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Episoden

1 Stunde 7 Minuten
Du weißt, dass du dich eigentlich entschuldigen solltest, und tust es trotzdem nicht. Nicht, weil dir die Person egal wäre, sondern weil etwas in dir sagt: bloß nicht. Sich zu entschuldigen fühlt sich für viele nach Nachgeben an. Dabei ist es das direkteste Werkzeug, das wir haben, um Fehler in einer Beziehung zu reparieren. Und ausgerechnet den wirksamsten Teil davon lassen die meisten von uns weg.

Hörst du Perfectly Human zum ersten Mal? Abonniere den Podcast und hör direkt in die ersten Folgen rein.

In dieser Folge erfährst du:

· Warum sich Entschuldigen innerlich nach Niederlage anfühlt, obwohl es keine ist

· Was Schweigen nach einem Konflikt wirklich kostet, in der Beziehung, im Kopf und im Körper

· Die sechs Komponenten einer wirksamen Entschuldigung und warum “Es tut mir leid” erst an dritter Stelle steht

· Warum die verletzte Person etwas ganz anderes braucht als das, was wir normalerweise sagen

· Drei Überzeugungen, die dich vom Entschuldigen abhalten, und wie du sie neu bewerten kannst

Episodenbeschreibung

Du hast dich gestritten oder etwas gesagt, von dem du weißt, dass es nicht okay war. Und dann passiert meistens nichts. Man spricht nicht mehr darüber und hofft, dass die Zeit das regelt. Trotzdem bleibt dieses diffuse, unabgeschlossene Gefühl.

Diese Folge zeigt, warum Entschuldigungen so viel Widerstand auslösen. Sie bedrohen unser Selbstbild als guter Mensch, und das Gehirn löst diesen Widerspruch lieber über Abwehr als über Verantwortung. Dazu kommt ein systematischer Denkfehler. Wir überschätzen, wie unangenehm eine Entschuldigung wird, und wir unterschätzen die Erleichterung danach.

Außerdem geht diese Episode der Frage nach, was eine Entschuldigung überhaupt wirksam macht. Die Versöhnungsforschung zeigt, dass die verletzte Person und die verletzende Person nach einem Konflikt unterschiedliche Bedürfnisse haben. Was wir kulturell gelernt haben, also das Wort sagen und wieder Frieden haben, bedient vor allem das eigene Bedürfnis. Was fehlt, ist die Anerkennung. Also konkret zu benennen, was passiert ist, und es als Fehler einzuordnen.

Zum Schluss geht es um die Überzeugungen darunter. Denn Wissen allein verändert kein Verhalten. Erst wenn sich die Bedeutung verschiebt, die wir dem Entschuldigen geben, verändert sich auch, ob wir es tun.

Timestamps

[00:01:06] Kontext

[00:03:48] Warum es uns so schwerfällt, uns zu entschuldigen

[00:16:59] Was Schweigen nach einem Konflikt wirklich kostet und was eine Reparatur stattdessen bringen kann

[00:29:03] Was eine Entschuldigung wirksam macht: Die sechs Komponenten

[00:47:37] Entschuldigen neu denken: drei Überzeugungen im Reframe

[01:00:38] Zusammenfassung

[01:03:53] Reflexion

[01:06:40] Abschluss

Der Gedanke dieser Episode

Eine Entschuldigung sagt nicht “ich war falsch”, sondern “du bist mir wichtig genug meinen Fehler zu reparieren”.

Welche Überzeugung über Entschuldigungen trägst du mit dir herum, ohne sie je hinterfragt zu haben?

Schreib mir gerne, ich freue mich sehr über eure Perspektiven.

Wenn du jemanden kennst, der nach einem Streit lieber schweigt als den ersten Schritt zu machen, schick ihr oder ihm diese Folge.

Bewerte Perfectly Human auf Apple Podcasts und Spotify. Das hilft enorm, damit mehr Menschen den Podcast finden.

Forschung & Konzepte

Kognitive DissonanzFestinger, L. (1957). A Theory of Cognitive Dissonance. Stanford University Press.

Psychologische Barrieren beim EntschuldigenSchumann, K. (2018). The psychology of offering an apology: Understanding the barriers to apologizing and how to overcome them. Current Directions in Psychological Science, 27(2), 74–78.

