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Suhrkamp espresso (Video-Podcast) Archiv

60 Episoden
17 Minuten
Welche unterschiedlichen Formen der Gewalt gibt es? Wie verhalten sich Menschen in Momenten existenzieller Bedrohung? Wie können wir mit der Möglichkeit umgehen, dass unsere eigene Kultur zusammenbrechen könnte? Und warum gelingt es dennoch, inmitten großer Bedrohung nicht die Hoffnung zu verlieren?

Auf Grundlage der Anthropologie und Geschichte der Crow, einem indigenen Volksstamm Nordamerikas, und mittels Philosophie und psychoanalytischer Theorie erforscht Jonathan Lear ihre Geschichte im Angesicht der kulturellen Zerstörung. Sein Buch Radikale Hoffnung ist eine philosophische Studie über eine eigentümliche Verletzlichkeit, die den Kern der conditio humana betrifft.

Elsa Dorlin bietet in ihrem Buch Selbstverteidigung – Eine Philosophie der Gewalt den Versuch einer Geschichte der Selbstverteidigung. Vom Sklavenwiderstand bis zum Jiu-Jitsu der Suffragetten, vom Aufstand im Warschauer Ghetto bis zu den Black Panthers und den Queer-Patrouillen zeichnet Dorlin in ihrem Buch eine Genealogie der politischen Selbstverteidigung nach, verbunden mit einer kritischen Reflexion über legitime und illegitime Formen der Gewalt. Polina Barskova, 1976 in Leningrad geboren, debütierte bereits als Achtjährige und galt als literarisches Wunderkind. Lebende Bilder umfasst zehn längere und kürzere Prosastücke und als zentralen Text die titelgebende Geschichte: eine Dokumentation aus Stimmen, die im eisigen Blockadewinter 1941/42 in einem dunklen Saal der Leningrader Ermitage spielt. Barskova schreibt über Menschen, die selbst in der größten Not, in Zeiten des größten Zerfalls noch in der Lage waren, Mut zu beweisen und der Gewalt zu trotzen. In Theorien der Gewalt, das 2017 im Junius Verlag erschien, stellen Teresa Koloma Beck und Klaus Schlichte Sozialtheorien der Gewalt vor, die sich der Frage nach dem Verhältnis von Gewalt und sozialer Ordnung widmen.

Die Bücher der Folge:

Jonathan Lear, Radikale Hoffnung – Ethik im Angesicht kultureller Zerstörung: http://shrk.vg/RadikaleHoffnung-P

Elsa Dorlin, Selbstverteidigung – Eine Philosophie der Gewalt: http://shrk.vg/Selbstverteidigung-P

Polina Barskova, Lebende Bilder: http://shrk.vg/LebendeBilder-P

Theresa Koloma Beck; Klaus Schlichte, Theorien der Gewalt: http://shrk.vg/TheorienDerGewalt-P
18 Minuten
Biographien geben uns Einblicke in das Leben eines Menschen, in seine Geschichte und die, mit der er verwoben ist, sie lassen uns seine Handlungsmotive und sein Werk besser verstehen. Allerdings können biographische Werke völlig unterschiedlich gestaltet sein – in dieser Folge von Suhrkamp espresso stellen wir vier biographische und autobiographische Werke vor und beleuchten die verschiedenen Darstellungsmöglichkeiten innerhalb des Genres.

Richard J. Bernstein, der Hannah Arendt als junger Professor noch selbst kennengelernt hat, bietet in seinem Buch Denkerin der Stunde anhand zentraler Themen einen kompakten Überblick über das Denken der Philosophin und zeigt, warum ihr Werk gerade in der heutigen Zeit relevanter ist denn je. In Die Scham rekonstruiert Annie Ernaux die Erinnerung an ihr prägendstes Erlebnis aus dem Jahr 1952, das zum Wendepunkt ihrer Kindheit wurde: Als Zwölfjährige beobachtet Annie, wie ihr Vater versucht, die Mutter umzubringen. In der Graphic Novel Herzl – Eine europäische Geschichte zeichnen der Autor Camille de Toledo und der Illustrator Alexander Pavlenko die Stationen von Theodor Herzls Leben und Wirken nach. Bilder und Texte verbinden sich zu einer langen Reise von Wien über Budapest und Konstantinopel bis nach Jerusalem und Tel Aviv. Barbara Honigmann beschreibt in ihrem 2019 im Hanser Verlag erschienenen Buch Georg das Leben ihres Vaters und das ihrer jüdisch-kommunistischen Familie sowie damit verbunden auch ein Stück deutsche Vor- und DDR-Nachkriegsgeschichte.

