfach, verschiedene Vogelfutterstationen aufzuhängen und nachzufüllen. Wir machen das seit einigen Jahren, weil immer wieder dazu aufgerufen worden war, die Vögel, die in unseren Breiten immer mehr gefährdet sind, zu füttern und im Sommer auch Wasserschalen hin zu stellen. Und diese Futterstation ist echt ein Segen. Zum einen für die vielfältigen Vögel, die hier verlässlich Futter bekommen. Und für uns, die wir manchmal am Küchenfenster stehen bleiben und dem Treiben vergnügt zuschauen. Da kommen Meisen verschiedener Sorten, Kleiber und Rotkehlchen. Und dann haben wir in der Nachbarschaft eine Dohlenkolonie. Die haben leider wenig Vergnügen, weil die Landeplätze und Futterzugänge extra so sind, dass nur kleine Vögel drankommen, landen können und in Ruhe futtern. Aber, auch kleine Vögel sind wählerisch. Wenn zu viele Haferflocken im Futter sind, schmeißen sie die raus und suchen nach den kleinen Körnern und den Sonnenblumenkernen.Die Dohlen sitzen in der Nähe auf der Mauer, mustern das muntere Treiben von manchmal mehr als 10 Vögelchen gleichzeitig und haben Zeit. Wenn die Kleinen satt sind, dann kommen sie. Sie haben genau gesehen, dass die kleinen die Haferflocken rausgeworfen haben und brauchen jetzt also nur noch über den Rasen spazieren und unterhalb der Futterstation aufpicken, was sie sehr gründlich tun. Manchmal kommen auch die Tauben vom Kirchdach nebenan. Aber die haben keine Chance und werden laut krächzend vertrieben.Dieser Tage ist mir der Reis, fürs Mittagessen angebrannt, weil ich so gebannt den Vögelchen zugeschaut habe. Wenn Sie ein paar Minuten Entspannung heute brauchen, halten Sie Ausschau nach Vögeln und schauen und hören Sie ihnen zu. Es ist einfach wunderbar!
3 Minuten
Die Kirche sieht völlig anders aus. Sie ist in warmes Licht getaucht. Große orangene Stoffbahnen hängen aus der Decke herab und deuten die Altarinsel nochmal anders. Viele Lichterbecher sind dort auf Steinen verteilt und die Kirchenbeleuchtung ist auf ein Minimum reduziert. Beim Einzug tragen Jugendliche das typische Tafelkreuz von Taize nach vorn und stellen es markant auf. Es gibt eine kurze Begrüßung und dann viel Gesang. Minutenlang die gleiche Melodie mit einprägsamem Text, von einem Projektchor sehr gekonnt und einladend gesungen. Und immer mehr Menschen in der vollen Kirche singen mit. Nach und nach werden alle Lichter aller Mitfeiernden entzündet, weil Christus dein Licht unsere Schatten verklärt. Ein Evangelium in 6 Sprachen gelesen und Fürbitten für die unendlich scheinende Liste der Länder in denen kriegerische Auseinandersetzungen sind und für jedes wird ein Licht auf den Altar gestellt. Stille, Vaterunser, Segen und Ankündigung von Zeit. Und die Einladung, die je eigene Kerze nach vorn zu bringen, mit Anliegen und Sorgen vor Gott zu tragen und weiterhin die wunderschönen Gesänge, die gesammelte Atmosphäre und das Gespür für die Gegenwart des Göttlichen. Das ist es glaube ich, was die Menschen an dieser Form des Gottesdienstes so lieben: alle Sinne werden angesprochen, die ruhigen Gesänge, die jeder sehr schnell mitsingen oder summen kann, keine festgelegten Rituale und ein Gefühl des Geborgenseins in Licht, Raum und Klang. Leib und Seele, Herz und Verstand kommen zur Ruhe und können sich einschwingen, um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen, dass tief in uns schlummert und so selten zutage kommen kann. Das Geheimnis der Gegenwart Gottes in jedem Menschen und im Sakrament des Altares, in Licht und Klang und im Kreuz, durch das uns Tod in Auferstehung errungen worden ist. Ich hätte noch stundenlang bleiben und lauschen und staunen und beten können. Vergewissern wir uns doch öfter dieser wunderbaren Gegenwart Gottes in uns.