Selbstbild und VerantwortungsübernahmeSchumann, K. & Dweck, C. S. (2014). Who accepts responsibility for their transgressions? Personality and Social Psychology Bulletin, 40(12), 1598–1610.

Antizipationsfehler: Wie unangenehm wir eine Entschuldigung erwartenLeunissen, J. M., De Cremer, D., van Dijke, M. & Reinders Folmer, C. P. (2014). Forecasting errors in the averseness of an apology. Social Justice Research, 27(3), 322–339.

Alltägliche Interaktionen und BeziehungsqualitätDriver, J. L. & Gottman, J. M. (2004). Daily marital interactions and positive affect during marital conflict among newlywed couples. Family Process, 43(3), 301–314.

Groll als Zusammenspiel von Verletzung und ÄrgerLi, J. S., Struthers, C. W., Ferrer, J., AlMakadma, O., Zhou, K. W. & Rebrov, D. O. (2026). Understanding grudges: The interplay between hurt feelings and anger. Personality and Social Psychology Bulletin. Online First.

Physiologische Stressreaktionen bei GrollWitvliet, C. V. O., Ludwig, T. E. & Vander Laan, K. L. (2001). Granting forgiveness or harboring grudges: Implications for emotion, physiology, and health. Psychological Science, 12(2), 117–123.

Entschuldigungen wirken über den wahrgenommenen BeziehungswertForster, D. E., Billingsley, J., Burnette, J. L., Lieberman, D., Ohtsubo, Y. & McCullough, M. E. (2021). Experimental evidence that apologies promote forgiveness by communicating relationship value. Scientific Reports, 11, 13107.

Versöhnliches Verhalten und SelbstverzeihenCarpenter, T. P., Carlisle, R. D. & Tsang, J. A. (2014). Tipping the scales: Conciliatory behavior and the morality of self-forgiveness. The Journal of Positive Psychology, 9(5), 389–401.

Needs-Based Model of ReconciliationShnabel, N. & Nadler, A. (2008). A needs-based model of reconciliation: Satisfying the differential emotional needs of victim and perpetrator as a key to promoting reconciliation. Journal of Personality and Social Psychology, 94(1), 116–132.

Die sechs Komponenten wirksamer EntschuldigungenLewicki, R. J., Polin, B. & Lount, R. B. (2016). An exploration of the structure of effective apologies. Negotiation and Conflict Management Research, 9(2), 177–196.

Kognitive NeubewertungGross, J. J. (1998). The emerging field of emotion regulation: An integrative review. Review of General Psychology, 2(3), 271–299.

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44 Minuten
Warum kann ich das nicht auch haben? Die enge Verbindung, die eine Freundin zu ihrer Mutter hat. Das leichte Sozialleben von jemand anderem. Was wir dabei übersehen: Wir sehen immer nur Ausschnitte, nie das Ganze. Und aus diesen Ausschnitten entstehen unrealistische Erwartungen an unsere eigenen Beziehungen.

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In dieser Folge erfährst du:

· Warum sich deine Erwartungen an Beziehungen unrealistisch sein können

· Den Unterschied zwischen Erwartung, Wunsch und Bedürfnis, und warum nur eine der drei Ebenen wirklich essenziell ist

· Warum selbst erfüllte Erwartungen dich oft nicht dauerhaft zufrieden machen

· Wie du herausfindest, was hinter einer Erwartung wirklich steckt, und was davon verhandelbar ist

· Den Gedanken, der infrage stellt, ob in einer Partnerschaft eine einzige Person wirklich alle deine Bedürfnisse erfüllen muss

Episodenbeschreibung

“Warum kann ich das nicht auch haben?” Diesen Gedanken kennst du vielleicht: die enge Verbindung, die eine Freundin zu ihrer Mutter hat, die Leichtigkeit eines fremden Paares im Café, das Sozialleben von jemand anderem. Was wir dabei übersehen: Wir sehen immer nur Ausschnitte, nie das Ganze. Und aus diesen Ausschnitten entstehen unrealistische Erwartungen an unsere eigenen Beziehungen.