Die Bücher der Folge:

Richard J. Bernstein, Denkerin der Stunde – Über Hannah Arendt: http://shrk.vg/DenkerinDerStunde-P

Annie Ernaux, Die Scham: http://shrk.vg/DieScham-P

Camille de Toledo; Alexander Pavlenko, Herzl – Eine europäische Geschichte: http://shrk.vg/Herzl-P

Barbara Honigmann, Georg: http://shrk.vg/Georg-P
17 Minuten
Die Vereinigten Staaten von Amerika wirken heute weniger vereint denn je – der Ruf als Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist längst passé. Doch auch die Vergangenheit des Landes ist durchzogen vom Ringen um den richtigen Weg, der alle diejenigen vereint, die seine Geschichte mitgestaltet, sich für das Land eingesetzt und auch gelitten haben. Welche Auswirkungen hat die bewegte Geschichte des Landes auf unsere Gegenwart? Und wie stellt sich dies in der Literatur dar?

Die Topeka Schule ist die Geschichte einer amerikanischen Familie um die Jahrtausendwende: Die Geschichte eines Jungen, der in der Spannung zwischen dem Streben nach sozialer Anerkennung und den Zweifeln an alltäglichen Männlichkeitsritualen erwachsen wird; die Geschichte eines Vaters, der seine Ehe verrät; die Geschichte einer Mutter, die sich fragt, wie man einen Sohn in einer Kultur toxischer Männlichkeit großziehen soll.

Maya Angelou, die Ikone der afroamerikanischen Literatur, erzählt in ihrem siebenteiligen Memoir ihre bewegte Lebensgeschichte und gibt einen Einblick in ihr Leben als Schwarze Frau in Amerika. Die ersten beiden Bände Ich weiß, warum der gefangene Vogel singt und Was für immer mir gehört sind bereits auf Deutsch erschienen.

Für sein Buch Und auf einmal diese Stille hat Garrett M. Graff über 500 Interviews, Dokumente, Telefonmitschnitte und Funksprüche ausgewählt und sie zu einer Oral History des wohl einschneidendsten Tags der jüngeren Geschichte zusammengesetzt: Minute für Minute rekonstruiert er die Ereignisse des 11. September 2001 und macht den Tag und macht den Tag somit aus der Sicht jener erfahrbar, die es unmittelbar und vor Ort erlebt haben.

In ihrem Buch Citizen, das 2018 bei Spector Books erschien, erzählt die US-amerikanische Autorin Claudia Rankine von Formen rassistischer Aggression im Alltag und in den Medien.

Alle Bücher der Folge im Überblick:

Ben Lerner, Die Topeka Schule: http://shrk.vg/DieTopekaSchule-P

Maya Angelou, Ich weiß, warum der gefangene Vogel singt: http://shrk.vg/Angelou-Vogel-P

Maya Angelou, Was für immer mir gehört: http://shrk.vg/WasFuerImmerMirGehoert-P

Garett M. Graff, Und auf einmal diese Stille: http://shrk.vg/StilleGraff-P

Claudia Rankine, Citizen: http://shrk.vg/Rankine-Citizen-P
16 Minuten
Was passiert mit uns, wenn wir lesen? Sind wir, was wir gelesen haben? Welche Bedeutung hatte Lesen für die Generationen vor uns und wie hat sich diese Bedeutung verändert? Diesen und weiteren Fragen geht Katharina Raabe im Gespräch mit Katja Petrowskaja und Thomas Köck nach – gemeinsam mit Frank Wegner hat sie die Anthologie Warum Lesen herausgegeben.