3 Minuten
Am 16. Januar ist Heike gestorben. Mit nur 53 Jahren. Heike war keine ganz enge Freundin, aber wir kannten uns schon sehr lange, hatten Zeiten mit intensiverem Kontakt und seit dem Beginn ihrer Erkrankung – vor ungefähr fünf Jahren – haben wir uns auch nie ganz aus den Augen verloren: Hin und wieder mal eine WhatsApp, ab und zu ein Telefonat. Ich wollte ihr zeigen, dass ich sie bei ihrem Kampf gegen den Krebs – mit all den Höhen und Tiefen – nie ganz vergesse und sie so gut es ging auf die Distanz begleite.Am Ende von WhatsApp-Nachrichten oder Telefonaten habe ich fast immer gesagt: Ich bete für dich! Denn ich wusste, Heike ist eine gläubige Frau, die diesen langen Kampf gegen den Krebs ohnehin nur mit ihrem Gottvertrauen und ihrem Glauben schaffen konnte. Als sie kurz nach Weihnachten entschieden hatte in ein Hospiz zu gehen, weil sie wusste, dass die letzte Etappe zu gehen ist, hatte ich sie auch wieder gefragt: Was kann ich für dich tun? Wenn es irgendetwas gibt, was ich für dich tun kann, dann sag Bescheid. Und Heike antwortete diesmal: Bete weiter für mich! Ich kann es im Moment nicht!Mich hat diese Antwort sehr berührt und demütig gemacht, weil niemand von uns weiß, wie wir selber einmal in unseren letzten Lebensstunden mit dem liebevollen Angebot Gottes umgehen werden. Egal, wie wir in guten Lebzeiten zu ihm standen. Ob uns der Zweifel packt oder die Angst ins Nichts zu fallen. Und ob Gott uns dann so weit weg erscheint, dass wir nicht mehr mit ihm sprechen können.Aber Heike und auch ich glauben beide an die Kraft und auch die Wirkung des Gebets. Dass sie mich gebeten hat für sie zu beten – sozusagen stellvertretend – das war eine Bitte aus dem tiefen Glauben heraus, dass Gott uns letztlich hört und dass seine Liebe jedes Dunkel hell machen kann. Die Macht und Kraft des Gebetes zu Gott war auch in Heikes letzten Lebensstunden eine unumstößliche Wahrheit für sie. Hören wir nicht auf füreinander zu beten. Beten wir gerade für die, denen in den dunklen Stunden des Lebens die Stimme versagt.
3 Minuten
Es ging um die Taufe, die Erinnerung an unsere Anfänge als Christen, an diesem Abend in einer kleinen Gemeinde im Sauerland. Die traumhaft schöne Kirche war nach der Renovierung neugeweiht worden und Fotos davon hatten mich neugierig gemacht. Ganz hinten ist die sogenannte Alte Kirche mit dem Taufbecken. Von einer Glaswand getrennt, musste man einige Stufen nach unten steigen, um die alte Kirche zu betreten. Weil dort der Taufstein stand, wollte ich diesen geistlichen Abend mit den Gästen dort erleben. Dort rechtzeitig angekommen war ich sehr angetan von der strengen Schönheit des kleinen Raumes. Aber noch mehr hat mich verblüfft, dass der Taufstein weg war. Ratlos und verwirrt habe ich mich umgeschaut und nach dem Taufstein gesucht. Die Küsterin konnte mir weiterhelfen und meinte, ja der Stein ist diese Woche nach vorne in die große Kirche getragen worden und steht jetzt rechts an der Seite. Daraus hat sich dann ergeben, dass wir in der kleinen Kirche das Nachdenken und Austauschen und sogar das über Bibeltexte reden machen konnten. In einer Prozession durch die Kirche sind wir dann nach vorn zum Taufstein gegangen und haben eine Tauferinnerung gefeiert. Nicht mit allen Wassern gewaschen sein, war das Anliegen, sondern getauft und beeinflusst vom Wirken des Heiligen Geistes. Nicht mit allen Wassern gewaschen sein wollen wir, sondern das gute Klima des Evangeliums finden. Nicht mit allen Wassern gewaschen sein wollen wir, sondern mit dem Wasser der Liebe, des Friedens und der Barmherzigkeit. Und sehr beeindruckt waren einige der Teilnehmenden von der Zusage Gottes, Du bist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter. "Mir sind die Tränen gekommen; sagt eine Teilnehmerin; denn so habe ich das noch nie gehört und gespürt." Die Taufe immer mal wieder zu erinnern und zu verstehen als Liebeserklärung Gottes an seine Kinder ist ein Erstaunen, ein Bewegt und beeindruckt sein mehr als wert. Und wenn Sie am Sonntag zum Gottesdienst gehen und, eigentlich sehr automatisch mit dem Weihwasser ein Kreuzzeichen machen, halten Sie kurz an und bedenken Sie: Ich bin eine geliebte Tochter, ein geliebter Sohn Gottes.