Diese Episode zeigt, woher diese Erwartungen kommen, durch sozialen Vergleich und romantische Skripte aus Filmen und Serien, und warum sie sich nicht nur bei Enttäuschung, sondern auch bei Erfüllung gegen uns wenden: Die sogenannte hedonische Anpassung sorgt dafür, dass selbst erfüllte Wünsche uns selten dauerhaft zufrieden machen.

Der Schlüssel liegt darin, zwischen Erwartung, Wunsch und Bedürfnis zu unterscheiden. Denn hinter jeder Erwartung steckt ein echtes Bedürfnis, und das lässt sich oft auf mehr als einem Weg erfüllen. Zum Schluss geht es um einen Gedanken, der besonders für romantische Partnerschaften provokant ist, sich aber auch auf andere Beziehungen übertragen lässt: Muss wirklich eine einzige Person all unsere Bedürfnisse erfüllen? Oder ist unser Netz an Verbindungen größer, als wir denken?

Timestamps

[00:01:09] Kontext

[00:03:48] Woher unsere Erwartungen an Beziehungen wirklich kommen

[00:14:23] Was unrealistische Erwartungen mit uns machen

[00:21:24] Wie du Erwartungen klären kannst, ohne deine Wünsche aufzugeben

[00:27:25] Muss eine Person wirklich alle deine Bedürfnisse erfüllen?

[00:35:36] Zusammenfassung

[00:37:56] Reflexion

[00:42:03] Abschluss

Der Gedanke dieser Episode

Nicht jede Erwartung ist ein Bedürfnis. Nur das Bedürfnis ist wirklich essenziell.

Mein Gedanke dazu

Was mich an diesem Thema beschäftigt: Wie oft wir unerfüllte Erwartungen als Urteil über die Beziehung lesen, statt als Hinweis auf ein Bedürfnis, das wir nie ausgesprochen haben.

Gibt es einen Bereich in deinem Leben, wo du eher eine ganz genaue Erwartung hast als einen offenen Wunsch?

Wenn du jemanden kennst, der sich fragt, warum sich eine eigentlich gute Beziehung trotzdem nicht ganz richtig anfühlt, schick ihr oder ihm diese Folge.

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Forschung & Konzepte

Soziale Vergleichstheorie: Festinger, L. (1954). A theory of social comparison processes. Human Relations, 7(2), 117–140.

Sozialer Vergleich auf Social Media: Vogel, E. A., Rose, J. P., Roberts, L. R. & Eckles, K. (2014). Social comparison, social media, and self-esteem. Psychology of Popular Media Culture, 3(4), 206–222.

Romantische Skripte durch Medienkonsum: Segrin, C. & Nabi, R. L. (2002). Does television viewing cultivate unrealistic expectations about marriage? Journal of Communication, 52(2), 247–263.

Expectation Violation Theory: Burgoon, J. K. (1993). Interpersonal expectations, expectancy violations, and emotional communication. Journal of Language and Social Psychology, 12(1–2), 30–48.

Hedonische Anpassung: Brickman, P. & Campbell, D. T. (1971). Hedonic relativism and planning the good society. In M. H. Appley (Ed.), Adaptation-Level Theory (S. 287–301). Academic Press.

Frederick, S. & Loewenstein, G. (1999). Hedonic adaptation. In D. Kahneman, E. Diener & N. Schwarz (Eds.), Well-Being: The Foundations of Hedonic Psychology (S. 302–329). Russell Sage Foundation.

Historische Einordnung der romantischen Partnerschaft: Coontz, S. (2005). Marriage, a History: From Obedience to Intimacy, or How Love Conquered Marriage. Viking.

Suffocation Model – steigende Erwartungen an die romantische Partnerschaft: Finkel, E. J., Hui, C. M., Carswell, K. L. & Larson, G. M. (2014). The suffocation of marriage: Climbing Mount Maslow without enough oxygen. Psychological Inquiry, 25(1), 1–41.

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33 Minuten
Du hörst zu, und trotzdem kommt bei dir nicht immer an, was gesagt wurde. Nicht weil dich das Thema nicht interessiert, sondern weil echtes Zuhören schwerer ist, als es klingt. Unser Gehirn ist schneller als das gesprochene Wort, und genau das steht uns oft im Weg. Diese Folge zeigt, warum wir seltener wirklich zuhören, als wir denken, und welche innere Haltung dieses Muster verändern kann.