Warum Lesen ist gleichzeitig ein Lesebuch und ein Buch über das Lesen, eine Anthologie, die das Abenteuer des Lesens beschreibt, seziert und feiert. Ausgehend von ihren literarischen oder wissenschaftlichen Arbeiten kommen hier Romanschriftstellerinnen, Lyrikerinnen und Lyriker, Dramatikerinnen, Philosophinnen und Philosophen, Soziologinnen und Neurologinnen zu Wort. Sie alle nehmen sich die Freiheit, auf ihre Weise mit dem Thema umzugehen. Und liefern eine Theorie, eine Erzählung, eine Szene, eine Anekdote ab, eine Erläuterung des eigenen Lesens, beispielsweise als Kindheitserinnerung oder als Streifzug durch die eigene Bücher- und Lesegeschichte.

Alle Bücher der Folge im Überblick:

• Warum Lesen. Hg. von Katharina Raabe und Frank Wegner: http://shrk.vg/WarumLesen-P
18 Minuten
Kanada, das zweitgrößte Land der Welt, hat nicht nur eine atemberaubend vielfältige Landschaft, sondern auch eine Fülle an eindrücklicher Literatur zu bieten. Neben bekannten literarischen Größen wie Margaret Atwood oder Alice Munro, gibt es noch viele weitere kanadische Autorinnen und Autoren, die es zu entdecken lohnt. 2020 ist Kanada virtuell und 2021 physisch Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesse. Zu diesem Anlass stellen wir in dieser Folge Suhrkamp espresso vier Bücher von kanadischen Autorinnen vor.

Marie-Claire Blais porträtiert in ihrem Buch Drei Nächte, drei Tage ein tropisches Inselkollektiv zwischen Exzess und Verzweiflung. In nur 65 Sätzen, verteilt auf 400 Seiten, entwirft die Grand Dame der kanadischen Literatur ein schillerndes Ensemble an Charakteren: Künstler, Drag-Queens, Ku-Klux-Klan-Mitglieder, Kinder, die in unschuldige Spiele vertieft sind, Geflüchtete der benachbarten Inseln.

Der neue Roman Was dir bleibt von Jocelyne Saucier erzählt die Geschichte der 76-jährigen Gladys, die eines Tages den Northlander-Zug besteigt und aus ihrem kanadischen Dorf verschwindet, ohne dass jemand weiß, wohin sie geht und was sie vorhat. Saucier schreibt über eine außergewöhnliche Frau, von Freiheit, Freundschaft und von der Sehnsucht nach einem selbstbestimmten Leben.

In ihrem Gästebuch versammelt die Autorin Leanne Shapton Fotografien, Zeichnungen und Porträts und kombiniert sie mit Anekdoten, Erinnerungen und Geschichten. In ihren ebenso klassischen wie modernen Geistergeschichten geht es dabei immer um übernatürliche Begegnungen, von denen man sich kaum zu erzählen traut. In dem Buch Irdischer Durst, das 2020 im Verlag Matthes und Seitz erschien, verbindet Anne Carson in vier poetischen Streifzügen Rhythmus und Metaphorik der Dichtung mit der schweifenden Natur des Essays und der Direktheit des Theaters.

Die Bücher der Folge:

Marie-Claire Blais, Drei Nächte, drei Tage: http://shrk.vg/DreiNaechteDreiTage-P

Jocelyne Saucier, Was dir bleibt: http://shrk.vg/WasDirBleibt-P

Leanne Shapton, Gästebuch: http://shrk.vg/Gaestebuch-P

Anne Carson, Irdischer Durst: http://shrk.vg/Carson-P
17 Minuten
Was macht ein Gedicht zu einem Gedicht? Was kann dichterisches Denken, was andere Herangehensweisen nicht vermögen? Und wie drückt es sich in anderen Kunstformen aus? In dieser Folge geht es um Bücher, die eine besondere dichterische Form aufweisen, oder sich damit beschäftigen.

In seinem Essayband Dichterisch Denken zeigt Amir Eshel anhand von Gedichten und Bildern, wie dichten das Denken beeinflusst und wie es ihm neue Perspektiven eröffnen kann. Er richtet seine Aufmerksamkeit auf zeitgenössische Künstler, die in ihrer Gestaltungsweise einen Ausweg aus der negativen Wirklichkeit, Erfahrung und Einschränkung weisen – hin zu eigenem Denken, zu perspektivischer Weite, zu neuen Formen und Inhalten.

Friederike Mayröckers Buch da ich morgens und moosgrün. Ans Fenster trete lässt keine Zweifel an dem, was für die Autorin noch immer Tag für Tag zu tun ist: hellwach und neugierig auf die Welt blicken und sie in poetische Sprache verwandeln. Die Sprache selbst wird dabei als ein unerschöpflicher poetischer Zauberkasten begriffen.