Hörst du Perfectly Human zum ersten Mal? Abonniere den Podcast und hör direkt in die ersten Folgen rein.

Was du aus dieser Folge mitnehmen kannst:

* Warum unser Gehirn uns beim Zuhören öfter austrickst, als wir merken

* Was die Illusion des Zuhörens ist, und warum wir systematisch überschätzen, wie gut wir zuhören

* Warum echtes Zuhören direkten Einfluss auf die Zufriedenheit in deinen Beziehungen hat

* Den Beginner’s Mindset, eine Haltung, die dein nächstes Gespräch sofort verändert

Episodenbeschreibung:

Du sitzt in einem Gespräch, das dich eigentlich interessiert, und merkst trotzdem, wie deine Gedanken abschweifen. Oder du unterbrichst, weil du zu wissen glaubst, worauf die andere Person hinauswill, nur um danach festzustellen: Sie meinte etwas ganz anderes.

Das passiert nicht, weil uns die Menschen egal sind. Es liegt daran, wie unser Gehirn funktioniert: Wir denken deutlich schneller, als andere sprechen können, und die freie Kapazität nutzen wir oft für eigene Gedanken statt fürs Zuhören. Dazu kommt, dass wir unbewusst das hören, was wir erwarten, statt das, was tatsächlich gesagt wird. Das Tückische daran: Wir merken es meistens selbst nicht.

Diese Folge zeigt, warum echtes Zuhören so viel kostet und so viel bringt, für die Zufriedenheit in Gesprächen, aber vor allem für die Beziehung dahinter. Und sie gibt dir eine konkrete Haltung an die Hand, mit der du das sofort verändern kannst: den Beginner’s Mindset.

Timestamps:

00:00 Intro

00:01 Warum echtes Zuhören schwerer ist, als es klingt

00:03 Warum wir anderen nicht richtig zuhören

00:11 Was echtes Zuhören für deine Beziehungen bedeutet

00:18 Der Beginner’s Mindset: So hörst du wirklich zu

00:25 Zusammenfassung

00:27 Reflexion

00:31 Abschluss

Der Gedanke dieser Episode:

Echtes Zuhören ist das Fundament einer Beziehung, nicht das Sahnehäubchen.

Mein Gedanke dazu:

Ich merke, dass ich ausgerechnet in Gesprächen, die mich selbst begeistern, am ehesten ins Unterbrechen komme, nicht aus Desinteresse, sondern aus zu viel davon. Genau da lohnt es sich am meisten, kurz innezuhalten.

Ist dir schon mal aufgefallen, dass du jemanden unterbrochen hast, und dabei völlig danebenlagst, was die Person eigentlich sagen wollte?

Wenn du jemanden kennst, der öfter mit den Gedanken woanders ist, obwohl er wirklich zuhören will, schick ihr oder ihm diese Folge.

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Forschung & Konzepte:

Speech-Thought Differential: Nichols, R. G. & Stevens, L. A. (1957). Are you listening? McGraw-Hill.Wolvin, A. & Coakley, C. G. (1996). Listening. McGraw-Hill.

Confirmation Bias: Nickerson, R. S. (1998). Confirmation bias: A ubiquitous phenomenon in many guises. Review of General Psychology, 2(2), 175–220.

Perceived Responsiveness: Reis, H. T., Clark, M. S., & Holmes, J. G. (2004). Perceived partner responsiveness as an organizing construct in the study of intimacy and closeness. In D. J. Mashek & A. Aron (Eds.), Handbook of Closeness and Intimacy (pp. 201–225). Erlbaum.

Unterbrechungen und Beziehungszufriedenheit:

Daigen, V., & Holmes, J. G. (2000). Don’t interrupt! A good rule for marriage? Personal Relationships, 7(2), 185–201.

Gottman, J. M. & Levenson, R. W. (1992). Marital processes predictive of later dissolution: Behavior, physiology, and health. Journal of Personality and Social Psychology, 63(2), 221–233.

Aktives Zuhören & Beziehungsqualität: Weger, H., Castle Bell, G., Minei, E. M. & Robinson, M. C. (2014). The relative effectiveness of active listening in initial interactions. International Journal of Listening, 28(1), 13–31.

Beginner’s Mindset / Achtsames Zuhören: Erisman, S. M. & Roemer, L. (2010). A preliminary investigation of the effects of experimentally induced mindfulness on emotional responding to film clips. Emotion, 10(1), 72–82.

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38 Minuten
Wir wollen echte Verbindung. Und tun gleichzeitig alles dafür, uns so zu zeigen, dass möglichst nichts schiefgehen kann. Was dabei auf der Strecke bleibt, ist genau die Nähe, die wir uns eigentlich wünschen.

Hörst du Perfectly Human zum ersten Mal? Abonniere den Podcast, damit du keine Folge verpasst.

Was du aus dieser Folge mitnehmen kannst

* Warum echte Nähe nur durch ein ganz bestimmtes Risiko entsteht und wie dieser Mechanismus psychologisch funktioniert

* Weshalb wir unsere eigene Verletzlichkeit systematisch negativer bewerten als die anderer Menschen

* Auf welchem Spektrum sich Selbstöffnung bewegt und wie du dosiert tiefer gehen kannst

* Warum Ablehnung nach dem Sich-Zeigen selten das ist, wonach es sich anfühlt

Episodenbeschreibung

Wir wollen echte Verbindung und tun gleichzeitig alles dafür, uns so zu zeigen, dass möglichst nichts schiefgehen kann. Das Ergebnis: Beziehungen, die funktional bleiben, aber nicht tiefer werden.

Der Grund liegt oft in drei psychologischen Mechanismen, die uns vom Zeigen abhalten: die Angst vor sozialer Ablehnung, Scham, und die Nachwirkung vergangener Verletzungen. Gleichzeitig zeigt die Forschung, dass genau das Gegenteil passiert, wenn wir uns öffnen: Wir werden gemocht, wir wirken nahbarer, nicht schwächer. Diese Episode erklärt, wie Nähe überhaupt entsteht, warum wir unsere eigene Offenheit falsch einschätzen, und wie du Schritt für Schritt – dosiert, nicht mit einem großen Sprung – lernst, dich mehr zu zeigen.

Timestamps

[00:01:23] Kontext

[00:04:26] Was hat Verletzlichkeit mit Verbindung zu tun?

[00:16:13] Warum fällt es uns so schwer, uns zu zeigen?

[00:22:31] Wie fängt man an, sich zu öffnen?

[00:34:29] Zusammenfassung

[00:36:36] Abschluss

Der Gedanke dieser Episode

Verletzlichkeit ist nicht das, was Verbindung gefährdet, sie macht sie erst möglich.

Was mich an diesem Thema beschäftigt: Wie stark wir unsere eigene Offenheit als riskanter bewerten, als sie für die andere Person tatsächlich wirkt. Die Angst ist real, aber sie ist fast immer größer als das, was am Ende passiert.

Was hält dich am meisten davon ab, dich zu zeigen?

Wenn du jemanden kennst, der sich in Beziehungen oft zurückhält, obwohl er sich mehr Nähe wünscht, schick ihr oder ihm diese Folge.

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Forschung & Konzepte

Intimacy Process Model: Reis, H. T. & Shaver, P. (1988). Intimacy as an interpersonal process. In S. Duck (Ed.), Handbook of Personal Relationships. Wiley.

Social Penetration Theory: Altman, I. & Taylor, D. A. (1973). Social Penetration: The Development of Interpersonal Relationships. Holt, Rinehart & Winston.

Reziprozität der Selbstöffnung: Collins, N. L. & Miller, L. C. (1994). Self-disclosure and liking: A meta-analytic review. Psychological Bulletin, 116(3), 457–475.

Pratfall-Effekt: Aronson, E., Willerman, B. & Floyd, J. (1966). The effect of a pratfall on increasing interpersonal attractiveness. Psychonomic Science, 4(6), 227–228.

Beautiful Mess Effect: Bruk, A., Scholl, S. G. & Bless, H. (2018). Beautiful mess effect: Self–other differences in evaluating vulnerability. Journal of Personality and Social Psychology, 115(2), 192–205.

Sociometer Theory: Leary, M. R., Tambor, E. S., Terdal, S. K. & Downs, D. L. (1995). Self-esteem as an interpersonal monitor: The sociometer hypothesis. Journal of Personality and Social Psychology, 68(3), 518–530.