Mit dem zweisprachigen Lyrikband Running Upon The Wires / Vibrationen hat Kae Tempest erneut ein hochmusikalisches Sprachkunstwerk geschaffen, das mit Hilfe vieler unterschiedlicher Stilmittel sowohl das menschliche Herz als auch die politischen und sozialen Gegebenheiten beobachtet und abbildet. Radikal ehrlich und radikal verletzlich zeigt Kae Tempest, wie wir unser Zusammenleben neu gestalten können.

Bei dem Buch Erinnerungen von Albrecht Schöne, das kürzlich im Wallstein Verlag erschien, handelt es sich um den Lebensbericht des großen Germanisten, der eine Vielzahl dichterischer Werke kommentiert und herausgegeben hat.

Alle Bücher der Folge:

Dichterisch Denken von Amir Eshel: http://shrk.vg/DichterischDenken-P

da ich morgens und moosgrün. Ans Fenster trete von Friederike Mayröcker: http://shrk.vg/Moosgruen-P

Running upon the Wires / Vibrationen von Kae Tempest: http://shrk.vg/Vibrationen-P

Erinnerungen von Albrecht Schöne: http://shrk.vg/AlbrechtSchoene-P
16 Minuten
Wie leben wir heute, wie wollen wir in Zukunft leben? Wie werden wir durch die reale und die digitale Welt beeinflusst? Und welchen Einfluss hat unser Verhalten wiederum auf die Welt von morgen?

In Paradise City entwirft Zoë Beck ein wirklichkeitsnahes Zukunftsszenario, in dem die Bevölkerungszahl durch eine Pandemie dezimiert wurde und das gesamte Leben von Algorithmen gesteuert wird. Allen geht es gut – solange keine Fragen gestellt werden. Denn Freiheit ist der Preis, den die Menschen in dem Thriller bereit sind zu zahlen, um ein bequemes Leben zu führen. Marius Goldhorn erzählt in seinem Debütroman Park von einer Reise durch Europa, von einer rastlosen Generation, für die das Virtuelle genauso nah ist wie die Realität – und von einem Protagonisten, der gerade deshalb umso deutlicher spürt, dass es da noch mehr geben muss. In Die verwundbare Welt zeigt Nick Bostrom düstere Zukunftsbilder auf: Er entwickelt in mehreren Hypothesen plausible Szenarien, in denen sich die Menschheit durch die Errungenschaften des technischen Fortschritts eines Tages selbst auslöschen wird, wenn nicht rechtzeitig Gegenmaßnahmen getroffen werden – hierfür gibt der Autor mögliche Problemlösungsstrategien an die Hand. Der Roman Abschied von Atocha von Ben Lerner, erschienen 2015 im Rowohlt Verlag, beschreibt einen jungen Künstler in der schönen neuen Welt von Globalisierung und ironischer Lebenshaltung. Lerner erzählt, wie wir mit Sprache umgehen und wie wir uns selbst und andere in dieser Welt verstehen können.
18 Minuten
Welchen Einfluss hat unsere Herkunft auf unser Leben? Auf Bildung, Karriere, unsere Beziehungen? Gibt es Chancengleichheit wirklich? Und wann ist eine Gesellschaft gerecht? In dieser Folge von Suhrkamp espresso  geht es um soziale Herkunft und Chancengleichheit.

In ihrem neuen Roman Das lügenhafte Leben der Erwachsenen erzählt Elena Ferrante von der 13-jährigen Giovanna, die sich auf die Suche nach ihrer Tante und damit auch nach ihrer, von den Eltern verleugneten, Herkunft macht. Ihr Weg führt sie aus den höher gelegenen, bürgerlichen Stadtteilen Neapels, in denen sie aufgewachsen ist, tief hinein in eine ganz andere Welt. Der Roman erzählt von den Heucheleien der Eltern, den Verunsicherungen des Erwachsenwerdens – und von Emanzipation. In ihrem Romandebüt Streulicht erkundet Deniz Ohde die unsichtbaren Schranken in unserer Gesellschaft und erzählt von der Kluft zwischen Bildungsversprechen und erfahrener Ungleichheit. Die aus einer Arbeiterfamilie stammende Ich-Erzählerin kehrt in ihren Heimatort zurück und beginnt, sich zu erinnern: an die nicht enden wollenden Anstrengungen des Alltags, in dem sie gegen Diskriminierung, Vorurteile und Ungleichheit zu bestehen versucht. An die soziale Scham, das Streben nach Aufstieg und die zermürbende Auseinandersetzung mit einem Bildungssystem, das Gleichheit verspricht, obwohl die eigene Herkunft am Ende doch maßgeblich den eigenen Erfolg beeinflusst. In ihrem Buch Politische Gleichheit plädiert die amerikanische Politologin Danielle Allen dafür, die im Liberalismus in den Hintergrund geratene politische Gleichheit wieder in den Vordergrund zu rücken. Echte politische Gleichheit, so Allen, lässt sich nur in demokratischen Gesellschaften mit starken sozialen Bindungen realisieren. In ihrem Roman 1000 Serpentinen Angst, der vor kurzem im S. Fischer Verlag erschien, erzählt Olivia Wenzel von einer jungen, schwarzen, queeren Frau – von ihrem Aufwachsen in der DDR, von den Diskriminierungen denen sie ausgesetzt ist, von dem Rassismus, aber auch von den Privilegien, die sie erfährt.
17 Minuten
Unsere Gesellschaft wird immer älter: 28 Prozent aller Mitbürgerinnen und Mitbürger sind derzeit älter als 60 Jahre – Tendenz steigend. Welche Folgen hat dieser demographische Wandel für unsere Gesellschaft? Ist das Alter eigentlich eine Zeit der Einschränkungen oder der Freiheit? Und was kann die jüngere Generation von den Älteren lernen?

In »Seniorendemokratie« erläutert Emanuel Richter, wie wichtig es ist, dass möglichst viele Menschen jeglichen Alters als politische Profis oder als politische Laien, als Betroffene und als Akteure öffentlich sichtbar werden und die Politik mitgestalten – und warum wir die herrschenden Altersbilder kritisch durchdenken müssen. In »Besser spät als nie« berichtet die 80-jährige Mechthild Grossmann, aufgezeichnet von ihrer Enkelin Dorothea Wagner, über ihre Erfahrungen und Gedanken rund ums Älterwerden. Sie schildert, warum das Alter einem keine Angst machen muss und warum es viele Vorzüge bietet – verschweigt dabei aber nicht die Schwierigkeiten, sondern zeigt, wie daraus etwas Positives erwachsen kann. Nicole Andries hat in »Wir wollen es nochmal wissen« die Geschichten von 15 Frauen versammelt, die im Alter noch einmal berufliche Neuanfänge wagen. In ihrem Buch zeigt sie, dass Jugendlichkeit kein Lebensabschnitt ist, sondern eine Lebenshaltung. »Unsere Seelen bei Nacht« von Kent Haruf, 2017 im Diogenes Verlag erschienen, erzählt von der Begegnung zweier älterer Menschen und zeigt, dass auch der Neubeginn in der Liebe keine Altersgrenze kennt.
18 Minuten
Wie die Menschheit mit der Natur umgeht, muss sich dringend ändern. Nicht nur aufgrund des Klimawandels, sondern auch, um Leid zu verringern, wie es zum Beispiel in der Nutztierhaltung verursacht wird. Warum aber sollten Tierrechte ein Thema für die politische Philosophie sein? Weshalb ist eine radikalere Umsetzung von Klimaschutzgesetzen so dringend notwendig? Und wie kann ein zukunftsfähiger und schonender Umgang mit der Natur aussehen?