Need to Belong: Baumeister, R. F. & Leary, M. R. (1995). The need to belong: Desire for interpersonal attachments as a fundamental human motivation. Psychological Bulletin, 117(3), 497–529.

Scham vs. Schuld: Tangney, J. P. & Dearing, R. L. (2002). Shame and Guilt. Guilford Press.

Bindung im Erwachsenenalter: Mikulincer, M. & Shaver, P. R. (2016). Attachment in Adulthood: Structure, Dynamics, and Change (2nd ed.). Guilford Press.

Fundamentaler Attributionsfehler: Ross, L. (1977). The intuitive psychologist and his shortcomings. Advances in Experimental Social Psychology, 10, 173–220.

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39 Minuten
Du erzählst jemandem von einem schwierigen Moment und bekommst statt Verständnis eine Lösung vorgeschlagen. Du wolltest nicht repariert werden. Du wolltest verstanden werden. Warum misslingt genau das so oft, obwohl beide Seiten es wollen? Und was kannst du konkret tun, damit es gelingt, für dich und für andere?

Hörst du Perfectly Human zum ersten Mal? Abonniere den Podcast und hör direkt in die ersten Folgen rein.

Was du mitnehmen kannst

In dieser Folge erfährst du:

· Warum echtes Verstehen scheitert, obwohl niemand schuld ist, und welche drei psychologischen Mechanismen dabei eine Rolle spielen

· Was in dir passiert, wenn du dich nicht verstanden fühlst, neurobiologisch und emotional

· Warum Verstandenwerden kein Wunsch ist, sondern ein Grundbedürfnis, und warum es sich manchmal fast lebensnotwendig anfühlt

· Wie du aktiv dazu beiträgst, selbst besser verstanden zu werden, mit drei konkreten Werkzeugen

· Wie du anderen das Gefühl gibst, wirklich gehört zu werden, darunter ein einziger Satz, der Gespräche transformiert

Episodenbeschreibung

Du hast jemandem etwas Wichtiges erzählt und bist mit dem Gefühl rausgegangen: Ich wurde nicht wirklich verstanden. Kein Vorwurf, keine böse Absicht. Und trotzdem tut es weh. Dieses stille Missverständnis ist eine der häufigsten Quellen von Enttäuschung in Beziehungen.

In dieser Folge schauen wir uns an, warum Verstehen so oft scheitert, obwohl beide Seiten es wollen: durch den Perspective-Taking Gap, die unsichtbaren Annahmen, die wir nie aussprechen; durch den Egocentric Default, das unbewusste Filtern durch die eigene Brille; und durch den Lösungsimpuls, der das eigentliche Verstehen überspringt.

Und wir schauen uns an, warum Verstandenwerden so tief sitzt: Es berührt fundamentale Grundbedürfnisse nach Zugehörigkeit, nach dem Gefühl wichtig zu sein, und nach der Gewissheit, mit der eigenen Sicht nicht alleine zu stehen.

Du verlässt diese Folge mit konkreten Werkzeugen: wie du klärst, was du brauchst und wie du es kommunizierst. Wie du von der Verhaltensebene auf die Bedürfnisebene wechselst. Und wie du mit einem einzigen Satz Gespräche öffnest.

Timestamps

00:00 Intro

00:44 Worum es heute geht: Das stille Missverständnis in Beziehungen

03:26 Warum echtes Verstehen scheitert, obwohl wir es wollen

09:29 Was passiert in uns, wenn wir uns nicht verstanden fühlen

13:35 Warum Verstandenwerden so fundamental ist

19:57 Was du tun kannst, um selbst besser verstanden zu werden

26:31 Wie du anderen das Gefühl gibst, wirklich verstanden zu werden

33:32 Zusammenfassung

35:50 Reflexion

38:38 Abschluss

Der Gedanke dieser Episode

Verstanden werden zu wollen, ohne es zu sagen, ist wie ein Geschenk zu erwarten, ohne zu sagen, was du dir wünschst.