In seinem Buch »Wasser und Zeit« verbindet Andri Snær Magnason seine persönliche Geschichte als Einwohner Islands mit der Verantwortung für die größeren Zusammenhänge, die uns alle betreffen: Denn wenn in Island die Gletscher schmelzen, steigt der Meeresspiegel weltweit. Um zu verstehen, was mit der Erde passiert und welche Folgen der Klimawandel für die Menschheit hat, führt Magnason Gespräche mit Wissenschaftlern, dem Dalai Lama und mit den eigenen Großeltern. Nicht nur der Umwelt, auch Tieren schadet der Mensch seit langem. Da die Verletzung der Rechte von Tieren zu den gesellschaftlichen Grundordnungen gehört, die wir gemeinsam verantworten, ist sie ein Thema für die politische Philosophie. Bernd Ladwig gibt in seinem Band »Politische Philosophie der Tierrechte« einen umfassenden Einblick in die heutige Debatte. Auch Agustina Bazterrica macht in ihrem Roman »Wie die Schweine« auf höchst radikale und anschauliche Weise deutlich, was am Fleischkonsum falsch ist. Die Autorin erzählt in ihrem Roman von einer Welt, in der nicht Tiere, sondern Menschen zum Fleischverzehr gezüchtet werden und hinterfragt dabei unsere Konzepte von Moral und Empathie. In »Unsere Welt neu denken« untersucht Maja Göpel aus ökonomischer Sicht, wie das Wohlergehen der Umwelt mit dem der Menschheit in Einklang gebracht werden kann. Claudia Kemfert erläutert in »Mondays for Future« auf zugängliche Weise Fakten und Zusammenhänge der Klimadebatte.

Alle Bücher der Folge:

Andri Snær Magnason: »Wasser und Zeit«

Bernd Ladwig: »Politische Philosophie der Tierrechte«

Agustina Bazterrica: »Wie die Schweine«

Maja Göpel: »Unsere Welt neu denken«

Claudia Kemfert: »Mondays for Future«
18 Minuten
Traumatische Erlebnisse und ihre psychischen Folgen können unbewusst über Generationen hinweg weitergegeben werden. Welche Rolle spielt mangelnde Kommunikation dabei? Und können die modernen, digitalen Kommunikationsmöglichkeiten helfen, Nähe und Austausch zwischen den Generationen zu schaffen?

Anna Katharina Hahn entwirft in »Aus und davon« ein weites Panorama zwischen den vier Generationen einer Familie im 21. Jahrhundert, die immer weiter in die Sprachlosigkeit abdriftet. Sie behandelt dabei die Frage, ob und wie eine Familie trotz großer räumlicher und emotionaler Distanz in Kontakt bleiben kann. In ihrem Roman »Herzklappen von Johnson & Johnson« erzählt Valerie Fritsch von Almas Sohn Emil, der wegen eines Gendefekts keinen Schmerz empfinden kann. Auf der Suche nach den Gründen begibt sich Alma tief hinein in die eigene Familiengeschichte – und in das Schweigen, das sie umhüllt.

Auch in Maya Lasker-Wallfischs Buch »Briefe nach Breslau« geht es um das Schweigen zwischen den Generationen und um ein Trauma, das nicht verarbeitet werden kann.

Die Mutter der Autorin überlebte den Holocaust, spricht jedoch nie darüber. In einem Versuch der Rettung schreibt Maya Lasker-Wallfisch Briefe an die verstorbenen Großeltern und macht so erfahrbar, wie ein transgenerationales Trauma das eigene Leben bestimmen kann. Auch Joshua Groß’ Roman »Flexen in Miami«, der vor Kurzem im Verlag Matthes und Seitz Berlin erschien, beschäftigt sich mit Familie, Beziehungen und Kommunikation im Zeitalter der Smartphones.

Die Bücher der Folge:

Anna Katharina Hahn: »Aus und davon«

Valerie Fritsch: »Herzklappen von Johnson & Johnson«

Maya Lasker-Wallfisch: »Briefe nach Breslau«

Joshua Groß: »Flexen in Miami«
19 Minuten
Die Corona-Pandemie ist mehr als nur eine gesundheitliche und wirtschaftliche Krise. Sie hat unsere Gesellschaft tief erschüttert und vor ganz neue Fragen gestellt. Warum erfreuen sich in diesen Zeiten Verschwörungstheorien so einer großen Beliebtheit? Und warum treffen die gesellschaftlichen Auswirkungen von Corona besonders die Frauen? In dieser Folge von »Suhrkamp espresso« geht es um die Auswirkungen der Corona-Krise auf unsere Gesellschaft.

Michael Butters Buch »›Nichts ist, wie es scheint‹« beschäftigt sich mit dem Phänomen der Verschwörungstheorien, die sich in Zeiten von Corona besonders großer Beliebtheit erfreuen – nicht zuletzt dank reichweitenstarker Multiplikatoren wie Attila Hildmann, Xavier Naidoo und Ken Jebsen. Butter erläutert, wie Verschwörungstheorien funktionieren, welche Auswirkungen sie haben können und wo ihre Gefahren liegen.