Mein Gedanke dazu

Ich kenne das aus meinen eigenen Beziehungen. Ich erzähle von einem schwierigen Moment und bekomme eine Lösung. Gut gemeint, aber an meinem Bedürfnis vorbei. Was ich konkret mitnehme: das Gespräch vorher zu framen, zu sagen was ich brauche, bevor der andere in seinen eigenen Modus schaltet. Das ist keine Kritik. Das ist Klarheit.

Was passiert bei dir, wenn du dich nicht verstanden fühlst? Ziehst du dich zurück? Wirst du lauter? Und gibt es jemanden in deinem Leben, von dem du dich besonders verstanden fühlst? Was macht diese Person anders?

Schreib mir das gerne in die Kommentare. Wenn du jemanden kennst, für den diese Folge gerade wichtig sein könnte, schick sie weiter. Manchmal ist das schon ein Akt des Verstehens.

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Forschung & Konzepte

Perspective-Taking Gap: Epley, N., Keysar, B., Van Boven, L., & Gilovich, T. (2004). Perspective taking as egocentric anchoring and adjustment. Journal of Personality and Social Psychology, 87(3), 327–339.

Egocentric Default: Nickerson, R. S. (1999). How we know and sometimes misjudge what others know: Imputing one’s own knowledge to others. Psychological Bulletin, 125(6), 737–759.

Lösungsimpuls und soziale Unterstützung: Burleson, B. R. (2003). Emotional support skills. In J. O. Greene & B. R. Burleson (Eds.), Handbook of communication and social interaction skills (pp. 551–594). Lawrence Erlbaum.

Social Pain: Eisenberger, N. I., Lieberman, M. D., & Williams, K. D. (2003). Does rejection hurt? An fMRI study of social exclusion. Science, 302(5643), 290–292. | Eisenberger, N. I., & Lieberman, M. D. (2004). Why rejection hurts: A common neural alarm system for physical and social pain. Trends in Cognitive Sciences, 8(7), 294–300.

Emotionale Invalidation: Linehan, M. M. (1993). Cognitive-behavioral treatment of borderline personality disorder. Guilford Press.

Psychologische Reaktanz: Brehm, S. S., & Brehm, J. W. (1981). Psychological reactance: A theory of freedom and control. Academic Press.

Need to Belong: Baumeister, R. F., & Leary, M. R. (1995). The need to belong: Desire for interpersonal attachments as a fundamental human motivation. Psychological Bulletin, 117(3), 497–529.

Mattering: Elliott, G. C., Kao, S., & Grant, A.-M. (2004). Mattering: Empirical validation of a social-psychological concept. Self and Identity, 3(4), 339–354.

Shared Reality: Echterhoff, G., Higgins, E. T., & Levine, J. M. (2009). Shared reality: Experiencing commonality with others’ inner states about the world. Perspectives on Psychological Science, 4(5), 496–521.

Soziale Belohnung im Gehirn: Lieberman, M. D. (2013). Social: Why our brains are wired to connect. Crown Publishers.

Bedürfnisebene vs. Verhaltensebene: Rosenberg, M. B. (2003). Nonviolent communication: A language of life. PuddleDancer Press.

Aktives Zuhören: Rogers, C. R. (1951). Client-centered therapy. Houghton Mifflin.

Kognitive Empathie: Davis, M. H. (1983). Measuring individual differences in empathy: Evidence for a multidimensional approach. Journal of Personality and Social Psychology, 44(1), 113–126.

„Erzähl mir mehr”: Murphy, K. (2020). You’re not listening: What you’re missing and why it matters. Celadon Books.

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Über diesen Podcast

Beziehungen sind das Wertvollste in unserem Leben und gleichzeitig etwas, das wir nie wirklich gelernt haben. Perfectly Human ist der Podcast für alle, die verstehen wollen, was zwischen Menschen wirklich passiert: warum wir aneinander vorbeireden, was uns verbindet, und wie kleine Veränderungen echte Wirkung haben. Evidenzbasierte Psychologie. Persönlich und direkt. Jede Folge endet mit einem konkreten Schritt. Ich bin Ninia, Psychologin mit Forschungshintergrund in Kommunikation und zwischenmenschlichen Dynamiken. Ich bringe nicht nur das wissenschaftliche Fundament mit, sondern auch meine eigenen Fragen und Erfahrungen. niniasimon.substack.com
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