Während manche spekulieren, ob es die Krankheit überhaupt gibt, hat der Autor Paul B. Preciado sie unmittelbar erlebt – er erkrankte Anfang März an Covid-19. Inzwischen ist er wieder gesund und hat zwei Texte über die Erkrankung in sein Buch »Ein Apartment auf dem Uranus« aufgenommen. Basierend auf Michel Foucaults Überlegungen diskutiert Preciado, was die Wahl der Strategie zur Bekämpfung einer Pandemie über die jeweilige Gesellschaft aussagt. Jenseits dessen sind Preciados Kolumnen eine Chronik der Transformation des eigenen Körpers und der eigenen Identität von Beatriz zu Paul – und zugleich dokumentieren sie die im Wandel begriffenen politischen Verhältnisse in Europa seit 2013.

Zu den Problemen, die durch die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie besonders deutlich zutage treten, gehört auch die Benachteiligung von Frauen in unserer Gesellschaft. Kristen R. Ghodsee zeigt in ihrem Buch »Warum Frauen im Sozialismus besseren Sex haben«, wie Frauen von einer gerechteren Gesellschaft profitieren können. Auch das Buch »Armee der Schlafwandler« des Autorenkollektivs Wu Ming, das 2020 im Assoziation A Verlag erschien, handelt von einer Zeit der Zäsur. Der Roman erzählt das epochale Ereignis der französischen Revolution aus der Perspektive des gemeinen Volkes.

Alle Bücher der Folge im Überblick:

»›Nichts ist, wie es scheint‹« von Michael Butter: http://shrk.vg/Verschwoerungstheorien-P

»Ein Apartment auf dem Uranus« von Paul B. Preciado: http://shrk.vg/PreciadoUranus-P

»Warum Frauen im Sozialismus besseren Sex haben« von Kristen R. Ghodsee: http://shrk.vg/GhodseeSozialismus-P

»Armee der Schlafwandler« von Wu Ming: http://shrk.vg/Schlafwandler-P
21 Minuten
Was haben die bedeutendsten Wissenschaftler des 20. und 21. Jahrhunderts gemeinsam? Unter welchen Umständen kann Wissenschaft gefährlich werden? Und wie nah liegen Genie und Wahnsinn beieinander? In dieser Folge von »Suhrkamp espresso« stellen wir vier Bücher zum Thema Wissenschaft, Genie und Wahnsinn vor.

In seinem Buch »Das blinde Licht« erzählt Benjamín Labatut in vier beeindruckenden Geschichten von europäischen Wissenschaftlern des 20. Jahrhunderts – darunter Werner Heisenberg, Erwin Schrödinger und Karl Schwarzschild – und ihren großen Entdeckungen. Lindsey Fitzharris widmet sich in »Der Horror der frühen Medizin« dem Leben und Schaffen von Joseph Lister. Der englische Arzt revolutionierte Mitte des 19. Jahrhunderts die Chirurgie, indem er Desinfektionsmittel erfand und ein steriles Umfeld bei Operationen forderte. Eines der bedeutendsten mathematischen Probleme des 21. Jahrhunderts löste Grigori Perelman. In ihrem Buch »Der Beweis des Jahrhunderts« erzählt Masha Gessen die faszinierende Geschichte des russischen Mathematikers, der sich nach dem Beweis der Poincaré-Vermutung, an dem sich bereits die klügsten Köpfe die Zähne ausgebissen hatten, im Jahr 2002 für immer aus dem öffentlichen Leben zurückzog. Dietmar Daths »Niegeschichte«, erschienen bei Matthes & Seitz, befasst sich mit der Frage, was Science Fiction ist und wie sie sich in den Kanon der Literatur- und Geistesgeschichte einfügt.
16 Minuten
Briefe und Briefwechsel ermöglichen uns tiefe Einblicke in das Leben und Werk von Autorinnen und Autoren. Denn, anders als bei Biographien, vermitteln die Korrespondenzen einen ganz direkten Einblick in deren Persönlichkeit und Schaffen. Von der Auswahl der Briefe bis hin zum Einband – welche Arbeit steht hinter der Veröffentlichung von Briefen und Briefwechseln?

Für Marcel Proust, der krankheitsbedingt lange Zeit seines Lebens ans Bett gefesselt war, gehörte der Brief zu einem der wichtigsten Kommunikationsmittel. Umso umfassender lässt sich deshalb seine persönliche und schriftstellerische Entwicklung in der zweibändigen Ausgabe »Briefe 1879-1922« ablesen. »Am Strand von Bochum ist allerhand los« ist eine Sammlung von Postkarten, die Jurek Becker seit seinem USA-Aufenthalt 1978 bis zu seinem Lebensende schrieb. Obwohl es ihm in den Karten weniger um eine Auskunft über sich selbst ging, erfährt man dennoch viel über die Vorlieben und Leidenschaften des Autors. Die vierbändige Ausgabe von »Samuel Beckett – Die Briefe« vermittelt ein umfassendes, lebendiges und persönliches Bild Samuel Becketts aus den Jahren, in denen er schriftstellerisch aktiv war. Der Briefband »Die Zuneigung ist etwas Rätselvolles«, der 2018 im Aufbau Verlag erschien, gewährt intime Einblicke in das Eheleben von Emilie und Theodor Fontane.

Die Bücher der Folge:

Marcel Proust: »Briefe – 1879-1922«: http://shrk.vg/Proust-Briefe-P

Jurek Becker: »Am Strand von Bochum ist allerhand los«: http://shrk.vg/AmStrandVonBochum-P

Samuel Beckett: »Die Briefe«: http://shrk.vg/Beckett-Briefe-P

Emilie & Theodor Fontane: »Die Zuneigung ist etwas Rätselvolles«: http://shrk.vg/Zuneigung-P
19 Minuten
Der Klimawandel ist eines der wichtigsten Themen unserer Zeit, denn die Folgen der globalen Erwärmung nehmen schon jetzt ein katastrophales Ausmaß an. Und so drängen sich einige Fragen auf: Wie muss Klimapolitik heute aussehen und was kann jeder und jede Einzelne dafür tun, dass wir optimistischer in die Zukunft schauen können? Und was genau kann Menschen zum Umdenken animieren?

Das Buch 102 grüne Karten zur Rettung der Welt, herausgegeben vom KATAPULT Magazin, verschafft den Lesern mit anschaulichen Karten sowohl über die intellektuelle als auch über die ästhetische Erfahrung einen leichteren Zugang zum Thema Klimaschutz. Bernward Gesangs Studie zur Klimaethik verfolgt drei Ziele: die Darstellung der naturwissenschaftlichen Fakten zum Thema Klimaethik, die Entwicklung einer eigenen utilitaristischen Position inklusive einer Kritik der bisherigen Klimaethik sowie die Suche nach einem Konsens zwischen verschiedenen Ethiken, um politische Maßnahmen konkret zu bewerten. Zehn Milliarden von Stephen Emmott, das nun in erweiterter Neuauflage vorliegt, beschreibt das komplexe System Klima in seinem derzeitigen Stand und wie es sich verändern wird, wenn die Weltbevölkerung auf zehn Milliarden angewachsen ist. In kurzer und knapper Darstellung fordert der Autor eine radikale Veränderung der bisherigen Verhaltensweisen von Konsumierenden und Produzierenden. In ihrem Buch Stadt der Zukunft, das 2019 im S. Fischer Verlag erschien, entwerfen der Architekt Friedrich von Borries und der Stadtplaner Benjamin Kasten das Bild einer Stadt der Zukunft, die ökologischer und gerechter ist als die Stadt der Gegenwart.

Alle Bücher der Folge im Überblick:

»102 grüne Karten zur Rettung der Welt« von KATAPULT: http://shrk.vg/GrueneKarten-P

»Klimaethik« von Bernward Gesang: http://shrk.vg/Klimaethik-P

»Zehn Milliarden« von Stephen Emmott: http://shrk.vg/ZehnMilliarden-P

»Stadt der Zukunft« von Friedrich von Borries und Benjamin Kasten: http://shrk.vg/Stadt-der-Zukunft-P
Suhrkamp espresso (Video-Podcast)

Suhrkamp espresso (Video-Podcast)

Ein Thema – vier Bücher.